Halbaffen

Schwarzkopfmaki

Schwarzkopf- oder Brauner Maki (Eulemur fulvus) aus Mayotte im Tiergarten Nürnberg Schwarzkopf- oder Brauner Maki (Eulemur fulvus) aus Mayotte im Tiergarten Nürnberg
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Überordnung: EUARCHONTOGLIRES
Ordnung: Affen und Halbaffen (PRIMATES)
Unterordnung: Halbaffen (Prosimiae / Strepsirrhini)
Teilordnung: Maki-Verwandte (Lemuriformes)
Familie: Makis (Lemuridae)

D NT 650

Schwarzkopfmaki

Eulemur fulvus • The Common Brown Lemur • Le maki brun

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Mayotte-Maki (Eulemur fulvus), Weibchen im Tiergarten Nürnberg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Schwarzkopfmakis (Eulemur fulvus). Dunkelblau: autochthone Population, rot: auf Mayotte angesiedelte Population

 

 

 

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Mayotte-Maki (Eulemur fulvus) im Zoo d'Asson © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Schwarzkopfmaki (Eulemur fulvus), Männchen im Zoo Zajedz @ Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Schwarzkopfmaki (Eulemur fulvus) im ZooParc de Trégomeur © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Schwarzkopfmakis (Eulemur fulvus) im Tierpark Wolgast © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Briefmarke mit Mayotte-Maki-Motiv, Französisches Übersee-Département Mayotte, 3.00 FF, 1997

 

 

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Der Schwarzkopfmaki wurde früher sehr häufig in Zoos gehalten. Da die Art aber nur als "potenziell gefährdet" gilt, hat die EAZA beschlossen, die Haltung auslaufen zu lassen. Trotzdem ist sie aber noch in etlichen Zoos, namentlich in Frankreich und, im weiteren Einzugsgebiet der EAZA, in Israel zu sehen.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Schwarzkopfmaki ist ein kleiner bis mittelgroßer Lemur mit einer Kopf-Rumpflänge von 43-50 cm, einer Schwanzlänge von 41-51 cm und einem Gewicht von 1.5 kg. Die Geschlechter unterscheiden sich nur wenig. Allgemein sind die Weibchen etwas blasser gefärbt und ihr Backenbart ist weniger stark entwickelt. Gesicht und Oberkopf sind dunkelbraun bis schwarz, die Wangen weißlich, Körperoberseite und Schwanz braun bis graubraun, und die Unterseite ist heller bis gegen weiß [2; 6].

Verbreitung

Madagaskar: In drei voneinander getrennten Populationen im Nordwesten und Osten der Insel. Eingeführt auf den Komoren (Mayotte) [1].

Lebensraum und Lebensweise

Schwarzkopfmakis besiedeln Trocken- und Feuchtwälder. Die Tiere sind tag- und nachtaktiv. Sie leben in Gruppen von 3-12 (-40) Individuen beiderlei Geschlechts. Anscheinend wird die soziale Hierarchie nicht von den Weibchen dominiert. Die Gruppen haben Streifgebiete von 7-20 ha. Die Tiere ernähren sich hauptsächlich von Früchten, nehmen aber auch junge Blätter, Sämlinge, Blüten, Nektar, ergänzt durch Baumsaft, Rinde, Wirbellose, Vogeleier und Jungvögel [1; 2; 7].

Die Tragzeit beträgt 120-130 Tage. Die Geburten fallen im Ursprungsgebiet von September bis Oktober an. Es werden 1-2 Junge geboren. Diese werden anfänglich von der Mutter am Bauch getragen und klettern später auf ihren Rücken. Mit 6-7 Monaten sind sie entwöhnt und selbständig [2; 7].

Gefährdung und Schutz

Der Schwarzkopfmaki wurde seit 2008 als potenziell gefährdet beurteilt, da sich die Bestände in den letzten 24 Jahren (3 Generationen) um 20 - 25% reduziert hatten. Aufgrund einer jüngeren Beurteilung wurde von einem Rückgang um 30% ausgegangen, weshalb die Art 2020 neu als gefährdet eingestuft wurde (Rote Liste: VULNERABLE) Für diesen Rückgang verantwortlich sind vor allem die Lebensraumverluste (Zerstörung der Wälder) und die Jagd [1].

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang I eingeschränkt.

Bedeutung für den Menschen

Schwarzkopfmakis werden auf Madagaskar wegen ihres Fleischs gejagt [1]. Von 1977-2017 meldete Madagaskar nebst der Ausfuhr von Wissenschaftsmaterial 10 Wildfänge, die alle in den Jahren 1978-1984 exportiert wurden. Aus Mayotte kam nur ganz wenig Wissenschaftsmaterial. 1977-2017 wurden weltweit 264 Nachzuchttiere international ausgetauscht. Hauptexportland war Deutschland, gefolgt von den USA und Frankreich [3].

Haltung

Den Altersrekord hält nach WEIGL ein 1910 im Zoo von Buffalo geborenes Männchen, das ebendort im Alter von 35 Jahren und 5 Monaten starb [6].

Schwarzkopfmakis wurden schon im 19. Jahrhundert in Zoos gehalten. So erhielt der Londoner Zoo 1870 einen Wildfang aus Madagaskar (Zootierliste).

Haltung in europäischen Zoos: Makis aus Mayotte wurden früher relativ häufig gehalten, werden heute aber, da nur potenziell gefährdet, nicht mehr als prioritär angesehen. Seit dem Jahr 2000 ist die Haltung entsprechend den Empfehlungen der EAZA Prosimian TAG in verschiedenen Zoos ausgelaufen, die Art ist aber aktuell (2018) immer noch in rund 40 Zoos vertreten, Haltungsschwerpunkt ist Frankreich. Für Details siehe Zootierliste.

Es gibt kein Erhaltungszuchtprogramm und kein Zuchtbuch für den Schwarzkopfmaki.

Mindestanforderungen an Gehege: Für die Vorgabe des Säugetiergutachten 2014 des BMEL von 30 m²/ 90 m³ bzw. 30 m² bei 2.5 m Höhe für das Außengehege sowie 15 m²/ 45 m³ bzw. 15 m² bei 2.5 m Höhe  für das Innengehege (Kopfrechnen sollte man können!) für die Haltung eines Paars mit bis zu 2 Nachzuchten (was im Widerspruch zu Ziffer 1.6 der Allgemeinen Bestimmungen des Gutachtens steht) und 3 m²/ 9 m³ bzw. 2 m²/ 6 m³ für jedes weitere Tier liegt keine wissenschaftliche Begründung vor. Aufgrund tierhalterischer Erfahrung stellten die Tierschutzsachverständigen der Zoos fest, dass Dimensionen von 10 m²/ 25 m³ sowohl innen wie außen für eine Gruppe bis zu fünf Tieren und jeweils eine Erweiterung der Fläche für jedes weitere Adulttier um 1.5 m² ausreichend seien.

Das Gutachten gibt auch vor, dass allen Eigentlichen Lemuren ausreichend Nestmaterial zur Verfügung zu stellen sei. Leider können die meisten Makis mit diesem Nestmaterial nicht viel anfangen, denn mit Ausnahme der Varis bauen sie keine Nester!

Ferner stipuliert das Säugetiergutachten, dass Makis mindestens dreimal täglich zu füttern sind, wobei zusätzlich zu Obst und Gemüse u.a. auch Nüsse angeboten werden sollen. Dies sollte man besser nicht tun, denn sonst verfetten die Tiere [5]. Summa summarum bietet das Säugetiergutachten keine vernünftige Orientierungshilfe für die Haltung von Lemuren.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2018) schreibt für bis zu 5 adulte Schwarzkopfmakis ein Innen- und ein Außengehege mit einer Fläche von je 10 m² und einer Höhe von 3 m vor. Für jedes weitere erwachsene Tier ist die Fläche um 2 m² zu erweitern.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2018) muss die Haltung paarweise oder in kleinen Familiengruppen erfolgen. Dazu ist ein Innengehege mit einer Fläche von 15 m² und ein Außengehege von 40 m² bei einer Höhe von je 2.5 m erforderlich.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Schwarzkopfmaki wurde 1796 von Étienne GEOFFROY SAINT-HILAIRE, dem Begründer des ersten bürgerlichen Zoos, der Ménagerie im Jardin des Plantes von Paris, als "Lemur fulvus" erstmals beschrieben. 1989 wurde er in die neu aufgestellte Gattung Eulemur umgeteilt. 2008 wurde allen bis anhin als Unterarten angesehenen Formen auf Madagaskar Artstatus zuerkannt. Die auf Mayotte vorkommenden Makis wurden früher ebenfalls als Unterart angesehen, 1994 aber in fulvus integriert. Damit gibt es keine Unterarten mehr [1, 4; 7].

Literatur und Internetquellen

  1. IRWIN, M. & KING, T. (2020). Eulemur fulvus. The IUCN Red List of Threatened Species 2020: e.T8207A115562499. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2020-2.RLTS.T8207A115562499.en . Downloaded on 15 July 2020.
  2. BERGER, G. & TYLINEK, E. (1984)
  3. CITES TRADE DATA BASE
  4. MITTERMEIER R.A. et al. (2008)
  5. SCHWITZER, C. (2003)
  6. WEIGL, R. (2005)
  7. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)

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Weißkopfmaki (Eulemur albifrons)

Gelesen 1771 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 15 Juli 2020 10:16
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