Afrotheria

Tanrekartige - Allgemeines

Großer Tenrek (Tenrec ecaudatus) in der Wilhelma Stuttgart Großer Tenrek (Tenrec ecaudatus) in der Wilhelma Stuttgart
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Klasse: Säugetiere (MAMMALIA)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (EUTHERIA)
Überordnung: AFROTHERIA
Taxon ohne Rang: AFROINSECTIPHILIA
Ordnung:

Tanrekartige

Afrosoricida • The African Insect-eaters • Les insectivores africains

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„Tanrek (Centetes ecaudatus)“ aus BREHMs Thierleben (1882-1887) (= Tenrec ecaudatus)

 

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Otterspitzmaus (Potamogale velox) Frontispiz aus Paul Belloni Du Chaillus Buch « L'Afrique sau vage - nouvelles excursions au pays des ashangos (1868)

 

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Namib-Goldmull (Eremitalpa granti namibensis). Bild: G. Rathbun, IUCN Afrotheria Specialist Group

 

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Großer Tenrek (Tenrec ecaudatus) im Thüringer ZooPark Erfurt zeigt sein Gebiss © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Eigentlicher Streifentenrek (Hemicentetes semispinosus) im Zoo Prag © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Kleiner Igeltenrek (Echinops telfairi), die am häufigsten in Meneschenobhut gehaltene Tenrek-Art, im Zoo Hoyerswerda © Zookultur Hoyerswerda

 

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Großer Igeltenrek (Setifer setosus) im Zoologisch-Botanischen Garten Pilsen © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Großer Tenrek (Tenrec ecaudatus) im Thüringer ZooPark Erfurt © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Zu den Tenrek- oder Tanrekartigen gehören überwiegend Insekten fressende, hauptsächlich nachtaktive  Kleinsäugetiere, die Ähnlichkeit mit Igeln, Spitzmäusen oder Maulwürfen haben, aber mit diesen stammesgeschichtlich nicht verwandt sind, sondern eine konvergente Entwicklung repräsentieren. Drei Arten sind stark ans Wasserleben angepasst. In Zoos werden nur wenige Arten gehalten.

Artenspektrum und innere Systematik

Die rezenten Tenrekverwandten werden gegenwärtig als Vertreter von drei Familien angesehen: den Tanreks (Tenrecidae) mit 3 Unterfamilien, 8 Gattungen und 31 Arten, den Otterspitzmäusen (Potamogalidae) mit 2 Gattungen und 3 Arten, sowie den Goldmullen (Chrysochloridae) mit 2 Unterfamilien, 9 Gattungen und 21 Arten. Von den insgesamt 55 Arten gelten 3 als potenziell gefährdet, 7 als gefährdet, 7 als stark gefährdet und eine als unmittelbar vom Aussterben bedroht [4].

Körperbau und Körperfunktionen

Die einzelnen Familien der Tanrekartigen haben sich an unterschiedliche Lebensweisen angepasst, was sich in ihrem Aussehen niederschlägt. Allen gemeinsam ist, dass sie sich hauptsächlich von tierischem Eiweiß, vorab Wirbellosen, ernähren und in einen Torpor verfallen können, um Energie zu sparen [2; 3].

Bei den eigentlichen Tanreks gibt es einerseits igelähnliche Formen mit einer Kopf-Rumpflänge von 9.5 bis 39 cm, bei denen der Schwanz äußerlich nicht sichtbar oder auf einen kleinen, bestachelten Kegel reduziert ist. Das Rückenfell ist mit Borsten oder Stacheln durchsetzt oder besteht ganz aus Stacheln. Andere Arten ähneln Spitzmäusen. Diese haben eine Kopf-Rumpflänge von 4-13 cm, keine Stacheln  und einen gut ausgebildeten Schwanz, dessen Länge bei manchen Arten das Anderthalbfache der Kopf-Rumpflänge betragen kann. Die verschiedenen Arten besetzen die unterschiedlichsten Lebensräume, einschließlich Halbwüsten, Steppen, Savannen, Wälder, Gebirge und Feuchtgebiete [2]. Die Trächtigkeitsdauer ist mit 50-70 Tagen recht lang, die Anzahl der Jungen variiert von 1 bis 33 (!) pro Wurf [3].

Die Otterspitzmäuse erreichen eine Kopf-Rumpflänge von bis zu 35 und eine Schwanzlänge bis zu 29 cm. Als Anpassung an ihr aquatisches Leben weisen sie in ihrem Körperbau viele Merkmale auf, die jenen der Otter ähneln, so das dichte, wasserabstoßende Fell, der breite, abgeplattete Kopf oder die verschließbaren Nasenlöcher. Von den drei Arten hat allerdings nur eine Schwimmhäute. Sie sind überwiegend nachtaktiv, leben einzeln oder paarweise und ernähren sich hauptsächlich von Krebsen und Fischen [2].

Die Goldmulle ähneln einem Maulwurf, was ebenfalls nicht das Ergebnis einer Verwandtschaft sondern einer konvergenten Anpassung an eine unterirdische Lebensweise ist. Sie sind nicht unbedingt, wie ihr Name suggeriert, goldfarben. Vielmehr variiert die Farbe ihres Wasser abstoßenden, aus Grannen- und Wollhaaren bestehenden Fells je nach Art von schwarz bis hell gelbbraun. Besonderheiten sind eine Hornplatte auf der Nasenspitze, verkümmerte Ohrmuscheln und Augen, die vergrößerten Gehörknöchelchen in ihrem Mittelohr, mit dem sie Vibrationen im Boden und Geräusche über der Erdoberfläche besser wahrnehmen können, die mit großen  Grabkrallen versehenen Hände und, neben Elle und Speiche ein dritter Unterarmknochen, der möglicherweise aus einer verknöcherten Sehne entstanden ist [2; 3].

Verbreitung

Afrika südlich der Sahara und Madagaskar.

Haltung im Zoo

Otterspitzmäuse und Goldmulle werden in europäischen Zoos nicht gehalten, von den Tenreks gegenwärtig auch nur fünf Arten und von diesen nur eine, der Kleine Igeltenrek (Echinops telfairi) in größerer Zahl [5; 12].

Taxonomie und Nomenklatur

Vertreter der Tenrekartigen waren bereits Carl von LINNÉ bekannt [3],  und mehrere Arten wurden bereits vor 1800 beschrieben. Traditionell wurden die Familien der Tenreks (Tenrecidae) und der Goldmulle (Chrysochloridae) den Insektenfressern zugerechnet [6]. Dabei wurde eine enge Verwandtschaft mit den Schlitzrüsslern (Solenodontidae) aus Kuba und Haiti gesehen [2] und manche Autoren fassten diese Kombination als Ordnung Zalambdodonta innerhalb einer Überordnung Insectivora auf [12]. Erst 1997 wurden die Tenrekartigen von den Insektenfressern abgetrennt [7] und 1998 als eigenständige Ordnung Afrosoricida benannt [8]. Der Name der neuen Ordnung war insofern unglücklich gewählt, als es eine Gattung Afrosorex gibt, die zu den eigentlichen Spitzmäusen gehört. Er wurde aber beibehalten, weil er sich eingebürgert hat [10]. 2016 wurde die Otterspitzmäuse, bislang eine Unterfamilie der Tenrecidae in den Rang einer Familie (Potamogalidae) erhoben [1]. Die Tenrekverwandten werden zusammen mit den Rüsselspringern und Röhrenzähnern als Afroinsectiphilia, ein "Taxon ohne Rang" und Schwestertaxon der Paenungulata innerhalb der Afrotheria, angesehen [9].

Literatur und Internetquellen

[1] EVERSON, K. M., SOARIMALALA, V., GOODMAN S. M. & OLSON, L. E. (2016)
[2] HERTER, K. & THENIUS, E. (1970). In GRZIMEKs TIERLEBEN.
[3] IUCN Afrotheria Specialist Group
[4] IUCN Red List of Threatened Species. Version 2016-2. Downloaded on 20 January 2017.
[5] PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
[6] SIMPSON, G. G. (1945)
[7] SPRINGER, M. S., CLEVEN, G. C. et al. (1997)
[8] STANHOPE, M. J., WADDELL, V. G. et al. (1998)
[9] WADDELL, P. J., KISHINO, H. & OTA, R. (2001)
[10] WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)
[11] ZISWILER, V. (1976)
[12] Zootierliste

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Gelesen 2937 mal Letzte Änderung am Dienstag, 04 Dezember 2018 08:27
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx