Wale und Robben

Robben - Allgemeines

Atlantischer Seehund (Phoca vitulina vitulina) im Tierpark Dählhölzli Bern Atlantischer Seehund (Phoca vitulina vitulina) im Tierpark Dählhölzli Bern
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Klasse: Säugetiere (MAMMALIA)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (EUTHERIA)
Überordnung: LAURASIATHERIA
Ordnung: CARNIVORA
Taxon ohne Rang:

Robben

Pinnipedia • The Seals • Les pinnipèdes

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„Geripp des Walrosses“ aus BREHMs Thierleben (1882-1887) (= Odobenus rosmarus)

 

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Kalifornischer Seelöwe (Zalophus californianus) im Loro Parque, Puerto de la Cruz, Teneriffa. Man beachte die langen Vorderflossen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Pazifisches Walross (Odobenus rosmarus divergens) „Antje“ im Alter von 15 Jahren in Hagenbecks Tierpark, Hamburg © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Vorderfuß einer Kegelrobbe(Halichoerus grypus) im Dolfinarium Harderwijk © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Baikalrobbe (Pusa sibirica) im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Australischer Seelöwe (Neophoca cinerea), Mutter und Kind beim Säugen im Seal Bay Conservation Park, Kangaroo island, Südaustralien © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

113 002 001 001 cystophora cristata SteveCoteULaval  www arcodov org
Klappmütze (Cystophora cristata) mit Welpen im Jugendkleid. Bild: Steeve Cote/ULaval; Arctic Ocean Diversity, www.arcodiv.org

 

113 002 005 001 halichoerus grypus HANN zoo1
Begegnung mit Kegelrobbe (Halichoerus grypus) im ErlebnisZoo Hannover. Pressefoto Erlebniszoo Hannover

 

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Neuseeländischer Seebär (Arctocephalus forsteri) Flinders National Park, Kangaroo Island, Südaustralien © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Kämpfende Südliche See-Elefantenbullen (Mirounga leonina), Gold Harbor, Südgeorgien © Thomas Kauffels, Opel-Zoo Kronberg

 

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Die Robben sind stark ans Wasserleben angepasste, mittelgroße bis sehr große Säugetiere mit zu flossenähnlichen Gebilden umgestalteten Füßen und stromlinienförmigem Körper, bei denen aber wesentliche Teile ihrer Aktivitäten, insbesondere aus den Funktionskreisen des Ruhens und der Fortpflanzung, an Land stattfinden. Anders als bei Walen und Seekühen ist daher ihre Lebensweise als amphibisch zu bezeichnen.

Artenspektrum und innere Systematik

Zu den Robben gehören 3 Familien: Die Ohrenrobben (Otariidae)  mit 7 Gattungen und 15 noch lebenden Arten, die Hundsrobben (Phocidae) mit 13 oder 14 Gattungen und 18 Arten und die Walrosse (Odobenidae) mit nur einer Art. Von den insgesamt 34 Arten ist eine potenziell gefährdet, 3 sind gefährdet und 7 stark gefährdet. Zwei weitere Arten sind im 20. Jahrhundert ausgestorben [3; 10].

Körperbau und Körperfunktionen

Zwischen den verschiedenen Robbenarten und zum Teil auch den beiden Geschlechtern gibt es massive Größenunterschiede. Die Gesamtlänge variiert von 104-650 cm, das Gewicht von 32-3600 kg. Das Skelett der Extremitäten ähnelt jenem der Landraubtiere, aber die oberen Teile sind stark verkürzt und in den Rumpf eingeschlossen, sodass fast nur die flossenartigen Hände und Füße sichtbar sind. Der Schwanz ist bei allen Arten sehr kurz. Das Fell ist im Allgemeinen kurz und es ist eine dicke subkutane Fettschicht vorhanden, welche die Tiere vor Wärmeverlust schützt. Die Augen sind groß, die Nasenlöcher bilden einen schmalen, verschließbaren Spalt. Alle Robben ernähren sich von Fischen, Mollusken und Krebstieren seltener nehmen sie auch Seevögel und Säugetiere. Ihr Gebiss ist raubtierartig, die Backenzähne haben spitze Kronen zum Festhalten der Beute. Der Magen ist einfach, Leber und Niere sind viellappig. Die  Hoden der Bullen liegen unter der Haut und es ist ein Penisknochen vorhanden. Die Gebärmutter der Weibchen ist zweigeteilt (Uterus bipartitus), Scheide und Enddarm münden in eine gemeinsame Hauttasche. Paarung und Geburt finden an Land statt. Es wird in der Regel ein einzelnes Kalb vom Nestflüchtertyp geboren  [2; 7; 11].

Die Gesamtlänge der Ohrenrobben liegt zwischen 150-350 cm, das Gewicht zwischen 34-1100 kg. Von den drei Familien sind sie an Land am mobilsten. Sie können ihre Hinterbeine, die nackte Fußsohlen haben, nach vorne drehen und so humpelnd laufen. Im Wasser erfolgt der Hauptantrieb durch die Vorderextremitäten. Vorder- und Hinterbeine haben je fünf Zehen. Vorne sind die Krallen verkümmert, hinten sind die erste und fünfte Zehe stark verlängert und krallenlos, die übrigen tragen Krallen. Das Fell der Seebären (Arctocephalus, Callorhinus) besteht aus Grannenhaaren und dichter Unterwolle, die Seelöwen, d.h. die übrigen Gattungen, haben ein glatt anliegendes Haarkleid ohne Unterwolle. Der Geschlechtsdimorphismus ist bei allen Arten sehr ausgeprägt: Bullen sind sehr viel größer und schwerer als weibliche Tiere. Wie ihr Name sagt,  haben die Ohrenrobben im Gegensatz zu den Vertretern der beiden anderen Familien kleine Ohrmuscheln. Die Nasenlöcher befinden sich auf der Nasenspitze. An Land bilden die Ohrenrobben große Kolonien [5; 11].

Zu den Seehunden gehören mit der Ringelrobbe (Pusa hispida) die kleinsten [2] und mit dem Südlichen See-Elefanten (Mirounga leonina) die größten aller Robben. Ihre Extremitäten sind noch mehr an das Wasserleben angepasst als bei den anderen Familien. Die Hinterbeine, deren Fußsohlen behaart sind, bilden mit dem Schwanz ein nach hinten gerichtetes Ruder, das im Wasser den Hauptantrieb übernimmt. Fortbewegung an Land durch Auf-dem-Bauch-robben. Augen sehr groß und vorstehend, Ohrmuscheln fehlen, die Nasenlöcher liegen subterminal. Es sind 30-34 Zähne vorhanden. Das Fell ist kurz und bei den meisten Arten glatt, das Jugendkleid kann länger und anders gefärbt sein („White coat“). Bei den meisten Arten gibt es keinen wesentlichen Geschlechtsdimorphismus. Die meisten Arten bilden an Land nur kleinere Trupps [5; 11].

Die Walrosse sind massige Tiere, bei denen die Bullen  300-375 cm lang und bis 1500 kg schwer werden, die Kühe etwa 250-340 cm lang und bis 800 kg schwer. Die Haut ist nackt, dick, faltig oder runzelig mit wenigen Tasthaaren. Die Extremitäten ähneln jenen der Ohrenrobben. Ohrmuscheln fehlen. Kräftiger Oberlippenbart aus steifen Borsten. Erwachsene haben  nur 18 funktionale Zähne, wobei der obere Eckzahn als bis zu 75 cm lange Hauer ausgebildet ist und in jedem Kiefer nur  3 Vorbackenzähne und keine Backenzähne vorhanden sind. Die Nahrung besteht aus vom Boden aufgewühlten Meerestieren, namentlich Muscheln, Krebsen und Grundfischen. An Land bilden die Walrosse große Kolonien [2; 5; 7; 11].

Verbreitung

Robben kommen in allen Welt-, Rand- und Nebenmeeren vor, Vertreter der Ringelrobben (Pusa sp.) auch im Ladoga- und im Baikalsee im Süßwasser.

Haltung im Zoo

Robben gehören zu den attraktivsten und mit zu den biologisch interessantesten Säugetieren. Zumindest eine Art gehört daher zum Tierbestand der meisten größeren Zoos. In Europa gehalten wird allerdings nur etwa die Hälfte aller Robbenarten, und von diesen wiederum nur etwa die Hälfte regelmäßig und in größerer Zahl. Am häufigsten gezeigt werden – in je etwa 90-100 Haltungen - Seehund (Phoca vitulina) und Kalifornischer Seelöwe (Zalophus californianus), gefolgt von Kegelrobbe (Halichoerus grypus) und Patagonischem Seelöwen (Otaria flavescens) mit je rund 45 Haltungen [8; 12].

Taxonomie und Nomenklatur

Carl von LINNÉ betrachtete 1758 die Robben als zu den Raubtieren gehörend. Seine Epigonen teilten diese Ansicht nicht und werteten sie als eigene Ordnung. Erst in den 1860er Jahren wurden sie als Unterordnung Pinnipedia wieder zu den Raubtieren gestellt [9]. Diese Ansicht wurde mit Ausnahmen [6; 11] in später erschienenen Standardwerken [4; 5; 7; 8]  geteilt. Um die Jahrtausendwende  wurde „Pinnipedia“ als Unterordnung aufgegeben und die drei Robbenfamilien in die Unterordnung der hundeartigen Raubtiere Caniformia integriert [1], was allerdings das HANDBOOK OF THE MAMMALS OF THE WORLD nicht daran hindert, sie getrennt von den Landraubtieren im Kontext anderer Meeressäugetiere zu präsentieren [10], so wie wir es hier unter Berücksichtigung tiergartenbiologischer Gegebenheiten auch tun.

Literatur und Internetquellen

[1]  BININDA-EMONDS, O. R. P., GITTLEMAN, J. L. & PURVIS, A. (1999)
[2]
GRIMMBERGER, E. & RUDLOFF, K. (2009)

[3] IUCN Red List of Threatened Species. Version 2016-2. Downloaded on 30 January 2017.
[4] HONACKI, J.H., KINMAN, K.E. & KOEPPL, J.W. (1982)
[5]
KING, J. E. (1983))
[6]
MACDONALD, D. W. (1984)
[7]
PEDERSEN, A. & WENDT, H. (1970). In GRZIMEKs TIERLEBEN
[8] PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)

[9] SIMPSON, G. G. (1945)

[10]
WILSON, D. E. et al. eds. (2009)
[11] ZISWILER, V. (1976)
[12] Zootierliste

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Mit Ausnahme von Australien (wo Feldhasen und Wildkaninchen eingeführt wurden) und der Antarktis kommen die eigentlichen Hasen natürlicherweise auf allen Kontinenten vor. Von den Pfeifhasen gibt es zwei Arten in Nordamerika (Ochotona collaris und O. princeps), alle übrigen sind auf Eurasien beschränkt, wobei drei davon (O. hyperborea, O. pusilla und O. rufescens) marginal in Europa vorkommen.
Gelesen 449 mal Letzte Änderung am Montag, 03 Dezember 2018 07:48
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx