Halbaffen

Blauaugen-Maki

Blauaugenmaki-Weibchen mit Jungtier im Kölner Zoo Blauaugenmaki-Weibchen mit Jungtier im Kölner Zoo
© Rolf Schlosser, Kölner Zoo

Überordnung: EUARCHONTOGLIRES
Ordnung: Affen und Halbaffen (PRIMATES)
Unterordnung: Halbaffen (Prosimiae / Strepsirrhini)
Teilordnung: Maki-Verwandte (Lemuriformes)
Familie: Makis (Lemuridae)

D CR 650

EEPBlauaugenmaki, Sclater-Maki

Eulemur flavifrons • The Sclater’s Lemur • Le maki aux yeux turquoises

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Blauaugen-Maki (Eulemur flavifrons), Männchen im Kölner Zoo © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Approximative Verbreitung des Blauaugen-Makis (Eulemur flavifrons)

 

 

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Blauaugen-Maki (Eulemur flavifrons), Paar im Linton Zoo © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Blauaugen-Maki (Eulemur flavifrons), Weibchen im Linton Zoo © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Blauaugen-Maki (Eulemur flavifrons), Weibchen im Kölner Zoo © Wolfgang Dreier, Berlin

 

 

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Blauaugen-Maki (Eulemur flavifrons), Weibchen im Kölner Zoo © Wolfgang Dreier, Berlin

 

 

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Blauaugen-Maki (Eulemur flavifrons), Männchen im Zoo von Mährisch-Ostrau / Ostrava © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Blauaugen-Maki (Eulemur flavifrons), Weibchen im Zoo von Mährisch-Ostrau / Ostrava © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Blauaugenmaki-Weibchen (Eulemur coronatus) © C. Schwitzer

 

 

 

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Diese verschollene und erst 1983 wiederentdeckte Lemurenart gilt auf Madagaskar als vom Aussterben bedroht und wird auch in Zoos trotz internationalem Zuchtbuch und regionalen Zuchtprogrammen nur selten gehalten.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Blauaugenmaki ist ein mittelgroßer Lemur mit einer Kopf-Rumpflänge von 39-45 cm, einer Schwanzlänge von 51-65 cm und einem Normalgewicht von 1.8-1.9 kg. Es besteht ein auffälliger Geschlechtsdichromatismus: Die Männchen sind schwarz, die Weibchen rotbraun bis rotgrau mit schwarzem Gesicht und heller Unterseite. Vom Mohrenmaki unterscheiden sich die Tiere durch ihre türkisblauen Augen und die Weibchen zusätzlich durch das Fehlen der weißen Ohrbüschel [10].

Verbreitung

Madagaskar: Beschränkt auf die Sahamalaza-Halbinsel und ein kleines angrenzendes Gebiet in Nordwest-Madagaskar [1].

Lebensraum und Lebensweise

Blauaugenmakis besiedeln halbfeuchte Primär- und Sekundärwälder. Sie leben in Gruppen von 4-11 Individuen, wobei die Männchen die Gruppe oft wechseln oder  weggehen und wieder zurück kommen. Sie sind überwiegend dämmerungsaktiv, haben aber auch Aktivitätsphasen mitten im Tag oder nachts. Im Rahmen einer 12 Monate dauernden Untersuchung im Sahamalaza-Nationalpark wurde festgestellt, dass auf dem Speiseplan der Blauaugenmakis 72 verschiedene Pflanzenarten aus 35 Familien stehen. Von 52.3% Arten wurden die Früchte, von 47.7% die Blätter gefressen. Ferner nahmen die Tiere Blüten, Insekten (insbesondere Zikaden) und Pilze auf. Die Gruppen haben Streifgebiete von 4-20 ha [1; 8; 10].

Die Tragzeit beträgt 120-125 Tage. Auf Madagaskar fallen die Geburten von August bis Oktober an. Meist wird ein Junges geboren, selten Zwillinge. Mit 6-7 Monaten sind die Jungen entwöhnt [10].

Gefährdung und Schutz

Wegen Lebensraumverlust und starker Bejagung haben seit den 1970er-Jahren die Bestände des Blauaugenmakis um über 80 % abgenommen. Die Art gilt daher seit 1996, letztmals überprüft 2018, als vom Aussterben bedroht (Rote Liste: CRITICALLY ENDANGERED) [1].

Der Internationale Handel ist nach CITES-Anhang I eingeschränkt.

Bedeutung für den Menschen

Blauaugenmakis werden auf Madagaskar wegen ihres Fleischs gejagt und für den lokalen Heimtierhandel gefangen [1]. Die CITES-Handelsstatistik differenziert nicht zwischen Blauaugen- und Mohrenmakis. Von 1977-2017 meldete Madagaskar nebst der Ausfuhr von Wissenschaftsmaterial 32 Wildfänge, die alle in den Jahren 1979-1990 exportiert wurden. Von 1981 an wurden Nachzuchttiere international ausgetauscht, bis 2017 insgesamt 151 Stück. Hauptexportländer waren die USA und Kanada gefolgt von Deutschland und Frankreich [3].

Haltung

Als längste Haltungsdauern werden 18 Jahre und 8 Monate angegeben, als mutmaßliches Alter der im Freiland geborenen Tiere 21 Jahre [9].

Es gibt ein Internationales Zuchtbuch, das am Indianapolis Zoo geführt wird. Dieses umfasst 70 lebende Individuen in 20 Einrichtungen [IZY 52, Daten bis April 2015].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 10 Zoos gehalten. Für Details siehe Zootierliste.

1988 wurde der Kölner Zoo Mitglied eines Konsortiums,  das den Schutz der Makis in ihrem kleinen, nur rund 2'700 km² umfassenden Verbreitungsgebiet auf der Sahamalaza-Halbinsel, wo der Bestand im Nationalpark auf 2’780-6'950 Individuen geschätzt wurde [8], sowie ex-situ sicherstellen wollte. 1993 erhielt Köln im Rahmen dieses Projekts Nachzuchttiere aus dem Zoo Mülhausen und von der Universität Straßburg. 1994 gelang hier die deutsche Erstzucht.

Das Europäische Erhaltungszuchtprogramm besteht seit 1992. Es wird vom Zoo Mülhausen im Elsass als "New Style"-EEP koordiniert. Es umfasste am 1.1.2014 26 Tiere in 8 Zoos.

Mindestanforderungen an Gehege: Für die Vorgabe des Säugetiergutachten 2014 des BMEL von 30 m²/ 90 m³ bzw. 30 m² bei 2.5 m Höhe für das Außengehege sowie 15 m²/ 45 m³ bzw. 15 m² bei 2.5 m Höhe  für das Innengehege (Kopfrechnen sollte man können!) für die Haltung eines Paars mit bis zu 2 Nachzuchten (was im Widerspruch zu Ziffer 1.6 der Allgemeinen Bestimmungen des Gutachtens steht) und 3 m²/ 9 m³ bzw. 2 m²/ 6 m³ für jedes weitere Tier liegt keine wissenschaftliche Begründung vor. Aufgrund tierhalterischer Erfahrung stellten die Tierschutzsachverständigen der Zoos fest, dass Dimensionen von 10 m²/ 25 m³ sowohl innen wie außen für eine Gruppe bis zu fünf Tieren und jeweils eine Erweiterung der Fläche für jedes weitere Adulttier um 1.5 m² ausreichend seien.

Ferner stipuliert das Säugetiergutachten, dass Makis mindestens dreimal täglich zu füttern sind, wobei zusätzlich zu Obst und Gemüse u.a. auch Nüsse angeboten werden sollen. Dies sollte man besser nicht tun, denn sonst verfetten die Tiere. Eine Fütterungsempfehlung geben GOODCHILD & SCHWITZER [3; 7]. Daran sollte man sich halten und nicht an das Säugetiergutachten.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2018) schreibt für bis zu 5 adulte Blauaugenmakis ein Innen- und ein Außengehege mit einer Fläche von je 10 m² und einer Höhe von 3 m vor. Für jedes weitere erwachsene Tier ist die Fläche um 2 m² zu erweitern.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2018) muss die Haltung paarweise oder in kleinen Familiengruppen erfolgen. Dazu ist ein Innengehege mit einer Fläche von 15 m² und ein Außengehege von 40 m² bei einer Höhe von je 2.5 m erforderlich.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Blauaugenmaki wurde 1867 erstmals von John Edward GRAY vom British Museum in London unter dem Namen "Prosimia flavifrons" beschrieben. Nachdem er während Jahrzehnten verschollen war, wurde er 1983 wiederentdeckt. 2008 wurde dem bis anhin als Unterart des Mohrenmakis angesehenen Blauaugenmaki der Status einer eigenen Art zuerkannt. Er ist damit eine der 7 Arten, die seit 1994 durch Art-Splitting  neu entstanden sind. Im Grenzgebiet der Verbreitung von E. flavifrons und E. macaco gibt es allerdings eine Vermischung der beiden "Arten", was bedeutet, dass sie im biologischen Sinn keine unterschiedlichen Arten, sondern nur Unterarten sind. Aber das kümmert die Molekulargenetiker wenig [4].

Literatur und Internetquellen

  1. VOLAMPENO, S. et al. (2020). Eulemur flavifrons. The IUCN Red List of Threatened Species 2020: e.T8211A115563094. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2020-2.RLTS.T8211A115563094.en . Downloaded on 10 February 2021.
  2. CITES TRADE DATA BASE
  3. GOODCHILD & SCHWITZER, C. (2008)
  4. MITTERMEIER R.A. et al. (2008)
  5. POLOWINSKY, S. Y. (2008)
  6. RUEMPLER, U. (1993)
  7. SCHWITZER, C. (2003)
  8. SCHWITZER, C., SCHWITZER, N, RANDRIATHAHINA G. H. & KAUMANS, W. (2005)
  9. WEIGL, R. (2005)
  10. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)

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Gelesen 1816 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 10 Februar 2021 17:38
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