Kloaken- und Beuteltiere

Sumpfwallaby

Sumpfwallaby-Weibchen (Wallabia bicolor) im Gorge Wildlife Park, Cudlee Creek SA Sumpfwallaby-Weibchen (Wallabia bicolor) im Gorge Wildlife Park, Cudlee Creek SA
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Unterklasse: Beuteltiere (MARSUPIALIA)
Ordnung: Känguruverwandtschaft (DIPROTODONTIA)
Unterordnung: Känguruartige (Macropodiformes)
Familie: Kängurus (Macropodidae)
Unterfamilie: Eigentliche Kängurus (Macropodinae)

D LC 650

EEPSumpfwallaby

Wallabia bicolor • The Swamp Wallaby • Le wallaby bicolore

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Sumpfwallaby (Wallabia bicolor) im Cleland Wildlife Park SA © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Approximative Verbreitung des Sumpfwallabys (Wallabia bicolor)

 

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Sumpfwallaby (Wallabia bicolor) im Dundee's Wildlife Park, Murray Bridge SA © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Sumpfwallaby-Weibchen (Wallabia bicolor) im Gorge Wildlife Park, Cudlee Creek SA© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Sumpfwallaby (Wallabia bicolor) in Kontaktgehege im Dundee's Wildlife Park, Murray Bridge SA © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Sumpfwallabies (Wallabia bicolor)im Dundee's Wildlife Park, Murray Bridge SA © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Sumpfwallaby-Beuteljunges (Wallabia bicolor) im Zoo Hannover - Pressefoto Zoo Hannover

 

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Sumpfwallaby (Wallabia bicolor) im Zoo Hannover - Pressefoto Zoo Hannover

 

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Als typischer Vertreter der Kängurufamilie, der aber hinsichtlich seiner Fortpflanzung eine Sonderstellung einnimmt, ist das Sumpfwallaby von zoopädagogischem Interesse. Als mittelgroße Art ist es auch für begehbare Gehege geeignet. Es wird aber nicht sehr oft gehalten.

Körperbau und Körperfunktionen

Bei den Sumpfwallabies haben die Böcke eine Kopf-Rumpflänge von 72-85 cm und eine Schwanzlänge von 69-86 cm, die Weibchen von 66-75 bzw. 64-73 cm. Weibchen erreichen ein Körpergewicht von bis zu 15 kg, die Böcke von bis zu 20.5 kg. Bei letzteren hat der lange Schwanz eine weiße Spitze. Das Fell ist dunkel, rau und dicht. Die Färbung kann regional etwas variieren [2; 8].

Verbreitung

Australien: In einem bis etwa 700 km breiten Streifen entlang der Ostküste in den Bundesstaaten New South Wales, Queensland, South Australia und Victoria [4].

Lebensraum und Lebensweise

Sumpfwallabies besiedeln vorzugsweise Regen- oder Hartlaubwälder und Baumsavannen mit dichtem Unterwuchs, kommen aber auch in vielen anderen Lebensräumen, wie Buschland, Heiden, Mangroven, Plantagen etc. vor. Die Tiere sind überwiegend nachaktiv und fressen Pflanzenteile aller Art von Pflanzen aus mindestens 77 Gattungen [2; 8].

Nach einer Tragzeit von im Mittel 35.5 (+/- 4) Tagen wird in der Regel ein einziges Junges geboren. Dieses verlässt den Beutel nach ungefähr 256 Tagen und wird mit etwa 450 Tagen entwöhnt. Männliche Tiere sind mit 15-18 Monaten geschlechtsreif, weibliche mit etwa 11.5 Monaten. In Australien kommen Jungtiere während des ganzen Jahres zur Welt [3; 5; 6]. Die Weibchen werden jeweils acht Tage vor einer Geburt wieder gedeckt, was möglich ist, weil die Trächtigkeit länger dauert als der Sexualzyklus [1; 2].

Gefährdung und Schutz

Das Sumpfwallaby hat eine weite Verbreitung, einen großen Bestand und kommt in zahlreichen Schutzgebieten vor. Es gilt daher aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2015 nicht als gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN) [4].

Der internationale Handel ist nicht unter CITES geregelt. Für lebende Tiere gelten Ausfuhrbeschränkungen Australiens.

Bedeutung für den Menschen

Gebietsweise wird das Sumpfwallaby in der Land- und Forstwirtschaft als Schädling angesehen und es werden Abschussaktionen durchgeführt, um die Bestände zu reduzieren [8].

Haltung

In einigen australischen Zoos werden Sumpfwallabies in begehbaren Anlagen gehalten, wo sie sich den Besuchern gegenüber teils vertraut zeigen, teils scheu verhalten [3]. Eine Gemeinschaftshaltung mit größeren oder kleineren Känguruarten ist möglich.

Das älteste bekannte Sumpfwallaby wurde im Santa Ana Zoo in Kalifornien geboren und starb ebendort im Alter von 16 Jahren und 10 Monaten [7].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art war bereits im 19. Jahrhundert in mehreren Zoos zu sehen, so in London, Hamburg, Frankfurt un Amsterdam. Heute wird in rund 25 Zoos gehalten, von denen sich etwa ein Fünftel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste. seit 2020 gibt es ein Europäisches Zuchtbuch (ESB), das seit 2021 am AquaZoo Leeuwarden geführt wird.

Mindestanforderungen an Gehege: Das Säugetiergutachten 2014 des BMEL gibt für das Außengehege eine Mindestfläche von 200 m² für bis 5 Tiere und 20 m² für jedes weitere Tier an. Das Innengehege soll 15 m² groß sein und für jedes weitere Tier ist die Fläche um 3 m² zu erhöhen.

Die Tierschutzverordnung der Schweiz schreibt für bis 5 Tiere ein Außengehege von 250 m² und für jedes weitere Tier zusätzlich 15 m² vor. Das Innengehege muss 15 m² groß sein und für jedes weitere Tier ist die Fläche um 3 m² zu erhöhen.

Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs verlangt für bis 5 Tiere ein Außengehege von 300 und ein Innengehege von 20 m². Für jedes weitere Tier ist die Fläche außen wie innen um 10% zu erhöhen.

Nach JACKSON soll für 5 Tiere eine Gehegefläche von 70 m² nicht unterschritten werden [1].

 Taxonomie und Nomenklatur

1804 wurde das Sumpfwallabyu vom französischen Zoologen Anselme Gaëtan DESMAREST als "Kangurus bicolor" beschrieben. Bisweilen wird es als Mitglied der Gattung Macropus angesehen, u.a. weil es zu Hybriden mit dem Flinkwallaby (Macropus agilis) kommen kann. Wegen seines abweichenden Gebisses, der unterschiedlichen Chromosomenzahl bei Männchen und Weibchen und der Tatsache, dass seine Trächtigkeit länger dauert als sein Sexualzyklus, wird es aber meist in eine eigene Gattung, Wallabia, gestellt. [1; 8].

Literatur und Internetquellen

  1. ANIMAL DIVERSITY WEB
  2. CURTIS, L. K. (2006)
  3. JACKSON, S. M. (2003)
  4. MENKHORST, P. et al. (2016). Wallabia bicolor. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T40575A21952658. http://www.iucnredlist.org/details/40575/0. Downloaded on 15 June 2018.
  5. PAPLINSKA, J.Z., MOYLE, R.C.L., TEMPLE-SMITH, P.D.M. & RENFREE, M.B. (2006)
  6. PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
  7. WEIGL, R. (2005)
  8. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)

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