Krallenaffen

Schwarzes Löwenäffchen

Schwarzes Löwenäffchen (Leontopithecus chrysopygus) im Zoo Magdeburg Schwarzes Löwenäffchen (Leontopithecus chrysopygus) im Zoo Magdeburg
© Zoo Magdeburg

Überordnung: EUARCHONTOGLIRES
Ordnung: Affen und Halbaffen (PRIMATES)
Unterordnung: Affen (Simiae / Haplorrhini)
Teilordnung: Eigentliche Affen (Simiiformes)
Überfamilie: Neuwelt- oder Breitnasenaffen (Platyrrhini)
Familie: Krallenaffen (Callitrichidae)

D EN 650

EEPSchwarzes oder Goldsteiß-Löwenäffchen

Leontopithecus chrysopygus • The Golden-rumped Lion Tamarin • Le tamarin lion à croupe dorée

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Schwarzes Löwenäffchen (Leontopithecus chrysopygus) im Zoo Magdeburg © Zoo Magdeburg

 

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Schwarzen Löwenäffchens (Leontopithecus chrysopygus)

 

 

 

 

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Das Artareal des Schwarzen Löwenäffchens (Leontopithecus chrysopygus)

 

 

 

 

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Schwarzes Löwenäffchen (Leontopithecus chrysopygus) im Zoo Magdeburg © Wolfgang Dreier, Berlin

 

 

 

 

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Schwarzes Löwenäffchen (Leontopithecus chrysopygus) im Zoo Magdeburg © Wolfgang Dreier, Berlin

 

 

 

 

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Schwarzes Löwenäffchen (Leontopithecus chrysopygus) im Zoo Magdeburg © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

 

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Schwarzes Löwenäffchen (Leontopithecus chrysopygus) im Bristol Zoo © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

 

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Schwarzes Löwenäffchen (Leontopithecus chrysopygus) im Bristol Zoo © Alan Hill auf Flickr / Wikimedia Commons. Veröffentlicht unter Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic license.

 

 

 

 

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Für das in seinem Ursprungsgebiet stark gefährdete Schwarze Löwenäffchen führen die Zoos ein internationales Zuchtbuch und betreiben ein Europäisches Erhaltungszuchtprogramm, das wegen einer zu schmalen genetischen Basis allerdings in den letzten Zügen liegt. Der stark ingezüchtete Restbestand könnte nur erhalten werden, wenn aus den brasilianischen Zuchtstationen neues Blut zugeführt würde.

Körperbau und Körperfunktionen

Schwarze Löwenäffchen haben eine Kopf-Rumpflänge von 29 (25-30) cm und eine Schwanzlänge von 38 (36-41) cm. Erwachsene wiegen 540-690 g, wobei Männchen in Mittel etwas schwerer sein sollen als Weibchen. Sie haben längere Hände und Finger als andere Krallenaffen, die es ihnen erlauben, tierische Beute leichter aus Ritzen und Bromelientrichtern herauszuklauben. Die Haut des praktisch nackten Gesichts ist unterschiedlich stark graubraun pigmentiert. Das Gesicht ist von einer schwarzen aufrichtbaren Mähne umgeben. Auch das übrige Fell ist schwarz, ausgenommen die Stirn, der Steiß, die Oberschenkel und die Schwanzwurzel, die gold- bis rötlichbraun sind [5; 7].

Verbreitung

Tropisches Südamerika: Brasilien (Bundesstaat São Paulo) [3].

Lebensraum und Lebensweise

Das Schwarze Löwenäffchen ist die Löwenäffchen-Art, die am weitesten im Landesinneren vorkommt. Sie bewohnt Flussuferwälder, die in ihrer Ausprägung dem atlantischen Küstenwald entsprechen. Sie ist auf primären tropischen Regenwald angewiesen, kommt aber auch im teilweise laubabwerfenden Wald vor. Die Tiere halten sich dort etwa 3-15 m über dem Boden in von dichten Epiphyten und Unterwuchs gekennzeichneten Schichten auf [3; 5].

Die Tiere sind tagaktiv und ziehen kurz nach Sonnenaufgang zur Futtersuche los. Zum Schlafen benutzen sie Baumhöhlen. Sie ernähren sich von Früchten (hauptsächlich von Jerivá-Palmen (Syagrus romanzoffiana) und Myrtaceen), Blüten, Nektar, Baumexsudaten und Kleintieren, zur Hauptsache Wirbellosen. Sie leben typischerweise in Gruppen von 4-8 Tieren, darunter ein erwachsenes Weinchen und 1-2 geschlechtsreife Männchen. Die Streifgebiete sind mit 113-277 ha vergleichsweise groß [3: 5;7].

Über die Fortpflanzung im Freiland ist wenig bekannt. wie bei anderen Löwenäffchen dürfte die Trächtigkeit etwa 125 Tage dauern. Die Jungen, in der Regel Zwillinge, kommen meist im Oktober-November zur Welt [7;].

Gefährdung und Schutz

Da der Lebensraum der Schwarzen Löwenäffchen größtenteils durch Abholzung zerstört wurde und weiter zerstört wird, sind die wenigen übriggebliebenen Bestände stark isoliert. Diese kleinen Populationen sind außerdem genetisch verarmt und leiden unter Inzucht. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sie aussterben würden, wenn nicht ein aktives Metapopulations-Management betrieben würde. Dank intensiven Schutzmaßnahmen seit 1986, letztmals überprüft 2008, gilt die Art zumindest nicht mehr als unmittelbar vom Aussterben bedroht, sondern "nur noch" als stark gefährdet, zumal auch die ex situ-Population in Brasilien zunimmt (Rote Liste: ENDANGERED) [3; 4].

1979 konnten drei Tiere der zuvor ausgestorben geglaubten Art im Morro do Diabo-Reservat beobachtet werden konnten. 1976 wurde eine weitere Reliktpopulation in einem Waldstück im Bundesstat São Paulo entdeckt. Heute sind elf voneinander isolierte Populationen mit einem Gesamtbestand von etwa 1'000 erwachsenen Tieren bekannt, davon ist allerdings nur der Bestand im im Morro do Diabo-Reservat längerfristig lebensfähig. Ansonsten ist ein aktives Metapopulations-Management erforderlich, das sowohl Umsiedlungen von Tieren zwischen wilden Populationen als auch die Ansiedlung von ex situ-Nachzuchttieren umfasst [4].

Der internationale Handel ist durch CITES-Anhang I eingeschränkt.

Bedeutung für den Menschen

Die Rote Liste der IUCN enthält keine Angaben über eine lokale Nutzung der Art [3]. Von 1977-2017 bewilligte Brasilien wenig Wissenschaftsmaterial von wildlebenden Individuen zur Ausfuhr und nur im Jahr 1990 sechs lebende Wildfänge. Im selben Zeitraum (effektiv ab 1989) wurden weltweit 75 Nachzuchttiere international abgegeben, wichtigste Ausfuhrländer waren Brasilien und Jersey [2].

Haltung

1973 wurde mit sieben Tieren in Brasilien die erste ex-situ-Kolonie gegründet. 1986 erhielt der Zoo von São Paulo 14 Tiere, die aus einem durch einen Staudamm gefluteten Gebiet gerettet werden konnten [11].

Das nach WEIGL älteste bekannte Schwarze Löwenäffchen erreichte im Zuchtzentrum von Rio de Janeiro ein Alter von 17 Jahren und 11 Monaten [6].

Nach den "Best practice"-Leitlinien der EAZA soll Löwenäffchen tagsüber ein Gesamtvolumen (innen / außen) von 32.5 m³ (3+10 m² / 2.5 m hoch) zur Verfügung stehen, wobei das Gehege unterteilbar sein soll [1].

1991 erhielt der Jersey Zoo als erste europäische Institution 3.3 Tiere. 1992 kam es zur zur erfolgreichen europäischen Erstzucht. Im Zoo Magdeburg, wo 1995 die deutsche Erstzucht gelang, wurden die Schwarzen Löwenäffchen problemlos gemeinsam mit Sakis (Pithecia pithecia) gehalten [10]. Eine Gemeinschaftshaltung gab es auch mit den an sich eher unverträglichen Saguinus bicolor und Saguinus oedipus. Über den Erfolg dieser Vergesellschaftung werden keine Angaben gemacht [1].

Es gibt ein Internationales Zuchtbuch, das am Durrell Wildlife Conservation Trust auf Jersey geführt wird [9]. Dieses umfasst 48 lebende Individuen in 5 Einrichtungen [IZY 52, Daten bis Februar 2016].

Haltung in europäischen Zoos: Seit 2006 gibt es ein Europäisches Erhaltungszuchtprogramm, das vom Jersey-Zoo als "New Style-EEP" koordiniert wird. Das Programm erreichte im Jahr 2010 die höchste Individuenzahl mit 115 Tieren. Seitdem hat der Bestand in Europa drastisch abgenommen. gegenwärtig (2018) wird die Art nur noch in Jersey gehalten. Die verbleibenden Tiere sind stark ingezüchtet. Der europäische Bestand könnte deshalb nur erhalten werden, wenn er durch Nachzuchttiere aus dem Zoo von São Paulo Zoo und dem Primatenzentrum Rio de Janeiro gestützt würde. Für Details siehe Zootierliste.

Wie Löwenäffchen gehalten werden (Beispiele):

Mindestanforderungen an Gehege: Die auf dem Tierart-Datenblatt für den Rotbauchtamarin gemachten Angaben zum Säugetiergutachten 2014 , zur Stellungnahme der Tierschutzsachverständigen der Zoos und zu den EAZA-Haltungsrichtlinien [1] gelten auch für diese Art.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2018) schreibt für bis zu 5 Tieren ein Innengehege mit einer Fläche von 3 m² und 2 m Höhe vor. Für jedes weitere Adulttier ist die Fläche um 0.5 m² zu ergänzen.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2018) muss die Haltung paarweise oder in kleinen Familiengruppen erfolgen. Dazu ist ein Innengehege mit einer Fläche von 10 m² und einer Höhe von 2.5 m erforderlich.

Taxonomie und Nomenklatur

Für die Wissenschaft entdeckt wurde das Schwarze Löwenäffchen 1822 von dem Wiener Naturforscher Johann Baptist NATTERER, der acht Exemplare in der Nähe von Sorocaba im brasilianischen Bundesstaat São Paulo sammelte [11]. Beschrieben wurde es im folgenden Jahr durch Johann Christian MIKAN aus Teplitz, der an der Prager Universität als Naturkunde-Professor tätig war. 1902 und 1905 gelangten nochmals vier Exemplare in Museen. Danach galt die Art als verschollen bis 1970 zwei weitere Stopfpräpaarte auftauchen und drei Tiere im Morro do Diabo-Reservat beobachtet werden konnten. Zum heute gültigen Gattungsnamen kam die Art durch den französischen Arzt und Naturforscher René Primevère LESSON, der 1840 einen "Leontopithecus marikina" beschrieb, bei dem es sich herausstellte, dass dieser mit dem Goldenen Löwenäffchen identisch war. Als Gattungssynonym war sehr lange "Leontocebus" im Umlauf, ferner der auch in GRZIMEKs Tierleben verwendete Name "Leontideus". Bis 2000 wurden die verschiedenen Löwenäffchen-Formen als Unterarten, seitdem als Arten eingestuft. Sie haben kleine, voneinander deutlich getrennte Verbreitungsgebiete, sodass es im Freiland nicht zu Hybridisierungen kommen kann [3; 5; 8; 9].

Literatur und Internetquellen

  1. CARROLL, B. (ed., 2002) / BARRÃO RUIVO, E. (ed. 2010)
  2. CITES TRADE DATA BASE
  3. KIERULFF, M.C.M. et al. (2008). Leontopithecus chrysopygus. The IUCN Red List of Threatened Species 2008: e.T11505A3290864. http://www.iucnredlist.org/details/11505/0. Downloaded on 18 May 2018.
  4. MAMEDE-COSTA, C. & GOBBI, N. (1998)
  5. SCHRÖPEL, M. (2010)
  6. WEIGL, R. (2005)
  7. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)
  8. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)
  9. WORMELL, D. (2013)
  10. ZIEGLER, T. (2002a)
  11. KLEIMAN, D. G. & RYLANDS, A. B. (eds., 2002)

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Gelesen 3816 mal Letzte Änderung am Samstag, 06 Februar 2021 11:47
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