Meerkatzen, Makaken, Mangaben, Paviane

Brazzameerkatze

Brazzameerkatze (Cercopithecus neglectus) im Opel-Zoo Brazzameerkatze (Cercopithecus neglectus) im Opel-Zoo
© Thomas Kauffels, Opel-Zoo

Überordnung: EUARCHONTOGLIRES
Ordnung: Affen und Halbaffen (PRIMATES)
Unterordnung: Affen (Simiae / Haplorrhini)
Teilordnung: Eigentliche Affen (Simiiformes)
Überfamilie: Altwelt- oder Schmalnasenaffen (Catarrhini)
Familie: Meerkatzenverwandte (Cercopithecidae)
Unterfamilie: Backentaschenaffen (Cercopithecinae)
Tribus: Meerkatzenartige (Cercopithecini)

D LC 650

Brazzameerkatze

Cercopithecus neglectus • The De Brazza’s Monkey • Le cercopithèque de Brazza

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Brazzameerkatze (Cercopithecus neglectus) im Touroparc, Romanêche-Thorins © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Approximative Verbreitung der Brazza-Meerkatze (Cercopithecus neglectus)

 

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Brazzameerkatze (Cercopithecus neglectus) im Zoologisch-Botanischen Garten Pilsen © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Brazzameerkatze (Cercopithecus neglectus) im Tierpark Berlin © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Brazzameerkatze (Cercopithecus neglectus) im Tierpark Rockenhausen © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Brazzameerkatze (Cercopithecus neglectus) im CERZA-Zoo, Lisieux © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Brazzameerkatze (Cercopithecus neglectus) mit Jungtier im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Brazzameerkatze (Cercopithecus neglectus) im Zoo in der Wingst © Wingst Zoo

 

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Brazzameerkatze (Cercopithecus neglectus) im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Gehege für Brazzameerkatzen (Cercopithecus neglectus) und Drills im Erlebn isZoo Hannover © Zoo Hannover (Pressefoto)

 

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Brazzameerkatzen sind in ihrer Heimat nicht unmittelbar gefährdet, als äußerst attraktive, farbenfrohe Affen eignen sie sich aber bestens als Botschafter für die Erhaltung der zunehmend bedrohten Regenwälder Zentralafrikas. Sie werden daher im Vergleich zu anderen Meerkatzen relativ häufig in Zoos gezeigt.

Körperbau und Körperfunktionen

Brazzameerkatzen zeigen einen sehr deutlichen Geschlechtsdimorphismus. Männchen erreichen eine Kopf-Rumpflänge von 54 cm, eine Schwanzlänge von 70 cm und ein Gewicht von 5.5 kg; für die Weibchen lauten die Zahlen 44 cm, 59 cm und 3.6 kg. Färbung und Zeichnung des Kopfs sind sehr attraktiv. Das Gesicht wird oben durch ein weißliches, diademförmiges Stirnband begrenzt. Dahinter befindet sich eine dunkle Kopfdecke. Die Stirn ist orangefarben, die unbehaarte Augenpartie graublau, die Schnauze und der anschließende Spitzbart sind weiß. Die Gliedmaßen und der Schwanz sind schwärzlich, die Oberschenkel ziert ein weißer Streifen. Das Scrotum der Männchen ist hellblau. Ansonsten ist das Fell überwiegend olivgrau gefärbt [1; 6].

Verbreitung

Zentralafrika: Angola, Äquatorialguinea, Äthiopien, Gabun, Kamerun, Kenia, Kongo Dem., Kongo Rep., Südsudan, Uganda, Zentralafrikanische Republik [4].

Lebensraum und Lebensweise

Brazzameerkatzen bewohnen unterschiedlichste Waldtypen vom Flachland bis in Berglagen von 2'200 m Höhe, einschließlich großer, geschlossener Wälder, Galeriewälder, Sumpfwälder und kleiner Waldungen am Savannenrand, wo ihre Verbreitung an jene der Grünmeerkatzen angrenzt. Sie sind gewandte Kletterer und gute Läufer. Bei Gefahr flüchten sie in weiten Sätzen und mit hocherhobenem Schwanz. Die Tiere sind tagaktive Baumbewohner, halten sich aber bis zu 30% des Tags am Boden auf. Die Nahrung besteht zur Hauptsache aus Früchten, im Weiteren werden auch Blüten, Blätter, Reptilien, Insekten und andere Wirbelloseverzehrt. Die Tiere leben in kleinen Familiengruppen bestehend aus einem monogamen Paar und dessen Nachkommen oder in grösseren, aus einem Männchen, mehreren Weibchen und deren Jungen bestehenden Gruppen. Überzählige Männchen leben oft einzeln, nachwachsende Weibchen bleiben in der Regel in der angestammten Gruppe [1; 6].

Nach einer Tragzeit von 5-6 Monaten werfen die Weibchen in der Regel ein einzelnes Junges, um das sie sich alleine kümmern. Zumindest im Zoo kommt innerhalb einer Gruppe jährlich meist nur ein Junges hoch [1; 6].

Gefährdung und Schutz

Obwohl lokal teilweise durch Jagd und Verlust ihres Lebensraums gefährdet und stellenweise in ihrem Bestand abnehmend, ist die Brazzameerkatze generell häufig und weitverbreitet und wurde deshalb aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2008 als nicht gefährdet eingestuft (Rote Liste: LEAST CONCERN) [4].

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang II geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Die Tiere werden namentlich im westlichen Teil ihres Verbreitungsgebiets zur Gewinnung von Fleisch ("bushmeat") intensiv gejagt. In Ostafrika gelten sie gebietsweise als Schädlingen an landwirtschaftlichen Kulturen und werden deswegen verfolgt [3]. Früher befanden sich ihre Felle im internationalen Handel und wurden zu Pelzmänteln verarbeitet. 1977 wurden von CITES noch 8 Mäntel erfasst. Von 1977 bis 2017 wurden nebst Teilen und Erzeugnissen 348 lebende Wildfänge von den Ursprungsländern zur Ausfuhr genehmigt, mehrheitlich (238) von der Demokratischen Republik Kongo. Im selben Zeitraum wurden weltweit bei der Ausfuhr 216 Nachzuchttiere registriert [2].

Haltung

Für eine optimale Haltung wird für das Innengehege eine Fläche von 4 m² für das erste und zusätzlich  2 m² für jedes weitere Adulttier empfohlen. Für 5 Tiere also 12 m². Im Außengehege sollten pro Tier 30 m² bei einer Gehegehöhe von 5 m zur Verfügung stehen [3].

Im Touroparc in Romanêche-Thorins wurden früher Brazzameerkatzen und Flachlandgorillas miteinander vergesellschaftet. Im Zoo Duisburg gibt es eine für diese beiden Arten gemeinsame Außenanlage mit einer für die Tiere nutzbaren Fläche von 1'178 m². Auch weitere Zoos halten Gorillas und Brazzameerkatzen gemeinsam. Im ErlebnisZoo Hannover teilen sich Brazzameerkatzen und Drills ein Gehege von 720 m². Ferner gibt es Vergesellschaftungen mit Mandrill, Guereza, Weißkehlmeerkatze, Klippschliefer, Pinselohrschwein, Muntjak, Giraffe und Schwarzrückenducker [3].

WEIGL gibt als bekannte Höchstalter 30 Jahre 10 Monate für ein Männchen an, das in verschiedenen amerikanischen Zoos gehalten worden war [5].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in über 40 Zoos gehalten, von denen sich etwa ein Sechstel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Wie Brazza-Meerkatzen gehalten werden (Beispiel):
Gorillabusch im Zoo Duisburg (ZOOLEX Gallery)

Mindestanforderungen an Gehege: Im Säugetiergutachten 2014 des BMEL wird für die Haltung von bis zu 5 erwachsenen Tieren ein Außen- und ein Innengehege von je 33 m² bei 3 m Höhe gefordert und für jedes zusätzliche Adulttier jeweils 3 m² Fläche mehr mehr. Dies ist eine Erhöhung des Raumangebots um mehr als das Doppelte gegenüber dem Gutachten’96, die wissenschaftlich nicht begründet ist. Die Tierschutzsachverständigen der Zoos hielten eine Erhöhung des Platzangebots ebenfalls für angebracht schlugen aber im Differenzprotokoll vor, dass für 5 Tiere außen 30 m² und innen 20 m² bei jeweils 2 m Höhe angeboten werden sollten.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2018) schreibt für 5 Meerkatzen ein Außen- und ein Innengehege mit einer Grundfläche von je 15 m² bei 3 m Höhe und für jedes weitere Tier jeweils 3 m² Fläche zusätzlich vor. Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2018) muss die Haltung paarweise oder in kleinen Familiengruppen erfolgen und es sind für 5 Adulttiere ein Außen- und ein Innengehege mit einer Grundfläche von je 30 m² bei 3 m Höhe erforderlich. Für jedes weitere Adulttier sind die Flächen um 3 m² zu erweitern.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Brazzameerkatze wurde 1876 von dem aus Thüringen stammenden und am Naturhistorischen Museum Wien tätigen Zoologen Hermann SCHLEGEL erstmals unter ihrem heute noch gültigen Namen beschrieben. Es gibt keine Unterarten [6].

Literatur und Internetquellen

  1. BERGER, G. & TYLINEK, E. (1984)
  2. CITES TRADE DATA BASE
  3. HARTLEY, M. & CHAPMAN, M. (eds. 2018)
  4. STRUHSAKER, T. et al. (2008). Cercopithecus neglectus. The IUCN Red List of Threatened Species 2008: e.T4223A10680717. http://www.iucnredlist.org/details/4223/0. Downloaded on 16 May 2018.
  5. WEIGL, R. (2005)
  6. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)

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Gelesen 498 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 02 Januar 2019 16:45
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx