Meerkatzen, Makaken, Mangaben, Paviane

Weisskehlmeerkatze

Weißkehlmeerkatze (Cercopithecus (m.) albogularis), Unterart-Hybride im Tiergarten Straubing Weißkehlmeerkatze (Cercopithecus (m.) albogularis), Unterart-Hybride im Tiergarten Straubing
© Wolfgang Peter, TG Straubing

Überordnung: EUARCHONTOGLIRES
Ordnung: Affen und Halbaffen (PRIMATES)
Unterordnung: Affen (Simiae / Haplorrhini)
Teilordnung: Eigentliche Affen (Simiiformes)
Überfamilie: Altwelt- oder Schmalnasenaffen (Catarrhini)
Familie: Meerkatzenverwandte (Cercopithecidae)
Unterfamilie: Backentaschenaffen (Cercopithecinae)
Tribus: Meerkatzenartige (Cercopithecini)

D LC 650

Diadem- und Weißkehlmeerkatzen

Cercopithecus mitis / albogularis • The Blue Monkeys • Les cercopithèques à diadème

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Stuhlmann-Diademmeerkatze (Cercopithecus mitis stuhlmanni) im Caldwell-Zoo, Tyler TX © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Approximative Verbreitung der Diadem- (rot) und Weißkehl- (blau) meerkatzen (Cercopithecus mitis) nach MITTERMEIER et al., 2013

 

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Weißkehlmeerkatze (Cercopithecus (m.) albogularis), Unterart-Hybride im ErlebnisZoo Hannover © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Verregnete Kilimandscharo-Weißkehlmeerkatze (Cercopithecus (m.) a. kibonotensis) im Aruscha-Nationalpark, Tansania © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Sansibar-Weisskehlmeerkatze (Cercopithecus (m.) a. albogularis) im Jozani Forest, Sansibar © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Weißkehlmeerkatze (Cercopithecus (m.) albogularis), Unterart-Hybride im Tiergarten Straubing © Wolfgang Peter, TG Straubing

 

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Weißkehlmeerkatze (Cercopithecus (m.) albogularis), Unterart-Hybride im Tiergarten Straubing © Wolfgang Peter, TG Straubing

 

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Junge Weißkehlmeerkatze (Cercopithecus (m.) albogularis), Unterarthybrid im Zoo Hannover © Zoo Hannover (Pressefoto)

 

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Gemeinschaftshaltung von Diademmeerkatze (Cercopithecus mitis stuhlmanni) und Schabrackenschakal (Canis mesomelas) im Caldwell-Zoo, Tyler TX © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Weißkehlmeerkatze (Cercopithecus (M.) albogularis mit Zystizerkose (Cysticercus tenuicollis) nach mehrjährigem Aufenthalt in zwei schweizerischen Haltungen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Die Diadem- und Weißkehlmeerkatzen sind eine aus vielen Unterarten bestehende Gruppe von Meerkatzen, deren Systematik umstritten ist. In ihrer Heimat nicht gefährdet, sind sie in europäischen Zoos am Aussterben.

Körperbau und Körperfunktionen

Männliche Individuen erreichen eine Kopf-Rumpflänge von 50-65 (46-71) cm, eine Schwanzlänge von 65-75 (60-95) cm und Körpergewichte von 7-9 (4-11) kg. Die sichtlich kleineren Weibchen wiegen 4-5 (2.7-6) kg. Die Körperfarbe ist dunkel graubraun bis blaugrau, teilweise mit rotbraun oder grün getöntem Rücken. Die Unterarten unterscheiden sich durch helle Stirnbänder und Augenbrauenstreifen ("Diademe"), weiße Krausen an Kinn und Hals (Weißkehlmeerkatzen), unterschiedliche Schwanzfarben und mehr oder weniger große dunkle Backenbärte [1; 5; 8].

Verbreitung

Der mitis-albogularis-Komplex hat eine unzusammenhängende Verbreitung südlich der Sahara, wobei die Formen der albogularis-Gruppe im Osten, jene der mitis-Gruppe im Zentrum und Westen vorkommen: Angola, Äthiopien, Burundi, Kongo Dem., Kenia, Malawi, Mosambik, Ruanda, Sambia, Simbabwe, Somalia, Südafrika, Südsudan, Swasiland, Tansania einschließlich Sansibar, Uganda [4; 8].

Lebensraum und Lebensweise

Weißkehlmeerkatzen sind eher stille Affen, die immergrüne Wälder, meist mit einer Fläche von über 50-100 ha, dicht mit Bäuem bestandene Savannen, Galeriewälder, lichte Bambuswälder und trockenere Buschlandschaften bewohnen. Die Nahrung besteht etwa zur Hälfte aus Früchten, ansonsten werden auch Blätter, Blüten und Insekten verzehrt. Die Tiere leben in Haremsgruppen, bestehend aus einem adulten Männchen, mehreren Weibchen sowie Jungtieren und Halbwüchsigen. Nachwachsende Männchen werden vor der Geschlechtsreife ausgestoßen und bilden Junggesellenverbände. Die Größe der Streifgebiete ist je nach Art des Lebensraums sehr unterschiedlich [1; 5; 8].

Nach einer Tragzeit von 5-6 Monaten werfen die Weibchen in der Regel ein einzelnes Junges. Dieses wird 2-3 Monate herumgetragen und mit 9-12 Monaten entwöhnt. Nebst der Mutter kümmern sich auch andere Weibchen um das Jungtier. Geschlechtsreife wird mit 4-6 Jahren erreicht [1; 5; 8].

Gefährdung und Schutz

Die Diadem-/ Weißkehlmeerkatzen sind nach Beurteilungen aus dem Jahr 2008 auf Artniveau nicht gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN), da sie in geeigneten Lebensräumen noch weit verbreitet sind. Außerhalb von geschützten Gebieten gehen die Bestände wahrscheinlich zurück, aber nicht in dem Maße, als dass dies ein Problem für die Gesamtpopulation darstellte. Einzelne Unterarten sind jedoch potenziell gefährdet, gefährdet oder stark gefährdet.

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang II geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Die Tiere werden zur Gewinnung von Fleisch und von Körperteilen für die Zwecke der traditionellen Medizin gejagt [3]. Von 1977 bis 2017 wurden nebst Teilen und Erzeugnissen 681 lebende Wildfänge von den Ursprungsländern zur Ausfuhr genehmigt. Die meisten (612) kamen aus Tansania. Alle Tiere waren als "mitis" deklariert. Im selben Zeitraum wurden weltweit 4 Nachzuchttiere von albogularis und 54 als "mitis" deklarierte (bei denen es sich mehrheitlich um albogularis gehandelt haben dürfte) grenzüberschreitend abgegeben [3].

Haltung

In einem texanischen Zoo wurden Diademmeerkatzen mit Schabrackenschakalen (Canis mesomelas) vergesellschaftet. Eine solche Vergesellschaftung darf nur nach genauen parasitologischen Abklärungen erfolgen. Meerkatzen sind Zwischenwirte für den Hundebandwurm Taenia hydatigena. Das als Cysticercus tenuicollis bezeichnete Finnenstadium, entwickelt sich bei ihnen subserös in der Bauchhöhle.

WEIGL gibt als bekannte Höchstalter für albogularis 27 Jahre, für mitis 37 Jahre und 9 Monate an [5].

Haltung in europäischen Zoos: Tiere der mitis-Gruppe sind in europäischen Zoos nicht vertreten, solche der albogularis-Gruppe werden noch in ein paar wenigen Zoos gehalten. Die Unterartzugehörigkeit dieser Tiere ist nicht bekannt, mehrheitlich dürfte es sich um Unterarthybriden handeln. Das Ende des europäischen Zoobestands ist abzusehen. Für Details siehe Zootierliste.

Forschung im Zoo (Beispiel): Am Zoo-Vivarium Darmstadt wurde eine Verhaltensstudie über die Bevorzugung von Farben bei Weißkehlmeerkatzen durchgeführt [2].

Mindestanforderungen an Gehege: Im Säugetiergutachten 2014 des BMEL wird für die Haltung von bis zu 5 erwachsenen Tieren ein Außen- und ein Innengehege von je 33 m² bei 3 m Höhe gefordert und für jedes zusätzliche Adulttier jeweils 3 m² Fläche mehr mehr. Dies ist eine Erhöhung des Raumangebots um mehr als das Doppelte gegenüber dem Gutachten’96, die wissenschaftlich nicht begründet ist. Die Tierschutzsachverständigen der Zoos hielten eine Erhöhung des Platzangebots ebenfalls für angebracht schlugen aber im Differenzprotokoll vor, dass für 5 Tiere außen 30 m² und innen 20 m² bei jeweils 2 m Höhe angeboten werden sollten.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2018) schreibt für 5 Meerkatzen ein Außen- und ein Innengehege mit einer Grundfläche von je 15 m² bei 3 m Höhe und für jedes weitere Tier jeweils 3 m² Fläche zusätzlich vor. Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2018) muss die Haltung paarweise oder in kleinen Familiengruppen erfolgen und es sind für 5 Adulttiere ein Außen- und ein Innengehege mit einer Grundfläche von je 30 m² bei 3 m Höhe erforderlich. Für jedes weitere Adulttier sind die Flächen um 3 m² zu erweitern.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Diademmeerkatze wurde 1822 anhand eines vermutlich aus Angola stammenden Exemplars von dem Nürnberger Pädagogen und Ornithologen Johann WOLF erstmals wissenschaftlich beschrieben. Die Weißkehlmeerkatze wurde der Wissenschaft 1831 durch die Beschreibung des englischen Naturforschers William Henry SYKES bekannt. Die beiden Taxa bilden zusammen mit der Großen Weißnasenmeerkatze (Cercopithecus nictitans) eine Artengruppe [8].

1974 wurden die Weißkehlmeerkatze (C. albogularis) als eigene Art von der Diademmeerkatze (C. mitis) abgetrennt [7], in der von der IUCN verwendeten Taxonomie nach GRUBB et al. [4] wurden die beiden Arten wieder zusammengelegt. MITTERMEIER et al. [8] trennen sie wieder. Innerhalb der albogularis-Gruppe werden 12, innerhalb der mitis-Gruppe 7 Unterarten unterschieden. Angaben über Verbreitung und Bestand sind daher je nach Quelle unterschiedlich.

Literatur und Internetquellen

  1. BERGER, G. & TYLINEK, E. (1984)
  2. BUCHBAUER, P. (2001)
  3. CITES TRADE DATA BASE
  4. KINGDON, J. et al. (2008). Cercopithecus mitis. The IUCN Red List of Threatened Species 2008: e.T4221A10676022. http://www.iucnredlist.org/details/4221/0. Downloaded on 16 May 2018.
  5. MILLS, G & HES, L. (1999)
  6. WEIGL, R. (2005)
  7. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)
  8. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)

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Gelesen 782 mal Letzte Änderung am Dienstag, 08 Januar 2019 10:31
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx