Meerkatzen, Makaken, Mangaben, Paviane

Ceylon-Hutaffe

Ceylon-Hutaffe (Macaca sinica) im Zoo Berlin Ceylon-Hutaffe (Macaca sinica) im Zoo Berlin
© Klaus Rudloff, Berlin

Überordnung: EUARCHONTOGLIRES
Ordnung: Affen und Halbaffen (PRIMATES)
Unterordnung: Affen (Simiae / Haplorrhini)
Teilordnung: Eigentliche Affen (Simiiformes)
Überfamilie: Altwelt- oder Schmalnasenaffen (Catarrhini)
Familie: Meerkatzenverwandte (Cercopithecidae)
Unterfamilie: Backentaschenaffen (Cercopithecinae)
Tribus Pavianartige (Papionini)

D EN 650

Ceylon-Hutaffe

Macaca sinica • The Toque Macaque • Le macaque à toque

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Ceylon-Hutaffe (Macaca sinica) im Zoo Berlin © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Ceylon-Hutaffen (Macaca sinica)

 

 

 

 

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Ceylon-Hutaffe (Macaca sinica) im Zoo Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

 

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Ceylon-Hutaffe (Macaca sinica aurifron) im Bodhinagala Forest Reserve, Sri Lanka © Johannes Pfleiderer, Zoo Duisburg

 

 

 

 

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Ceylon-Hutaffe (Macaca s. sinica) im Yala-Nationalpark © Jürg Völlm, Basel

 

 

 

 

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Ceylon-Hutaffe (Macaca sinica aurifrons) im Botanischen Garten Hakgala © Johannes Pfleiderer, Zoo Duisburg

 

 

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Der in seiner Heimat stark gefährdete Ceylon-Hutaffe ist der kleinste aller Makaken. Er wird in nur sehr wenigen Zoos gehalten.

Körperbau und Körperfunktionen

Der deutsche Name "Hutaffe" leitet sich von der auffälligen Haarkrone auf dem Kopf ab. Die Art zeigt einen Geschlechtsdimorphismus, indem erwachsene Weibchen etwas kleiner und deutlich leichter sind als Männchen: Männchen erreichen eine Kopf-Rumpflänge von 44-53 cm, eine Schwanzlänge von 56-57cm und ein Gewicht bis 8.4 kg, Weibchen eine Kopf-Rumpflänge von 40-45 cm, eine Schwanzlänge von 25-32 cm und ein Gewicht bis 4.3 kg. Auf dem Kopf tragen die Tiere einen in der Mitte gescheitelten Haarschopf bestehend aus langen, nach außen gerichteten, dunkeln oder blonden Haaren. Die nackte Gesichtshaut ist bei den Männchen rosa, bei den Weibchen stärker rot, die Ohren, Augenlider und die Unterlippe sind schwärzlich. Bei Weibchen im Östrus schwellen die äußeren Genitalien nicht an, färbe sich aber rot. Das kurze Fell ist oberseits gelb- oder goldbraun, unterseits grauweiß. Der Schwanz ist meist länger als Kopf und Rumpf [1; 7].

Verbreitung

Südasien: Endemisch in Sri Lanka [4].

Lebensraum und Lebensweise

Der Ceylon-Hutaffe bewohnt unterschiedliche Waldtypen vom Tiefland bis auf eine Höhe von 2'100 m. Er ist zum Teil ein Kulturfolger, der sich im Siedlungsgebiet aufhält, wo er sich in landwirtschaftlichen Kulturen, in Speichern und auf Abfallhalden mit Nahrung versorgt. Er ist tagaktiv und überwiegend baumlebend. Geschlafen wird im Geäst von Bäumen. Die Tiere ernähren sich hauptsächlich von Früchten, aber es werden auch Blüten und Insekten gefressen. Sie leben in gemischtgeschlechtlichen Gruppen von 20(-40) Individuen, in denen es etwas friedlicher zugeht als etwa bei Rhesusaffen. Dabei sind die Männchen aggressiver als die Weibchen, sie dominieren diese und haben unter sich eine strikte Rangordnung [1; 4; 7].

Die Fortpflanzung der Hutaffen ist nicht saisonal. Nach einer Tragzeit von etwa 168 Tagen gebären die Weibchen in der Regel ein einzelnes, Junges, dessen Fellfarbe anfänglich schwarz und dessen Kappe noch nicht entwickelt ist. Die Jungen werden mit etwa 12 Monaten entwöhnt. Weibchen sind mit 4.5-6 Jahren geschlechtsreif, Männchen mit 5-7 Jahren [7].

Gefährdung und Schutz

Der Ceylon-Hutaffe als Art und jede seine drei Unterarten wurden aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2008 als stark gefährdet eingestuft (Rote Liste: ENDANGERED), weil die Bestände in den letzten 40 Jahren um mehr als 50 % zurückgegangen sind. Auch wenn sich Hutaffen gebietsweise den Menschen nähern, so sind sie doch auf intakte Waldlandschaften angewiesen. Die Tatsache, dass in den letzten 5 Jahrzehnten gut die Hälfte der ceylonesischen Tropenwälder gerodet wurden, erklärt die Gefährdungslage [4].

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang II geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Wirtschaftliche Bedeutung: Ceylon-Hutaffen werden als Schädlinge an landwirtschaftlichen Kulturen angesehen und deswegen verfolgt [4].

Von 1977-2017 exportierte Sri Lanka nebst etwas Wissenschaftsmaterial lediglich 10 lebende Wildfänge, die für Großbritannien und Deutschland bestimmt waren. Im selben Zeitraum wurden weltweit Exporte von 35 Nachzuchttieren erfasst. Wichtigstes Ausfuhrland war Sri Lanka mit 27 Tieren [3].

Kulturelle Bedeutung: In der Umgebung von buddhistischen oder hinduistischen Tempeln wird der Hutaffe geschont [7].

Haltung

Über die Haltung von Ceylon-Hutaffen im 19. Jahrhundert berichtet BREHM [2]: "Auf Ceilon steht er ... bei Jedermann in großer Gunst und ist der allgemeine Liebling und das Schoßthier der Eingeborenen wie der Europäer. Die Schlangenbeschwörer und andere Herumstreicher lehren ihn den Tanz und ähnliche Künste, kleiden ihn, wie die Affenführer früherer Jahrzehnte bei uns es zu thun pflegten, in auffallende Tracht, ziehen mit ihm von Dorf zu Dorfe, von Stadt zu Stadt und lassen durch ihn sich ernähren, so gut und schlecht es eben gehen will. Tennent ... fügt noch hinzu, daß er sich leicht an Tabaksrauch gewöhnen läßt, wozu ich zu bemerken habe, daß mir das in keiner Weise auffällig erscheint. Fast alle Affen, welche ich kenne, lieben den Tabaksrauch mit einer gewissen Leidenschaft. Einige gerathen in förmliches Entzücken, wenn man ihnen solchen zubläst, andere öffnen das Maul so weit als möglich, wenn man sie anraucht, und blasen dann den eingezogenen Rauch mit wirklichem Behagen von sich. Der Hutaffe macht also durchaus keine Ausnahme von der Regel."

Ceylon-Hutaffen wurden in einem deutschen Tierpark mit Binturongs vergesellschaftet.

WEIGL gibt als bekanntes Höchstalter 29 Jahre und 4 Monate an, erreicht von einem im Dehiwala-Zoo in Sri Lanka gehaltenen Tier [6].

Forschung im Zoo: Ceylon-Hutaffen sind gelegentlich Gegenstand von Forschungsarbeiten. So wurden sie z.B. in eine Arbeit über vergleichende Untersuchungen zum sozialen Spiel ausgewählter Primatenarten in zoologischen Gärten einbezogen [5].

Haltung in europäischen Zoos: In Europa wird die Art nur in drei Einrichtungen gepflegt, wobei alle Tiere einen Berliner Ursprung haben (PM Zoo Berlin). Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Im Säugetiergutachten 2014 des BMEL wird für die Haltung von bis zu 5 erwachsenen Hutaffen ein Außen- und ein Innengehege von je 33 m² bei 3 m Höhe gefordert und für jedes zusätzliche Adulttier 6 m² Fläche mehr. Dies ist eine Erhöhung des Raumangebots auf über das Doppelte gegenüber dem Gutachten’96, die wissenschaftlich nicht begründet ist. Die Tierschutzsachverständigen der Zoos hielten eine Erhöhung des Platzangebots ebenfalls für angebracht schlugen aber im Differenzprotokoll vor, dass für 5 Tiere ein Außengehege von 30 m² und ein Innengehege von 20 m² bei jeweils bei 3 m Höhe angeboten werden sollte.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2018) schreibt für 5 Hutaffen ein Außen- und ein Innengehege mit einer Grundfläche von je 15 m² bei 3 m Höhe und für jedes weitere Tier jeweils 3 m² Fläche zusätzlich vor. Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2018) muss die Haltung paarweise oder in kleinen Familiengruppen erfolgen und es ist für 5 Adulttiere ein Außengehege mit einer Grundfläche von 100 m² und ein Innengehege von 50 m² bei jeweils 3 m Höhe erforderlich. Für jedes weitere Adulttier ist die Fläche um außen um 10, innen um 5 m² zu erweitern. Für ein Rudel von 75 Affen wäre also einen Stall von 400 m² erforderlich, was es vermutlich weltweit nirgendwo gibt ...

Taxonomie und Nomenklatur

Der Ceylon-Hutaffe wurde 1771 von Carl von LINNÉ als "Simia sinica" erstmals wissenschaftlich beschrieben und wurde später in die 1799 von LACÉPÈDE für den Berberaffen aufgestellte Gattung Macaca überführt. Er bildet zusammen mit Macaca arctoides M. assamensis, M. radiata und M. thibetana eine Artengruppe. Es sind gegenwärtig 3 Unterarten anerkannt [4; 7].

Die Makaken sind ein weiteres Beispiel dafür, wie es durch die Aufwertung von Unterarten zu einer wundersamen Artenvermehrung kommen kann: als 1974 die erste ISIS-Taxonomie veröffentlicht wurde, waren gerade mal 12 Arten anerkannt. Mittlerweile sind es 22 [7].

Literatur und Internetquellen

  1. BERGER, G. & TYLINEK, E. (1984)
  2. BREHM, A. E. (1882-1887)
  3. CITES TRADE DATA BASE
  4. DITTUS, W., WATSON, A. & MOLUR, S. (2008). Macaca sinica. The IUCN Red List of Threatened Species 2008: e.T12560A3358720. http://www.iucnredlist.org/details/12560/0. Downloaded on 16 May 2018.
  5. VOORMANN, A.-J. (1998)
  6. WEIGL, R. (2005)
  7. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)

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Gelesen 3829 mal Letzte Änderung am Freitag, 19 Juni 2020 15:00
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx