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Meerkatzen, Makaken, Mangaben, Paviane

Goldbauchmangabe

Goldbauchmangabe (Cercocebus chrysogaster) im Zoo Wuppertal Goldbauchmangabe (Cercocebus chrysogaster) im Zoo Wuppertal
© Johannes Pfleiderer, Zoo Leipzig

Überordnung: EUARCHONTOGLIRES
Ordnung: Affen und Halbaffen (PRIMATES)
Unterordnung: Affen (Simiae / Haplorrhini)
Teilordnung: Eigentliche Affen (Simiiformes)
Überfamilie: Altwelt- oder  Schmalnasenaffen  (Catarrhini)
Familie: Meerkatzenverwandte (Cercopithecidae)
Unterfamilie: Backentaschenaffen (Cercopithecinae)
Tribus Pavianartige (Papionini)

D EN 650

EEPGoldbauchmangabe

Cercocebus chrysogaster • The Golden-bellied Mangabey • Le cercocèbe à ventre doré

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Goldbauchmangabe (Cercocebus chrysogaster) im Zoo Magdeburg © Wolfgang Dreier, Berlin

 

 

 

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Approximative Verbreitung der Goldbauchmangabe (Cercocebus chrysogaster)

 

 

 

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Goldbauchmangabe Cercocebus chrysogaster) im Zoo Liberec © Wolfgang Dreier, Berlin

 

 

 

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Goldbauchmangabe (Cercocebus chrysogaster) im Zoo Magdeburg © Wolfgang Dreier, Berlin

 

 

 

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Goldbauchmangabe (Cercocebus chrysogaster) im Zoo Wupperal © Atamari. Veröffentlicht auf Wikimedia Commons unter der CC Attribution-ShareAlike 3.0 Unported-Lizenz.

 

 

 

Weitere Bilder auf BioLib

Die in ihrer Heimat stark gefährdete Goldbauchmangabe wird nicht häufig in europäischen Zoos gehalten, obwohl sie mit ihrer leuchtend gelben Unterseite auffällt und sich gut als Botschafter für die Erhaltung der zentralafrikanischen Wälder und ihrer tierischen Bewohner eignet. Der kleine europäische Bestand wird von der EAZA überwacht, aber ein Zuchtprogramm gibt es nicht.

Körperbau und Körperfunktionen

Die Kopf-Rumpflänge beträgt bei Männchen 52-66 cm und das Gewicht 10-14 kg, Weibchen werden 45-55 cm lang und 6-8 kg schwer. Die Schwanzlänge wird mit 50-75 cm angegeben. Das Fell ist olivgrün oder braungrün bis auf Kehle, Brust und Bauch, die gelblich oder leuchtend orange gefärbt sind [6].

Verbreitung

Zentralafrika: Demokratische Republik Kongo in zwei nicht (mehr) zusammenhängenden Teilarealen. Der Kongofluss bildet die nördliche Verbreitungsgrenze [3].

Lebensraum und Lebensweise

Goldbauchmangaben besiedeln feuchte, häufig zeitweilig überschwemmte Primär- und Sekundärwälder, gerne in Flussnähe, auch Sumpfwälder bis in Höhenlagen von 500 m. Sie sind tagaktiv und halten sich oft am Boden oder im Unterwuchs auf. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Früchten und Samen, daneben fressen sie auch Blüten und andere Pflanzenteile, Baumexsudate und andere Pflanzenteile sowie Wirbellose und kleine Wirbeltiere. Sie leben in Gruppen von 15-35, bisweilen bis über 100 Tieren beiderlei Geschlechts, ansonsten ist über ihre Lebensweise in der Natur wenig bekannt [3; 6].

Weibchen kommen mit 2½ Jahren in die Pubertät und werden mit etwa 5 Jahren erstmals trächtig. Die Trächtigkeitsdauer liegt bei 165-180 Tagen, die Geburtsintervalle betragen 17-23 Monate [6].

Gefährdung und Schutz

Wegen unzureichender Daten konnte die Art in der Roten Liste lange nicht eingestuft werden. Seit 2020 gilt sie als stark gefährdet, weil es einen starken Jagddruck gibt, alle bekannten Bestände abnehmen, das Artareal kleiner ist, als zuvor angenommen, in den letzten 20 Jahren 32% des Lebensraums verloren gegangen sind und vom Rest 30% zur Rodung freigegeben wurden (Rote Liste: ENDANGERED) [3].

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang II geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Wirtschaftliche Bedeutung: Goldbauchmangaben werden in großer Zahl zur Fleischgewinnung abgeschlachtet und innerhalb der Region vermarktet. Gebietsweise richten sie Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen an und werde auch deswegen verfolgt [3].

Von 1977-2020 meldete die Demokratische Republik Kongo die Ausfuhr von 102 lebenden Wildfängen. Die Tiere gingen nach anderen afrikanischen und nach asiatischen Ländern. Im selben Zeitraum wurden weltweit Exporte von 19 Nachzuchttieren erfasst [2].

Haltung

Das Höchstalter in Menschenobhut wird mit über 24 Jahren angegeben [5]. Für eine optimale Haltung wird ein Innengehege von 4 m² pro Tier bei 2.50 m Höhe empfohlen, das möglichst unterteilbar sein sollte. Handelt es sich um ein Schaugehege, sollte die Fläche 50 m² betragen. Das Außengehege sollte eine Fläche von 250 m² und eine Höhe von 4 m aufweisen [1].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 10 Zoos gehalten, von denen sich 4 in Nachfolgestaaten der Sowjetunion befinden. Im EAZA-Raum nimmt der Bestand tendenziell ab [4]. In Deutschland, wo 1988 der Wuppertaler Zoo die deutsche Erstzucht vermelden konnte, war die Art nur bis 2016 vertreten. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Im Säugetiergutachten 2014 des BMEL wird für die Haltung von bis zu 5 erwachsenen Mangaben ein Außen- und ein Innengehege von je 33 m² bei 3 m Höhe gefordert und für jedes zusätzliche Adulttier außen 4 m² und innen 3 m² Fläche mehr. Dies ist eine Erhöhung des Raumangebots um ein Drittel gegenüber dem Gutachten’96. Die Tierschutzsachverständigen der Zoos hielten eine Erhöhung des Platzangebots ebenfalls für angebracht schlugen aber im Differenzprotokoll vor, dass für 5 Tiere ein Außengehege von 30 m² und ein Innengehege von 25 m² bei jeweils bei 3 m Höhe und für jedes weitere Tier außen wie innen 3 m² mehr Fläche angeboten werden sollte.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2018) schreibt für 5 Mangaben ein Außen- und ein Innengehege mit einer Grundfläche von je 25 m² bei 3 m Höhe und für jedes weitere Tier jeweils 4 m² Fläche zusätzlich vor. Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2018) muss die Haltung paarweise oder in kleinen Familiengruppen erfolgen und es ist für 5 Adulttiere ein Außengehege mit einer Grundfläche von 100 m² und ein Innengehege von 25 m² bei jeweils 2.50 m Höhe erforderlich. Für jedes weitere Adulttier ist die Fläche außen um 10, innen um 2.5 m² zu erweitern.

Taxonomie und Nomenklatur

Wie bei vielen Primaten ist die Taxonomie der Mangaben umstritten. In der Roten Liste der IUCN werden unter Cercocebus sieben Arten aufgeführt und unter Lophocebus zwei weitere.

Die Goldbauchmangabe wurde 1900 von dem englischen Zoologen Richard LYDEKKER unter ihrem heute noch gültigen Namen erstmals wissenschaftlich beschrieben. Sie galt lange als Unterart von Cercocebus agilis oder von Cercocebus galeritus. Seit 2001 wird sie meistens als eigene Art taxiert [6; 7].

Literatur und Internetquellen

  1. ABELLÓ, T., TER MEULEN, T. & PRINS, E. F. (2018)
  2. CITES TRADE DATA BASE
  3. HART, J.A. & THOMPSON, J. (2020). Cercocebus chrysogaster. The IUCN Red List of Threatened Species 2020: e.T4207A17956177. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2020-2.RLTS.T4207A17956177.en. Downloaded on 01 August 2021.
  4. TER MEULEN, T. et al. (2019. Regional Collection Plan of the Afro-Eurasian Monkey Taxon Advisory Group. EAZA Amsterdam.
  5. WEIGL, R. (2005)
  6. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-2019)
  7. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)

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