Meerkatzen, Makaken, Mangaben, Paviane

Schweinsaffe

Südlicher Schweinsaffe (Macaca nemestrina), Tierpark Berlin Südlicher Schweinsaffe (Macaca nemestrina), Tierpark Berlin
© Klaus Rudloff, Berlin

Überordnung: EUARCHONTOGLIRES
Ordnung: Affen und Halbaffen (PRIMATES)
Unterordnung: Affen (Simiae / Haplorrhini)
Teilordnung: Eigentliche Affen (Simiiformes)
Überfamilie: Altwelt- oder Schmalnasenaffen (Catarrhini)
Familie: Meerkatzenverwandte (Cercopithecidae)
Unterfamilie: Backentaschenaffen (Cercopithecinae)
Tribus Pavianartige (Papionini)

D EN 650

Südlicher Schweinsaffe

Macaca nemestrina • The Southern Pig-tailed Macaque • Le macaque à queue de cochon

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Südlicher Schweinsaffe (Macaca nemestrina) im Zoo Osnabrück © Zoo Osnabrück (Pressefoto)

 

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Südlichen Schweinsaffen (Macaca nemestrina)

 

 

 

 

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Südlicher Schweinsaffe (Macaca nemestrina) im Zoo Osnabrück © Zoo Osnabrück (Pressefoto)

 

 

 

 

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Südlicher Schweinsaffe (Macaca nemestrina) im Zoo Prag © Elias Neideck

 

 

 

 

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Südlicher Schweinsaffe (Macaca nemestrina) im Zoo Prag © Mistvan. Veröffentlicht in Wikimedia Commons unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

 

 

 

 

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Südlicher Schweinsaffe (Macaca nemestrina)wild lebend in Sepilok, Sabah, Malaysia © Hectonichus. Veröffentlicht in Wikimedia Commons unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

 

 

 

 

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Südliche Schweinsaffen (Macaca nemestrina) in der ZOOM Erlebniswelt, Gelsenkirchen © ZOOM (Pressefoto)

 

 

 

 

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Südliche Schweinsaffen (Macaca nemestrina) im alten Turiner Zoo © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Obwohl der in seiner Heimat gefährdete Südliche Schweinsaffe sehr attraktiv und leicht zu halten ist, trifft man ihn heute nur noch in wenigen Zoologischen Gärten an. Dabei hätte er zoopädagogisch Einiges zu bieten und könnte als Botschafterart für den Schutz der zunehmend bedrohten Tropenwälder Südostasiens eingesetzt werden.

Körperbau und Körperfunktionen

Der deutsche Name "Schweinsaffe" leitet sich von dem kurzen, dünnen und geringelten Schwanz („Schweineschwänzchen“) ab. Die Art zeigt einen deutlichen Geschlechtsdimorphismus: Männchen erreichen eine Kopf-Rumpflänge von 53-54 cm, eine Schulterhöhe von rund 50 cm, eine Schwanzlänge von 16-24 cm und ein Gewicht bis 13.6 kg, Weibchen eine Kopf-Rumpflänge von 43-58 cm, eine Schwanzlänge von 13-25 cm und ein Gewicht bis 7.6 kg. Männchen haben auch deutlich längere Eckzähne und verfügen über einen Penisknochen (Baculum) von 16-21 mm Länge. Bei den Weibchen schwellen die äußeren Genitalien während des Östrus an und färben sich rot. Die haarlose Gesichtshaut ist rosafarben. die sie umgebenden Haare können weiß sein. Auf dem Kopf befindet sich eine schwarze Kappe. Ansonsten ist das Fell oberseits bräunlich bis gelb- odedr olivgrün, unterseits weißlich [1; 3; 6].

Verbreitung

Süd- und Südostasien: Brunei, Indonesien (Bangka, Sumatra, Kalimantan), Malaysia (Halbinsel, Sabah, Sarawak), Thailand [4].

Lebensraum und Lebensweise

Schweinsaffen besiedeln hauptsächlich Regenwälder des Tieflands und der Hügelzone, im Gebirge gehen sie bis auf eine Höhe von 1'900 m. Gerne halten sie sich in der Nähe von kultiviertem Land und von Siedlungen auf. Sie bewegen sich vorwiegend am Boden in Gruppen von durchschnittlich 40 Tieren beiderlei Geschlechts. Die Nahrung besteht aus Früchten, Gemüse, Blättern und tierischen Komponenten (Insekten, Reptilien, Kleinsäuger). Eigentümlich ist ihr Begrüßungsverhalten, das sie auch gegenüber ihnen vertrauten Personen wie dem Tierpfleger zeigen. Dabei strecken die Tiere den Kopf nach vorne und ziehen eine Schnute. Die Größe der Streifgebiete liegt bei etwa 100-300 ha [1; 3; 4; 6].

Die Fortpflanzung der Schweinsaffen ist nicht saisonal. Nach einer Tragzeit von im Mittel 172 Tagen gebären die Weibchen in der Regel ein einzelnes, Junges mit einem Geburtsgewicht von etwa 440-520 g. Die Jungtiere werden etwa 11 Monate gesäugt, die Geburtsintervalle dürften bei rund 2 Jahren liegen. Die Geschlechtsreife der Weibchen beginnt mit rund 3 Jahren, bei Männchen mit 4-5 Jahren. Die jungen Männchen verlassen das angestammte Rudel mit 5-6 Jahren [6].

Gefährdung und Schutz

Der Bestand des Südlichen Schweinsaffen hat von 1982-2015 um über 30% abgenommen. Die Art wurde deshalb 2020 als gefährdete Tierart (Rote Liste: ENDANGERED) eingestuft. Der Rückgang wird hauptsächlich der nicht nachhaltigen Jagd und der Zerstörung des Lebensraums zugeschrieben [4].

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang II geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Wirtschaftliche Bedeutung: Gebietsweise werden Südliche Schweinsaffen zur Fleischgewinnung bejagt oder als Schädlinge an landwirtschaftlichen Kulturen bekämpft [4]. Weibchen und junge Männchen werden vor allem auf Sumatra als Helfer bei der Kokosnussernte eingesetzt. Sie lernen, an einer Leine auf Kokospalmen zu klettern, die reifen Nüsse abzupflücken und herunterfallen zu lassen. Ein geschickter Affe kann 500-1'000 Kokosnüsse pro Tag ernten [3; 6].

Von 1977-2017 exportierten die Ursprungsländer nebst Teilen und Erzeugnissen über 12'000 lebende Wildfänge. Davon kamen etwa 95% aus Indonesien. Im selben Zeitraum wurden Exporte von 5'842 als "nemestrina" deklarierten Nachzuchttieren erfasst. Darunter befanden sich allerdings 1'915 Tiere aus Vietnam und 1'000 aus Kambodscha, bei denen es sich mit höchster Wahrscheinlichkeit um Macaca leonina gehandelt hat [2].

Haltung

WEIGL gibt als bekannte Höchstalter 37 Jahre und 7 Monate an, erreicht von einem Weibchen im Kyoto Zoo [5].

Haltung in europäischen Zoos: Der Londoner Zoo hielt die Art bereits 1830 und erzielte 1913 die britische Erstzucht. Früher, vor allem in den 1980er-Jahren wurden Schweinsaffen recht häufig gehalten. Heute sind sie nur noch in weniger als 40 Zoos zu sehen, von denen sich etwa ein Sechstel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Im Säugetiergutachten 2014 des BMEL wird für die Haltung von bis zu 5 erwachsenen Schweinsaffen ein Außengehege von 33 m² bei 3 m Höhe gefordert und für jedes zusätzliche Adulttier 6 m² Fläche mehr. Ferner ein Innengehege von 25 m² bei 3 m Höhe und für jedes zusätzliche Adulttier 4 m² Fläche mehr. Dies ist eine Erhöhung des Raumangebots auf über das Doppelte gegenüber dem Gutachten’96, die wissenschaftlich nicht begründet ist. Die Tierschutzsachverständigen der Zoos hielten eine Erhöhung des Platzangebots ebenfalls für angebracht schlugen aber im Differenzprotokoll vor, dass für 5 Tiere ein Außengehege von 30 m² bei 3 m Höhe angeboten werden sollte und dazu eine trockene, zugfreie Schutzhütte, die allen Tieren Platz bietet.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2020) schreibt für 5 Schweinsaffen ein Außen- und ein Innengehege mit einer Grundfläche von je 15 m² bei 3 m Höhe und für jedes weitere Tier jeweils 3 m² Fläche zusätzlich vor. Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2020) muss die Haltung paarweise oder in kleinen Familiengruppen erfolgen und es ist für 5 Adulttiere ein Außengehege mit einer Grundfläche von 100 m² bei 3 m Höhe erforderlich. Für jedes weitere Adulttier ist die Fläche um 10 m² zu erweitern. Ferner sind Innenboxen mit einer Grundfläche von 1.5 m² pro Tier anzubieten.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Schweinsaffe wurde 1766 von Carl von LINNÉ unter dem Namen "Simia nemestrina" erstmals wissenschaftlich beschrieben und wurde später in die 1799 von LACÉPÈDE für den Berberaffen aufgestellte Gattung Macaca überführt. Er bildet zusammen mit Macaca leonina, M. pagensis, M. siberu, M. silenus und den Arten der Insel Celebes eine Artengruppe und hybridisiert unter natürlichen Bedingungen mit Macaca leonina. Heute wird M. nemestrina als monotypische Art angesehen [4; 6].

Die Makaken sind ein weiteres Beispiel dafür, wie es durch die Aufwertung von Unterarten zu einer wundersamen Artenvermehrung kommen kann: als 1974 die erste ISIS-Taxonomie veröffentlicht wurde, waren gerade mal 12 Arten anerkannt. Mittlerweile sind es 22. M. nemestrina ist dadurch betroffen, dass die nördliche Unterart, M. n. leonina als eigene Art abgetrennt wurde, obwohl es eine Zone gibt, wo die beiden Formen hybridisieren, womit die biologischen Kriterien für die Trennung in zwei Arten nicht erfüllt sind. Auch der Pagai-Makak galt bis vor wenigen Jahren als Unterart von M. nemestrina [6].

Literatur und Internetquellen

  1. BERGER, G. & TYLINEK, E. (1984)
  2. CITES TRADE DATA BASE
  3. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  4. ANG, A., BOONRATANA, R., CHOUDHURY, A. & SUPRIATNA, J. (2020). Macaca nemestrina. The IUCN Red List of Threatened Species 2020: e.T12555A181324867. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2020-3.RLTS.T12555A181324867.en . Downloaded on 17 December 2020.
  5. WEIGL, R. (2005)
  6. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)

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Gelesen 2522 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 03 März 2021 16:52
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx