Meere, Inseln, Antarktis

Kreta

Kretische Küste bei Vai Kretische Küste bei Vai
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

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Karte von Kreta: 1 = Insel Antikithira, 2 = Insel Gavdos, 3 = Insel Dia, 4 = Insel Dragonada, 5 = Insel Elaphonisos, 6 = Samaria-Schlucht, 7 = Ida-Gebirge, 8 = Lassithi-Hochebene, 9 = Palmenstrand von Vai

 

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Die Omalós-Hochebene im Westen Kretas @ Peter Dollinger, Zoo Office Bern

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Auf der Lassithi-Hocheben wird Wasser für die landwirtschaftlichen Kulturen mittels Windrädern hochgepumpt © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

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Die höchsten Gipfel des Ida-Gebirges erreichen fast 2'500 m. ü. M. © Frank Velte, Zoo-Vivarium Darmstadt

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Sandstrand auf Elaphonisos vor der Westküste Kretas © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

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Die Samaria-Schlucht vom unteren Zugang her © Frank Velte, Zoo-Vivarium Darmstadt

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Phrygana-Vegetation auf der Akrotiri-Halbinsel © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

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Die Dornige Bibernelle (Sarcopoterium spinosum) dominiert gebietsweise die Phrygana © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

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Kreta-Dattelpalmen (Phoenix theophrasti) bei Vai, Kreta © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

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Mariendistel (Silybum marianum), Akrotiri © Peter Dollinger

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Kretische Wildziege (Capra aegagrus cretica) in der Samaría-Schlucht. Bild: Wannes NL

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Kretische Wildziegen (Capra aegagrus cretica) in der Samaría-Schluch © Frank Velte, Zoo-Vivarium Darmstadt

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Rallenreiher (Ardeola ralloides) am Agiás-See © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

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Balkan-Wasserschildkröte (Mauremys rivulata) am Agiás-See © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

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Kreta-Mauereidechse (Podarcis cretensis) auf der Halbinsel Akrotiri © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

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Kreta-Wasserfrosch (Pelophylax cretensis) © Frank Velte, Zoo-Vivarium Darmstadt

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Ein großer Bestand an halbwilden Hauskatzen tut dem einheimischen Vogel- und Reptilienbestand nicht gerade gut © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Allgemeines

Mit 8'336 km² ist Kreta die fünftgrößte Insel des Mittelmeeres und die größte der 3054 griechischen Inseln.Sie ist etwa 255 km lang und 12-62 km breit und hat eine Küstenlinie von etwas über 1000 km. Die Einwohnerzahl liegt bei etwa 650'000. Politisch zu Kreta gehört die 33 km² große und von etwa 40 Menschen ständig besiedelte Insel Gavdos. Diese liegt 35 km südlich von Kreta und ist 260 km vom Afrikanischen Kontinent entfernt. Sie ist der südlichste Punkt Europas (SCHNEIDER, 2005). Ferner ist Kreta von 33 nicht permanent bewohnten Inseln umgeben.

Die Landschaft Kretas wird geprägt von drei teilweise von tiefen Schluchten durchzogenen Hochgebirgen: den Weißen Bergen oder Lefká Óri mit dem Páchnos als höchstem Gipfel (2453 m), dem Ida-Gebirge (Psilorítis oder Timíos Stávros, 2456 m) und dem Lassithi-Gebirge (Dikti, 2148 m). Ferner gibt es einige Bergketten und -massive, die eine Höhe von 2000 m nicht erreichen, wie das Kédros-Massiv (1776 m), die Thriptis- (1476 m), Asteroúsia- (1231 m)  und Kouloúknas- Berge (1078 m). Ein weiteres Charakteristikum sind Poljen, verkarstete Hochebenen (Omalós-, Anopóli-, Askífou-, Nida- und Lassíthi-Hochebene) die auf 600-1350 m Höhe liegen. Die im Süden gelegene, 150 km² große und landwirtschaftlich intensiv genutzte Mesará ist die einzige Tiefebene Kretas. Da im Süden der Insel die Berge steil zum bis 5100 m tiefen Hellenischen Trog abfallen, dominieren hier Felsküsten. Im Norden dagegen, wo die Berge flach zum Kretischen Meer auslaufen, gibt es zahlreiche Sandstrände (LANGE & WÄCHTER, 1999).

Vegetation und Charakterpflanzen

Auf einer Fläche halb so groß wie Thüringen gedeihen auf Kreta 1’800 Pflanzenarten, zum Vergleich: die Bundesrepublik weist insgesamt 2'700 Arten auf. 121 Blütenpflanzenarten sind endemisch. Ursprünglich gab es bis zu einer Höhe von 800 m. ü. M. und stellenweise höher ausgedehnte mediterrane Hartlaubwälder und darüber mediterrane Bergwälder. Oberhalb von 1500-1800 m folgt die subalpin-alpine Dornpolsterstufe. Durch Rodung zur Gewinnung von Kulturland wurden die Wälder immer mehr zurückgedrängt, und durch die andauernde Nutzung enstand anstelle des Waldes eine Macchie  und bei verstärkter Nutzung die hier als "Phrygana" bezeichnete Garrigue, die bei starker Beweidung und Erosien weiter zu  Felsfluren dagradiert. In den tiefsten Lagen der Hartlaubzone trifft man auf wärmeliebende Gehölze, wie Johannnisbrotbaum (Ceratonia siliqua), Wilder Ölbaum (Olea europaea), Mastix-Strauch (Pistacia lentiscus) und Phönizischer Wachholder (Juniperus phoenicea) sowie Baum-Wolfsmilch (Euphorbia dendroides). Darüber gedeihen Reste regional unterschiedlicher Waldgesellschaften mit Westlichem bzw. Östlichem Erdbeerbaum (Arbutus unedo, A. arachne), Baum-Heide (Erica arborea), Stein-Eiche (Quercus ilex), Kermes-Eiche (Q. coccifera), Wallonen-Eiche (Q. ithaburensis macrolepis) und Kalabrischer Kiefer (Pinus brutia) sowie eingeführten Ess-Kastanien  (Castanea sativa)und Flaum-Eichen (Q. pubescens). In der Berwaldzone finden sich Zypresse (Cupressus sempervirens), Immergrüner Ahorn (Acer sempervirens), Kermes-Eiche, Mandelbättrige Birne (Pyrus spinosa), Eingriffeliger Weißdorn (Crataegus monogyna), Kretische Berberitze (Berberis cretica) und die endemische Zelkove (Zelkova abelicea). Ferner gibt es  Schluchtwälder mit  Immergrünem Ahorn, Terpentin-Pistazie (Pistacia terebinthus) und Lianen, Platanen-Auwälder (Platanus orientalis), Dünenwäldern mit Stech-Wachholder (Juniperus oxycedrus macrocarpa) und noch ganz wenig Kreta-Dattelpalmenwald (Phoenix theophrasti). Die Phrygana besteht aus einer Vielzahl von kleinen Büschen und Krautpflanzen, unter denen die Dornige Bibernelle (Sarcopoterium spinosus), Dorniger Ginster (Genista acanthoclada) und Zistrosen (Cistus spp.) besonders zu erwähnen sind.  (BAYER et al., 1987, LANGE & WÄCHTER, 1999; CRETAN FLORA)

Tierwelt

Das Meeresgebiet südlich von Kreta ist von großer Bedeutung für den Erhalt der Mittelmeer-Population des Pottwals (Physeter catodon). Um Kretas häufig anzutreffen sind der Große Tümmler und drei weitere Delfinarten (PELAGOS). An den Felsküsten überleben immer noch einige Mittelmeer-Mönchsrobben (Monachus monachus). Die Fledermäuse sind mit 14 Arten vertreten. Die terrestrische Säugetierfauna besteht aus dem Nördlichen Weißbrustigel (Erinaceus roumanicus), der Etrusker- (Suncus etruscus), Garten- (Crocidura suaevolens) und der endemischen Kreta-Sptzmaus (C. zimmermanni), Feldhase, Wildkaninchen, Gartenschläfer, sechs Mäuseverwandten, darunter die Kreta-Stachelmaus, die Orient-Felsenmaus (Apodemus mystacinus) und die Zwergwaldmaus (A. uralensis) (GRIMMBERGER & RUDLOFF, 2009). Von Mauswiesel (Mustela nivalis), Steinmarder, Dachs, und Wildkatze gibt es spezielle Unterarten  Letztere galt lange als ausgestorben, wurde aber 1996 wieder entdeckt (KRETA-UMWELTFORUM). Nachdem die einheimischen Hirsche vor rund 6'000 Jahren ausgerottet wurden, ist die, möglicherweise in der Antike eingeführte, Kretische Wildziege die einzige Huftierart Kretas. Ihre Verbreitung ist heute auf die Weißen Berge mit dem Samaría Nationalpark beschränkt, von wo aus eine erfolgreiche Umsiedlung auf die Insel Teodórou vorgenommen wurde (SHACKLETON, 1997).

Die Nordostecke bei Vai ist ein Important Bird Area (GR 193, 7'500 ha), in dem Rötel- und Eleonorenfalken (Falco naumanni, F. eleonorae) brüten.

Die Echsen sind mit sechs oder sieben Arten vertreten und die Schlangen mit Balkan-Zornnatter (Hierophis gemonensis), Würfelnatter, Katzennatter (Telescopus fallax) und Leopardnatter (Zamenis situla). Berichte über das Vorkommen der Breitrandschildkröte konnten in jüngerer Zeit nicht bestätigt werden. Obwohl die invasive Rotwangen-Schmuckschildkröte eingeschleppt wurde, ist die einheimische Balkan-Bachschildkröte  (Mauremys rivulata) immer noch häufig. An manchen Sandstränden legt die Unechte Karettschildkröte (Caretta caretta) ihre Eier ab. Die Amphibien sind auf Kreta durch die Wechselkröte, den Kreta-Laubfrosch (Hyla arborea cretensis), den Kreta-Wasserfrosch (Pelophylax cretensis) sowie den eingeschleppten Amerikanischen Ochsenfrosch (Lithobates catebeianus) verteten.

Das östliche Mittelmeer war nie besonders fischreich, heute sind die Küstengewässer um Kreta fast leer gefischt. Gefangen werden hauptsächlich noch Sardellen, Sardinen, Schwert- und Thunfische für den lokalen Konsum. Auch Gewöhnliche Kraken, Kalmare (Loligo vulgaris) und Gewöhnliche Tintenfische werden auf den Fischmärkten häufig angeboten. Badeschwämme (Spongia officinalis) sind wichtig für den Export und die Tourismusindustrie (KRETA-UMWELTFORUM).

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Nationalparks und Schutzgebiete:

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Samaría-Nationalpark

Der Park besteht seit 1962. Er hat eine Fläche von 48.5 km² und liegt innerhalb des seit 1995 bestehenden 533.6 km² großen Schutzgebiets Weiße Berge (Lefka Ori Kai Paraktia Zoni). Siehe dazu LIFE Natura 2000. Das Areal zeicnet sich durch eine hohe Biodiversität mit zahleichen für Kreta endemischen Tier- und Pflanzenarten sowie einer Vielfalt an Lebensräumen, die von der Küstenlinie bis auf 2453 m Höhe reichen und nebst der Samaría-Schlucht weitere Schluchten, 50 über 2000 m hohen Berggipfel, Höhlen, Dolinen, Karstebenen und den größten noch verbleibenden Zypressenwald Kretas umfassen.

Webseite des Parks

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Schutzgebiete Elafonisos und Chrysokalitissa

Das Schutzgebiet "Nisos Elafonisos Kai Paraktia Thalassia Zoni" (siehe LIFE Natura 2000) hat eine Gesamtfläche von 272 ha. Es umfasst die 1500 m lange, 150-500 m breite und bis 39 m hohe, nahe der kretischen Küste gelegene "Hirschinsel" Elafonisos, Die überwiegend aus Sand besteht und nur wenige Felsen aufweist, sowie die umgebenden Flachwasserbereiche. Das Schutzgebiet grenzt unmittelbar an das 2203 ha große Schutzgebiet "Paralia Apo Chrysoskalitissa Mechri Akrotirio Krios" (siehe  LIFE Natura 2000) an, das Land und einen Wasserstreifen der gegenüberliegenden Küste abdeckt. Hier befindet sich das bekannte Frauenkloster Chrysoskalitissa.

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Schutzgebiet Nordostecke Kretas

Das Schutzgebiet "Voreio anatoliko akro Kritis" (siehe LIFE Natura 2000) hat eine Gesamtfläche von 3760 ha. Es umfasst das Wildschutzgebiet des Palmenhains Vai mit 89 ha, die Halbinseln Sideros und Kiriamadi sowie weitere Gebiete der ehemaligen Kommune Itanos, die heute zu Lassithi gehört, die Insel Elasada mit 190 ha, die Dionysaden mit den Inseln Dragonada, Gianisada Paximada und Paximadaki mit zusammen 532 ha sowie die umliegenden Meeresgebiete. Nebst dem berühmten Kreta-Dattelpalmenwald (Phoenix theophrasti) finden sich hier zahlreiche weitere endemische Pflanzen.

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Literatur und Internetquellen

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Gelesen 3769 mal Letzte Änderung am Sonntag, 11 April 2021 09:41
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