Kloaken- und Beuteltiere

Goodfellow-Baumkänguru

Goodfellow-Baumkängurus (Dendrolagus goodfellowi) im Krefelder Zoo Goodfellow-Baumkängurus (Dendrolagus goodfellowi) im Krefelder Zoo
Hella Hallmann, Krefeld

Unterklasse: Beuteltiere (MARSUPIALIA)
Ordnung: Känguruverwandtschaft (DIPROTODONTIA)
Unterordnung: Känguruartige (Macropodiformes)
Familie: Kängurus (Macropodidae)
Unterfamilie: Eigentliche Kängurus (Macropodinae)

D EN 650

EEPGoodfellow-Baumkänguru

Dendrolagus goodfellowi • The Goodfellow's Tree Kangaroo • Le dendrolague de Goodfellow

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Goodfellow-Baumkänguru (Dendrolagus goodfellowi) im Zoo von Melbourne VIC © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Verbreitung in Europa gehaltener Baumkängurus. Blau: D. goodfellowi, rot: matschiei

 

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Goodfellow-Baumkänguru (Dendrolagus goodfellowi) im Zoo Dortmund © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Goodfellow-Baumkänguru (Dendrolagus goodfellowi) im Zoo de Beauval © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Goodfellow-Baumkänguru (Dendrolagus goodfellowi) im Zoo de Beauval © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Goodfellow-Baumkänguru (Dendrolagus goodfellowi) im Zoo Duisburg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Goodfellow-Baumkänguru (Dendrolagus goodfellowi) im Zoo Duisburg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Goodfellow-Baumkänguru (Dendrolagus goodfellowi) im Zoo Rostock © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Goodfellow-Baumkänguru (Dendrolagus goodfellowi) im Zoo Melbourne © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Goodfellow-Baumkänguru (Dendrolagus goodfellowi) im Zoo Melbourne © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Gehegebeschilderung für Goodfellow-Baumkänguru (Dendrolagus goodfellowi) im Tierpark Berlin © 2021 Tierpark Berlin

 

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Goodfellow-Baumkänguru (Dendrolagus goodfellowi) im Tierpark Berlin © 2021 Tierpark Berlin

 

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Gehegebeschilderung für Goodfellow-Baumkänguru (Dendrolagus goodfellowi) im Zoo de Beauval © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Das Goodfellow-Baumkänguru ist eine auffällige Erscheinung und eignet sich daher gut als Botschafter für Natur- und Artenschutz in Neuguinea. Selbst ist es stark gefährdet, weshalb die Zoos ein Erhaltungszuchtprogramm betreiben. Wegen seiner arborikolen Lebensweise ist es auch von zoopädagogischem Interesse, wird aber in Europa nicht häufig gehalten.

Körperbau und Körperfunktionen

Das Goodfellows ist eine kleinere Baumkänguru-Art ohne markanten Geschlechtsdimorphismus. Beide Geschlechter sind in etwa gleich groß. Die Kopf-Rumpflänge beträgt etwa 56-64(-85) cm und die Schwanzlänge von 58-76(-86) cm, Männchen sind mit 8-9.5 kg im Mittel etwas schwerer als die 7-8.5 kg wiegenden Weibchen. Das kontrastreiche Fell ist kurz und dicht. Mitten auf dem Rücken befindet sich ein Haarwirbel. Oberseits ist die Farbe rot- bis kastanienbraun mit zwei hellen Längsstreifen vom Nacken bis zum Schwanzansatz. Der Schwanz ist auf der Oberseite bräunlich, bisweilen mit einer wenig ausgeprägten gelblichen Ringelzeichnung. Kehle, Bauch, Teile von Armen und Beinen und die Unterseite des Schwanzes sind cremefarben bis gelblich. [1; 9].

Verbreitung

Neuguinea: Indonesien (Irian Jaya) und Papua-Neuguinea, in mittleren Lagen der zentralen Kordillere sowie (pulcherrimus) in den Torricelli Mountains im Nordwesten Papua-Neuguineas. Eine eingeführte Population gibt es auf Neubritannien [2].

Lebensraum und Lebensweise

Ursprünglich in Regenwäldern vom Tiefland bis auf eine Höhe von 2'860 m verbreitet, ist das Goodfellow-Baumkänguru aus dem aus dem dichter vom Menschen besiedelten Tiefland weitgehend verschwunden und findet sich heute in der Hügel- und montanen Zone in Höhenlagen ab 680 m. Über sein Sozialverhalten im Freiland ist wenig bekannt. Vermutlich lebt es paarweise oder in kleinen Gruppen. Es ernährt sich am Boden oder auf Bäumen von Blättern verschiedener Bäume und Büsche, Schlingpflanzen und Farnen und bisweilen von Früchten [3; 9].

Baumkängurus ruhen am Boden oder auf Bäumen mit nach hinten gerichtetem bzw. hängendem Schwanz und mit angehobenen oder aufgesetzten Vorderbeinen [3]. Nach einer Trächtigkeit von etwa 45 Tagen wird in der Regel ein einzelnes Junges geboren. Dieses bleibt 8-10 Monate im Beutel, wird mit etwa 12 Monaten entwöhnt und begleitet die Mutter noch 2-3 weitere Monate. Das Weibchen wird wieder brünstig, sobald das Junge den Beutel verlassen hat. Männchen und Weibchen erreichen mit etwa 2 Jahren Geschlechtsreife [1; 9]. Durch eine an deutschen Zoos durchgeführte Forschungsarbeit konnte gezeigt werden, dass Weibchen noch im Alter von 19 Jahren einen aktiven Zyklus haben und dass dieser im Mittel etwa 54 Tage dauert [4].

Gefährdung und Schutz

Die Art hat ein eingeschränktes Verbreitungsgebiet und die Bestände nehmen ab. Seit 1994, letztmals überprüft 2016, wird sie als bedroht eingestuft (Rote Liste: ENDANGERED) [2].

Der internationale Handel wird durch CITES nicht geregelt.

Zoogestützte Artenschutzprojekte: Zum Schutz der bedrohten Baumkängurus tragen unter anderem die Gründung von Nationalparks mit Rangern und die umfassende Information der heimischen Bevölkerung über die Zusammenhänge des Naturschutzes bei. Für die lokale Bevölkerung im Regenwald Neuguineas sind Baumkängurus ein wichtiger Fleischlieferant. Die Einrichtung von Farmen, die andere Tiere, namentlich Hauskaninchen und Hühner, als alternative Fleischquellen züchten, schafft direkte Abhilfe für dieses Problem. Jedes Jahr fließen Spendengelder des Krefelder und anderer Zoos an dieses Schutzprojekt vor Ort, das von der Tenkile Conservation Alliance in den Toricelli Mountains betrieben wird und sich u.a. auf Dendrolagus (goodfellowi) pulcherrimus bezieht. (PM Krefelder Zoo, 29.05.2008).

Bedeutung für den Menschen

Wirtschaftliche Bedeutung: Das Goodfellow-Baumkänguru wird in Neuguinea traditionell zur Fleischgewinnung erlegt und innerhalb des Landes für "kulturelle Zwecke" gehandelt [3].

Haltung

Goodfellow-Baumkängurus sollten in Gehegen mit ausreichend Klettermöglichkeiten und erhöht angebrachten Futterstellen bei einer Temperatur von 18-22ºC und einer relativen Luftfeuchtigkeit von über 50% untergebracht werden [1]. Meist werden sie paarweise oder als Trios gehalten. Eine Vergesellschaftung mit Schnabeligeln, Neuguinea-Filandern, Klein- oder Rattenkängurus sowie  Flughunden ist möglich. Von der Gemeinschaftshaltung mit Vögeln wird wegen der Gefahr einer Übertragung von Aviärer Tuberkulose abgeraten.

Das Goodfellow-Baumkänguru gelangte erst 1961 in einen Zoo, nämlich in jenen von Adelaide [7]. Die ältesten, von WEIGL erfassten  Goodfellow-Baumkängurus starben im australischen Currumbin Sanctuary bzw. dem San Antonio Zoo im Alter von jeweils über 23 Jahren. In der Natur werden sie etwa 8 Jahre alt [1; 8].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art gelangte 1963 erstmals nach Europa, als der Londoner Zoo 1.2 Tiere erhielt [7]. Heute (2021) wird sie in rund einem Dutzend Zoos gehalten, von denen sich etwa ein Drittel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP, seit 1990), das vor einiger Zeit in ein globales Programm (GSMP) integriert wurde, wird vom Krefelder Zoo koordiniert. Es umfasste Ende 2018 56 Tiere in 23 Zoos, wovon sich 24 Tiere in 10 europäischen Zoos befanden. Das dazu gehörende Internationale Zuchtbuch wird am Melbourne Zoo geführt wird [IZY 52, Daten bis Januar 2018].

Forschung im Zoo: Unter Beteiligung zahlreicher Zoos wurde eine umfangreiche Arbeit über das Ruheverhalten verschiedener Känguru-Arten, darunter Dendrolagus goodfellowi, durchgeführt [6].

Mindestanforderungen an Gehege: Das Säugetiergutachten 2014 des BMEL gibt ein fakultatives Außengehege mit einer Mindestfläche von 40 m² für ein Paar und 10 m² für jedes weitere Tier an. Das Innengehege soll 16 m² groß und 3 m hoch sein, und für jedes weitere Tier ist die Fläche um 8 m² zu erhöhen.

Die Tierschutzverordnung der Schweiz schreibt für 1- 2 Tiere je ein Innen- und ein Außengehege von 16 m²/40m³ vor. Für jedes weitere Tier sind die Grundflächen um jeweils 4 m² zu erhöhen. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs verlangt für ein Paar ein Außen- und ein Innengehege von je 20 m²/60 m³. Für jedes weitere Tier ist die Fläche außen wie innen um 2 m² zu erhöhen.

Nach JACKSON soll für 2 Tiere eine Gehegefläche von 40 m² nicht unterschritten werden [2], andernorts wird eine Mindestdimension von 18 m² bei 3 m Höhe zitiert [1].

Taxonomie und Nomenklatur

Das Goodfellow-Baumkänguru wurde 1908 von Michael Rogers Oldfield THOMAS, einem englischen Zoologen, der am British Museum tätig war, unter seinem heute noch gültigen Namen beschrieben. Zeitweilig wurde es als Unterart des Matschie-Baumkängurus angesehen, aber 1990 wurde sein Artstatus bestätigt. Es wurden drei Unterarten anerkannt: D. g. goodfellowi und D. g. buergersi, beide stark gefährdet, wobei es zweifelhaft, ob es wirklich Unterarten sind, und das vom Aussterben bedrohte D. g. pulcherrimus, das von manchen Autoren als eigene Art angesehen wird. Die in Europa gehaltenen Tiere werden der Unterart buergersi zugerechnet [1; 9].

Literatur und Internetquellen

  1. DOMINIQUE, D. (2007)
  2. JACKSON, S. M. (2003)
  3. LEARY, T. et al. (2016). Dendrolagus goodfellowi. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T6429A21957524. http://www.iucnredlist.org/details/6429/0. Downloaded on 15 June 2018.
  4. SCHREINER, C. (2014)
  5. SCHREINER, C., SCHWARZENBERGER, F., KIRCHNER, W.H. & DRESSEN, W. (2015)
  6. SCHÜRER, U. (1978)
  7. SCHÜRER, U. (2019)
  8. WEIGL, R. (2005)
  9. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)

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