Gibbons und Menschenaffen

Gelbwangengibbon

Gelbwangengibbon-Mann (Nomascus gabriellae) im Khao Kheow Open Zoo, Chonburi, Thailand Gelbwangengibbon-Mann (Nomascus gabriellae) im Khao Kheow Open Zoo, Chonburi, Thailand
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Überordnung: EUARCHONTOGLIRES
Ordnung: Affen und Halbaffen (PRIMATES)
Unterordnung: Affen (Simiae / Haplorrhini)
Teilordnung: Eigentliche Affen (Simiiformes)
Überfamilie: Altwelt- oder Schmalnasenaffen (Catarrhini)
Familie: Gibbons (Hylobatidae)

D EN 650

Gelbwangengibbon

Nomascus gabriellae • The Yellow-cheeked Gibbon • Le gibbon à joues jaunes

Der Gibbon ist das Zootier des Jahres 2019

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Gelbwangengibbon-Männchen (Nomascus gabriellae) im Khao Kheow Open Zoo, Chonburi, Thailand © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Gelbwangengibbons (Nomascus gabriellae)

 

 

 

 

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Gelbwangengibbon-Männchen (Nomascus gabriellae) im Zoo Eberswalde © Förderverein Zoo Eberswalde

 

 

 

 

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Gelbwangengibbon-Weibchen (Nomascus gabriellae) im Zoo Leipzig © Zoo Leipzig

 

 

 

 

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Gelbwangengibbon-Männchen (Nomascus gabriellae) im Zoo Iglau / Jihlava © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

 

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Gelbwangengibbon-Weibchen (Nomascus gabriellae) mit Jungtier im Zoo Iglau / Jihlava © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

 

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Gelbwangengibbon-Jungtier (Nomascus gabriellae) im Zoo Iglau / Jihlava © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

 

Weitere Bilder auf BioLib

Der in seiner Heimat stark gefährdete Gelbwangengibbon ist, wie alle Gibbons, eine für das Publikum sehr attraktive Tierart, die sich bestens als Botschafter für die Erhaltung der zunehmend bedrohten Wälder Südostasiens und ihrer vielfach gefährdeten tierischen Bewohner eignet. Seine Haltung wird durch ein europäisches Zuchtprogramm gefördert. Rund die Hälfte der Nomascus-Haltungen in Europa hat N. gabriellae.

Körperbau und Körperfunktionen

Wie alle Gibbons hat der Kappengibbon keinen Schwanz und seine Arme sind viel länger als die Beine. Auch die Hände sind lang und ihr Daumen wurzelt nahe dem Handgelenk. Diese Besonderheiten ermöglichen den Tieren das Schwinghangeln (Brachiation) von Ast zu Ast. Als Kopf-Rumpflänge werden 45-50(-80?) cm und als Gewicht 5-6(-8) kg angegeben. Das haarlose Gesicht ist dunkel pigmentiert. Es besteht ein ausgeprägter Geschlechtsdichromatismus: Die Männchen sind schwarz mit gelblichen bis orangefarbenen Wangen, die Weibchen gelbbraun mit schwarzem Scheitelfleck. Die Jungtiere sind anfänglich gelbbraun gefärbt und entwickeln unabhängig vom Geschlecht nach rund sechs Monaten ein schwarzes Fell. Mit Beginn der Geschlechtsreife wechseln die weiblichen Tiere erneut ihre Fellfarbe. [1; 8].

Verbreitung

Südostasien: Kambodscha, Laos, Vietnam [5].

Lebensraum und Lebensweise

Gelbwangengibbons kommen in feuchten immergrünen und teilweise laubabwerfenden Wäldern sowie weiteren Waldtypen vor. Die Höhenverbreitung reicht vom Tiefland bis auf etwa 2'300 m. Sie sind tagaktive Baumtiere und leben zusammen mit ihrem Nachwuchs in dauerhafter Einehe. Sie ernähren sich zu rund 80% von Früchten, hauptsächlich Feigen, ferner von anderen Pflanzenteilen. Um ihren Nahrungsbedarf zu decken, benötigt eine Familiengruppe, die meist 4-5 (3-6) Individuen umfasst, ein Streifgebiet von etwa 41 (14-60) ha, das sie durch einen artspezifischen Gesang absteckt, bei dem Männchen und Weibchen unterschiedliche Strophen singen, und größtenteils als Territorium gegen Artgenossen verteidigt. Nach einer Tragzeit von etwa 7 Monaten wird ein einzelnes Junges geboren, das etwa 2 Jahre gesäugt wird und mit Erreichen der Geschlechtsreife im Alter von 6-8 Jahren den Familienverband verlässt [1; 5; 8].

Gefährdung und Schutz

Vermutlich handelt es sich um den häufigsten Schopfgibbon. Die Bestände und der verfügbare Lebensraum nehmen aber drastisch ab und die Art wird von der IUCN seit 2008 als bedrohte Tierart geführt (Rote Liste: ENDANGERED) [2].

Der internationale Handel ist durch CITES-Anhang I eingeschränkt.

Bedeutung für den Menschen

Hauptsächlich in Laos wird der Gelbwangengibbon zur Gewinnung von Fleisch gejagt. In Vietnam und Kambodscha werden Jungtiere für den Heimtierhandel gefangen [4].

Von 1977-2017 wurden aus den Ursprungsländern nur die Ausfuhr von etwas Wissenschaftsmaterial registriert. Im selben Zeitraum wurden auch keine Ausfuhren von Nachzuchttieren mitgeteilt, was nicht ausschließt, dass einzelne unter der Bezeichnung Nomascus leucogenys stattgefunden haben könnten [5].

Haltung

Im Leipziger Zoo wurden die Gelbwangengibbons mit Sumatra-Orangs vergesellschaftet.

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in gegen 40 Zoos gehalten, von denen sich nur einer im deutschsprachigen Raum befindet. Haltungsschwerpunkt ist Frankreich. Für Details siehe Zootierliste.

Es gibt ein Europäisches Erhaltungszuchtprogramm (EEP) seit 1991. Dieses wird vom Zoo Mülhausen koordiniert, dem auch 1987 die europäische Erstzucht gelungen war. Die Erstzucht in Deutschland erfolgte 2003 durch den Zoo Eberswalde.

Forschung im Zoo: Gelbwangengibbons sind gelegentlich Gegenstand von Forschungsarbeiten. So wurden sie in Studien über soziale Kommunikation bei Schopfgibbons und über Gesichtsausdrücke, die bei Gibbons während des Spielens auftreten, miteinbezogen [6; 7].

Mindestanforderungen an Gehege: Im Säugetiergutachten 2014 des BMEL wird für die Haltung einer Gibbonfamilie ein Außengehege von 50 m² bei einer Höhe von 4 m und einer Länge von mindestens 9 m sowie ein Innengehege von 30 m² bei 3.50 m Höhe gefordert, das "länger als breit" sein soll. Dies ist eine Erhöhung des Raumangebots auf beinahe das Dreifache gegenüber dem Gutachten’96, für die es keine Begründung gibt. Die Tierschutzsachverständigen der Zoos schlugen im Differenzprotokoll vor, dass für eine Familiengruppe bis zu 4 Tieren ein Außengehege von 25 m² bei 3.50 m Höhe und für jedes weitere Tier 8 m² mehr Fläche angeboten werden sollte. Das Innengehege sollte die gleichen Dimensionen aufweisen, falls ein Zugang zum Außengehege über längere Zeit nicht möglich ist

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2018) schreibt für 3 Gibbons ein Außen- und ein Innengehege mit einer Grundfläche von je 25 m² bei 3 m Höhe und für jedes weitere Tier 8 m² Fläche zusätzlich vor.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2018) muss die Haltung paarweise erfolgen und es ist für ein Paar mit Jungen ein Außengehege mit einer Grundfläche von 80 m² bei 5 m Höhe sowie ein Innengehege von 30 m² bei 3.50 m Höhe erforderlich.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Gelbwangengibbon wurde 1909 durch den englischen Zoologen Michael Rogers Oldfield THOMAS als Hylobates gabriellae erstmals wissenschaftlich beschrieben. Später kam er in die von Gerrit Smith MILLER Jr. für Hylobates leucogenys geschaffene neue Gattung Nomascus. Bis vor einigen Jahren wurde er als Unterart des Schopfgibbons (Hylobates = Nomascus concolor) betrachtet, der mittlerweile in 6-7 Arten augfgesplittet wurde. Möglicherweise gibt es in Kambodscha eine Hybridzone mit Nomascus siki [3; 5; 8].

Literatur und Internetquellen

  1. ANIMAL DIVERSITY WEB
  2. BERGER, G. & TYLINEK, E. (1984)
  3. CITES IDENTIFICATION MANUAL
  4. CITES TRADE DATA BASE
  5. GEISSMANN, T. et al. (2008). Nomascus gabriellae. The IUCN Red List of Threatened Species 2008: e.T39776A10265736. http://www.iucnredlist.org/details/39776/0. Downloaded on 15 May 2018.
  6. HOFFMANN, W. (2012)
  7. VON ALLMEN, A. (2005)
  8. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)

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Gelesen 588 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 09 Oktober 2019 14:56
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx