Kloaken- und Beuteltiere

Kurzkopfgleitbeutler

Kurzkopfgleitbeutler (Petaurus breviceps) im Zoo Sarbrücken Kurzkopfgleitbeutler (Petaurus breviceps) im Zoo Sarbrücken
© Richard Francke, Zoo Saarbrücken

Unterklasse: Beuteltiere (MARSUPIALIA)
Ordnung: Känguruverwandtschaft (DIPROTODONTIA)
Unterordnung: Kuskusse und Gleitbeutler (Phalangeriformes)
Familie: Gleitbeutler (Petauridae)

D LC 650

Kurzkopfgleitbeutler

Petaurus breviceps • The Sugar Glider • Le phalanger volant

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Kurzkopfgleitbeutler (Petaurus breviceps) im Zoo Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Approximative Verbreitung des Kurzkopfgleitbeutlers (Petaurus breviceps)

 

 

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Kurzkopfgleitbeutler (Petaurus breviceps) im Zoo Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Kurzkopfgleitbeutler (Petaurus breviceps) im Zoo Augsburg © Dieter Gillesen / Zoo Augsburg

 

 

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Kurzkopfgleitbeutler (Petaurus breviceps). Illustration aus GOULD, J. (1863). The Mammals of Australia, Vol. I. Public Domain.

 

 

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Kurzkopfgleitbeutler (Petaurus breviceps). Illustration aus GOULD, J. (1863). The Mammals of Australia, Vol. I. Public Domain.

 

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Der Kurzkopfgleitbeutler gehört zu den kleinen Arten der Gleitbeutler-Familie. Es handelt sich um eine lebhafte, sozial lebende und daher attraktive Art, die sich gut als Botschafter für die Erhaltung der Biodiversität im australasischen Raum eignet. Sie wird daher relativ oft in Zoos gehalten, obwohl sie den Nachteil hat, nachtaktiv zu sein, was die Möglichkeiten für ihre Präsentation einschränkt.

Körperbau und Körperfunktionen

Kurzkopfgleitbeutler sind kleine Beuteltiere mit verkürzter Schnauze, die etwa so groß sind wie ein Siebenschläfer. Ihre Kopf-Rumpfläng beträgt 16-21 cm, der Schwanz ist etwa gleich lang. Männchen wiegen (70-)85-160 g und Weibchen 60-135 g. Innerhalb ihres Areals variieren Größe und Färbung erheblich. Hinsichtlich Größe spielt in Australien die Bergmannsche Regel: Tiere aus dem tropischen Norden sind kleiner  als solche  aus dem gemäßigten Süden. Die Oberseite ist grau bis bräunlich gefärbt, die Unterseite cremefarben bis mittelgrau. Längs über den Rücken verläuft ein schwarzes Band. Der Kopf ist hell mit schwarzer Zeichnung. Der Schwanz wird gegen das Ende zu dunkler [1; 3; 7].

In Anpassung an ihre kletternde Lebensweise besitzen die Kurzkopfgleitbeutler Greifhände und -füße, einen langen, dicht behaarten Schwanz, der beim Springen und Gleiten als Steuerruder dient, aber auch zum Transport von Nistmaterial eingesetzt werden kann, und beidseits eine zwischen Vorder- und Hinterbeinen verlaufende Flugmembran, die durch Abspreizen der Extremitäten aufgespannt werden kann. Die Hände haben 5 bekrallte Finger. Die Großzehe ist verdickt und krallenlos, die 2. und 3. Zehe sind miteinander verwachsen. Die Beutelöffnung der Weibchen ist ein länglicher Schlitz, der von der Bauchmitte nach hinten zieht [1].

Verbreitung

Australasien: Nord-, Ost- und Südostaustralien, große Teile von Neuguinea mit Neubritannien, Indonesien von den Molukken an ostwärts und viele um Australien und Neuguinea liegende kleinere Inseln. Auf Tasmanien angesiedelt [5].

Lebensraum und Lebensweise

Kurzkopfgleitbeutler sind Baumbewohner, die unterschiedliche Waldtypen und Savannen besiedeln. Sie sind nachtaktiv und schlafen tagsüber in Baumhöhlen. Sie sind sozial. Gruppen von bis zu sieben, meist weiblichen Erwachsenen und deren Jungtiere bis zum Alter von etwa 15 Monaten bewohnen jeweils gemeinsam ein Nest. Mittels der aufgespannten Flugmembran können sie Gleitflüge von bis zu 50 m durchführen [1; 7].

Kurzkopfgleitbeutler ernähren sich vor allem von Baumsäften, Pollen, Blütennektar und süßen Früchten, daher der englische Name "Sugar Glider" Im Tiergarten Schönbrunn wurde ermittelt, dass die Tiere die Zuckersorten Glukose, Saccharose und Fructose voneinander unterscheiden können, dass ihr Geschmackssinn hinsichtlich der Kategorie "süß" sehr sensibel ist, dass sie süßere Zuckersorten bevorzugen und dass sie Zuckerersatzstoffe erkennen können. [2].

Nach einer Tragzeit von 16 Tagen werden 1-2 Junge geboren. Diese bleiben etwa 70 Tage im Beutel und danach weitere 40-50 Tage im Gemeinschaftsnest. Mit etwa 110-120 Tagen begleiten sie ihre Mutter und beginnen selbständig zu fressen. Mit 7-10 Monaten verlassen sie die Familiengruppe [1; 7].

Gefährdung und Schutz

Der Kurzkopfgleitbeutler gilt aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2016 nicht als gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN), weil er weitverbreitet ist, eine große Gesamtpopulation hat, in vielen Schutzgebieten vorkommt, unterschiedliche Lebensräume nutzen kann, auch in veränderten/degradierten Lebensräumen leben kann und seine Bestände stabil zu sein scheinen [5].

Der internationale Handel ist nicht unter CITES geregelt. Für lebende Tiere gelten Ausfuhrbeschränkungen Australiens.

Bedeutung für den Menschen

Der Kurzkopfgleitbeutler ist ein beliebtes Heimtier, das häufig gezüchtet wird und von dem es mittlerweile verschiedene Mutationen gibt [1].

Haltung

Wer sich als Privatperson Kurzkopfgleitbeutler anschaffen will, soll sich das gut überlegen, denn die Tierchen sind nachtaktiv, werden nicht stubenrein und können bis gegen 18 Jahre alt werden [1].

Der älteste bekannte Kurzkopfgleitbeutler in einem Zoo wurde im Toronto-Zoo geboren und starb ebendort im Alter von 17 Jahren und 9 Monaten [6].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in gegen 90 Zoos gehalten, darunter etwa ein Dutzend im deutschsprachigen Raum. Die meisten Haltungen gibt es in Großbritannien. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 des BMEL soll das Gehege für bis zu 5 Tieren eine Mindestfläche von 2 m² bei einer Höhe von 2 m messen. Für jedes weitere Tier soll die Grundfläche um 0.2 m² erhöht werden.

Die Tierschutzverordnung der Schweiz schreibt für 1 bis 2 Tiere ein Innengehege von 3 m² bei 2 m Höhe und für jedes weitere Tier zusätzlich 1 m² vor.

Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs verlangt für ein Paar ein Innengehege von 2 m² bei 3 m Höhe. Für weitere Tiere werden keine Vorgaben gemacht.

Nach JACKSON soll für ein Paar Tiere eine Gehegefläche von 7.8 m² bei einer Höhe von 3 m nicht unterschritten werden, für jedes weitere Tier soll 1 m² Bodenfläche zusätzlich angeboten werden [4].

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde 1839 von dem englischen Zoologen George Robert WATERHOUSE, der den Säugetierband von DARWINs Werk "The Zoology of the Voyage of H.M.S. Beagle" bearbeitet hatte, unter ihem heute noch gültigen Namen beschrieben. Zeitweilig wurde sie in die Gattung Belideus gestellt. Gegenwärtig sind vier Unterarten anerkannt, es wird aber diskutiert, ob es sich nicht um einen Artkomplex handelt [7].

Literatur und Internetquellen

  1. GOLLMANN, B. & GASSNER, G. (2001)
  2. GUEL, D. (2012)
  3. JACKSON, S. M. (2003)
  4. PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
  5. SALAS, L. et al. (2016). Petaurus breviceps. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T16731A21959798. http://www.iucnredlist.org/details/16731/0. Downloaded on 15 June 2018.
  6. WEIGL, R. (2005)
  7. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx