Wale und Robben

Jacobita

Zwei Jacobitas (Cephalorhynchus  commersonii) beim Springen im Zoo Duisburg Zwei Jacobitas (Cephalorhynchus commersonii) beim Springen im Zoo Duisburg
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Überordnung: LAURASIATHERIA
Taxon ohne Rang: CETARTIODACTYLA
Ordnung: Wale (Cetacea)
Unterordnung: Zahnwale (Odontoceti)
Familie: Delfine (Delphinidae)
Unterfamilie: Jacobitas (Cephalorhynchinae)

D DD 650

Commerson-Delfin, Jacobita oder Tonina

Cephalorhynchus commersonii • The Commerson's Dolphin • Le dauphin de Commerson

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Commerson-Delfin (Cephalorhynchus commersonii) im Zoo Duisburg © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Die beiden Areale des Commerson-Delfins (Cephalorhynchus commersonii)

 

 

 

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Commerson-Delfin (Cephalorhynchus commersonii) im Zoo Duisburg © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Gemeinschaftshaltung von Beluga und Tonina im Zoo Duisburg. Foto veröffentlicht in Der Westen vom 02.09.2011

 

 

 

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Wildlebender Commerson-Delfin (Cephalorhynchus commersonii) bei den West-Falkland-Inseln © Thomas Kauffels, Opel-Zoo Kronberg

 

 

 

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Gebiss eines Commerson-Delfins (Cephalorhynchus commersonii) © Serge Ouachée. Übernommen aus Wikimedia Commons unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international“

 

 

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Vom im Freiland nicht gefährdeten Commerson-Delfin gab es in Europa nur eine einzige Haltung im Zoo Duisburg, die 2004 aufgegeben wurde. In den USA und Japan existieren noch kleine, züchtende Bestände, die auf Importe in den 1980er-Jahren zurückgehen.

Körperbau und Körperfunktionen

Jacobitas erreichen eine Gesamtlänge von etwa 160 cm und ein Gewicht von 66 kg. Tiere von den Kerguelen sind etwa 20 cm länger und bis 20 kg schwerer. Neugeborene sind 65-75 cm lang. Die Tiere haben eine stumpfe Schnauze, eine kleine, abgerundete Rückenflosse und sind kontrastreich schwarz und weiß gezeichnet. Kälber sind bei der Geburt grau-schwarz [7].

Verbreitung

Subantarktis: Es gibt zwei Unterarten mit weit voneinander getrennten Arealen: C. c. commersonii in den Küstengewässern des südlichen Südamerika (Argentinien, Chile) und um die Falkland-inseln sowie C. c. kerguelenensis  in den flachen Küstengewässern um die Kerguelen im südlichen Indischen Ozean [3].

Lebensraum und Lebensweise

Jacobitas leben in kalten Küstengewässern, meistens nicht weiter als 10-60 km vom Land entfernt, und in Fjorden, Buchten, natürlichen Häfen, Flussmündungen und gelegentlich im Unterlauf von Flüssen. Bevorzugt werden starke Strömungen aufgesucht. Sie sind opportunistische Jäger, die sich von kleinen pelagischen und benthischen Fischen sowie Kopffüßern ernähren. Die Geburten fallen hauptsächlich auf den Zeitraum September-Februar, also den südlichen Frühling und Sommer. Die Trächtigkeit dauert 10-11 Monate [3; 7].

Gefährdung und Schutz

Der Commerson-Delfin hat eine vergleichsweise kleine Verbreitung: Bestandsdaten sind unzureichend, aber es gibt Anhaltspunkte dafür, dass zumindest die südamerikanische Population relativ häufig und insgesamt nicht abnehmend ist. Aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2017 wurde die Art daher als nicht-gefährdet eingestuft  (Rote Liste: LEAST CONCERN) [3].

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang II geregelt. Die Art fällt unter Anhang II des Bonner Übereinkommens über wandernde Tierarten.

Bedeutung für den Menschen

Wirtschaftliche Bedeutung: Von den 1970er bis zu Beginn der 1990er Jahre wurden Jacobitas gebietsweise mit negativen Auswirkungen für den Bestand harpuniert, um ihr Fleisch als Köder für den Krabbenfang zu verwenden [3]. Von 1977-2000 wurden insgesamt 35 Jacobitas aus Chile und Argentinien ausgeführt. 2001-2017 wurde nur noch das letzte Tier aus Duisburg international verschoben [2].

Haltung

Die Zahl der weltweit gehaltenen Jacobitas ist gering. Die heutige Zoopopulation geht zurück auf 12 Tiere, die 1983 aus Chile nach den USA, und 17 Tiere, die 1987 nach Japan exportiert wurden. In amerikanischen und japanischen Einrichtungen starben von 2014-2018 fünf Tiere und drei wurden geboren. Das älteste Tier in den USA war zu diesem Zeitpunkt 35 Jahre alt [1; 2; 6].

Haltung in europäischen Zoos: Seit 2005 wird die Art in Europa nicht mehr gehalten. Für Details siehe Zootierliste.

1978 reiste der damalige Duisburger Zoodirektor Dr. Wolfgang GEWALT nach Argentinien, um dort Jacobita-Delfine zu erwerben die dem Zoo angeboten worden waren. Wie sich herausstellte verfügten die Anbieter aber gar nicht über die Tiere, weshalb GEWALT selbst eine Fangaktion durchführte, von der er sechs Jacobitas mitbrachte. Davon starben allerdings vier schon bald an einem massiven Lungenwurmbefall, den sie aus dem Freiland mitgebracht hatten. In der Folge wurden 1980 und 1984 zwei weitere Fangexpeditionen durchgeführt. Langfristig überlebten aber nur männliche Tiere, sodass es nie zu einer Zucht kam. Die Jacobitas wurden zusammen mit den Belugas gehalten, mit denen sie sich bestens vertrugen. Das letzte Tier wurde nach 26-jähriger Haltung an das Sea World San Diego abgegeben wo es nach insgesamt 32-jähriger Haltung in Menschenobhut starb. Im Freiland erreichen Jacobitas gewöhnlich nur ein Alter von 18 Jahren [6].

Forschung im Zoo: In Duisburg wurden ethologische Studien an den Jacobitas durchgeführt [4].

Faktenblatt zur Delfinhaltung  (2013; betrifft hauptsächlich Tursiops)

Mindestanforderungen an Gehege: Das Säugetiergutachten 2014 des BMEL bezieht sich nicht auf Jacobitas.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 01.06.2022) schreibt für bis zu 5 Tieren ein Becken mit einer Mindestfläche von 800 m² und einer Tiefe von 5 m vor. Für jedes weitere Tier ist die Fläche um 50 m² zu erhöhen. Ferner sind Absperrbecken erforderlich. In der früheren Fassung der Verordnung betrug die geforderte Fläche 450 m² und die Tiefe 3.5 m. Weshalb das Beckenvolumen von 1'575 m³ auf 4'000 m³ erhöht wurde, wurde nicht begründet. Ebenso ist unklar, weshalb alle Delfine gleich behandelt werden wie der Große Tümmler, obwohl z.B. Jacobitas fünfmal weniger Körpermasse aufweisen. In Österreich sind keine Haltungsanforderungen festgelegt.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde 1804 vom französischen Naturforschers Graf Bernard-Germain-Étienne de LACÉPÈDE unter der Bezeichnung "Delphinus commersonii" beschrieben. Die Gattungsbezeichnung Cephalorhynchus geht auf John Edward GRAY vom British Museum in London und das Jahr 1846 zurück. Seit 2007 ist die Population von den Kerguelen als eigene Unterart (C. c. kerguelensis) anerkannt. Diese geht anscheinend auf einige wenige Individuen zurück, die es vor etwa 10'000 Jahren in den südlichen Indischen Ozean verschlagen hatte (siehe unter Vebreitung) [5; 7; 8].

Literatur und Internetquellen

  1. CETA-BASE
  2. CITES TRADE DATA BASE
  3. CRESPO, E. et al. (2017). Cephalorhynchus commersonii. The IUCN Red List of Threatened Species 2017: e.T4159A50351788. http://www.iucnredlist.org/details/4159/0. Downloaded on 22 May 2018.
  4. DELFINARIUM ZOO DUISBURG
  5. TERNES, K. (2015)
  6. WEIGL, R. (2005)
  7. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-2019)
  8. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx