Wale und Robben

Weisswal, Beluga

Weißwal (Delphinapterus leucas) im "Walarium" des Duisburger Zoos Weißwal (Delphinapterus leucas) im "Walarium" des Duisburger Zoos
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Überordnung: LAURASIATHERIA
Taxon ohne Rang: CETARTIODACTYLA

Ordnung: Wale (Cetacea)
Unterordnung: Zahnwale (Odontoceti)
Familie: Gründelwale (Monodontidae)

Red list status Least concern

Weißwal, Beluga

Delphinapterus leucas • The White Whale or Beluga • Le dauphin blanc, ou bélouga

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Weißwal (Delphinapterus leucas) im Walarium des Duisburger Zoos © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Weißwals (Delphinapterus leucas)

 

 

 

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Weißwal (Delphinapterus leucas) im Walarium des Duisburger Zoos © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Beluga-Vorführung im Zoo Duisburg. Foto veröffentlicht in Der Westen vom 02.09.2011

 

 

 

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Weißwal (Delphinapterus leucas) im Zoo Moskau © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Vorführung von Weißwalen (Delphinapterus leucas) in der Safari World Bangkok © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Die vergebliche Jagd auf "Moby Dick" brachte den deutschen Blätterwalt zum Rauschen. Hier Kölner Stadt-Anzeiger

 

 

 

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Die von Wolfgang Gewalt aus Kanada eingeführten Belugas wurden rasch zahm und entwickelten sich zu Publikumslieblingen. Bild veröffentlich in Der Westen

 

 

 

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Unterwassersicht auf Weißwal (Delphinapterus leucas) im Vancouver Aquarium © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Die Anlage für Belugas im Vancouver Aquarium. Angesichts des politischen Drucks nach dem plötzlichen Tod der beiden letzten Belugas hat sich das Vancouver Aquarium entschlossen, auf die weitere Haltung zu verzichten © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Beluga (Delphinapterus leucasx) zieht Boot im "Walarium" des Duisburger Zoos. Aufnahme von 1989 © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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"Weisswal (Beluga catodon). Nicht sehr naturgetreue Darstellung aus Brehms Thierleben (1882-1887)

 

Weitere Bilder auf BioLib

Der im Freiland nicht gefährdete Weißwal ist wegen seiner auffälligen Färbung und seiner Fähigkeit, den Kopf zu drehen, ein äußerst attraktives Zootier, das sich bestens als Botschafter für den Meeres- und Klimaschutz eignet. Im Gegensatz zu Nordamerika gibt es in Europa kein Programm für eine nachhaltige Zucht, weshalb die Art heute im EU-/EFTA-Raum nur noch in einer einzigen Einrichtung zu sehen ist.

Körperbau und Körperfunktionen

Weißwale werden 300-450 cm lang und 500-1600 kg schwer, Bullen sind größer und schwerer als Kühe, die im Mittel etwa 320 cm lang und 520 cm schwer werden. Die Schnauze ist kurz, die Melone stark entwickelt. Das Blasloch befindet sich hinter der Melone über den kleinen Augen. Im Gegensatz zu anderen Walen haben die Belugas einen kurzen Hals und können den Kopf drehen, weil die Halswirbel nicht miteinander verwachsen sind. Die Brustflossen sind rechteckig mit abgerundeten Ecken, die Rückenflosse fehlt, Bei der Geburt sind die Tiere weiss oder gräulich, werden später bleigrau und schließlich weiß oder cremefarben [8].

Verbreitung

Zirkumpolar: Nordpolarmeer von der Westküste Grönlands in westlicher Richtung bis nach Spitzbergen: Grönland, Kanada, Norwegen (Svalbard und Jan Mayen), Russland, USA. Irrgäste in Nord- und Ostsee und in der Japansee [4].

Lebensraum und Lebensweise

Belugas besiedeln Küstengewässer, Kontinentalschelf sowie tiefe Meeresbecken mit offenem Wasser, losem Eis oder Packeis. Im Sommer befinden sich viele Tiere in Küstengewässern, die nur 1-3 m tief sind oder steigen in Flüssen bisweilen Hunderte von Kilometern hoch. Manche Gruppen unternehmen ausgedehnte Wanderungen zwischen Sommer- und Wintereinständen, andere sind ortstreu [4].

Belugas ernähren sich von einem großen Spektrum unterschiedlicher Fische, darunter Polardorsch (Boreogadus saida), Grönlanddorsch (Arctogadus glacialis), Schwarzer Heilbutt (Reinhardtius hippoglossoides), Pazifiklachse (Oncorhynchus spp.), Saiblinge (Salvelinus spp.), Felchen (Coregonus spp.) und saisonal von Rotbarschen (Sebastes marinus), sowie von Wirbellosen wie z.B. Eismeergarnelen (Pandalus borealis) und Kalmare (Gonatus fabricii). Zum Beutefang sollen Erwachsene bis 25 Minuten lang und 1'000 m tief tauchen können [8].

Kühe konzipieren erstmal im Mittel mit 9 Jahren. Die Trächtigkeit dauert 455-495 Tage. Die Jungen haben bei der Geburt eine Länge von 155-161 cm und ein Gewicht von 89 kg. Sie werden 6 Monate bis 2 Jahre lang gesäugt. Die Geburtsintervalle betragen vermutlich etwa 3 Jahre. Als Höchstalter werden 80 Jahre genannt [5; 8].

Gefährdung und Schutz

Gefährdung und Schutz: 1996 wurde die Art als gefährdet eingestuft, eine spätere Prüfung ergab jedoch, dass die Bestände nicht so stark abnehmen, dass dies gerechtfertigt wäre. Da aber die Situation der einzelnen Subpopulationen sehr unterschiedlich ist und verschiedene nationale und internationale Schutzprogramme ausliefen, wurde sie 2008 als potenziell gefährdet beurteilt. Eine neuerliche Beurteilung im Jahr 2017 stuft sie als nicht-gefährdet ein (Rote Liste: LEAST CONCERN) [4].

Der internationale Handel ist unter CITES Anhang II geregelt. Die Art fällt unter Anhang 2 der Bonner Konvention über wandernde Tierarten.

Bedeutung für den Menschen

Wirtschaftliche Bedeutung: Früher wurden Belugas an verschiedenen Orten kommerziell bejagt, aber dies ist nicht mehr der Fall. Nach wie vor gibt es eine Jagd durch die indigene Bevölkerung in Alaska, Kanada, Grönland und Teilen Russlands, die der Versorgung mit Fleisch, der Mattak genannten essbaren Schwarte oder Hundefutter dient, oder der Herstellung von Erzeugnissen , die lokal verkauft werden. Russland erlaubt den Lebendfang einer begrenzten Anzahl Tiere im Weißen Meer und in der Bucht von Sachalin [4]. Von 201-2016 meldete Russland die Ausfuhr von 380 Tieren. Davon ging fast die Hälfte nach China [2].

Haltung

Als publizierter Höchstalter gestorbener Tiere in Menschenobhut werden 33-34 Jahre angegeben. Dieses Alter wurde von drei Tieren nach Haltungsdauern von 29 Jahren und 2 Monaten bis 30 Jahren und 4 Monaten erreicht [7]. Das älteste gegenwärtig (2022) in Menschenobhut lebende Tier ist der Bulle "Ferdinand" mit rund 50 Jahren (siehe nachstehend). Währenddem die Bestände in Europa und Asien auf der Einfuhr von Wildfängen beruhen, sind in Nordamerika, wo es ein koordiniertes Zuchtprogramm gibt, um die 60% Nachzuchttiere [1; 5].

Haltung in europäischen Zoos: Gegenwärtig (2023) werden Weißwale in einem spanischen, einem isländischen und zwei türkischen Ozeanarien und in 19 Einrichtungen auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion gehalten. Für weitere Informationen siehe Zootierliste.

Aus mitteleuropäischer Sicht ist der Weißwal untrennbar mit dem Zoo Duisburg und dessen ehemaligem Direktor Wolfgang GEWALT verbunden [9]: Im Mai 1966 wurde ein für einen englischen Zoo bestimmter Weißwal beim Transport auf dem Seeweg während eines Sturms über Bord geschwemmt und verirrte sich anschließend in den Rhein, wo er fast einen Monat lang flussauf- und abwärts schwamm und bis zur vormaligen Bundeshauptstadt Bonn gelangte, bevor er den Weg zurück in die offene See wieder fand. Der damalige Duisburger Zoodirektor Dr. Wolfgang GEWALT versuchte, das Tier zu fangen, was ein Medien-Spektakel ("Fangt den weißen Wal" vs. „Stoppt Dr. Gewalt“) und einen wahren "Wal-Tourismus" auslöste, letztlich aber misslang. Das Ereignis wurde jedoch zum Anlass genommen, das durch die Fertigstellung des ersten festen Delfinariums freigewordene, offene Delfinbecken durch den Einbau einer Kühlanlage für die Haltung von Belugas zu adaptieren. 1969 wurde eine Fangexpedition nach Churchill (Kanada) unternommen, wo damals jährlich etwa 800 Belugas gefangen, meistens aber zur Fleisch- oder Tierfuttergewinnung getötet wurden. Von dieser Expedition brachte GEWALT zwei weibliche Tiere mit. 1975 konnte dazu, ebenfalls aus Kanada, ein männliches Tier erworben werden. Die Haltung im nun „Walarium“ genannten Becken erwies sich als problemlos. Aufgrund eines Herzfehlers starb das eine der Weibchen nach einer Haltungsdauer von 15 Jahren, das zweite lebte 30 Jahre, bis es altershalber starb. Der Bulle „Ferdinand“ verblieb danach bis 2004 in Gesellschaft eines Jacobitas in Duisburg. Da die Mittel für den Bau einer modernen Anlage fehlten, wurde er an das Sea World San Diego abgegeben wo er heute (Januar 2023) nach 48-jähriger Haltung in Menschenobhut, noch lebt [2; 4].  Das seitdem leer stehende "Walarium" wurde anfangs 2016 im Zuge der Bauarbeiten für eine neue Tigeranlage abgebrochen.

Forschung im Zoo: In Zusammenhang mit den Duisburger Belugas wurden etliche Doktor-, Diplom- und Examensarbeiten durchgeführt:

  • GRIEBEL, U. (1989) Untersuchungen über das Farbsehvermögen bei Weißwalen (Delphinapteras leucas). Diplomarbeit, Universität Wien.
  • KUCKUCK, K. (1970) Beobachtungen zur Verhaltensweise der Beluga-Wale im Duisburger Tierpark. Staatsexamensarbeit, Universität Duisburg.
  • MENNEKES, R. (1982) Ethologische Studien an Beluga-Walen (Delphinapterus leucas) im Duisburger Zoo, Diplomarbeit.
  • SCHMIDT, I. (1993) Über das Seh- und Ortungsvermögen von Weißwalen. Diplomarbeit, Universität Pisa, Italien.
  • WAGGELING, H. (1987) Akuter Herztod eines Belugawals und vergleichende morphologische Untersuchungen am menschlichen Herzen mit dilatativer Kardiomyopathie unter Berücksichtigung der Veränderungen des Erregungsleitungssystems. Doktorarbeit, Universität Düsseldorf.

Mindestanforderungen an Gehege: Das Säugetiergutachten 2014 des BMEL bezieht sich nicht auf Weißwale.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 01.06.2022) schreibt für bis zu 2 Tieren eine Beckenfläche (einschließlich Neben- und Absperrbecken von 2'000 m² und eine Tiefe von 10 m vor. Für jedes weitere Tier ist die Fläche um 150 m² zu erhöhen. In der früheren Fassung der Verordnung betrug die geforderte Fläche 400 m² und die Tiefe 4 m. Für die Erhöhung des Beckenvolumens von 1'600 m³ auf 20'000 m³ wurde keine Begründung gegeben. Weshalb die Belugas gleich behandelt werden wie die doppelt so langen und viermal so schweren Schwertwale ist auch nicht einsichtig. Allerdings sind diese Regelungen redundant, weil es in der Schweiz keine Belugas gibt und die Einfuhr von Cetaceen seit dem 1.1.2013 nach Art. 7 TSchG verboten ist. In Österreich sind keine Haltungsanforderungen festgelegt.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Weißwal wurde 1766 vom Berliner Naturforscher Peter Simon PALLAS, den Katharina die Große als Professor nach Petersburg berufen hatte, als "Delphinus leucas" beschrieben. 1804 wurde er vom französischen Naturforscher Bernard-Germain-Étienne de La Ville-sur-Illon, Comte de LACÉPÈDE in die neue Gattung Delphinapterus gestellt. Die Art ist monotypisch, es gibt aber wenigstens 21 Subpopulationen, die genetisch weitgehend voneinander getrennt sind [4; 8].

Auch im deutschen Sprachgebrauch wird häufig der russische Name "Beluga" (Белуха, Belucha) verwendet, was ebenfalls "Weißwal" bedeutet (белый = weiß). Der Belugakaviar hat mit dem Beluga-Wal natürlich nichts zu tun, er stammt vom Hausen (Huso huso), einer Störart, die auf Russisch ebenfalls "Beluga" (Белуга) heißt.

Literatur und Internetquellen

  1. CETA BASE
  2. CITES TRADE DATA BASE
  3. FERDINAND THE BELUGA
  4. LOWRY, L. et al. (2017). Delphinapterus leucas. The IUCN Red List of Threatened Species 2017: e.T6335A50352346. http://www.iucnredlist.org/details/6335/0. Downloaded on 23 May 2018.
  5. ROBECK, T. R., MONFORT, S. L., CALLE, P. P., DUNN, J. L., JENSEN, E., BOEHM, J. R., YOUNG, S. & CLARK, S. T. (2005)
  6. TERNES, K. (2015)
  7. WEIGL, R. (2005)
  8. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-2019)
  9. WINKLER, A. (2009)

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Gelesen 19960 mal Letzte Änderung am Freitag, 07 April 2023 13:10
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