Kloaken- und Beuteltiere

Zwerggleitbeutler

Zwerggleitbeutler (Acrobates pygmaeus) im ZooPark Erfurt Zwerggleitbeutler (Acrobates pygmaeus) im ZooPark Erfurt
© Anja Lannes, Erfurt

Unterklasse: Beuteltiere (MARSUPIALIA)
Ordnung: Känguruverwandtschaft (DIPROTODONTIA)
Unterordnung: Kuskusse und Gleitbeutler (Phalangeriformes)
Familie: Gleitbeutler (Petauridae)

D LC 650

Zwerggleitbeutler

Acrobates pygmaeus • The Feathertail Glider • L'acrobate pygmée

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Kurzkopfgleitbeutler (Petaurus breviceps) im Zoo Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Approximative Verbreitung der Zwerggleitbeutler. Dunkelblau: Acrobates pygmaeus und A. frontallis. Gelb: nur A. frontalis

 

 

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Zwerggleitbeutler (Acrobates pygmaeus) im ZooPark Erfurt © Anja Lannes, Erfurt

 

 

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Zwerggleitbeutler (Acrobates pygmaeus). Bild aus AUSTRALIAN ACADEMY OF SCIENCE (2018): Discovering Biodiversity

 

 

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Zwerggleitbeutler (Acrobates pygmaeus). Illustration aus GOULD, J. (1863). The Mammals of Australia, Vol. I. Public Domain.

 

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Der Zwerggleitbeutler ist das kleinste Beuteltier. Es handelt sich um eine lebhafte, in Gruppen lebende und daher attraktive Art, die sich gut als Botschafter für die Erhaltung der Biodiversität in Australien eignet. Da sie nachtaktiv ist, kann sie effektiv nur in einem Nachttierhaus gezeigt werden, was die Möglichkeiten für ihre Präsentation einschränkt.

Körperbau und Körperfunktionen

Zwerggleitbeutler sind mit einer Kopf-Rumpfläng von 5-7(-8) cm, einem etwa gleich langen Schwanz und einem Gewicht von 8-12(-18.5) g die kleinsten Beuteltiere. Männchen sind im Mittel etwa 10% größer als Weibchen. Hinsichtlich Größe spielt bei ihnen (nicht bei den Weibchen!) die Bergmannsche Regel: Tiere aus dem tropischen Norden sind kleiner als solche  aus dem gemäßigten Süden. Zwerggleitbeutler haben ein weiches, graubraunes Fell mit einer hellgrauen bis cremefarbenen Bauchseite. Die Schwanzhaare sind kurz, steif und federartig angeordnet. Die Flughaut spannt sich vom Handgelenk bis zu den Fußknöcheln. Sie ist bei weitem nicht so breit wie etwa bei den Flughörnchen und hat am Rand fransenartige Haare. Die Weibchen haben vier Zitzen [2; 4; 6].

Verbreitung

Australien: Im Osten und Südosten von Australien sowie auf der Fraser-Insel. [5].

Lebensraum und Lebensweise

Zwerggleitbeutler besiedeln geschlossene und offene Wälder, Savannen und Heiden vom Meeresspiegel bis auf eine Höhe von mindestens 1'200 m. Sie sind nachtaktiv und verbringen den Tag in größeren Gruppen in Verstecken wie Baumhöhlen oder selbst gebauten Nestern. Sie ernähren sich von Insekten, Würmern, Früchten und Nektar. Bei kühlen Temperaturen können sie in eine Kältestarre verfallen, wobei die Körpertemperatur auf 2ºC abfallen kann. Die Weibchen können jährlich 2 Würfe von 3-4 Jungen haben und unmittelbar nach der Geburt wieder gedeckt werden, wobei die Embryonen eine Keimruhe durchmachen. Die Jungtiere bleiben 50-65 Tage im Beutel, werden mit 90-100 Tagen entwöhnt, erreichen mit 6-8 Monaten Geschlechtsreife und können im Freiland ein ein Alter von 3-5 Jahren erreichen [1; 3; 4; 6].

Gefährdung und Schutz

Der Zwerggleitbeutler gehört aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2015 nicht zu den gefährdeten Arten, da er relativ weit verbreitet ist, wahrscheinlich eine große Gesamtpopulation hat und auch in Schutzgebieten vorkommt (Rote Liste: LEAST CONCERN). Diese Beurteilung schliesst Acrobates frontalis ein [1].

Der internationale Handel wird durch CITES nicht geregelt. Es gelten Ausfuhrbeschränkungen Australiens.

Bedeutung für den Menschen

Zwerggleitbeutler leben oft in nächster Nähe des Menschen, weil sie aber nachtaktiv sind und keinen Schaden anrichten, sondern sich nur von Insekten und Blütennektar ernähren, bleiben sie meistens unbemerkt. Leider gilt dies nicht für die Hauskatzen, von denen sich manche darauf eingestellt haben, die nur mäusegroßen Beuteltierchen zu fangen [2].

Haltung

Zwerggleitbeutler werden rasch zahm. Wer sich als Pfleger in das Gehege begibt, sollte vor dem Verlassen seine Taschen kontrollieren [4].

Der älteste bekannte Zwerggleitbeutler in einem Zoo wurde im Taronga-Zoo in Sydney geboren und starb im San Diego Zoo im Alter von 8 Jahren und 9 Monaten [5].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund einem Dutzend Zoos gehalten, darunter einzelnen im deutschsprachigen Raum. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Der Text des  Säugetiergutachtens 2014 des BMEL ist unklar, da die Gruppengröße nicht definiert wird. Zudem gibt es keine Grundlage für eine lineare Erhöhung der Raummaße um 10% pro weiteres Tier. Langjährige Praxiserfahrung zeigt, dass in einem Kubikmeter problemlos eine Gruppe von 15 der nur 10-14 Gramm schweren Zwerggleitbeutlern gehalten werden kann. Folgende Formulierung wäre zweckdienlich: Für die Haltung von Gruppen bis zu 15 Zwerggleitbeutlern beiderlei Geschlechts eignen sich Behälter ab einer Grundfläche von 1 m² und einer Höhe von 1 m. Für weitere Tiere sind Flächen- und Raummaße angemessen zu erhöhen.

Die Tierschutzverordnung der Schweiz und die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs enthalten keine Vorschriften für Acrobates pygmaeus.

Nach JACKSON soll für ein Paar Tiere eine Gehegevolumen von 1 m³ werden, für jedes weitere Tier soll 1 m² Bodenfläche zusätzlich angeboten werden, für jedes weitere Tier 0.09 m³ mehr [3].

Taxonomie und Nomenklatur

Acrobates pygmaeus wurde 1794 von dem englischen Zoologen und Botaniker George SHAW im Rahmen seines Werks "Zoology of New Holland" als "Didelphis pygmaea" beschrieben. Die heute gültige Gattungsbezeichnung Acrobates geht auf den französischen Zoologen Anselme Gaëtan DESMAREST (1818) zurück. Bis vor wenigen Jahren wurde Acrobates als monotypische Gattung angesehen. Seit 2012 gilt die früher als Unterart angesehene Form A. frontalis als eigenständige Art, was aber z.B. im Rahmen der Roten Liste der IUCN nicht nachvollzogen wurde [6].

Literatur und Internetquellen

  1. DICKMAN, C. et al. (2016). Acrobates pygmaeus. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T40584A21963834. http://www.iucnredlist.org/details/40584/0. Downloaded on 15 June 2018.
  2. GRZIMEK, B. (1966)
  3. JACKSON, S. M. (2003)
  4. PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
  5. WEIGL, R. (2005)
  6. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)

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Gelesen 11212 mal Letzte Änderung am Samstag, 23 Juli 2022 16:58
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx