Kagu, Sonnenralle, Seriemas, Trappen

Grosstrappe

Großtrappe (Otis tarda) Großtrappe (Otis tarda)
© Andreas Filz, Tiergarten Bernburg

Ordnung: Kranichvögel (GRUIFORMES)
Unterordnung: Kranichverwandte (GRUES)
Familie: Trappen (Otididae)

D VU 650

Großtrappe

Otis tarda • The Great Bustard • La grande outarde

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Großtrappe (Otis tarda) © Andreas Filz, Tiergarten Bernburg

 

 

 

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Approximative Verbreitung der Großtrappe (Otis tarda)

 

 

 

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Großtrappe (Otis tarda) © Andreas Filz, Tiergarten Bernburg

 

 

 

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Großtrappe (Otis tarda) © Andreas Filz, Tiergarten Bernburg

 

 

 

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Großtrappen-Paar (Otis tarda) im Tierpark Berlin © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Schutzmaßnahmen bewirken gegenwärtig ein Bestandeswachstum der Großtrappe in Deutschland (aus LANGGEMACH, 2009)

 

 

 

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Die Großtrappe ist als einer der schwersten flugfähigen Vögel, wegen ihres ausgeprägten Sexualdimorphismus und ihres Balzverhaltens zoopädagogisch sehr interessant und gibt einen ausgezeichneten Botschafter für den Schutz der eurasischen Grasländer ab. Sie ist aber schwierig zu halten und deshalb nur selten im Zoo anzutreffen.

Körperbau und Körperfunktionen

Mit einem Gewicht von bis zu etwa 16 (11-18) kg gehören Trapphähne zu den schwersten flugfähigen Vögeln. Sie haben eine Länge von 102-105 cm und eine Flügelspannweite von 210-240 cm. Hennen sind mit einer Länge von ca. 75-76 cm und 3.5-5.3 kg deutlich kleiner und leichter. Das Gefieder ist bei beiden Geschlechtern auf der Körperoberseite markant rotbraun-schwarz marmoriert, auf der Unterseite ist es weiß bzw. hellgrau, der Hals ist ockerfarben, der Kopf blaugrau. Beim Hahn ist der weiße Bereich beim zusammengelegten Handflügel ausgedehnter als bei der Henne. Bei der Balz erscheint der Hahn durch Aufblähen des Kehlsacks, Hochklappen des Schwanzes und Umkippen der Flügel völlig weiß [4; 6; 8; 9].

Verbreitung

Westliche Paläarktis:
Europa: Armenien, Aserbaidschan, Bulgarien, Deutschland, Georgien, Griechenland, Italien, Kroatien, Moldawien, Montenegro, Nord-Mazedonien, Österreich, Portugal, Rumänien, Russland, Serbien, Slowakei, Spanien, Tschechien, Türkei, Ukraine, Ungarn.

Asien: Afghanistan, China, Irak, Iran, Kasachstan, Kirgistan, Mongolei, Syrien,  Tadschikistan, Turkmenistan, Usbekistan.
Nordafrika: Marokko.
Ausgestorben in Polen und Weißrussland. Wiederangesiedelt in Frankreich. Gastvögel in weiteren Ländern [1].

Lebensraum und Lebensweise

Die Großtrappe besiedelt ebene oder hügelige Grasländer, Halbwüsten und Waldsteppen, im Westen ihres Areals auch Kulturland. Sie ist in Europa kein echter Zugvogel, es kommt aber im Winter oft zu Abwanderungen aus schneebedeckten und vereisten Gebieten. In Asien ist sie ein Kurzstreckenzieher bis etwa 2'000 km [4; 6; 8].

Die Vögel sind tagaktiv. Außerhalb der Balz leben sie in getrenntgeschlechtlichen Gruppen. Die Balz findet von Ende März bis Mitte Mai an traditionellen Balzarenen statt. Die Hennen brüten in Wiesen oder Äckern. Das Gelege besteht aus 1-3 Eiern, die 25-27 Tage bebrütet werden. Die Henne führt die Küken alleine, diese werden mit 10 Wochen flügge. Anfänglich nehmen sie vor allem Insekten zu sich und wechseln dann zu überwiegend pflanzlicher Kost. Der Aufzuchterfolg ist sehr gering, was durch Beutegreifer einschließlich Wildschweine bedingt ist [9].

Gefährdung und Schutz

Die meisten Bestände haben als Folge von Lebensraumzerstörung und -fragmentierung sowie nicht-nachhaltiger Jagd deutlich abgenommen. 2014 wurde der Weltbestand auf noch 44'000-57'000 Vögel geschätzt. Die Art wird daher seit 1994 global als gefährdet eingestuft, währenddem die europäische Population als gesichert angesehen wird (Rote Liste: VULNERABLE; LEAST CONCERN) [1].

Der internationale Handel ist nach CITES Anhang II geregelt. Die Art fällt ferner unter Anhang I der Vogelschutzrichtlinie der EU (RL 2009/147/EG), unter Anhang 2 der Berner Konvention über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume sowie die Anhänge 1/2 der Bonner Konvention über wandernde Tierarten.

Situation in Europa: Die kopfstärksten europäischen Populationen leben in Spanien (29'400-34'300 Vögel) und in Russland (8'000-12'000 Vögel).  In Mitteleuropa begann der Rückzug der Großtrappe bereits mit der Intensivierung der Landwirtschaft im 19. Jahrhundert. Im Westen Deutschlands war sie schon zur Zeit des 2. Weltkriegs selten, im Osten gab es 1939 immerhin noch etwa 4'000 Individuen. Heute wird der Bestand an Hähnen für Österreich mit 120-240 Vögeln, für Deutschland mit 43 Vögeln angegeben [1]. Das Brutareal in Deutschland beschränkt sich auf Brandenburg und Sachsen. In der Schweiz ist eine einzelne Brut aus dem Jahr 1553 dokumentiert, seitdem tritt die Trappe nur noch sporadisch als Wintergast auf [5].

Gefährdete Großtrappenbestände zu erhalten ist ein komplexes Unterfangen. In Deutschland begann man 1973, Eier künstlich auszubrüten und die von Hand aufgezogene Jungtrappen zur Bestandsstützung auszuwildern. Noch zu DDR-Zeiten wurden 30 Trappen-Schongebiete ausgewiesen, mehrere Tausend Hektar aus der intensiven Produktion herausgelöst und nur noch extensiv bewirtschaftet. Später wurden offene Landschaften durch Fällen von Windschutzstreifen mit Hybridpappeln wiederhergestellt, Mahdtermine wurden auf die Bedürfnisse der Vögel abgestimmt und Brutplätze wurden eingezäunt, um Beutegreifer fernzuhalten [7].

Bedeutung für den Menschen

Die Großtrappe wird gebietsweise als Sport oder zur Fleischgewinnung gejagt [1]. Traditionell gehörte sie zur Hohen Jagd. BREHM berichtet dazu [2]: "In früheren Zeiten bediente man sich zu seiner Jagd der sogenannten Karrenbüchse, welche aus neun zusammen verbundenen Büchsenrohren bestand und gleichzeitig neun Kugeln entsenden, aber ihrer Schwere halber nur von einem Wagen aus gehandhabt werden konnte. Später erfand man den Trappenwagen, das heißt man setzte einen gewöhnlichen Bauernwagen rundum mit Strohgarben aus, verbarg sich dazwischen, ließ durch einen in seiner gewöhnlichen Tracht gekleideten Ackerknecht den Wagen auf die weidenden Trappenherden zufahren, in entsprechender Nähe einen Augenblick halten und feuerte nun so rasch wie möglich auf die stärksten Hähne. ...  In der russischen Steppe hetzt man die Trappen nicht selten mit Windhunden, in Asien baizt man sie mit Edelfalken oder gezähmten Steinadlern. Auch wartet man nebliges Frostwetter ab und reitet dann auf frischen Pferden in die Steppe hinaus, um Trappen zu jagen. Solches Wetter überzieht nämlich deren Flügel mit einer Eiskruste und hindert sie, dieselben zu gebrauchen."

Von 2001-2018 meldeten diverse Länder Ausfuhren von Teilen und Erzeugnissen in relativ bescheidenem Umfang, Russland auch  die Ausfuhr von 218 lebenden Wildfängen und die Ukraine von 25 Nachzuchtvögeln [3].

Haltung

Die Haltung von Großtrappen ist nicht einfach, weil die Vögel sehr schreckhaft sind und das innerartliche Aggressionspotenzial recht groß ist. Das Höchstalter im Zoo wird mit 50 Jahren angegeben. Außengehege, in denen Gruppen von Großtrappen erfolgreich gehalten wurden, wiesen Flächen von 1'000-2'500 m² auf. Die Vögel sind winterhart, werden sie etwa wegen Raubwilds nachts aufgestallt, werden Einzelboxen empfohlen. Von einer Vergesellschaftung mit anderen Vögeln wird abgeraten [6].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in weniger als 10 Zoos gezeigt, von denen sich einzelne im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es keine konkreten Mindestanforderungen an Gehege für Trappen.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Großtrappe wurde 1758 von Carl von LINNÉ unter ihrem heute noch gültigen Namen erstmals wissenschaftlich beschrieben. Otis ist eine monotypische Gattung, von Otis tarda gibt es zwei Unterarten [4].

Literatur und Internetquellen

  1. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2017). Otis tarda. The IUCN Red List of Threatened Species 2017: e.T22691900A119044104. http://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2017-3.RLTS.T22691900A119044104.en und (2015) Otis tarda. The IUCN Red List of Threatened Species 2015: e.T22691900A60012031. Downloaded on 28 September 2019.
  2. BREHM, A. E. (1882-1887)
  3. CITES TRADE DATA BASE
  4. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A. et al. (eds., 1992-2013)
  5. GLUTZ VON BLOTZHEIM, U. N., BAUER, K. & BEZZEL, E. (1994)
  6. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)
  7. LANGGEMACH, T. (2009)
  8. PFORR, M. & LIMBRUNNER, A. (1991)
  9. SCHWARZ, S. (2011)

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Gelesen 820 mal Letzte Änderung am Sonntag, 29 September 2019 07:32
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx