Kloaken- und Beuteltiere

Koala

Junger New South Wales-Koala (Phascolarctos cinereus cinereus)  im Zoo Zürich Junger New South Wales-Koala (Phascolarctos cinereus cinereus) im Zoo Zürich
© Zoo Zürich

Unterklasse: Beuteltiere (MARSUPIALIA)
Ordnung: Känguruverwandtschaft (DIPROTODONTIA)
Unterordnung: Wombatartige (Vombatiformes)
Familie: Koalas (Phascolarctidae)

D VU 650

EEPKoala

Phascolarctos cinereus • The Koala • Le koala

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Vivtoria-Koala (Phascolarctos cinereus victor) in der Urimbirra Wildlife Experience, Südaustralien © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Approximative Verbreitung des Koalas (Phascolarctos cinereus)

 

 

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Koala (Phascolarctos cinereus adustus) im Zoo Leipzig © Zoo Leipzig (Pressefoto)

 

 

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Koala (Phascolarctos cinereus adustus) im Zoo Leipzig © Zoo Leipzig (Pressefoto)

 

 

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Koala (Phascolarctos cinereus cinereus) im Zoo Zürich © Albert Schmidmeister / Zoo Zürich (Pressefoto)

 

 

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Koala (Phascolarctos cinereus adustus), Weibchen im Tiergarten Schönbrunn © Daniel Zupanc / TG Schönbrunn (Pressefoto)

 

 

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Koala (Phascolarctos cinereus victor) im Phillip Island Wildlife Park, Südaustralien © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Koala mit Nachzucht (Phascolarctos cinereus adustus) im Zoo Duisburg © Zoo-Archiv Duisburg

 

 

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Hand eines Koalas (Phascolarctos cinereus) im Caversham Wildlife Park, Westaustralien © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Beutel eines Koalas (Phascolarctos cinereus) mit Jungtier im Caversham Wildlife Park, Westaustralien © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Koala (Phascolarctos cinereus adustus) im Zoo Duisburg © Zoo Archiv Duisburg

 

 

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Koala (Phascolarctos cinereus) im Besucherkontakt im Yanchep-Nationalpark, Westaustralien © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Koala (Phascolarctos cinereus victor) im Besucherkontakt in der Urimbirra Wildlife Experience, Südaustralien © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Gähnender Koala (Phascolarctos cinereus sdustus) im Zoo Duisburg © Zoo-Archiv Duisburg

 

 

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Plüschkoala. www.savethekoalashop.com

 

Weitere Bilder auf BioLib.cz

Koalas sehen aus wie lebende Teddybären. Sie werden deswegen als niedlich empfunden und sind neben den Kängurus die bekanntesten und populärsten Beuteltiere. Der Bestand der Koalas im Freiland gilt als gefährdet und die im Zoo gehaltenen Tiere eignen sich bestens als Botschafter für Natur- und Artenschutzprojekte in Australien. Wegen ihrer nur mit viel Aufwand zu befriedigenden Ernährungsweise ist aber die Zahl der Haltungen in Europa limitiert.

Körperbau und Körperfunktionen

Bei den in Europa fast ausschließlich gepflegten Queensland-Koalas aus dem Nordosten Australiens erreichen die Männchen ein mittleres Gewicht von ca. 6.5, die Weibchen von ca. 4.1 kg. Die an ein kühleres Klima angepassten Koalas aus dem Süden und Südosten Australiens werden im Mittel ca. 12.0 bzw. 8.5 kg schwer, was die Bergmannsche Regel bestätigt. Die Augen sind klein, die Ohren groß und pelzig und die Nase vorstehend und schwarz. Die Pfoten der Vorderbeine sind als Greifhände ausgebildet, bei denen Daumen und Zeigefinger opponierbar sind. Die 2. und 3. Zehe der Hinterfüße sind miteinander verwachsen und dienen als Putzkralle. Der Schwanz ist rückgebildet. Um ihre Blätternahrung aufschließen zu können, verfügen die Koalas über einen 1.8-2.5 m langen Blinddarm. Die Männchen haben Duftdrüsen auf der Brust. In der nach vorne offenen Bauchtasche der Weibchen befinden sich zwei Zitzen [3; 4; 9]. 

Verbreitung

Östliches Australien von Südaustralien bis Queensland. Eingeführte Populationen auf mindestens 12 Inseln vor Australien (u.a. Kangaroo Island, French Island Phillip Island, Magnetic Island) sowie in der Gegend von Adelaide und entlang dem Murray River [10]. 

Lebensraum und Lebensweise

Der Koala ist ein baumlebender Blattfresser, der sich überwiegend von Eukalyptus-Blättern ernährt und daher ausschließlich in geschlossenen und offenen Wäldern vorkommt, die von Eucalyptus-Arten dominiert sind. Koalas sind Einzelgänger, wobei sich ihre je nach Waldtyp sehr unterschiedlich großen Streifgebiete überlappen. Sie  sind nicht streng nachtaktiv, aber bei den meisten Individuen findet ein größerer Teil der Aktivität während der Dämmerungs- und Nachtstunden statt. Die Weibchen gebären in Abständen von zwei bis drei Jahren jeweils ein einzelnes Jungtier, sehr selten Zwillinge. Die Trächtigkeit dauert ca. 33 Tage, die Neugeborenen wiegen etwa 1.0 Gramm. In Australien fallen die meisten Geburten in den Zeitraum Oktober-Mai. Die Jungen werden mit ca. 18 Monaten geschlechtsreif [1; 10]. 

Gefährdung und Schutz

Bis in die 1930er Jahre wurden Koalas zu Millionen für die Pelzindustrie getötet, bis diese Jagd offiziell verboten wurde. Als Folge der durch den Klimawandel bedingten erhöhten Trockenheit in Inlandregionen Australiens und aufgrund anhaltender Lebensraumzerstörung durch Abholzung großflächiger Eukalyptuswälder hat der Bestand der Koalas jedoch auch in den letzten Jahrzehnten weiter abgenommen. Heute leben schätzungsweise deutlich weniger als 500.000 Koalas in ganz Australien. Da erwartet wird, dass sich diese Entwicklung fortsetzt, wurde die Art 1996 als gefährdet taxiert (Rote Liste: VULNERABLE) [10].

Koalas können Träger eines Retrovirus (KoRV) sein. Dieses ist das bislang einzig bekannte Retrovirus bei Tieren, das in das Erbgut von Keimzellen eindringen  kann und danach von Generation zu Generation weitervererbt wird. Das Virus löst das AIDS-ähnliche „Koala Immune Deficiency Syndrome“ (KIDS) aus. Im Norden Australiens ist das Virus schon weit verbreitet; im Süden und auf Inseln in der Nähe des australischen Festlands tritt es bisher noch selten auf. Auch in Zoos hat es dadurch bedingte Todesfälle gegeben [13; 14]. 

Der internationale Handel ist nicht durch CITES geregelt. Es gelten Ausfuhrbeschränkungen Australiens.

Zoogestützte Artenschutzprojekte (Beispiele):

  • Australische Organisationen, die Koalaschutz und entsprechende Freilandforschung betreiben, wie das International Koala Centre of Excellence oder die Australian Koala Foundation erhalten regelmäßige finanzielle Unterstützung von verschiedenen europäischen Zoos. 2018-2020 waren dies: Zoo Antwerpen, Beauval Zoo, Lissabon Zoo, Longleat Safari, Park Madrid Zoo & Aquarium und Tiergarten Schönbrunn.

  • Die verheerenden Waldbrände, die von Juni 2019 bis März 2020 einen großen Teil der Wälder entlang der Ostküste Australiens zerstörten, haben dem Koalabestand stark zugesetzt. Im Dezember 2019 wurde davon ausgegangen, dass 30% des Bestands in  New South Wales den Bränden zum Opfer gefallen war. Australische Zoos haben zahlreiche Koalas aufgenommen, gepflegt und, soweit möglich, wieder freigelassen. Sie haben Nothilfe-Fonds eingerichtet, und zahlreiche Zoos weltweit haben für den Schutz der Koalas und anderer betroffener Arten Geld gesammelt. Der San Diego Zoo allein konnte 500'000 USD beitragen [11; 12].

Bedeutung für den Menschen

Wirtschaftliche Bedeutung: Gegen Ende des 19. und zu Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Koalas in großem Stil zur Pelzgewinnung bejagt. Allein im Jahr 1924 wurden über 2 Millionen Pelzfelle exportiert. Erst in den 1930er Jahren, als die Bestände bereits stark dezimiert und vielfach erloschen waren, wurde der Koala überall unter Schutz gestellt [3; 10].

Positive Wahrnehmung: Koalas zeigen tagsüber zumeist eine geringe Aktivität. Trotzdem ist, wie im Rahmen eines Forschungsprojekts im Zoo Duisburg festgestellt wurde, ihr Wirkung auf Kinder und Jugendliche grundlegend positiv. Jüngere Kinder assoziieren die Koalas mit Kuscheltieren, bei älteren gewinnen ihre Exotik und das Interesse an ihrer Lebensart an Bedeutung. Für Jugendliche wird die durch ihre optische Erscheinung hervorgerufene Sympathie durch ihren Seltenheitswert gesteigert. Das Interesse der Jugendlichen liegt überwiegend in den Schutzmaßnahmen, die für den Koala getroffen wurden und in seiner Lebensart [2]. 

Haltung

Haltung in europäischen Zoos: Der erste lebende Koala gelangte 1880 nach Europa, wo er 14 Monate im Londoner Zoo lebte. Weitere Tiere folgten 1881 und 1882. Auch diese überlebten nur wenige Wochen oder Monate. Dasselbe traf wegen der mangelnden Futterqualität auch für jene Koalas zu, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach Europa, 1920 erstmalig auch nach Amerika eingeführt wurden. Australien erließ deshalb in den 1930er Jahren ein vorläufiges Ausfuhrverbot. 1937 kam es im Adelaide Zoo erstmals zur Zucht.

Außerhalb Australiens konnten erfolgreiche Haltungen und Zuchten ab 1959 aufgebaut werden, vorerst in den USA, wo im Zoo von San Diego über 100 Jungtiere (bis 2018) erfolgreich aufgezogen und größtenteils an andere Zoos in verschiedenen Ländern als Leihgaben der australischen Umweltbehörde abgegeben wurden. Nach Deutschland gelangten die ersten Tiere 1994 in den Zoo Duisburg und, auf sechs Monate befristet, in den Tierpark Berlin. Die erste erfolgreiche Aufzucht in Europa gelang im Jahr 1995 im Zoo Duisburg, wo seither regelmäßige Zuchterfolge zu verzeichnen sind. In Österreich und der Schweiz kam es 2020 erstmals zu einer Nachzucht. Nach wie vor sind alle Koalas in Zoos außerhalb Australiens Eigentum der australischen Regierung [8; WINKLER in litt. 2018]. Es gibt ein Internationales Zuchtbuch, das am Healesville Sancturay in Australien geführt wird. Dieses umfasst 163 lebende Individuen in 20 Einrichtungen [IZY 52, Daten bis August 2017].

Koalas fressen ausschließlich Eukalyptusblätter, pro Tag ca. 1 kg. Ursprünglich musste dieses Futter für die Koalas in europäischen Zoos aus den USA eingeflogen oder von einer Eukalyptusfarm in Südengland bezogen werde. 2002 hat dann der Zoo Duisburg in Folientunneln eine eigene Eukalyptusplantage eingerichtet, in der 18 verschiedene Eukalyptusarten gezogen werden, die zumindest in der Wachstumsphase während der Sommermonate ausreichend Nahrung für die Koalas bieten. Auch andere Koala-haltenden Zoos in Europa unterhalten mittlerweile ihre eigenen Eukalyptusplantagen. Der Zoo Zürich wird von einer wenige Kilometer entfernten spezialisierten Gärtnerei beliefert, die 4-5'000 Bäume in 30 Sorten angepflanzt hat. Von diesen werden aktuell 18 verfüttert. Bei der täglichen Fütterung werdenr bis zu vier verschiedene Eukalyptusarten gleichzeitig angeboten. Zur Gesundheitskontrolle werden die Koalas regelmäßig gewogen, wozu eine Flachwaage mit fest montierter Astgabel oder, bei Jungtieren, mit einer Stoffpuppe dient. Unter den heutigen Bedingungen erreichen Koalas im Zoo zumeist ein Lebensalter von 12 - 14 Jahren, in Einzelfällen von über 22 Jahren (im Freiland liegen die Altersrekorde bei 16 – 18 Jahren) und züchten regelmäßig. In Duisburg wurden von 1995 bis 2018 fast 30 Jungtiere erfolgreich aufgezogen und an andere Zoos abgegeben [7; 8; 14; WINKLER in litt. 2018].

Am 31.12.2019 umfasste das vom Zoo Duisburg koordinierte Europäische Erhaltungszuchtprogamm (EEP) 62 lebende Tiere in 14 Zoos, davon zwei außerhalb Europas und 5 im deutschsprachigen Raumbis 2021 stieg der Bestand auf 70 Tiere 1in 17 Zoos, davon zwei außerhalb Europas. Für Details siehe Zootierliste.

Wie Koalas gehalten werden (Beispiel):

Mindestanforderungen an Gehege: Die Haltung von Koalas ist sehr aufwändig und streng reglementiert. Die in amerikanischen und europäischen Zoos gehaltenen Queensland-Koalas werden im Namen der australischen Regierung vom San Diego Zoo verwaltet, in einem vom Zoo Duisburg koordinierten EEP geführt und nur im Rahmen von Leihverträgen, in denen auch die Haltungsbedingungen definiert sind, an andere Zoos überstellt. Die Anforderungen im Rahmen des Säugetiergutachtens 2014 des BMEL sind deshalb redundant. 

Die Tierschutzorganisationen forderten übrigens für Koalas eine Fläche von 25 m² je Tier bei einer Raumhöhe von 4 m und begründeten dies mit einem Verweis auf JACKSON (2003). Wenn man allerdings bei JACKSON nachliest, steht dort auf Seite 152: "An area of at least 2 x 2 x 2 m with two or three forks and cross branches is adequate for one or two koalas." Merke: es lohnt sich bisweilen, bei Referenzen selbst noch mal nachzulesen.

Forschung im Zoo: Koalas sind beliebte Zootiere, doch ihre Haltung ist problematisch. Neben ihrer Spezialisierung auf Eukalyptusblätter als einzige Nahrung gelten sie als anfällig für Stress und Krankheiten. Aus diesem Grund hat insbesondere in europäischen Zoos die Überwachung ihres Wohlbefindens eine hohe Priorität. Stressoren werden nach Möglichkeit ausgeschlossen. Stresssignale bei Koalas sind jedoch eher vage, und traditionelle Kontrollmethoden wie regelmäßiges Wiegen können selbst als Störung auf den Koala wirken und so das Wohlbefinden vermindern. Im Hinblick auf eine Optimierung der Haltungsbedingungen wurden deshalb chronoethologische Untersuchungen durchgeführt [1; 5; 6].

Taxonomie und Nomenklatur

Zu dieser Familie gehört nur eine Art, die traditionell in drei Unterarten aufgeteilt wurde: den Queensland-Koala (Phascolarctos cinereus adustus), den Neusüdwales-Koala (Phascolarctos cinereus cinereus) sowie den Viktoria-Koala (Phascolarctos cinereus victor).  Heute wird gemeinhin nur noch zwischen einer nördlichen und eine südlichen Unterart unterschieden oder es werden gar keine Unterarten anerkannt [9]. In Europa hält ein Zoo die Unterart victor, alle anderen adustus.

Literatur und Internetquellen:

  1. BENESCH, A. R. (2007)
  2. GREGOR-BÄHR, S. (1999)
  3. GRZIMEK, B. (1966)
  4. JACKSON, S. M. (2003)
  5. LERNBASS, E.M. (2010)
  6. THOMAS, S. (2001)
  7. WEIGL, R. (2005)
  8. WINKLER, A. (2005)
  9. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)
  10. WOINARSKI, J. & BURBIDGE, A.A. (2016). Phascolarctos cinereus. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T16892A21960344. http://www.iucnredlist.org/details/16892/0. Downloaded on 14 May 2018.
  11. NEWSWEEK vom 17.01.2020
  12. THE GUARDIAN VOM 27.12.2019
  13. TSANGARAS, K., SIRACUSA, M., NIKOLAIDIS, N., ISHIDA, Y., CUI, P., VIELGRADER, H,, HELGEN, K., ROCA, A., GREENWOOD, A.D. (2014)
  14. ZOO ZÜRICH

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx