E

EHLERT, K. (2005)

Chronoethologie und Environmental Enrichment in der Tiergartenbiologie und die Anwendung in der Haltung des Sibirischen Luchses (Lynx lynx wrangelii).

Diplomarbeit

91 Seiten

Fachbereich Biologie und Informatik, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
betreuung: Prof. Dr. G. Fleissner
Zoo Heidelberg

Ganze Arbeit

Zusammenfassung:

Das Ziel der Diplomarbeit war es, durch Anwendung von chronoethologischen Methoden das Raum-Zeit-System von Luchsen in Zootierhaltung zu bestimmen. Es wurden zwei adulte Luchse (1,1) im Tiergarten Heidelberg über 50 Tage beobachtet. Dazu wurden die Aktivitätsmuster der Tiere über 24 Stunden durch direkte Beobachtungen und indirekt mit Hilfe von Infrarot- Video-Zeitrafferaufnahmen erfasst. Durch Anwendung von Environmental Enrichment sollte das Verhaltensrepertoire der Luchse bereichert sowie auftretenden Stereotypien entgegengewirkt werden. Die Beeinflussung des Verhaltens durch exogene Faktoren (Klima, Zoobesucher, Tierpfleger) wurde untersucht. Im ersten Teil der Arbeit wurden die circadianen Rhythmen der Tiere bestimmt. In der zweiten Phase wurde regelmäßig Environmental Enrichment angewandt und bewertet. In den Anteilen der Verhaltensweisen am 24-Stunden-Tag waren sich die Tiere relativ ähnlich. Bei beiden Tieren konnte eine mittlere bis erhöhte Aktivität etwa 1,5 bis 2 Stunden vor der Fütterung festgestellt werden, woraus auf eine Antizipation der Fütterung geschlossen wurde. Stereotypien wurden bei beiden Tieren festgestellt. Mit Hilfe der chronoethologischen Methoden konnte ein Rhythmus im Auftreten dieses Verhaltens festgestellt werden. Dadurch konnte die genau festgelegte Fütterungszeit am Nachmittag als Ursache für das nachmittägliche Pacing bei einem Tier erkannt werden. Die einmalige Fütterung zu festgelegten Zeiten wirkte wahrscheinlich als Zeitgeber. Nach einer Umstellung der Fütterung in auf zweimal täglich, reduzierte sich das Pacing vor der Fütterung um ca. 80 %, wie die Ergebnisse der Nachuntersuchungszeit zeigen. Nach Angaben der Tierpfleger wirkte sich diese Umstellung auch positiv auf das Verhalten und Wohlbefinden beider Tiere aus. Enrichment wurde mit verzehrbaren und nicht verzehrbaren Objekten durchgeführt. Den Tieren wurden vermehrt Möglichkeiten zu Erkundungs- und Komfortverhalten gegeben, sowie Gelegenheiten, Verhaltensweisen des Beutefangverhaltens (z.B. Nahrungserwerb, Nahrungsaufnahme) auszuführen. Die Ergebnisse zeigen, dass die durch das Enrichment gebotenen Gelegenheiten zumeist genutzt wurden. Es wurden individuelle Unterschiede im Verhalten gegenüber den Enrichment-Objekten beobachtet. Bei einem Tieren konnte auch eine Reduktion von Pacing beobachtet werden. Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig die Anwendung von chronoethologischen Methoden für die Kenntnis des Wohle rgehens von Tieren in Menschenobhut sein kann und welchen Beitrag sie zusammen mit Environmental Enrichment für die Tiergartenbiologie leisten können. So können die Haltungsbedingungen für eine Tierart im Allgemeinen und für ein Individuum im Speziellen verbessert werden.

 

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx