A

ARNOLD, K. (1995)

Aktivitätsvergleiche bei den Vikunjas (Lama vicugna), Lamas (Lama guanicoe glama) und Alpakas (Lama guanicoe pacos).

Diplomarbeit

253 Seiten

Math.-Nat. Fakultät, Universität zu Köln
Leitung: Prof. Dr. G. Nogge
Zoo Köln

Zusammenfassung:

Die Verhaltensaktivitäten der Vikunjas, Lamas und Alpakas im Kölner Zo wurden während verschiedener Beobachtungsphasen im Sommer und Herbst 1994, im Winter 1994/1995 und im Sommer 1995 untersucht.

5.1 V.a. bei folgenden Verhaltensweisen erbrachten die Resultate Unterschiede zwischen der Wildtierart der Vikunjas und den Haustierformen der Lamas und Alpakas; auch jahreszeitliche Abweichungen im Verhalten der einzelnen Tiergruppen wurden festgestellt:

Aufmerksamkeits-/Wachsamkeitsverhalten
Die Gruppe der Vikunjas war insgesamt aufmerksamer als die Haustierformen, wobei die Hengste der Vikunjas und Alpakas wachsamer waren als die Stuten. Es wurden qualitiative Verhaltensunterschiede zwischen den Vikunjas einerseits und den Lamas und Alpakas andererseits beobachtet. Alle Tiergruppen passten sich den Umweltbedingungen an.

Nahrungsaufnahemeverhalten
Die Vikunjas nahmen in beiden Jahreszeiten häufiger natürlich gewachsenes Futter auf als die Haustierformen. Der Vikunja-Hengst frass weniger als die Stuten. Im Herbst waren bei allen 3 Tiergruppen höhere Werte bei der Nahrungsaufnahme zu verzeichnen als im Sommer.

Ruhedauer
Im Gruppenvergelci9h ruhten die Lamas im Sommer besonders viel, die Vikunjas am wenigsten. Im Herbst war die Ruhedauer auf einem relativ niedrigen Niveau bei den Vikunjas, Lamas und Alpakas ungefähr gleich lang.

Aktivitätsrhythmus
Im Sommer waren die Aktivitätsrhythmen des Hengstes und auch der Stuten der Vikunjas ähnlich wie diejenigen des Hengstes und der Stuten der Alpakas. Die geschlechtsspezifischen Rhythmen der Lamas wichen ab. Im Herbst waren keine Unterschiede bei den 3 Tiergruppen festzustellen.

5.2 Die Mutter-Kind-Beziehungen wurden bei einer Vikunja-Stute und ihrem Fohlen während 3 verschiedener Jahreszeiten bzw. während 3 unterschiedlicher Lebensphasen des Jungtieres (im 1. Monat (bis zum 9. Lebenstag), Alter von 3 Monaten, Alter von 6 Monaten) untersucht. Die Analyse erbrachte dabei überwiegend quantitative Veränderungen sowohl auf Seiten der Mutter als auch auf Seiten ihres Jungen.

Die Abstände zwischen der Stute und ihrem Fohlen wurden durch die Umweltbedingungen und besondere Gegebenheiten beeinflusst. Es wurde in den drei Jahreszeiten ein durchschnittlicher Abstand zwischen Mutter und Kind von 2.90 m ermittelt. Die Mutter näherte sich im 1. Lebensmonat dem Jungtier häufiger als während der anderen Lebensphasen; das Fohlen verursachte mit fortschreitendem Alter mehr Abstandsvergrösserungen als im 1. Lebensmonat. Die Mutter brach mit fortschreitendem Lebensalter ihres Jungen vermehrt Saugphasen selbst ab. Die absoluten Frequenzen und die gesamte Saugdauer verminderten sich mit zunehmenden Lebensalter des Fohlens im Abstand von 3 Monaten jeweils um die Hälfte.

5.3 Das Spielverhalten des Jungtiers der Vikunja-Stute änderte sich mit dem Lebensalter des Fohlens in qualitativer und quantitativer Wese. In den ersten Lebenstagen überwog Selbstspiel in Form von Springen und Rennen; eine große Variabilität des Spiels (Bewegungs-, Kampf- und Sexualspiel) kennzeichnete die fortgeschrittenen Lebensphasen. Die Spielfrequenzen waren im 1. (Sommer) und 3. Lebensmonat (Herbst) fast gleich hoch. Im 6. Monat (Winter) nur noch halb so hoch; die gesamte Speildauer lag im Herbst am höchsten, im Winter am niedrigsten.

5.4 Es wurden auch Beobachtungen der gestörten Verhaltensweisen (Lokomotionsstereotypie) des Vikunja-Hengstes und der Alpaka-Stuten während des Sommers und Herbstes 1994 durchgeführt.

5.4.1 Die Analyse ergab jahreszeitliche und tageszeitliche Unterschiede im gestörten Verhalten des Vikunja-Hengstes; im Sommer stereotypierte er häufiger und länger als im Herbst; i.a. stereotypierte er vormittags öfter als nachmittags. Es wurden Ereignisse, die die Verhaltensstörungen auslösen und unterbrechen bzw. beenden, zusammengestellt. Die Geburt eines Fohlens führte zu einer beträchtlichen Reduktion dieser Verhaltensweisen

5.4.2 Das gestörte Verhalten der 6 Alpaka-Stuten äußert sich in stereotypem Lutschen an Eisenstangen, Draht und Metallobjekten. Es gibt Hinweise, dass diese Verhaltensstörungen mit der Nahrungsaufnahme in Zusammenhang stehen könnten. Die Stellung in der Rangordnung scheint die Dauer der Verhalensstörungen zu beeinflussen. Es wurden individuelle Unterschiede festgestellt.

 

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx