E

ECKERN, S. (2011)

Beobachtung und Beurteilung einer Gemeinschaftshaltung von Kaiserschnurrbarttamarinen (Saguinus imperator) und Zwergseidenäffchen (Cebuella pygmaea).

Bachelorarbeit

56 Seiten

Fakultät für Biowissenschaften, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Leitung: Dipl.-Bio. Sandra Reichler
Zoo Heidelberg

Ganze Arbeit

Zusammenfassung:

Ziel der vorliegenden Arbeit war die Untersuchung und Bewertung einer im Heidelberger Zoo bestehenden Vergesellschaftung der Krallenaffenarten Saguinus imperator (Kaiserschnurrbarttamarin) und Cebuella pygmaea (Zwergseidenäffchen).

Dem Vorschlag der gemeinsamen Haltung der beiden Arten in der bereits bestehenden Anlage stand der Zoo Lissabon, welcher das EEP (European Endangered Species Programme) der Kaiserschnurrbarttamarine leitet, eher skeptisch gegenüber (REICHLER, Schriftverkehr). Als es jedoch schon kurz nach der Zusammenführung der beiden Gruppen zu einem Zuchterfolg bei den Kaiserschnurrbarttamarinen kam und nachdem die Pfleger die Vermutung geäußert hatten, dass es auch bei den Zwergseidenäffchen Nachwuchs gegeben haben könnte, sollte die Vergesellschaftung anhand einer verhaltensbiologischen Studie dokumentiert werden.

Über einen Zeitraum von vier Wochen wurden die beiden Familiengruppen – zwei Kaiserschnurrbarttamarine und deren Jungtier, sowie vier adulte Zwergseidenäffchen - abwechselnd und zu unterschiedlichen Tageszeiten beobachtet. Dabei wurden von jedem einzelnen Tier Parameter, wie die horizontale und vertikale Raumnutzung, dessen Abstand zu Individuen der eigenen und der fremden Art, sowie die Aktivitätsrate aufgenommen. Außerdem wurden für das Zusammenleben relevante kurze Verhaltensweisen, wie etwa zwischenartliche Aggressivität oder Flucht, registriert und ausgewertet.

Wenngleich es sich bei den untersuchten Tieren lediglich um eine kleine Stichprobe handelt, und deshalb von dieser Haltung nicht auf andere Gruppen geschlossen werden kann, so ließen sich doch einige interessante Beobachtungen festhalten: Die beobachteten Konfliktsituationen traten seltener im Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme auf. Vielmehr entstanden sie zum einen wohl aus einer ähnlichen Präferenz der beiden Arten, was die Wahl der Schlaf- und Ruheplätze angeht, zum anderen aus der Tatsache, dass die Kaiserschnurrbarttamarine sich gerade in einer Phase der Jungenaufzucht befanden. So stellte das Jungtier mit seinem erhöhten Spieltrieb und dem gesteigerten Neugierverhalten wohl einen erheblichen Stressfaktor für die deutlich untergeordneten Zwergseidenäffchen dar. Freundliche interspezifische Interaktionen konnten nicht beobachtet werden.

Eine endgültige Beurteilung der Vergesellschaftung könnte erst dann abgegeben werden, wenn auch bei den Zwergseidenäffchen eine erfolgreiche Aufzucht von Jungtieren in der Gemeinschaftshaltung beobachtet würde, denn das zunächst gesichtete Neugeborene konnte im Verlauf der Beobachtung nicht mehr aufgefunden werden.

Eine längerfristige Studie an einer repräsentativen Anzahl von Individuen würde sicherlich deutlich die Vorteile und Risiken einer Vergesellschaftung der beiden Arten aufzeigen. Optimale Haltungsbedingungen für ein möglichst förderliches Zusammenleben könnten so erarbeitet werden.

 

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx