Zungenlose, Scheibenzüngler, Krötenfrösche

Knoblauchkröte

Knoblauchkröte (Pelobates fuscus) Knoblauchkröte (Pelobates fuscus)
Axel Gebauer, ehemals Naturschutz-Tierpark Görlitz

Ordnung: Froschlurche (Anura)
Unterordnung: Mittelalte Frösche (Mesobatrachia)
Familie: Schaufelfußkröten (Pelobatidae)

D LC 650

Knoblauchkröte

Pelobates fuscus • The Common Spadefoot • Le pélobate brun

403 013 006 002 pelobates albino AxelGebauer
Albino-Knoblauchkröte (Pelobates fuscus) © Axel Gebauer, ehemals Naturschutz-Tierpark Görlitz

 

 

403 013 006 002 pelobates map
Approximative Verbreitung der Knoblauchkröte (Pelobates fuscus)

 

 

403 013 006 002 pelobates fuscus auge AGebauer
Auge einer Knoblauchkräte (Pelobates fuscus) © Axel Gebauer, ehemals Naturschutz-Tierpark Görlitz

 

 

403 013 006 002 pelobates kaulquappe AxelGebauer
Kaulquappe der Knoblauchkröte (Pelobates fuscus) © Axel Gebauer, ehemals Naturschutz-Tierpark Görlitz

 

 

403 013 006 002 pelobates BREHM
Knoblauchkröte (Pelobates fuscus). Bild aus aus Brehms Thierleben (1882-1887)

 

 

Weitere Bilder auf BioLib

 

Die regional gefährdete Knoblauchkröte ist außerhalb der kurzen Fortpflanzungsperiode eine nachtaktive Art, die sich tagsüber versteckt und daher im Zoo nur selten gezeigt wird.

Körperbau und Körperfunktionen

Die Knoblauchkröte erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von (4-) 6-8 cm. Sie hat einen hochgewölbten Kopf mit spitzer Schnauze. Die Iris der großen Augen ist goldbraun, die Pupille vertikal. Das Trommelfell ist nicht sichtbar. Der Körper ist kurz und rundlich. Schwimmhäute sind an den Zehen vorhanden, nicht aber an den Fingern. Ein auffälliges Merkmal der Knoblauchkröte ist der zum Graben verwendete bis zu 6 mm lange, gewölbte, verhornte und scharfrandige Fersenhöcker an der Hinterfuß-Innenseite, der als Grabschwiele bezeichnet wird [3; 7; 8; 9].

Die Knoblauchkröte ist, um BREHM zu zitieren "ein sehr buntes Thier, oben auf gelbbraunem oder hellgrauem Grunde mit vielen kleinen und großen, lebhaft dunkelbraunen, unregelmäßig gestalteten Flecken gezeichnet, welche bald zusammenhängen, bald einzeln stehen und, nach dem Ausdrucke von SCHINZ, wie Inseln auf der Landkarte zerstreut liegen" [4].

Verbreitung

Eurasien von den Benelux, Ostfrankreich und Norditalien ostwärts bis nach Zentralasien: Belgien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Frankreich, Italien, Kasachstan, Kroatien, Lettland, Litauen, Moldawien, Niederlande, Österreich, Polen, Rumänien, Russland, Schweden, Serbien, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ukraine, Ungarn, Weißrussland. In der Schweiz ausgestorben [1].

Lebensraum und Lebensweise

Lebensraumansprüche: Die Knoblauchkröte laicht bevorzugt in dicht bewachsenen Gewässern, die nährstoffreich und auch salzhaltig sein können. Als Landlebensräume werden offene Landschaften mit sandigen Böden bevorzugt, wobei landwirtschaftliche Nutzungen toleriert werden können. In der Po-Ebene ist sie auf Reisfeldern anzutreffen [1].

Biologie: Die Knoblauchkröten suchen im April für ein bis zwei Wochen das Wasser auf, wo sie sich in der Unterwasservegetation verstecken und wo die Weibchen die etwa 20 cm langen Laichschnüre ablegen. Die Larven werden sehr groß, bis 175 mm, im Extremfall bis 220 mm. Sie metamorphosieren im Juli und verlassen dann das Laichgewässer [5; 7].

Außerhalb der Fortpflanzungszeit ist die Knoblauchkröte nur nachts aktiv und dies besonders bei Regenwetter. Tagsüber ruht sie im sandigen Boden vergraben. Beim Eingraben werden die Hinterfüße abwechselnd mit der Grabkante nach außen bewegt, wodurch die Erde weggeschafft wird. Die Kröte rutscht, sich langsam drehend, in fast senkrechter Haltung in den Boden und die Erde rutscht nach, so dass keine Höhle entsteht [5].

Knoblauchkröten zeigen ein sehr interessantes Abwehrverhalten, indem sie den Feind durch Kopfstöße oder durch Bisse attackieren und dabei bisweilen relativ laute Schreie ausstoßen [8].

Die Anwesenheit von Knoblauchkröten in einer Gegend bleibt wegen ihrer heimlichen Lebensweise oft unbemerkt. Festgestellt wird sie häufig durch Ornithologen, die Gewölle von Greifvögeln und Eulen auf Nahrungsbestandteile untersuchen und dabei auf charakteristisch geformte Skelettteile der Knoblauchkröte stoßen [8].

Gefährdung und Schutz

Die Art ist weltweit nicht gefährdet. In Brandenburg und Sachsen nicht auf Roter Liste, ansonsten in Deutschland, je nach Region, vom Aussterben bedroht, stark gefährdet oder gefährdet. In Österreich gefährdet oder stark gefährdet. Sie kommt in der Schweiz nicht vor, früher gab es hier marginale Vorkommen im Südtessin und vermutlich in der Gegend von Basel [5] .

Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt. Die Knoblauchkröte fällt unter Anhang 2 der Berner Konvention über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume und ist in Anhang IV der FFH-Richtlinie (92/43/EWG) aufgeführt.

Praktische Schutzmaßnahmen: Erhaltung und Unterhalt der Laichgewässer und Landlebensräume. Neuanlagen von Laichgewässern. Extensivierung der der Landwirtschaft sowie Verringerung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln.

Bedeutung für den Menschen

Die Art befindet sich in geringem Umfang im Heimtierhandel [1].

Haltung

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 10 europäischen Einrichtungen gezeigt, die sich mehrheitlich im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Zoogestützte Artenschutzprojekte (Beispiel): Der Tiergarten Nürnberg hat 2007 hinter den Kulissen Gewässer für Amphibien angelegt und parallel dazu Jungtiere aus eingesammeltem Laich oder, im Falle der Knoblauchkröte seit 2010, aus eigener Zucht aufgezogen, um sie im Zoo oder in dessen Umgebung wiederanzusiedeln (PM Tiergarten Nürnberg).

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland gibt es keine konkreten Mindestanforderungen. In Österreich sind diese in Anlage 4 der 2. Tierhaltungsverordnung, in der Schweiz in Anhang 2, Tabelle 6 der Tierschutzverordnung festgelegt.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde 1768 von dem österreichischen Arzt und Naturforscher Josephus Nicolaus LAURENTI als Bufo fuscus beschrieben. Ihren aktuellen Namen erhielt sie 1830 von dem an der Ludwig-Maximilians-Universität in München tätigen Zoologe Johann Georg WAGLER [2]. Die Population in der Po-Ebene wird gegenwärtig als Unterart angesehen und als Pelobates fuscus insubricus bezeichnet. Der deutsche Artname Knoblauchkröte bezieht sich auf ein in Stress-Situationen abgegebenes, knoblauchähnlich riechendes Exkret [8].

Literatur und Internetquellen

  1. AGASYAN, A. et al. (2009). Pelobates fuscus. The IUCN Red List of Threatened Species 2009: e.T16498A5951455. http://www.iucnredlist.org/details/16498/0. Downloaded on 13 December 2017.
  2. AMPHIBIAN SPECIES OF THR WORLD
  3. AMPHIBIAWEB
  4. BREHM, A. E. (1882-1887)
  5. BRODMANN, P. (1982)
  6. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  7. NIETZKE, G. (1969)
  8. NÖLLERT, A. & KWET, A. (2007)
  9. O'SHEA, M. & HALLIDAY, T. (2002)

Zurück zu Übersicht Zungenlose, Scheibenzüngler, Krötenfrösche

Weiter zu Zwergwabenkröte (Pipa parva)

Gelesen 512 mal Letzte Änderung am Sonntag, 06 Januar 2019 14:59
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx