Meere, Inseln, Antarktis

Sankt Helena, Tristan und Ascension

Küste und Landschaft von St. Helena Küste und Landschaft von St. Helena
St. Helena Tourism

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Dunkelblau: Ascension; rot: Sankt Helena; grün: Tristan da Cunha; gelb: Gough Island

Die vulkanischen Inseln St. Helena, Ascension und Tristan da Cunha bilden mit ihren vorgelagerten kleineren Inseln ein Britisches Überseegebiet im Südost- bzw. im zentralen Südatlantik. St. Helena liegt im bis 5'841 m tiefen Angolabecken, Ascension und Tristan da Cunha auf dem Mittelatlantischen Rücken.

Nach BIRDLIFE kommen bzw. kamen in allen drei Gebieten zusammen 65 Vogelarten vor, darunter 13 endemische. Davon sind 8 ausgestorben, 3 unmittelbar vom Aussterben bedroht, 7 stark gefährdet, 9 gefährdet und zwei potenziell gefährdet.

(2.2.3.1) St. Helena  
(2.2.3.2) Tristan da Cunha   
(2.2.3.3) Ascension

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St. Helena

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Die Hafensiedlung Jamestown © Andrew Neaum

 

 

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Felsformationen "Lot und Lot's Weib" in der Nähe von Sandy Bay © Andrew Neaum

 

 

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Kleine Glockenblume (Wahlenbergia angustifolia © Gvernment of St. Helena / M. Thorsen

 

 

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Schlankdelfine (Stenella attenuata) © Government of St. Helena

 

 

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St. Helena-Regenpfeifer (Charadrius sanctaehelenae) © Andrew Darlowe / www.arkive.org

 

 

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St.-Helena-Riesenohrwurm (Labidura herculeana) © Muséum dNational d'Histoire Naturelle, Paris

Allgemeines

St Helena hat eine Fläche von 121,7 km² und ist von über 5'000 Menschen bewohnt. Der höchste Punkt der Insel ist der 823 m hohe Diana's Peak. Der Hauptinsel in Küstennhähe vorgelagert sind zahlreiche kleine Nebeninseln und Felsen. St Helena hat ein ausgeglichenes maritimes Klima. Das tiefste monatliche Temperaturminimum liegt bei 13°C, das höchste Maximum bei 22.4°C. Der Jahresniederschlag beträgt etwa 650 mm.

Vegetation und Charakterpflanzen

Wegen seiner isolierten Lage gab es auf St. Helena eine sehr spezielle Flora mit 37 endemischen Arten von Blütenpflanzen und 13 endemischen Farnen. Leider setzten die portugiesischen Seefahrer, welche die unbewohnte Insel 1502 entdeckten, Ziegen aus. Diese hatten eine zerstörerische Wrkung auf die überwiegend aus Baumfarnwäldern bestehende Vegetation.  Nachdem die Britische Ostindien-Kompanie 1659 die Insel in Besitz genommen und dort permanente Siedlungen und Farmen errichteten, stieg der Druck auf die Wälder weiter an. Heute ist St. Helena überwiegend mit Gras- und Buschland bedeckt.

Tierwelt

Kurz nach der Entdeckung der Insel sind der Kleine (Bulweria bifax) und der Große St. Helena-Sturmvogel (Pterodroma rupinarum), die St. Helena-Ralle (Atlantisia podarces), das St. Helena-Sumpfhuhn (Zapornia astrictocarpus) und  der St. Helena-Wiedehopf (Upupa antaios) ausgestorben, vermutlich im 19 Jahrhundert auch der St. Helena-Kuckuck (Nannococcyx psix). Der einzige noch lebende endemische Vogel, der St. Helena-Regenpfeifer (Charadrius sanctaehelenae), gilt als unmittelbar vom Aussterben bedroht.

Vor St. Helenas Küste leben zahlreiche Schlankdelfine (Stenella attenuata), ferner Atlantische Tümmler und gelegentlich Ostpazifische Delfine (Stenella longirostris). Jährlich kommen wandernde Buckelwale (Megaptera novaeangliae) zu Besuch. Unter den 138 Fischarten hat es etliche endemische, wie Chromis sanctaehelenae, Stegastes sanctaehelenae, Holanthias fronticinctus, Pontinus nigropunctatus, Thalassoma sanctaehelenae, Scorpaena mellissii, Ariosoma mellissii, Physiuculus helenaensis, Scartella springeri und Callionymus sanctaehelenae (OLDFIELD et al., 1999).

St. Helena verfügt auch über eine sehr spezielle Wirbellosen-Fauna. Unter den rund 300 endemischen Arten, wovon 256 Käfer (OLDFIELD et al., 1999), befand sich der St.-Helena-Riesenohrwurm (Labidura herculeana), der seit 1967 nicht mehr nachgewiesen werden konnte. Ebenfalls ausgestorben sind 18 Landschnecken der Gattungen Campolaemus, Chilonopsis, Helenoconcha, Helenodiscus, Pseudohelenoconcha und Pupilla. Die ebenfalls ausgestoben geglaubte Nesopupa turtoni wurde 2003 wieder entdeckt. Die Napoleon-Springspinne (Paraheliophanus napoleon) gilt als vom Aussterben bedroht. Es gibt mehrere endemische Landasseln (Isopoda), deren auffälligste und bekannteste die mittlerweile gefährdete Pseudolaureola atlantica ist.

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Tristan da Cunha

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Blick auf Tristan von Nightingale aus © Tristan da Cunha Government & Tristan da Cunha Association

 

 

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Antarktische Seeschwalbe (Sterna vittata), Tristan da Cunha © M. Clarke

 

 

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Die Moorlandschaften auf Gough Island werden von Sphagnum-Moosen dominiert, daneben kommen Pfeilgräser (Tetroncium magellanicum) und Seggen vor © V. Gewin

 

 

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Subantarktische Seebär (Arctocephalus tropicalis) auf Tristan © Tristan da Cunha Government & Tristan da Cunha Association

 

 

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Das ausgestorbene Tristan-Teichhuhn (Gallinula nesiotis). Bildtafel von P. l. Sclater: On the Island-hen of Tristan d'Acunha. In: Procs. Zoolog. Soc. London, 1861

Allgemeines

Tristan da Cunha gilt als die abgelegenste bewohnte Insel der Welt. Sie hat eine Fläche von 98 km² und ist von weniger als 300 Menschen besiedelt. Es handelt sich um die kegelförmige Spitze eines untermeerischen Schildvulkans, dessen höchster Punkt der Queen Mary’s Peak mit 2.060 Metern bildet.

Zu ihrem Archipel gehören noch die etwa 400 km südsüdöstlich gelegene, 65 km² große Insel Gough mit einer bemannten Wetterstation sowie südwestlich die 14 km² große, unbewohnte Insel Inaccessible Island und die kleinen Nightingale Islands. Die Extremwerte für die monatlichen Durchschnittstemperatur liegen bei  9.6°C für das Minimum und bei 21.2°C für das  Maximum. Der mittlere Jahresniederschlag beträgtetwa 1680 mm.

Vegetation und Charakterpflanzen

Die tieferen Lagen der Inseln waren bestanden mit Farnen, Schlickgras (Spartina arundinacea) und Dickichten von Inselbäumen (Phylica arborea) aus der Familie der Kreuzdorngewächse (Rhamnaceae). Dieser Vegetationstyp ist wegen starker Beweidung weitgehend verschwunden. Zwischen 600 und 750 m dominiert der Zwerg-Palmfarn (Blechnum palmiforme). Ab 750 m Höhe werden die Farne durch niedrige, krautige Vegetation ersetzt, die ebenfalls durch Beweidung beeeinträchtigt wurde. Darüber gedeihen Rote Krähenbeere (Empetrum rubrum) und Laubmoose (Racomitrium lanuginosum). Über 1500 sind die Böden weitgehend kahl. Die Flora von Tristan umfasst etwa 40 Arten Blütenpflanzen und 30 Farnarten, 20 dieser Arten sind endemisch (OLDFIELD et al., 1999).

Tierwelt

Auf Tristan und Gough leben Kolonien des Subantarktischen Seebären (Arctocephalus tropicalis) mit etwa 200'000 Individuen und auf Gough hat es etwa 100 Südliche See-Elefanten. Der Archipel weist sechs noch lebende endemische Vogelarten auf (OLDFIELD et al., 1999). Als einzige von 32 Brutvogelarten ist das Tristan-Teichhuhn (Gallinula nesiotis)  gegen Ende des 19. Jahrhunderts wegen der eingeschleppten Ratten ausgestorben (ELLIOT, 1953). 1861 wurden letztmals Vögel gefangen und an den Londoner Zoo geschickt (FULLER, 1987). Der Tristan-Albatros (Diomedea dabbenena) ist auf Tristan ausgestorben. Es gibt noch eine Kolonie auf Gough und vielleicht ein paar Paare auf den Inaccessible Islands. Er gilt als unmittelbar vom Aussterben bedroht. Die Gough-Ammer (Rowettia goughensis) ist ein bodenbrütender, nur auf Gough vorkommender Endemit, der wegen der eingeschleppten Mäuse und Prädation durch Möwen als unmittelbar vom Aussterben bedroht gilt.

Die Wirbellosen sind mit etwa 120 Arten vertreten (OLDFIELD et al., 1999).

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Ascension

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Spritzloch am Hannays Beach © Ascension Island Government

 

 

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Um Ascension leben neun Muränenarten © Caroline Yon MBE

 

 

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Weißbauchtölpel (Sula leucogaster), ferner kommen auch Masken- und Rotfußtölpel (S. dactylatra, S. sula) vor © Ascension Island Government

 

 

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Rußseeschwalben (Onychoprion fuscatus) © Ascension Island Government

 

 

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Atlantische Rote Klippenkrabben (Grapsus adscensionis (Osbeck, 1765)) komt auch im Nordatlantik vor, z.B. auf den Kanaren © Ascension Island Government

Allgemeines

Die Vulkaninsel Ascension liegt 80 km westlich des Mittelatlantischen Rückens. Sie hat eine Fläche von 91 km² und ihr höchster Punkt liegt bei 859 m über Meer. Das Klima ist subtropisch mit durchschnittlichen Temperaturen zwischen 20 und 31°C. Die Bevölkerungsdichte beträgt etwa 10 Einwohner / km².

Vegetation und Charakterpflanzen

Durch das Freilassen von Ziegen, Schafen, Eseln, Wildkaninchen und die Einschleppung von Ratten wurde die ursprüngliche Flora der Insel weitgehend ruiniert. Heute dominieren eingeführte Pflanzenarten, daneben gibt es noch 25 einheimische, darunter zehn endemische Arten, die alle selten sind.

Tierwelt

Dicke, die Vulkanfelsen überziehende Guano-Schichten zeugen von der Bedeutung, die Ascension einst als Brutplatz für Meeresvögel hatte. Es wird geschätzt, dass 1815, beim Eintreffen des britischen Militärs, etwa 20 Millionen Vögel auf der Insel brüteten. Heute, 200 Jahre später, sind noch zwei Prozent der ursprünglichen Bestände übrig geblieben.

Grund dafür sind die eingeführten Katzen, mit denen eigentlich die eingeschleppten Ratten hätten bekämpft werden sollen, die es aber vorzogen, sich an den Nestlingsvögeln gütlich zu tun. Auf der Hauptinsel konnte sich nur eine Kolonie von 150'000 Paaren Rußseeschwalben (Onychoprion fuscatus) halten. Überleben konnten die meisten anderen Meeresvögel nur auf der vorgelagerten, gerade mal 5.3 ha großen Boatswain-Insel. Neben zehn anderen Arten brütet hier vor allem der endemische Adlerfregattvogel (Fregata aquila), der mit einem Bestand von rund 10'000 Individuen als gefährdet gilt.

Ab 2001 wurde auf der Hauptinsel ein Katzen-Bekämpfungsprogramm implementiert. Über 1000 verwilderte Katzen wurden abgeschossen oder vergiftet, die wenigen zahmen Hauskatzen kastriert und mit Mikrochips gekennzeichnet. Parallel dazu wird versucht, die Rattenbestände durch den Einsatz von Gift möglichst tief zu halten. Die Ausrottung der verwilderten Katzen hatte zur Folge, dass die Bestände des angesiedelten Hirtenmainas (Acridotheres tristis) zunahmen, was insofern problematisch ist, als dieser sich über die Eier anderer Vogelarten hermacht (WEBER, 2007). Die Seevogelbestände erholen sich daher nur langsam (RATCLIFFE et al. 2010).

Die endemische Ascension-Ralle (Mundia elpenor) ist entweder im späten 18. Jahrhundert wegen der eingeschleppten Ratten oder nach 1815 wegen de eingeführten Hauskatzen ausgestorben.

 

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Literatur und Internetquellen

ELLIOT, H.F.I. (1953)
FULLER, E. (1987)   
OLDFIELD, S., PROCTER, D. & FLEMING, L.V. (compiler / eds., 1999)
RATCLIFFE, N., BELL, M., PELEMBE, T., BOYLE, D., BENJAMIN, R.et al. (2010)
WEBER, R. (2007)
BIRDLIFE Data Zone  

SAINT HELENA Info - Endemics

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Gelesen 14039 mal Letzte Änderung am Sonntag, 11 Oktober 2020 09:59
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