Schwanzlurche

Feuersalamander

Feuersalamander (Salamandra salamandra) im Opel-Zoo, Kronberg Feuersalamander (Salamandra salamandra) im Opel-Zoo, Kronberg
Martin Becker, Opel-Zoo,

Ordnung: Schwanzlurche (Caudata)
Überfamilie: Salamanderverwandte (Salamandroidea)

Familie: Echte Salamander (Salamandridae)

D LC 650

Feuersalamander

Salamandra salamandra • The Fire Salamander La salamandre tâchetée

Der Feuersalamander war der Lurch des Jahres 2016

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Feuersalamander (Salamandra salamandra) im Tiergarten Schönbrunn @ Daniel Zupanc, TG Schönbrunn

 

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Approximative Verbreitung des Feuersalamanders (Salamandra salamandra)

 

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Verbreitung von Feuer- (S. salamandra - schwarz) und Alpensalamander (S. atra - rot) sowie Überlappung der beiden arten (dunkelblau) in der schweiz. Weiß 0 Nachweise von 1992. Quelle: CSCF & KARCH, swisstopo

 

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Feuersalamander (Salamandra. salamandra) im Forschungsmuseum Koenig, Bonn © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Feuersalamander (Salamandra salamandra) im Opel-Zoo, Kronberg Martin Becker, Opel-Zoo

 

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Feuersalamander (Salamandra salamandra) im Natur- und Tierpark Goldau @ NTP Goldau

 

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Feuersalamander (Salamandra salamandra) im Tiergarten Schönbrunn @ Daniel Zupanc, TG Schönbrunn

 

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Feuersalamander (Salamandra salamandra) im Wildpark Eekholt @ Wildpark Eekholt

 

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Feuersalamanderlarve (Salamandra salamandra), Nachzucht Anfang Juli im Natur- und Tierpark Goldau @ Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Oviedo-Feuersalamander (Salamandra salamandra bernadezi) in Privathaltungt @ Peter Janzen, DGHT

 

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Portugiesischer Feuersalamander (Salamandra salamandra gallaica)im Tierpark Chemnitz @ Klaus Rudloff, Berlin

 

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Italienischer Feuersalamander (Salamandra salamandra gigliolii) in Privathaltungt @ Klaus Rudloff, Berlin

 

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"Salamander (Salamandra maculosa)".Bild aus aus Brehms Thierleben (1882-1887)

 

Weitere Bilder auf BioLib

 

Der Feuersalamander ist eine attraktiv gezeichnete einheimische Art, die auch zoopädagogisch Einiges hergibt. Es wird deshalb in Zoos häufig gehalten.

Körperbau und Körperfunktionen

Feuersalamander erreichen eine Gesamtlänge von 14-17 cm, selten bis 20 cm. Frisch metamorphosierte Jungtiere haben eine Länge von 4.5-6.5 cm. Die Augen sind groß und hervorstehend, die Parotisdrüsen sind groß und nierenförmig. Der im Querschnitt runde Schwanz ist kürzer als Kopf und Rumpf. Schwimmhäute sind keine vorhanden. Die Haut ist drüsenreich, lackschwarz und hat oberseits ein unverkennbares Flecken- oder Bändermuster. Die Männchen haben einen stärker gewölbten Kloakenwulst und längere Vorderbeine als die Weibchen. [1; 4; 6; 7; 8].

Verbreitung

Europa: Weit verbreitet von Spanien bis zur Ukraine. Fehlt auf den britischen Inseln und in Nordeuropa. Als Grund für Verbreitungslücken im Alpenraum werden ein Konkurrenzausschluss bzw. eine Nischentrennung zwischen Feuer- und Alpensalamander (Salamandra atra) vermutet [5; 6; 9].

Albanien, Andorra, Belgien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, Kosovo, Kroatien, Liechtenstein, Luxemburg, Montenegro, Niederlande, Nordmazedonien, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, San Marino, Schweiz, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ukraine, Ungarn [5].

Lebensraum und Lebensweise

Der Feuersalamander benötigt saubere, nährstoffarme Höhlengewässer, Quellen und Bäche. Landlebensraum sind feuchte Wälder und Schluchten bis 500 m oder mehr vom Laichgewässer entfernt, die Tiere nutzen eine Fläche von mehreren Hektaren [6].

Nach der Metamorphose lebt der Feuersalamander meistens an Land, wo sich die Tiere hauptsächlich von Landschnecken, Gliederfüßlern und Regenwürmern ernähren und während des Sommerhalbjahrs auch paaren. Die 10-30 Eier entwickeln sich im Körper des Weibchen. Dort schlüpfen auch die Larven . Diese verhalten sich im Mutterleib oft kannibalisch und fressen kleinere Geschwister oder Eier auf. Die überlebenden, bereits mit Vorder- und Hinterbeinen versehenen Larven werden dann nach einer Tragzeit von etwa 8 Monaten meist im März/April von der Mutter direkt ins Laichgewässer abgesetzt. Bei der Geburt sind die Jungen etwa 3 cm lang und verfügen über deutlich sichtbare Kiemenäste. Ihre weitere Entwicklung bis zur Metamorphose dauert je nach Temperatur und Nahrungsangebot 3 bis 6 Monate. Die Nahrungs besteht aus Bachflohkrebsen, Eintags- und Köcherfliegenlarven. Die Geschlechtsreife wird mit 2-4 Jahren erreicht. Das Höchstalter liegt bei etwa 20 Jahren [4; 6; 8].

Gefährdung und Schutz

Die Art ist hat eine weite Verbreitung und mutmaßlich einen großen Bestand. Nach einer Beurteilung aus dem Jahr 2008 gilt sie daher weltweit nicht als gefährdet [5]. In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist sie in manchen Regionen gefährdet, in Hessen, Sachsen und Tirol als stark gefährdet eingestuft. In Liechtenstein ausgestorben [4].

Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt. Der Feuersalamander ist nicht in den Anhängen der FFH-Richtlinie (92/43/EWG) aufgeführt.

Praktische Schutzmaßnahmen: Bäche, die unterirdisch in Rohren fließen, wieder oberirdisch offen fließen lassen und Renaturieren von Bächen, Vermeiden von Biozid- und Düngereintrag, Gewährleistung von Restwassermengen bei Quellfassungen, Ersetzen von Nadelholzmonokulturen durch Mischwald. Schutz der Wanderzüge vor Straßenverkehr.

Zoogestützte Schutzprojekte (Beispiele):

  • Die Bestände des Feuersalamanders haben unter der aus Ostasien eingeschleppten Pilzerkrankung Batrachochytrium salamandrivorans zu leiden. Wo die Seuche zuschlägt, liegt die Sterblichkeit im Freiland bei 100%. Erkrankte Tiere können aber behandelt und bis zur Lösung des Problems in Menschenobhut erhalten werden. Citizen Conservation, ein Netzwerk von hauptberuflichen und privaten Tierhaltern, versucht deshalb seit 2018, möglichst viele lokale Varianten des heimischen Feuersalamanders durch eine koordinierte Erhaltungszucht für die Nachwelt erhalten werden können. 2021 förderte der Zoo Ausburg das Programm erstmals mit einem Betrag von 5'000 €.

  • Der Österreichische Zooverband und seine Mitglieder unterstützen ein Projekt zur Abklärung des Vorkommens des Hautpilzes Batrachochytrium salamandrivorans beim Feuersalamander und anderen Schwanzlurchen in Österreich. mehr ...

Feuersalamander profitieren auch von Schutzmaßnahmen der Zoos zugunsten der einheimischen Amphibien im Freiland, namentlich von der Anlage und Pflege von Laichgewässern inner- und außerhalb der Zoos, z.B:

Bedeutung für den Menschen

Der Feuersalamander ist unter den Amphibien eine der sagenumwobensten Arten. Seine Immunität gegen Feuerverletzung und seine Giftigkeit bewog Schriftsteller und Gelehrte der alten Zeiten zu fantasierechen Geschichten. BREHM [2] zitiert dazu Folgendes: "Unter allen giftigen Thieren sind die Salamander die boshaftesten. Andere verletzen nur einzelne Menschen und tödten nicht mehrere zugleich - ganz abgesehen davon, daß die Giftthiere, welche einen Menschen verwundet haben, umkommen und von der Erde nicht wieder aufgenommen werden - der Salamander hingegen kann ganze Völker vernichten, falls diese sich nicht vorsehen. Wenn er auf einen Baum kriecht, vergiftet er alle Früchte, und wer davon genießt, stirbt vor Frost; ja, wenn von einem Holze, welches er nur mit dem Fuße berührt hat, Brod gebacken wird, so ist auch dieses vergiftet, und fällt er in einen Brunnen, das Wasser nicht minder. Doch wird dieses so giftige Geschöpf von einigen anderen Thieren gefressen, so z.B. von den Schweinen, und es ist wahrscheinlich, daß sein Gift vorzüglich durch solche Thiere gedämpft wird, denen er zur Nahrung dient. Wäre begründet, was die Magier vorgeben, daß sie gewisse Theile des Salamanders als Mittel wider Feuersbrünste vorschlagen, weil es das einzige Thier ist, welches das Feuer auslöscht, so würde Rom längst einen solchen Versuch gemacht haben." Dass er von diesen Geschichten nicht viel hält, geht aus seiner Feststellung hervor, dass noch zu Ende des vorigen Jahrhunderts eine Frau versucht hätte, ihren Gatten vermittels eines Salamanders, dessen Fleisch sie der Speise beigemengt hatte, zu vergiften, der Mann aber nach genossener Speise keine andere Wirkung als die der Sättigung verspürt hätte.

Mehr dazu auch unter www.feuersalamander.ch.

Haltung

Haltung in europäischen Zoos: Die Art bzw. einzelne Unterarten werden in über 90 europäischen Einrichtungen gezeigt, von denen sich gegen die Hälfte im deutschsprachigen Raum befinden. Manche Zoos (namentlich Chemnitz) halten mehrere Unterarten. Für Details siehe Zootierliste. In einzelnen Zoos hat es wildlebende Populationen.

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland gibt es keine konkreten Mindestanforderungen. In Österreich sind diese in Anlage 4 der 2. Tierhaltungsverordnung, in der Schweiz in Anhang 2, Tabelle 6 der Tierschutzverordnung festgelegt.

Taxonomie und Nomenklatur

Es wurden die folgenden Unterarten beschrieben (in europäischen Zoos gehaltene Unterarten fett) [1]:

  • Salamandra salamandra alfredschmidti Köhler & Steinfartz, 2006
  • Salamandra salamandra almanzoris Müller & Hellmich, 1935
  • Salamandra salamandra bejarae Wolterstorff, 1934
  • Salamandra salamandra bernardezi Wolterstorff, 1928
  • Salamandra salamandra beschkovi Obst, 1981
  • Salamandra salamandra crespoi Malkmus, 1983
  • Salamandra salamandra fastuosa Schreiber, 1912
  • Salamandra salamandra gallaica Seoane, 1884
  • Salamandra salamandra gigliolii Eiselt & Lanza, 1956
  • Salamandra salamandra longirostris Joger & Steinfartz, 1994
  • Salamandra salamandra morenica Joger & Steinfartz, 1994
  • Salamandra salamandra salamandra (Linné, 1758)
  • Salamandra salamandra terrestris Lacépède, 1788
  • Salamandra salamandra werneri Sochurek & Gayda, 1941
 

Literatur und Internetquellen

  1. AMPHIBIAWEB
  2. BREHM, A. E. (1882-1887)
  3. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  4. KÜHNIS, J. (2011)
  5. KUZMIN, S. et al. (2009). Salamandra salamandra. The IUCN Red List of Threatened Species 2009: e.T59467A11928351. http://www.iucnredlist.org/details/59467/0. Downloaded on 02 December 2017.
  6. MEYER et al. (2009)
  7. NIETZKE, G. (1969)
  8. O'SHEA, M. & HALLIDAY, T. (2002)
  9. WERNER, P. (2011)

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx