Meere, Inseln, Antarktis

Maskarenen

Mauritius, Blick auf die Südwestküste von Chamarel aus Mauritius, Blick auf die Südwestküste von Chamarel aus
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Die Maskarenen bestehen aus der Île de la Réunion, 700 km östlich von Madagaskar, sowie den 180 bzw. 800 km weiter östlich gelegenen Inseln Mauritius und Rodrigues. Die Inselgruppe, wurde 1511 von dem portugiesischen Seefahrer Pedro Mascarenhas entdeckt.

Zusammen weisen die Maskarenen 24 endemische Wirbeltierarten auf (2 Säugetiere, 17 Vögel, 5 Reptilien).

(3.3.1) Mauritius  
(3.3.2) Reunion

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Mauritius

IND-mau terres rouges
Mauritius, Terres rouges © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Mauritius, Cascade de Chamarel © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

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IND mau bach vanille
Bachbegleitende Vegetation bei La Vanille © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

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IND mau banyan
Banyanbaum (Ficus benghalensis) an der Westküste © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

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IND mau flamboyant
Flamboyant oder Flammenbaum (Delonix regia) © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

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IND mau raphus cucullatus
Dronte (Raphus cucullatus). Niederländische Darstellung aus dem 17. Jahrhundert, Autor unbekannt. Gemeinfrei.

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IND-mau terres invasive
Dorfweber und Haussperling, zwei von 18 eingeführten Vogelarten auf Mauritius © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

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IND mauritius Perlhalstaube
Perlhalstaube (Streptopelia chinensis), La Pirogue, Mauritius © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Allgemeines

Die 1’860 km² große Insel Mauritius entstand vor 8 Millionen Jahren als Folge vulkanischer Aktivitäten. Sie liegt etwa 800 km  östlich von Madagaskar. Politisch gehören auch das 650 km weiter östlich gelegen Rodrigues, die beiden etwa 1100 km nördlich gelegenen Agalega-Inseln und die 22 rund 400 km nordöstlich gelegenenen, weitgehend unbewohnten Cargados-Carajos-Inseln zu Mauritius.

Vegetation und Charakterpflanzen

An der Küste von Mauritius wachsen Schraubenpalmen (Pandanus utilis) und Mangroven (Rhizophora mucronata, Bruguiera gymnorrhiza). In einem schmalen Savannengürtel mit mehrmonatiger Trockenzeit standen früher laubabwerfende Wälder mit Ebenholz- (Diospyros sp.), Eisenholz- (Sideroxylon sp.) und Myrobalanenbäumen (Terminalia bentzoe). An den regenreichen Berghängen hatte es artenreiche Feuchtwälder, in denen Breiapfel- (Mimusops spp.), Ebenholz (Diospyros spp.), Ecorce- (Aphloia theaeformis), Bocks- (Nuxia verticillata) und Collophanbäume (Canarium mauritianum) dominierten und nebst den bis 25 m hohen Laubbäumen auch Baumfarne (Cyathea bourboni) und Palmen (Dictyosperma album) gediehen. Bis vor einigen Jahrhunderten war praktisch die ganze Insel von dichtem Wald bedeckt. Die riesigen Harthölzer wurden während der Kolonialzeit geschlagen und zur Verarbeitung nach Europa ausgeführt. Anstelle der Wälder wurden Felder angelegt mit dem Ergebnis, dass heute Zuckerrohr 80% der nutzbaren Fläche der Insel bedeckt. Ferner wurden zahlreiche exotische Arten eingeführt die jetzt das Landschafts- und Stadtbild prägen, etwa Tamarindenbaum (Tamarindus indica), Banyanbaum (Ficus benghalensis), Flamboyant oder Flammenbaum (Delonix regia), Badamier oder Meermandelbaum (Terminalia catappa), Mourouk oder Indischer Korallenbaum (Erythrina variegata), Jacaranda oder Palisanderholzbaum (Jacaranda mimosifolia) und Baum der Reisenden (Ravenala madagascariensis).

Tierwelt

Es entwickelte sich hier eine eigenständige Fauna, wobei seit der Besiedlung durch den Menschen ab dem 15. Jahrhundet einige Arten wieder ausgestorben sind, darunter die Dronte (engl. Dodo, Raphus cucullatus), die Mauritius-Fruchttaube (Alectroenas nitidissima), die Mauritius-Ralle (Aphanapteryx bonasia), der Breitschnabelpapagei (Lophopsittacus), der Mauritius-Grausittich (Psittacula bensoni) und zwei Arten Riesenschildkröten (Geochelone (Cylindraspis) inepta und triserrata).
Andererseits wurden zahlreiche fremde Arten durch den Menschen auf die Insel gebracht, wie Sperbertäubchen (Geopelia striata), Perlhalstaube (Streptopelia chinensis), Halsbandsittich (Psittacula krameri), Haussperling, Madagaskarweber, Dorfweber, Hirtenstar (Acridotheres tristis), Indische Hauskrähe (Corvus splendens) etc., was zusammen mit der weitgehenden Zerstörung der Wälder weitere einheimische Arten gefährdete: Mauritius-Stachelbürzler (Coracina typica), Mauritiusfalke (Falco punctatus), Mauritiusweber (Foudia rubra), Maskarenen-Fluchtvogel (Hypsipetes olivaceus), Rosa- oder Mauritiustaube, Mauritius-Halsbandsittich (Psittacula eques), Mauritius-Brillenvogel (Zosterops chloronothus), Round-Island-Boa (Casarea dussumieri) Round-Island-Skink (Leiolopisma telfairii) und verschiedene Geckos (Phelsuma guentheri, Nactus coindemirensis, N. serpensinsula).

Naturschutzgebiete

Die Île aux Aigrettes ist eine bei Mahébourg etwa 800 m vor der Ostküste von Mauritius gelegene, 27 ha große Insel aus Korallensandstein, die einen der letzten trockenen Küstenwälder beherbergt. Sie wird durch die Mauritian Wildlife Foundation betreut, welche seit den 1980er-Jahren invasive Prädatoren und exotische Pflanzen eliminiert und einheimische Arten, darunter Rosataube, Mauritius-Weber (Foudia rubra), Mauritius-Brillenvogel (Zosterops chloronothos) und Telfair-Skink (Leiolopisma telfairii) wiederangesiedelt sowie die Aldabra-Riesenschildkröte angesiedelt hat.

Der Black River Gorges-Nationalpark ist ein 1994 eingerichtetes, ca. 65 km² großes Schutzgebiet im Südwesten der Insel. Er liegt auf einer Höhe von 300 bis 800 m über Meer, hat einen Jahresniederschlag von bis zu 4'000 mm und ist von Regenwald bedeckt. Im Park leben u.a. Mauritius-Turmfalke (Falco punctatus), Rosataube, Mauritius-Sittich (Psittacula eques echo), Mauritius-Bülbül (Hypsipetes olivaceus), Mauritius-Stachelbürzler (Coracina typica), Mauritius-Brillenvogel (Zosterops chloronothos) und Mauritius-Weber (Foudia rubra).

Der Islets-Nationalpark besteht aus 8 kleinen Inseln mit einer Gesamtfläche von ca. 134 ha. Die Vegetation besteht teilweise aus Mangrovenwald.

Der Parc national de Bras d’Eau ist ein erst seit 2011 bestehendes, knapp 500 ha großes Schutzgebiet an der Nordostküste von Mauritius, in dem zwei Arten Ebenholzbäume überlebt haben.

Domaine des Grands Bois heißt ein privates, 950 ha großes Jagdgebiet, in dem ca. 1'500 Timorhirsche stehen, Javaneraffen vorkommen und Mauritius-Turmfalke (Falco punctatus) und Rosataube wiederangesiedelt wurden.

Literatur und Internetquellen

DÄRR, W. (1996)
EICHLER, D. (1997)
 
EICKE, C.-J. (1993)

KING, D. (1996)
MICHEL, C. (1992)   
MITTERMEIER, R.A., MYERS, N. & GOETTSCH-MITTERMEIER, C. (1999)  
STAUB, F. (1993)
MAURITIAN WILDLIFE FOUNDATION

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Réunion

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Die Forêt de Bébour mit Baumfarnen im Zentrum von La Réunion. Bild Wikimedia Commons

 

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Der 3'069 m hohe Piton des Neiges ist trotz seines Namens nur selten schneebedeckt © Bruno Navez, La Réunion

 

IND reu plage emitage bourjon
Morgenstimmung an der Plage de l'Ermitage, einem durch ein Korallenriff geschützten Sandstrand im Westen von La Réunion. Bild: Philippe Bourjon. Gemeinfrei

 

IND reu korallenriff lagon emitage bourjon
Korallenriff vor der Plage de l'Ermitage im Westen von La Réunion. Bild Philippe Bourjon. Gemeinfrei.

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IND reu raphus solitarius keulemans
Rekonstruktion einer Mauritius-Dronte (Raphus solitarius). Die Art, bei der es sich auch um einen Ibis gehandelt haben könnte ist wohl im 18. Jahrhundert ausgestorben. Illustration von J. G. KEULEMANS aus ROTHSCHILD, W. (1907) Extinct birds. Public Domain.

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IND reu porphyrio coerulsecens keulemans
Réunion-Purpurhuhn (Porphyrio caerulescens), wahrscheinlich um 1730 ausgerottet. Illustration von J. G. KEULEMANS aus ROTHSCHILD, W. (1907) Extinct birds. Public Domain.

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IND reu fulica newtonii MILNE
Maskarenen-Blesshuhn (Fulica newtonii), um ca. 1700 ausgestorben. Illustration aus MILNE-EDWARDS, A, (1872) Recherches sur la faune ornithologique éteinte des iles Mascareignes et de Madagascar. Public Domain.

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Allgemeines

Die Île de la Réunion ist ebenfalls vulkanischen Ursprungs. Sie hat eine Fläche von gut 2500 km², ist also etwa so groß wie das Saarland und ist heute von über 670'000 Menschen besiedelt. Die Insel ist sehr gebirgig, die höchste Erhebung ist ein seit Ende des Tertiärs erloschener Vulkan, der Piton des Neiges mit 3'069 Metern. Der höchsten Gipfel eines zweiten, jüngeren Vulkanmassivs ist der  Piton de la Fournaise mit 2'631 Metern.

Obwohl im Tropengürtel gelegen, weist la Réunion ein eher gemäßigtes Klima auf. Im Winterhalbjahr, d.h. von Mai bis November liegt die Durchschnittstemperatur an der Küste bei bis zu 25°C, im Gebirge bei bis zu 4°C. In der warmen Regenzeit ist es an der Küste  bis zu 31°C warm, im Gebirge bei bis 18-25°C. Während des ganzen Jahres weht ein mehr oder weniger kräftiger Passatwind aus Südost bis Ost. Weil die Wolken abregnen, wenn sie auf die Gebirge stoßen,  ist die Ostseite der Insel mit 4'000-6'000 mm Jahresniederschlag feuchter als der Westen, wo nur 500 bis 2'000 mm Regen fallen.

Vegetation und Charakterpflanzen

Réunion hat eine vielfältige Flora, die rund 850 einheimische Pflanzen, einschließlich 232 Endemiten umfasst. Etwa 150 davon sind Bäume, Sträucher oder Palmfarne, darunter Bergtamarinde (Acacia heterophylla), zwei Arten Breiäpfel (Mimusops maxima und Labourdonnaisia callophylloïdes), 2 Eisenholzarten (Sideroxylon majus und Sideroxylon borbonicum), Ebenholz (Diospyros melanida), Eierfruchtbaum (Hernandia mascarenensis), Spindelbaum (Elaeodendron orientale), Myrobalane (Terminalia bentzoe), Holznessel (Obetia ficifolia), Schraubenbaum (Pandanus purpurascens), Kirschmyrte (Eugenia buxifolia). Einheimischer Wald bedeckt immer noch rund 30% der Inselfäche. In Aufforstungen wurden auh Exoten eingesetzt, wie z.B. Japanische Sicheltanne (Cryptomeria japonica), Kasuarinen und verschiedene Palmen.

Tierwelt

Erst seit 1654 ist Réunion permanent besiedelt. In der Folge starben verschiedene einheimische Tierarten aus, so etwa bereits im späten 17. Jahrhundert die Réunion-Ralle (Dryolimnas augusti), um 1700 die Réunion-Gans (Alopochen kervazoi), der Réunion-Turmfalke (Falco duboisi), die Réunion-Eule (Mascarenotus grucheti) und die Réunion-Rosataube (Nesoenas duboisi), um 1750 die Réunion-Dronte (Raphus solitarius), bei der auch spekuliert wird, dass es sich um einen Ibis gehandelt haben könnte, oder der Maskarenensittich (Mascarinus mascarinus), von dem Maximilian II. König von Bayern bis mindestens 1834 ein Exemplar in seiner Menagerie hielt (FULLER, 1987). Der Maskarenen-Flughund (Pteropus niger) ist gegen 1800, der Kleine Mauritiusflughund (Pteropus subniger) in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts ausgestorben, die Réunion-Riesenschildkröte (Geochelone (=Cylindraspis) indica) um 1840 (Rote Liste der IUCN).

Währenddem die Insel über 800 einheimische Pflanzen aufweist, ist die terrestrische Wirbeltierfauna von La Réunion recht artenarm, wenn man von den See- und Strandvögeln absieht, von denen rund 70 Arten die Insel besuchen und zum Teil auch hier brüten. Am besten vertreten sind die Vögel mit noch 30 natürlicherweise vorkommenden Arten, worunter sieben endemischen. Ferner kommen zwei Taggecko-Arten (Phelsuma borbonica, Ph. inexpectata) vor sowie die Nördliche (Acrantophis madagascariensis) und eventuell die Südliche Madagaskarboa (Acrantophis dumerili). Angesiedelt wurden Großer Tanrek (Tenrec ecaudatus), Timorhirsch (Cervus (Rusa) timorensis), Feldhase, 27 Vogelarten, Aldabra- -Riesenschildkröte (Geochelone gigantea), etwa zehn Echsen-, zwei Schlangen- und zwei Anurenarten.

Naturschutzgebiete

Der Parc national de la Réunion existiert seit 2007. Seine Kern- und Pufferzone haben zusammen eine Fläche von 1'054.5 km², was etwa 40% der Gesamtfläche der Insel entspricht. Er umfasst den im Nordwesten Réunions gelegenen erloschenen Vulkan Piton des Neiges mit den drei ihn umgebenden Talkesseln Cirque de Cilaos, Cirque de Mafate und Cirque de Salazie sowie im Südosten den noch aktiven Vulkan Piton de la Fournaise. Die Avifauna des Parks umfasst 25 Arten, darunter 7 endemische und 13 landesfremde.

Literatur und Internetquellen

EICKE, C.-J. (1993)  
FULLER, E. (1987)   
MITTERMEIER, R.A., MYERS, N. & GOETTSCH-MITTERMEIER, C. (1999)
AVIBASE
ILE DE LA REUNION.NET

PARC NATIONAL DE LA RÉUNION

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Gelesen 3140 mal Letzte Änderung am Samstag, 15 Februar 2020 14:43
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