Schwanzlurche

Chinesischer Riesensalamander

Chinesischer Riesensalamander im Zoo Berlin Chinesischer Riesensalamander im Zoo Berlin
© Klaus Rudloff, Berlin

Ordnung: Schwanzlurche (Caudata)
Überfamilie: Niedere Schwanzlurche (Cryptobranchoidea)

Familie: Riesensalamander (Cryptobranchidae)

D CR 650

Chinesische Riesensalamander

Andrias davidianus • The Chinese Giant SalamanderLa salamandre géante de Chine

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Chinesischer Riesensalamander im Zoo Duisburg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Approximative Verbreitung des Chinesischen Riesensalamanders (Andrias davidianus)

 

 

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Chinesischer Riesensalamander im Zoo Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Chinesischer Riesensalamander im Staatlichen Museum für Naturkunde, Karlsruhe © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Chinesischer Riesensalamander (Andrias davidianus) wird innerhalb des Zoos Dresden umgesetzt. Das 1995 geschlüpfte Tier war 2011 10,9 kg schwer und 1.11 m lang © Zoo Dresden

 

 

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Der fossile Andrias scheuchzeri im Naturkundemuseum Karlsruhe © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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"Riesensalamander (Cryptobranchus maximus)". Bild aus Brehms Thierleben (1882-1887)

 

 

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Der vom Aussterben bedrohte Chinesische Riesensalamander ist nach seinem japanischen Vetter die größte Amphibienart und ist aus verschiedenen Gründen von zoopädagogischem Interesse. Er wird aber unter europäischen Zoobedingungen kaum je gezüchtet und ist daher nur relativ selten zu sehen.

Körperbau und Körperfunktionen

Die Riesensalamander sollen im Extremfall bis 1.8 m lang und etwa 50 kg schwer werden. Es sind Dauerlarven mit einer Teilumwandlung, bei der sich die Kiemen zurückbilden. Wie bei Schwanzlurchlarven allgemein üblich haben bei den Riesensalamandern auch die Erwachsenen keine Augenlider. Auch behalten sie die Larvenbezahnung bei. Der Chinesische Riesensalamander ist etwas kleiner (maximal 159 cm) als die japanische Art. An dem breiten, flachen Kopf und an der Kehle hat er kleinere, meist paarig und teilweise in Reihen angeordnete Warzen. Die Extremitäten sind kurz und flach, vorne mit 4, hinten mit 5 Zehen, die nicht oder nur durch rudimentäre Schwimmhäute verbunden sind. Der seitlich komprimierte, gekielte Schwanz ist deutlich kürzer als Kopf und Rumpf. Die Färbung ist graubraun mit unregelmäßigen Flecken, die Unterseite ist etwas heller [2; 5].

Verbreitung

Ostasien: VR China in Höhenlagen von 100-1'500 m in verschiedenen Provinzen, Taiwan (dort möglicherweise eingeführt) [4].

Lebensraum und Lebensweise

Riesensalamander sind ständige Wasserbewohner, die hauptsächlich in klaren, schnell fließenden Bächen mit Kies- oder Felsuntergrund leben und dort nach äußerlicher Befruchtung ihre 6 mm großen Eier in Laichschnüren unter Steinen oder in Uferhöhlen ablegen. Die etwa 30 mm langen Schlüpflinge haben beidseits 3 äußerliche Kiemenäste. Diese verschwinden, wenn die Jungtiere eine Länge von 16-25 cm erreicht haben [2; 5]

Gefährdung und Schutz

Als Folge einer starken Übernutzung für die Zwecke des chinesischen Nahrungsmittelmarktes sind die Bestände in den letzten Jahrzehnten kollabiert und die Art gilt nach einer revisionsbedürftigen Beurteilung aus dem Jahr 2004 als unmittelbar vom Aussterben bedroht [4].

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang I eingeschränkt.

Bedeutung für den Menschen

Riesensalamander werden ich China zu Ernährungszwecken gefangen. Dies ist der Hauptgrund für den kritischen Zustand der Art [4]. Von 2001-2016 wurden aus China keine Wildfänge exportiert. Im selben Zeitraum wurden weltweit 80 Nachzuchttiere international verschoben [3].

Haltung

Haltungsempfehlung: In einem Behälter von 200 x 100 x 40 cm (LxBxH) konnte ein Paar zur Zucht gebracht werden. Die Anlage bestand aus je einem Höhlensystem für jedes Tier. Der Durchmesser der Zugangsröhren war wenig größer als der Kopfdurchmesser, damit das Eindringen des anderen Tieres verhindert werden konnte [6].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund einem Dutzend europäischen Einrichtungen gezeigt, von denen sich über die Hälfte im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste

Über frühe Haltungen von (Japanischen) Riesensalamandern in Europa berichtet BREHM: "Siebold nahm im Jahre 1829 zwei lebende Riesensalamander von Japan mit, um sie nach Europa überzuführen. Zu ihrer Ernährung hatte er japanesische Flußfische bestimmt, welche auch aufgezehrt wurden; als jedoch die Nahrung zu mangeln begann, fraß der männliche Salamander sein Weibchen auf. Sodann hungerte er bis zur Ankunft in Europa, wie sich später ergab, ohne allen Schaden. Man richtete nun in Leyden für ihn ein Becken mit Süßwasser ein und setzte kleine Fische zu ihm, welche von ihm auch zeitweilig angenommen wurden. Bei seiner Ankunft betrug seine Länge dreißig Centimeter, sechs Jahre später schon einen Meter, seitdem hat er langsam zugenommen und wächst wohl auch noch immer fort; denn er lebt heutigentages noch im Thiergarten zu Amsterdam.
    Später, namentlich im letzten Jahrzehnt, sind mehrere dieser ungeschlachten Geschöpfe lebend zu uns gelangt, und gegenwärtig kann man sie im Pflanzengarten zu Paris, in den Thiergärten zu London, zu Berlin und ebenso zu Frankfurt und anderen Orten sehen. Ich habe mehrere Gefangene längere Zeit beobachten können und gefunden, daß sie ohne Ausnahme höchst langweilige Geschöpfe und deshalb auch in keiner Weise geeignet sind, den Beschauer zu fesseln." [1].

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland gibt es keine konkreten Mindestanforderungen. In Österreich sind diese in Anlage 4 der 2. Tierhaltungsverordnung, in der Schweiz in Anhang 2, Tabelle 6 der Tierschutzverordnung festgelegt.

Wie Riesensalamander gehalten werden (Beispiel): Vivarium im Tierpark Chemnitz, siehe ZOOLEX Gallery

Taxonomie und Nomenklatur

Im Jahre 1726 veröffentlichte der Zürcher Stadtarzt und Naturforscher Johan Jacob SCHEUCHZER den Fund eines etwa einen Meter großen, versteinerte Skeletts am Schiener Berg in der Nähe von Radolfzell, von dem er glaubte, es handle sich um die Überbleibsel eines Menschen, der Zeuge der biblischen Sintflut gewesen war ("homo diluvii testis"). Seine Diagnose wurde schon bald einmal angezweifelt. Wie Georges CUVIER 1811 feststellte, handelte es sich effektiv um einen vor Riesensalamander. Friedrich HOLL beschrieb 1829 die Art, die vor 14 Millionen Jahren gelebt hatte, als Salamandra scheuchzeri. 1837 wurde sie von dem aus Glarus stammenden Naturforscher Johann Jakob von TSCHUDI in die heute noch gültige Gattung Andrias gestellt [1].

Die (asiatischen) Riesensalamander sind eine von zwei Gattungen der Familie Cryptobranchidae. Diese umfasst zwei Arten.

Literatur und Internetquellen

  1. BREHM, A. E. (1882-1887)
  2. CITES IDENTIFICATION MANUAL
  3. CITES TRADE DATA BASE
  4. GANG, L. et al (2004). Andrias davidianus. The IUCN Red List of Threatened Species 2004: e.T1272A3375181. http://www.iucnredlist.org/details/1272/0. Downloaded on 01 December 2017.
  5. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  6. HAKER, K. (1997)

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx