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MÄRKEL, A. (2011)

Raumnutzungsverhalten und Aktivitätsprofil von Nilkrokodilen (Crocodylus niloticus) und Flusspferden (Hippopotamus amphibius) im Hippodom des Kölner Zoos.

Enclosure use and activity patterns of Nile crocodile (Crocodylus niloticus) and Hippo (Hippopotamus amphibius) in the Hippodom at the Cologne Zoo.

Bachelorarbeit

90 Seiten.

Zoologisches Institut Universität zu Köln.
Betreuung: T. Ziegler, Dr. L. Kolter
Kölner Zoo

Zusammenfassung:

In der vorliegenden Arbeit wurde die Haltung der Nilkrokodile (Crocodylus niloticus) und der Flusspferde (Hippopotamus amphibius) in dem im Mai 2010 eröffneten Hippodom des Kölner Zoos untersucht.
Die Beobachtungen fanden in dem Zeitraum vom 13. Dezember 2010 bis 07. Februar 2011 statt. Der Schwerpunkt der Studie lag insbesondere auf dem Raumnutzungsverhalten und den Aktivitätsprofilen der Tiere, die Aufschluss darüber geben sollen, ob die neuen Haltungssysteme artgerecht konzipiert und gestaltet wurden. Zusätzlich wurde das Sozialverhalten der Flusspferde, sowie die Individualdistanzen bei den Nilkrokodilen aufgenommen und analysiert, um weitere Erkenntnisse bezüglich der Interaktionen innerhalb der Arten zu erhalten.
Die Gruppe der Nilkrokodile besteht aus vier Individuen unterschiedlichen Alters und Geschlecht. Sie beinhaltet ein Männchen und drei Weibchen. Die Gruppe der Flusspferde setzt sich ebenfalls aus vier Individuen unterschiedlichen Alters und Geschlechts zusammen. Hierbei handelt es sich um zwei adulte Weibchen, einen Leitbullen und ein subadultes Männchen. Die Verhaltensbeobachtungen wurden mit Hilfe der Scan Sampling Methode sowie dem Behaviour Sampling im All Occurrence Verfahren durchgeführt (MARTIN & BATESON, 1986).
In Bezug auf das Raumnutzungsverhalten wurden die Gehege in Sektoren eingeteilt. Es lassen sich Präferenzbereiche der Nilkrokodile erkennen. Das männliche Tier und das rangniedrigste Weibchen hielten sich den größten prozentualen Anteil gemeinsam im Sektor neun auf. Hierbei handelt es sich um einen Landbereich, welcher zum Teil mit Sand bedeckt ist und eine Wärmequelle beinhaltet. Das größte der drei Weibchen präferierte Sektor sechs, einen Wasserbereich. Das Dritte hielt sich prozentual gesehen am häufigsten in Sektor zwei auf. Dieser ist ähnlich, wie Sektor neun gestaltet, nur um einiges größer und bepflanzt. Beide Weibchen hielten sich allerdings auch recht häufig in Sektor neun auf. Dies stützt die Hypothese, dass die Nilkrokodile tagsüber, während ihrer Ruhephasen sonnige, warme Plätze bevorzugen. Des Weiteren festigen die entstanden Ergebnisse die Erwartung, dass sich die Tiere tagsüber vorzugsweise an Land und nachts im Wasser aufhalten. Allerdings konnten nachts keine Beobachtungen durchgeführt werden.
Bei den Flusspferden konnten keine großen Differenzen unter den Tieren in Bezug auf den bevorzugten Aufenthaltsort festgestellt werden. Die Tiere hielten sich hauptsächlich in den Sektoren vier und fünf auf, welche beides Wasserregionen mit Uferzone sind. Dies stärkt die zu untersuchenden Hypothesen. Sie bevorzugen während ihrer Ruhephase flache Wasserbereiche und scheinen ein festgelegtes Territorium zu haben. Zudem zeigte sich, dass die Flusspferde tagsüber die Wasserbereiche bevorzugten. Es konnte die Hypothese widerlegt werden, dass die Tiere die Wasserbereiche zu gleichen Teilen nutzen, da sie sich die meiste Zeit nur in zwei der fünf Wasser Sektoren aufhielten.
In Bezug auf die Aktivität der Nilkrokodile bestätigte sich die Hypothese, dass diese in den Morgenstunden zwischen 8.00 und 9.00 Uhr am höchsten ist. Somit konnten sie die meiste Zeit in der Beobachtungsperiode in ihrer Ruhephase beobachtet werden. In dieser Zeit hatten die Tiere, wie erwartet, die meisten Körperkontakte. Das größte der drei Weibchen hatte die wenigsten Kontakte zu ihren Artgenossen. Das Männchen und das rangniedrigste Weibchen waren am häufigsten nah beieinander zu beobachten.
Die Aktivität der Flusspferde wurde zunehmend durch die Fütterungszeiten beeinflusst, diese waren morgens und abends und fanden im Stall statt. Der erwartete Aktivitätsanstieg am Mittag stand im Zusammenhang mit der Schaufütterung um 14.00 Uhr.
Die Ergebnisse deuten bei beiden Tierarten darauf hin, dass sie dämmerungs- bzw. nachtaktiv sind. Für eine eindeutige Aussage müssten jedoch die Tiere in der Nacht beobachtet werden.
Das Sozialverhalten der Flusspferde wurde von positiven Verhaltensweisen dominiert. Den größten prozentualen Anteil an sozionegativem Verhalten konnte den beiden männlichen Tieren zugeschrieben werden, besonders Albert, dem Leitbullen der Gruppe. Er zeigte im Verhältnis zu seinen Artgenossen signifikant mehr sozionegatives Verhalten.
Der erwartete noch enge Kontakt zwischen Mutter und Sohn konnte über das Sozialverhalten der Tiere ebenso bestätigt werden. Zwischen beiden bestand am meisten soziopositiver Kontakt.
Bei der Pflege von wild lebenden Tieren sind die Haltungsbedingungen und das daraus resultierende Verhalten ein wichtiger Aspekt. Die Tiere sollen ihren artspezifischen Verhaltensweisen in ihrem Gehege und durch äußere Reize nachkommen können. Verhaltensabnormitäten, sogenannte Stereotypien, sollen vermieden werden.
Fehlende Reize wie beispielsweise Feinddruck müssen kompensiert werden. Dies wird oftmals durch Sozialpartner erreicht, kann aber auch über Enrichment erfolgen.
Es konnten keine negativen Aspekte in der Haltung oder Verhaltensstörungen bei den Tieren beobachtet werden.

Abstract:

This study investigates the husbandry of the Nile crocodile (Crocodylus niloticus) and the Hippo (Hippopotamus amphibius) in the Hippodom, which was opened in May 2010 at the Cologne Zoo.
The observation took place during the period from 13. December 2010 to 07. February 2011. The study’s focus was on the animals’ enclosure use and activity patterns to investigate whether the new enclosures are designed appropriately for the species. In addition, the social behaviour of the hippos and the individual distance between the Nile crocodiles were analyzed in order to obtain further knowledge about interaction within the species.
The group of Nile crocodiles consists of four individuals of different age and gender. It includes one male and three females. The group of Hippos also consist of four individuals of different age and gender. These are two adult females, a dominant bull and a subadult male.
The behavioural observations were carried out using the scan sampling method and behaviour sampling in the All Occurrence method (MARTIN & BATESON, 1986). In the matter of enclosure use the enclosures were divided into sectors. It showed that the Nile crocodiles preferred some areas. The male and the lowest-ranking female stayed together in sector nine for the largest percentage of time. This is a land area which is partly covered by sand and contains a heat source. The largest of the three females preferred sector six, a water area. The third spent the largest percentage of time sector two. This is similarly created to sector nine, but more extensive and planted. Both females were also often seen in sector nine. This supports the hypothesis that the Nile crocodiles prefer a sunny, warm place in daytime, during their period of rest. The results further confirm the expectation that the animals prefer dry land during the day and spend the night in water. However, no observations could be carried out at night.
Amongst the Hippos no significant differences concerning preferred location could be determined. The animals were mainly seen in sectors four and five, which are both water regions with a shore zone. This strengthens the tested hypotheses. During their period of rest they prefer shallow waters and seem to have a defined territory. It was also observed that the Hippos prefer water areas during the day. The hypothesis that they use the water areas in equal parts was disproven, since they spent most of their time in only two of the five water sectors.
In relation to the activity of Nile crocodiles, hypothesis that this is at its highest during the morning between 8.00 und 9.00am could be confirmed. Thus they could be the studied especially in their period of rest throughout the observation period. During this period the animals had, as expected, most body contacts. The largest of the three females had few contacts with its fellows. The male and the lowest-ranking female were observed most often close together.
The activity of the hippos was increasingly influenced by the feeding times. These were in the morning and the evening, in their shed. The expected increase in activity at midday was related to the feeding show at 02.00pm.
The results indicate for both species that they are crepuscular and nocturnal. To make a certain statement, however, the animals would have to be observed at night.
The social behaviour of the Hippos was dominated by positive behaviour. The largest percentage of negative social behaviour could be attributed to the two males. Especially to Albert, the dominant bull of the group. In relation to its fellows he demonstrated significantly more negative social behaviour. The close contact between mother and son, which was expected, could be confirmed through the social behaviour of the animals as well. The most positive social contact existed between these two.
In the care of wild animals the housing conditions and the resulting behaviour are an important aspect.The animals should be able to exhibit their typical behavioural patterns in their enclosure and through external stimuli. Behavioural abnormalities, so-called stereotypes, are to be avoided.
The lack of stimuli, such as enemy pressure, need to be compensated. This is often achieved through social partners, but can also be done by enrichment.
There were no behavioural abnormalities or negative aspects in the observed in the animals.

 

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx