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HUFSCHMIDT, C. (2011)

Verhaltensprofil des Kleinen Pandas (Ailurus fulgens) während der Fortpflanzungszeit im Kölner Zoo.

Behaviour patterns of the Red Panda during mating time at the Cologne Zoo.

Bachelorarbeit

70 Seiten

Zoologisches Institut Universität zu Köln.
Betreuung: L. Kolter
Kölner Zoo

Zusammenfassung:

Bislang gibt es keine Freilandbeobachtungen über das Fortpflanzungsverhalten des Kleinen Panda. Insbesondere vor dem Hintergrund der Aufrechterhaltung von Zoopopulationen und dem ex situ Artenschutz in zoologischen Gärten ist es wichtig, eine Vielzahl von Informationen bezüglich des Fortpflanzungsverhaltens aus Beobachtungen in menschlicher Obhut zu gewinnen.
Der Kleine Panda ist ein solitär lebendes Tier. Außerhalb der Fortpflanzungszeit kommt es daher selten zu sozialen Interaktionen. Die Fortpflanzungszeit beginnt im Januar und geht bis in den März. Mit Beginn dieser Zeit kommt es zu Veränderungen im Sozial- und Markierverhalten der Kleinen Pandas, die außerhalb dieser Zeit nur wenig interagieren. Der Östrus des Weibchens dauert nur wenige Tage. Kleine Pandas sind um den Geburtszeitraum herum störanfällig und können im Extrem ihre Jungtiere vernachlässigen daher ist es wichtig die Paarungszeit einzugrenzen, um den Geburtszeitraum abschätzen zu können. Allerdings sind Paarungen tagsüber nicht immer zu beobachten.
Durch Beobachtungen eines Kleinen Pandapärchens aus dem Kölner Zoo während der Fortpflanzungszeit wurden im Rahmen dieser Arbeit die Verhaltensveränderungen vor, während und nach den Kopulationen untersucht, um zu ermitteln, ob es außer den Paarungen weitere eindeutige Anzeiger für die Zeit der Kopulation gibt.
Es wurde das Aktivitätsverhalten, das Markierverhalten sowie das Sozialverhalten und die Distanz zwischen den beiden Geschlechtern genauer untersucht. Die Verhaltensbeobachtungen wurden im Winter über einen Zeitraum von zwei Monaten (vom 13.12.2010 bis zum 04.02.2011) durchgeführt. In diesem Zeitraum wurde während 140 Stunden das Verhalten des Kleinen Pandas im Kölner Zoo beobachtet. Als Beobachtungsmethode wurden für die Aktivitäts- und Abstandsermittlung das Scan-Sampling, für das Markierverhalten das Focal Sampling und für das Sozialverhalten das all-occurrences Sampling verwendet (MARTIN & BATESON, 2007).
Die Ergebnisse zeigen, dass sich das Aktivitätsbudget des Kleinen Pandas während der gesamten Beobachtungszeit nur geringfügig änderte. Das Männchen war während des gesamten Zeitraumes etwas aktiver als das Weibchen. Während der Paarungszeit verkürzte sich allerdings die Distanz zwischen den beiden Tieren. Im Markierverhalten kam es zu Unterschieden während der Paarungszeit. Beide Tiere markierten in dieser Zeit seltener. Das Markierverhalten konnte zudem in die drei Kategorien „vollständiges Markieren“, „Markieren ohne Schnüffeln“ und „Übermarkieren“ unterteilt werden. Das Männchen markierte insgesamt häufiger als das Weibchen. Außerdem konnten Veränderungen des Sozialverhaltens festgestellt werden. Die sozialen Interaktionen des Männchens nahmen kurz vor der Paarungszeit zu. Während der Paarungszeit wurde von beiden Tieren am häufigsten Sozialverhalten gezeigt. Insgesamt zeigte das Männchen mehr Sozialverhalten als das Weibchen. Zusätzlich konnten soziale Verhaltensmuster, wie Kopulation und naso-nasal Kontakt sowie Berühren, Putzen, Spiel, Naso-anal Kontakt und Schlagen gefunden werden, die charakteristisch für den Paarungszeitraum sind. Das Markierverhalten kann nicht als Indikator für die Östruszeit verwendet werden. Dennoch lassen bestimmte Markierweisen darauf schließen, dass das Markieren ein wichtiger Informationsüberträger ist. Das Weibchen könnte durch eine hohe Markierfrequenz vor der Paarungszeit dem Männchen ihre Paarungsbereitschaft deutlich machen, dass Männchen nach der Paarungszeit seinen Besitzanspruch auf das zuvor kopulierte Weibchen zeigen.
Im Vergleich zu Literaturwerten, konnte nicht bewiesen werden, dass sich das Tagesaktivitätsbudget des Pandapärchens in der Paarungszeit während der Beobachtungszeit änderte. Da der Kleine Panda ein Dämmerungs- und Nachtaktives Tier ist, müsste man für eine genauere Überprüfung die Morgen- und Abendstunden in die Beobachtungen mit einbeziehen. In der Paarungszeit suchten die Kleinen Panda aus dem Kölner Zoo häufiger die Nähe des anderen. Da das Männchen das Weibchen mit Beginn des Östrus anfängt zu umwerben, verkürzt sich die Distanz. Anhand der Ergebnisse wird zudem vermutet, dass es eine „Vor-Östrusphase“ gibt. Zudem konnte in dieser Studie häufig Kopulation beobachtet werden. Daher wird angenommen, dass die Kleinen Pandas im Kölner Zoo sich an Besucher und Beobachter gewöhnt haben. Auf Grund der Ergebnisse wird zudem angenommen, dass es auch beim Kleinen Panda einen induzierten Eisprung gibt. Der Vergleich mit dem Großen Panda ergab einige Gemeinsamkeiten mit dem Kleinen Panda. Diese waren das Markierverhalten von beiden Geschlechtern, der kurze Östrus des Weibchens und Verhaltensänderungen vor und während der Paarungszeit. Allerdings sind diese Verhaltensänderungen beim Kleinen Panda auf das Sozialverhalten zurückzuführen, beim Großen Panda auf allgemeine Verhaltensweisen wie Lokomotion und Ruhen.

Abstract:

To date there are no field observations on the reproductive behaviour of the Red Panda. Therefore, it is important to carry a lot of information regarding reproductive behaviour from observations in captivity.
The Red Panda is a solitary living animal. Outside breeding season social interactions are rarely. As breeding season starts, which begins in January and continues until March, there are changes in the social and scent-marking behaviour of red pandas. The estrus of the female takes only a few days. During this time the hormone levels of both sexes increase significantly. Specific behaviour patterns occur only within the estrus. Because of the females’ susceptibility to interference after giving birth it is important to adapt the husbandry management in zoos to the needs of the red panda mother. Through observations of the red pandas during mating season in the Cologne Zoo occurring changes in the behaviour should be screened.
The activity behaviour, marking behaviour, social behaviour and the distance between the animals were closely analyzed in this study. The behavioural observations took place from 12/13/2010 to 04/02/2011. During this period, 140 hours were recorded. As a recording method the scan sampling, the focal sampling and the all-occurrences sampling were used (MARTIN & BATESON, 2007).
The results showed that the activity budget of the pandas during the observation period changed only slightly. The male was more active than the female during the whole observation. During mating season the distance between the two animals was shortened. There were differences in scent-marking behaviour during mating season. Both animals marked less often at this time. The scent-marking behavior could also be divided into three categories. The male marked more frequently than the female. In addition, changes in social behavior could be determined. The social interactions of the male increased just before the first copulation occurred. During mating season social behaviour was at a maximum by both animals. Overall, the male showed more social behaviour than the female. Furthermore, social behaviour patterns could be found which are characteristic of the mating period.
The results were discussed and compared with other studies. In addition, aspects for further study and research goals were found. Moreover, the behavior of giant pandas was used for comparison.

 

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx