Alligatoren und Kaimane

China-Alligator

China-Alligator (Alligator sinensis) im Zoo Saarbrücken China-Alligator (Alligator sinensis) im Zoo Saarbrücken
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Ordnung: Krokodile (CROCIODYLIA)
Familie: Alligatoren und Kaimane (Alligatoridae)

D CR 650

EEPChina-Alligator

Alligator sinensis • The Chinese Alligator • L'alligator de Chine

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China-Alligator (Alligator sinensis) in der Ferme aux Crocodiles, Pierrelatte @ Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Approximative Verbreitung des China-Alligators (Alligator sinensis)

 

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Kopfansicht und -aufsicht des China-Alligators (Alligator sinensis). Zeichnung Gerhard Richter, Berlin, für CITES ID-Manual

 

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Junge China-Alligatoren (Alligator sinensis) im Tierpark-Berlin @ Klaus Rudloff, Berlin

 

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China-Alligatoren (Alligator sinensis) im Zoologisch-Botanischen Garten Pilsen © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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1.0 China-Alligator (Alligator sinensis) "Mao" im Alter von 32 Jahren im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

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1.0 China-Alligator (Alligator sinensis) "Mao" im Alter von 41 Jahren im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Der immer noch als stark bedroht geltende China-Alligator ist viel kleiner als sein amerikanischer Verwandter. Er wird in europäischen Zoos seltener gehalten als jener.

Körperbau und Körperfunktionen

Der China-Alligator kann eine Gesamtlänge bis zu 2.1 m erreichen, im Schnitt werden die Tiere aber nur rund 1.5 m lang. Er hat eine relativ kurze und breite, etwas nach oben gebogene Schnauze mit einem unvollständigen Steg zwischen den Augen. Oben hat er 5 (im Zwischenkiefer) und 13-14 (im Oberkiefer), unten 18-19 stumpfe Zähne in jeder Kieferhälfte, die geeignet sind, die Schalen von Mollusken zu knacken. Der 4. Unterkieferzahn passt in eine seitlich geschlossene Grube des Oberkiefers. Auf dem Hinterkopf eine Reihe mit 6-8 großen Höckern, 2 Paare große und 1 Paar kleinere Nackenhöcker. Die Rückenschilder sind in 16-17 Quer- und 6 Längsreihen angeordnet. Die beiden mittleren Reihen der Schwanzschuppen sind gekielt, die Kielreihen laufen nach etwa der Häfte in die seitlichen Schuppenkämme hinein, die sich sich auf der Höhe der 17.-18. Schuppe zu einem einzigen Schuppenkamm vereinigen. Oberseits sind Erwachsene schwärzlich-olive gefärbt, unterseits hell ohne dunkle Flecken. Jungtiere haben oben gelbe in Querreihen angeordnete Flecken [1].

Verbreitung

China: Im unteren Bereich des Jangtsekiang in der Provinz Anhui und möglicherweise in geringer Zahl in den Provinzen Zheijang und Jiangsu [6].

Lebensraum und Lebensweise

China-Alligatoren besiedeln Feuchtgebiete mit Reiskulturen in breiten Flusstälern und kleinere Stillgewässer in hügeligem Gelände bis etwa 100 m. ü. M.. Weil sich ihre Verbreitung relativ weit nach Norden erstreckt, überwintern sie während eines guten Teils des Jahres in unterirdischen Bauen. Diese können recht komplex und mit unterirdischen Wasserstellen und zahlreichen Luftlöchrn ausgestattet sein. Ab Mai kommen die Tiere tagsüber heraus, um sich zu sonnen, ab Juni sind sie auch nachts unterwegs. In den Sommermonaten Juli-August legt das Weibchen 10-40 Eier in einen Nesthügel aus zerfallendem Pflanzenmaterial [6].

Gefährdung und Schutz

Aufgrund einer revisionsbedürftigen Beurteilung aus dem Jahr 1996 wird der China-Alligator als unmittelbar vom Aussterben bedroht eingestuft [3]. Die Wildbestände sind stark zurückgegangen; wahrscheinlich existieren weniger als 200 Tiere. Auch das Verbreitungsgebiet ist nur noch sehr klein, da ein großer Teil davon in landwirtschaftliche Flächen umgewandelt wurde. Es gibt allerdings einen großen Bestand an Tieren in Chinesischen Zuchtzentren, wo die Tiere seit 1979 ex-situ  gezüchtet werden, und 1982 wurde in der Anhui-Provinz zum Schutz der Art ein 433 km² großes Reservat errichtet. In amerikanischen Zoos nachgezüchtete Tiere wurden 2007 auf einer Insel im Jangtse-Delta wiederangesiedelt und haben sich dort bereits 2008 vermehrt [6].

Der internationale Handel ist nach CITES Anhang I eingeschränkt.

Bedeutung für den Menschen

Traditionell wurde der Alligator als Wassergottheit verehrt.

Der Rückgang der Art ist teilweise auf eine nicht-nachhaltige Bejagung zurückzuführen [6]. Seit Inkrafttreten von CITES ist der internationale Handel unbedeutend. Im Fall lebender Tiere erteilte China von 1981 bis 2012 Exportgenehmigungen für 453 Individuen, von denen vermutlich nicht alle zur Ausfuhr gelangten [2].

Haltung

Es wird empfohlen, einem verträglichen Paar durchschnittlich großer Adulttiere mindestens einen Landteil von 3 m² und einen Wasserteil von 7 m² anzubieten (N.B. Diese Werte können unter den gesetzlichen bzw. behördlichen Mindestanforderungen liegen!). Die Wassertiefe soll von 0.5-1 m variieren. Für jedes zusätzliche Tier sollen 1 m² Land- und 2 m² Wasserfläche mehr zur Verfügung stehen. Allerdings sind die Tiere oft unverträglich, was dann größere Flächen mit Ausweich- und Rückzugsmöglichkeiten erfordert. Die Temperatur soll zwischen 20-32°C liegen (für Jungtiere etwas höher) und es sind punktuell wärmere Bereiche zu schaffen, zu denen die Tiere ungehindert Zugang haben. Im Winter kann die Temperatur auf 10°C abgesenkt werden. Im Sommer sollen die Tiere möglichst in einem Außengehege gehalten werden. Bei entsprechender Hibernationsmöglichkeit ist zumindest in Teilen Mitteleuropas auch eine ganzjährige Freilandhaltung denkbar [4; 5].

Der China-Alligator wird in einzelnen deutschen Bundesländern als "Gefahrtier" angesehen, dessen Haltung  unter sicherheitspolizeilichen Aspekten eingeschränkt oder geregelt ist.

Höchstalter im Zoo: Ein hauptrsächlich in den USA gehaltenes Männchen starb nach einer Haltungsdauer von 60 Jahren und 8 Monaten in einem geschätzten Alter von 65 Jahre [9]. Das gegenwärtig älteste Tier in Europa heißt "Mao" und wurde 1957 als zweijähriges Jungtier aus China importiert (Zootierliste, 2017).

Haltung in europäischen Zoos: Die ersten China-Alligatoren, die nach Europa gelangten, waren ein Paar, das 1888 aus China importiert wurde und im Berliner Aquarium Unter den Linden lebten, bis sie bei dessen Schließung 1910 an den Frankfurter Zoo abgegeben wurden [7]. Heute werden China-Alligatoren in rund zwei Dutzend Einrichtungen gehalten, davon etwa ein Fünftel im deutschsprachigen Raum. Für Details siehe Zootierliste. Es gibt ein EEP, für die Art, das seit 2014 vom Zoo Neunkirchen koordiniert wird.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Reptiliengutachten 1997 des BMELF soll eine Anlage für ein Paar einen Landteil beinhalten, dessen Fläche mindestens 4x so lang und 3x so breit sein soll wie die Kopf-Rumpflänge der Tiere (für durchschnittlich große Tiere = rund 6 m²). Der Wasserteil soll das 5x4-fache und der Wasserstand 30% der Kopf-Rumpflänge betragen. Für jedes weitere Tier kommen beim Wasserteil 20% und beim Landteil 10% zur Basisfläche dazu. Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 01.01.2017) schreibt für 1-2 Tiere ein Gehege mit einem Land- und einem Wasserteil vor, die je das 4x2-fache der Kopf-Rumpflänge messen (für durchschnittlich große Tiere = rund 4 m²). Für jedes weitere Tier kommen je 50% der Basisflächen dazu. Die Wassertiefe muss 50% der Kopf-Rumpflänge betragen. In der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2017) ist die Art nicht erwähnt.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde 1979 vom französischen Naturforscher Albert Auguste FAUVEL, der ehrenamtlicher Kurator des Naturkundemuseums Schanghai war, in seiner Publikation "Alligators in China" unter ihrem heutigen Namen beschrieben [8].

Literatur und Internetquellen

  1. CITES IDENTIFICATION MANUAL
  2. CITES TRADE DATA BASE
  3. CROCODILE SPECIALIST GROUP (1996). Alligator sinensis. The IUCN Red List of Threatened Species 1996: e.T867A13086708. http://www.iucnredlist.org/details/867/0 Downloaded on 23 June 2017.
  4. JENSCH, B., BAUR, M., BRANDSTÄTTER, F., FRIZ, T., KÖLPIN, T., SCHMIDT, F., SOMMERLAD, R. & VOIGT, K.-H. (2009)
  5. JENSCH, B., BAUR, M., BRANDSTÄTTER, F., FRIZ, T., KÖLPIN, T., SCHMIDT, F., SOMMERLAD, R. & VOIGT, K.-H. (2009A)
  6. JIANG, H.X. (2010)
  7. KLÖS, H.G. & LANGE, J. (1988)
  8. THE REPTILE DATA BASE
  9. WEIGL, R. (2014)

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Gelesen 2252 mal Letzte Änderung am Freitag, 16 Oktober 2020 13:14
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