Gürtelschweife, Schild- und Schienenechsen

Krokodilteju

Krokodilteju (Dracaena guianensis) im Zoo Leipzig Krokodilteju (Dracaena guianensis) im Zoo Leipzig
Zoo Leipzig

Ordnung: Schuppenkriechtiere (SQUAMATA)
Unterordnung: Echsen (SAURIA)
Zwischenordnung: Skinkartige (Scincomorpha)
Familie: Schienenechsen (Teiidae)

D NB 650

Krokodilteju

Dracaena guianensis • The Northern Caiman Lizard • Le dracène de Guyane

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Krokodilteju (Dracaena guianensis) im Staatlichen Museum für Naturkunde, Karlsruhe © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Sehr Approximative Verbreitung des Krokodiltejus (Dracaena guianensis)

 

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Krokodilteju (Dracaena guianensis) im Tiergarten Schönbrunn © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Junge Krokodiltejus (Dracaena guianensis) im Tiergarten Schönbrunn © Norbert Potensky, TG Scgönbrunn

 

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Krokodilteju (Dracaena guianensis) im Staatlichen Museum für Naturkunde, Karlsruhe © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Nacken- und Flankenschuppen mit Osteodermen bei einem Krokodilteju (Dracaena guianensis) im Staatlichen Museum für Naturkunde, Karlsruhe © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Regenwaldterrarium für Krokodiltejus (Dracaena guianensis) im Staatlichen Museum für Naturkunde, Karlsruhe © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Der auch Panzerteju genannte Krokodilkteju ist eine der größten Echsen Südamerikas. Seinen Namen hat er wegen der verknöcherten, gekielten oder plattenartigen Schuppen, die in ähnlicher Form auch bei Krokodilartigen vorkommen. Er wird relativ oft im Zoo gezeigt.

Körperbau und Körperfunktionen

Der stämmige, etwa 125 cm lange Krokodilteju hat einen kräftigen Kopf mit starken, mit abgeplatteten Zähnen versehenen Kiefern. Der Kopf ist orange, der Körper überwiegend hellgrün, oliv oder braun gefärbt. Auf dem Rücken befinden sich große gekielte Schuppen, die von kleineren, körnigen Schuppen umgeben sind. Der seitlich abgeplattete Ruderschwanz weist einen doppelten Schuppenkamm auf, ähnlich wie bei den Krokodilen [3; 5].

Verbreitung

Tropisches Südamerika: Brasilien, Ekuador, Französisch Guiana, Guyana, Kolumbien, Peru, Surinam, Venezuela (Einzugsgebiet des Amazonas) [6].

Lebensraum und Lebensweise

Die Krokodiltejus besiedeln Regenwald und Sumpfland. Sie schwimmen und tauchen ausgezeichnet und halten sich tagsüber meist im Wasser auf, nachts sollen sie ein Versteck an Land aufsuchen. Dies entspricht aber nicht unbedingt den im Terrarium gemachten Erfahrungen. Sie fressen mit Vorliebe Wasserschnecken, deren Gehäuse sie zermahlen und dann ausspucken. Das Gelege besteht in der Regel aus nur zwei Eiern [3; 4; 5].

Gefährdung und Schutz

Die Art ist auf der Roten Liste nicht aufgeführt.

Der internationale Handel ist seit 1977 nach CITES Anhang II geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Von 1981-1990 meldeten Guyana und Surinam zusammen die Ausfuhr von gegen 58'000 Häuten. Bei weiteren, von Argentinien und Paraguay gemeldeten Exporten dürfte es sich um Dracaena paraguayensis gehandelt haben. Ab 1991 fanden anscheinend keine Exporte mehr statt. In den Lebendtierhandel gelangten im Zeitraum 2010-15 jährlich rund 600 Tiere aus Peru. Der internationale Handel mit Nachzuchttieren aus anderen Ländern ist bescheiden [1].

Haltung

Es wird empfohlen, Krokodiltejus paarwese in einem Regenwaldterrarium mit einer Grundfläche von etwa 4.8 m² und einer Höhe von 2 m zu halten. Es sollte mit Wärme- und UV-Strahlern ausgestattet und mit einem großen Wasserbecken, Korkröhren und fest montierten Stämmen eingerichtet sein. Der soll mit einem feuchtigkeitsspeichernden Substrat bedeckt sein. Es ist für unterschiedliche Temperaturbereiche zu sorgen. Tagsüber soll die Temperatur bei 28-32ºC, lokal bei 45-50ºC liegen, nachts nicht unter 18ºC . Die Luftfeuchtigkeit soll bei 70-90% liegen [4].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund gegen 40 Institutionen gezeigt, von denen sich einige im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Im Juli 2013 gelang dem Tiergarten Schönbrunn als zweitem Zoo in Europa (nach dem Prager Zoo, der 1998 den ersten Zuchterfolg verzeichnen konnte) die Nachzucht von Krokodiltejus. Dass die Nachzucht geklappt hat, ist einem Trick der Tierpfleger zu verdanken. Im Freiland legen die Tejuweibchen ihre Eier in die Nester von Baumtermiten. Im Tiergarten stand man vor dem Problem, dass die Weibchen ihre Eier irgendwo im Gehege fallen ließen. Wurden die Eier gefunden, waren sie nicht mehr entwicklungsfähig. Die Tierpfleger konstruierten daher aus einer Kunststoffbox ein temperierbares Pseudo-Termitennest, das an der höchsten Stelle der Anlage angebracht wurde und das Weibchen hat die Eier tatsächlich dort abgelegt. Ausgebrütet wurden sie schließlich im Brutapparat, 167 Tage später schlüpfte das erste Jungtier (PM Tiergarten Schönbrunn vom 12.08.2013).

Mindestanforderungen an Gehege: Im Reptiliengutachten 1997 des BMELF ist die Art nicht erwähnt. Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 01.01.2017) schreibt für 1-2 Tiere ein Gehege mit mit einem Landteil vor, der dem 3x3-fachen und einem Wasserteil der dem 2x2-fachen der Kopf-Rumpflänge entspricht. Für jedes weitere Tier kommt beim Landteil das 1x1-fache der Kopf-Rumpflänge dazu. Die Wassertiefe muss der Hälfte, die Terrariumhöhe dem Dreifachen der Kopf-Rumpflänge entsprechen. In der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2017) ist die Art nicht erwähnt.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde 1802 vom französischen Zoologen François Marie DAUDIN im Rahmen seines Werks "Histoire Naturelle, Générale et Particulière des Reptiles" unter ihrem heute noch geltenden Namen beschrieben [2; 5]. Dracaena ist nicht nur der wissenschaftliche Name dieser Echsengattung, sondern auch jener der zu den Spargelgewächsen gehörenden Drachenbäume. Der deutsche Name "Krokodilteju" rührt daher, dass die Tiere auf dem Rücken große Pflasterschuppen haben, wodurch die Haut etwas jener eines Krokodilkaimans ähnelt.

Literatur und Internetquellen

  1. CITES TRADE DATA BASE
  2. DAUDIN, F. M. (1802-05)
  3. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  4. NOYA-REPTILIEN
  5. O'SHEA, M. & HALLIDAY, T. (2002)
  6. THE REPTILE DATA BASE

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Gelesen 5109 mal Letzte Änderung am Sonntag, 12 Mai 2019 07:29
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx