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SANDMANN, R. (1973)

Sozialverhalten und Nestbau bei Webervögeln.

Staatsexamensarbeit

Fachbereich Biologie, Gesamthochschule Duisburg
Leitung: Prof. Dr. Ilse Danneel, Dr. Manfred Pietsch
Zoo Duisburg

Zusammenfassung:

Aktivitäts- und Ruheperioden sind dem natürlichen Tagesablauf angepasst: Aktivität von 6.30 – 11 Uhr, Ruhepause von 11-15 Uhr. Aktivität 15 – 19 Uhr.

Soziale Auseinandersetzungen im Allgemeinen nur Androhung, Austragung durch Schnabelhiebe.
Auslöser:
a) Verletzung des Individualabstandes
b) Verletzung des Brutreviers
c) Nistmaterial
d) ein bestimmtes Weibchen.
Streit um Futter war nicht zu beobachten.

Soziale Struktur:
Ploceinen sind gesellig. Tiere, deren Neugier- und Erkundungsverhalten besonders stark ausgeprägt ist, exponieren sich durch ihr Verhalten und lösen scharenweise Nachahmung aus.

Balzverhalten:
Einsetzen des Balzverhaltens zu unterschiedlichem Zeitpunkt (vor, während, nach dem Nestbau), zitternde, schwirrende Bewegung von Flügeln und Schwanz als Ausdruck der inneren Disposition, nicht auf ein bestimmtes Weibchen gerichtet. Typischer Balztanz: Rüttelbalz. Mehrfach interspezifisches Balzverhalten.

Nistplatzwahl
Auslösender Schlüsselreiz: senkrechte Wand mit steiler Kante, auch Maschendraht wird als steile Wand empfunden. Dementsprechend Nestbau in der Hauptsache an den Volierenwänden. Bewußtsein für die Gefährdung des Niststandortes als Ergebnis von Erfahrung.

Nistmaterial
Palmfasern stark bevorzugt. Farbwahl bei Bast in der Reihenfolge hellgrün, blaugrün, natur, violett, rot, orange. Ploceinen besitzen offensichtlich die Fähigkeit, Farben und Farbkomponenten wahrzunehmen. Feuchtes gegenüber trockenem Material bevorzugt. Bewußtsein für die Haltbarkeit des Materials entwickelt.

Transport des Nistmaterials
Abreißen der Palmfaser durch Hineinbeißen und Abziehen entlang der Fieder. Dabei läuft der Vogel auf der Fieder entlang. Länge 10 – 30 cm, Dicke 2 – 3 mm. Der Vogel behält die Faser dort im Schnabel, wo er hineinbiß, um sie abzureißen. Kurze Fasern werden in der Mitte gefasst.

Befestigung des Nestes und Nistansatzes
Ansatzpunkte: in Gabeln hängend, auf Gabeln aufliegend, an waagerechten Ästen. Befestigung durch Umwickeln, Durchstecken und Anziehen zum Knoten. Bau des Ansatzes nach dem „Versuch-Irrtum“-Prinzip, jedes Tier macht 3 -6 Ansätze, ehe der endgültige Neststandort feststeht.

Stadien des Nestbaus
generell: 6 Phasen
1. Phase Bau der Ansätze und deren Verbindung zur Schaukel
2. Phase Bau des Ringes
3. Phase Bau des Daches
4. Phase Bau der Brutkammer
5. Phase Bau der Vorkammer
6. Phase Bau der Einflugröhre
Die 2 Phasen des Innenausbaues – inneres Dach und Auskleidung der Brutkammer – waren nicht zu beobachten. Abweichend: häufige Veränderung der Phasenfolge und Überspringen einzelner Stadien. Beherrschung des Nestbaues erweist sich als Erfahrungswissen.

Nestbaubewegungen
Grundprinzip: ein Faserende unter den Fuß klemmen, anderes hängt herab, Kopf zur anderen Seite drehen und von unten Faden heraufholen. Ständiges Wiederholen des Vorganges mit leichter Drehung der Phaser, so daß diese glatt anliegt. 2/3 werden umgewickelt durchgesteckt. Ende wird heraus und fest angezogen. Bau der Ansätze sitzend. Bei der Schaukel hängend. Ausbau von Ring, Dach- und Brutkammer durch „Wegschieben“ und „Durchstecken“ (Technik des Webens).

Rollenverteilung beim Nestbau
Männchen und Weibchen bauen eigenständig Nester bzw. deren Anfangsphase. Männchen übernehmen den Innenausbau ihrer Nester selbst, nicht die Weibchen.

Interspezifische Unterschiede beim Nestbau
Unterschiede bei der Wahl des Niststandortes, der Farbwahl, bei den Nistansätzen, in der Bautechnik, Rollenverteilung sowie Nest- und Reviergröße. Einzelheiten sind der Tabelle auf Seite 75 zu entnehmen.

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx