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NAPIERSKI, S. (2011)

Ex-situ Artenschutz in der Bildung für nachhaltige Entwicklung. Analyse und Bewertung von Informations- und Bildungsangeboten Zoologischen Gärten mit Orang-Utan-Erhaltungszuchten.

Masterarbeit

111 Seiten.

Fachbereich Landschaftsarchitektur und Umweltplanung, Hochschule Ostwestfalen-Lippe
Leitung: Prof. Dr. Ulrich Riedl
Allwetterzoo Münster, Zoo Dortmund, Zoo Duisburg, Kölner Zoo, Krefelder Zoo

Zusammenfassung:

Die Zerstörung und sinkende Qualität von Lebensräumen durch den Menschen führen zu einer immer weiter schwindenden Artenvielfalt. Die Vernichtung der Lebensräume erfolgt zumeist aus wirtschaftlichen Gründen, wobei vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern große Areale zur Rohstoffgewinnung genutzt werden. Diese Rohstoffe werden jedoch nicht ausschließlich in den betroffenen Ländern benötigt, sondern decken zu einem großen Teil den europäischen Markt ab. Daher kann der Verbraucher in Europa durch ein angepasstes Konsumverhalten nachhaltig Einfluss auf die Zerstörung der Lebensräume in Entwicklungs- und Schwellenländern nehmen. Um den europäischen Konsumenten u.a. auf seine Handlungsmöglichkeiten aufmerksam zu machen, führen die Vereinten Nationen eine Bildungsdekade unter dem Titel „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ durch, die Kompetenzen eines globalen Denkens und Handels vermitteln soll. Die Bildungsdekade betrifft alle Altersklassen und ist auch außerschulisch durchzuführen, sodass Zoos mit ihren hohen Besucherzahlen und einer damit verbundenen umfassenden Reichweite eine tragende Rolle einnehmen können. Die Bildungsaufgabe wird den Zoos von Experten zugesprochen. Neben dem Arterhalt und der Forschung ist dies die dritte Funktion, die dem ex-situ-Artenschutz zu Grunde liegt. Die Stärken des ex-situ-Artenschutzes ergänzen sich dabei mit dem Artenschutz innerhalb der Lebensräume (in-situ).
Die vorliegende Arbeit bewertet die Bildungsangebote und Anlagen in fünf ausgewählten Zoos (Dortmund, Duisburg, Köln, Krefeld, Münster) am Beispiel des Orang-Utans. Der Orang-Utan wurde ausgewählt, da er aus einem bedrohten Lebensraum stammt und gleichzeitig selbst je nach Art stark gefährdet bis vom Aussterben bedroht ist. Gleichzeitig führen die Zoos der EAZA im Jahr der Bearbeitung eine Kampagne zum Menschenaffenschutz durch.
Die Bildungsarbeit der Zoos wurde anhand des öffentlich zugänglichen Materials auf seine inhaltliche Vollständigkeit hin bewertet, die Effektivität mit Hilfe einer Besucherumfrage überprüft. Die Orang-Utan-Anlage wurde auf ihre didaktischen Möglichkeiten als Schaufenster des Lebensraumes und ihrer Attraktivität zwecks längerer Verweildauer untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass sowohl erhebliche Unterschiede im Bildungsangebot als auch an der Anlage zu keiner erkennbaren Abhebung in der Besucherumfrage geführt haben und in jedem untersuchten Zoo zwischen neun und elf Fragen mehrheitlich richtig beantwortet wurden. Zusätzlich konnten die Besucher die gestellten Fragen teilweise Ex-situ-Artenschutz in der Bildung für nachhaltige Entwicklung unabhängig davon korrekt beantworten, ob diese Informationen innerhalb des Bildungsangebots gegeben waren oder nicht. Dem zu Folge ist mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Effektivität noch gering ist. Die Optimierung konzentriert sich daher auf mögliche neue Vermittlungsarten und sieht das vorhandene Informationsmaterial als Ergänzung für den interessierten Besucher. Dabei handelt es sich um ein vereinheitlichtes Informationssystem zum nachhaltigen Handeln, dass in allen Einrichtungen mit Tierhaltungen eingesetzt werden sollte, zwei interaktive Stationen, an denen einerseits die Folgen einer falschen Kaufentscheidung und zum anderen die Lebensweise des Orang-Utans übertragen auf den Menschen verdeutlicht werden sowie ein Durchgang, der die Emotionen der Besucher anspricht. Die aufgeführten Vorschläge orientieren sich an potentiellen Erfolgsfaktoren aus Best-Practice-Beispielen, die besagen, dass ein gutes Bildungsangebot interaktive Elemente, eine interessante und durchgängige Gestaltung, themenbegleitende Filme und interessante Ausstellungsstücke beinhalten muss. Des Weiteren sind Tierhaltungen in räumlicher Nähe, kurze und einfache Texte sowie das Ansprechen aller Sinne und der Emotionen als auch eine entspannte Atmosphäre zu berücksichtigen. Die vorgeschlagenen Optimierungsmöglichkeiten versuchen daher möglichst viele der aufgeführten Punkte zusammenzufassen. Der Effektivität dieser Vorschläge ist jedoch allein durch die Berücksichtigung der potentiellen Erfolgsfaktoren nicht gesichert, sondern bedarf ebenso einer Evaluierung wie das derzeitige Bildungsangebot.

Abstract:

The destruction and decreasing quality of habitats caused by human beings lead to a shrinking biodiversity. The elimination of habitats is effected by economic reasons. Especially huge areas in developing countries are used for production of raw materials. But these materials are not fully required for the country they are produced in. They also cover a huge amount of the European demand. With regard to that the consumers of Europe can sustainable influence the habitats of developing countries. To point the European people to other ways of consuming, the United Nations organized a decade titled “Education for sustainable development” which is to communicate the competences of global thinking and acting. This decade refers to all ages and is carried out extracurricular. By their large catchment and high attendance zoos can take over a primary role. According to experts, zoos can take over this kind of education. Besides research and the preservation of species, this is the third function that forms the basis of ex-situ-animal welfare. The strengths of ex-situ-animal welfare complement with the in-situ-animal welfare.
The present master’s thesis evaluates education opportunities and facilities of five zoos (Cologne, Dortmund, Duisburg, Krefeld, Munster), using the example of the Orangutan. The Orangutan was chosen because of its endangered habitat. At the same time it is endangered or critically endangered, depending on the species. Simultaneously, the zoos of the EAZA mount a campaign in the year of adaption to protect the great ape. The education of the zoos was evaluated with regard to content completeness. This was done by means of public
and official materials. Moreover their efficiency was verified with the help of a survey. The facility of the Orangutan was reviewed concerning its didactic abilities as a habitat and its attractiveness for a longer retention period. The results show no remarkable divergence concerning the survey, although there are significant differences of the education opportunities. In each zoo between nine and eleven questions were answered correctly by the majority. Additionally, a part of the visitors could answer the questions correctly, regardless of any information given in the zoos. Therefore the efficiency of the current education opportunity is still limited. The improvement focuses on possible new ways of teaching. Firstly, it is about a unified information system for sustained acting, which should be implemented in all facilities that keep animals. Secondly there are two interactive stations that illustrate on the one hand the consequences of a wrong buying decision and on the other hand the life of an Orangutan transferred to those of human beings. Thirdly, an alleyway can raise emotions of the visitor. The actual existing information material is regarded as an addition. The propositions are geared to potential factors of success of best practice examples. These point out, that a good education opportunity should include interactive elements, an interesting and continuous arrangement, theme collateral film sequences and interesting exhibits. Furthermore, keeping animals close to the visitor, short and precise texts as well as raising emotions, activating people’s wits and a relaxed atmosphere have to be considered. Therefore the proposed improvements try to outline many of the mentioned aspects. The potential factors of success cannot ensure the efficiency of these proposals exclusively. An evaluation like the present education opportunity is necessary, too.

 

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx