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DORNBUSCH, T. (2008)

Beobachtungen an Kurzkrallenottern (Amblonyx cinereus) in Gefangenschaft

Observations on short-clawed otters (Amblonyx cinereus) in captivity

Diplomarbeit

132 Seite

Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Leitung: Dr. Hartmut Greven, Institut für Zoomorphologie und Zellbiologie
Zoo Duisburg

Zusammenfassung:

An insgesamt 99 Beobachtungstagen wurde das Verhalten von zwei Familiengruppen von Asiatischen Kurzkrallenottern (Ambolnyx cinereus) im Aquazoo Düsseldorf und im Zoo Duisburg beobachtet und protokolliert. Darüber hinaus wurden auch einige Beobachtungen und Experimente mit dem handzahmen Kurzkrallenotter „Nemo“ durchgeführt.

1. Die Kurzkrallenotter waren etwa 60 % des Beobachtungszeitraums (täglich von 07:40 bis 14:50 Uhr) aktiv. Die Aktivität ist stark von den Fütterungszeiten abhängig. So gab es im Aquazoo, parallel zu den Fütterungszeiten, drei Phasen an denen die Tiere an besonders vielen Tagen aktiv waren. Im Zoo Duisburg gab es hingegen vier Phasen an denen die Tiere an den meisten Tagen aktiv waren, jedoch ebenfalls parallel zu den Fütterungszeiten.

2.  Die  Kurzkrallenotter  verbrachten  den  größten  Teil  der  Beobachtungszeit  mit Lokomotion,  sowie Ruhen und Schlafen. Bei der Gruppe im Aquazoo nahm Ruhen und Schlafen den größten Anteil am Verhalten  ein  (46,8  %),  gefolgt  von  der Lokomotion  (24,2  %).  Im  Zoo  Duisburg  lag  der  Anteil  an Lokomotion der beiden Fokustiere deutlich höher (51,9 %), gefolgt von Ruhen und Schlafen (32,8 %). Bei  beiden  Gruppen  war  die  Nahrungsaufnahme  mit  8,7  %  bzw.  12,5  %  der  drittstärkste  Anteil. Im Aquazoo nahm das Komfortverhalten bei den adulten Tieren mehr Zeit in Anspruch (7,6 %), als der Aufenthalt im Wasser (5,25 %). Bei den Jungtieren war es jeweils umgekehrt. Im Zoo Duisburg nahm das Komfortverhalten bei „Nepal“ mehr Zeit in Anspruch (3,7 %), als der Aufenthalt im Wasser (2,3 %). Bei „Mahal“ war der Wert des Komfortverhaltens geringer.

3. In der Familiengruppe helfen sich die Tiere bei der Nahrungsaufnahme und Fellpflege. Außerdem zeigen sie viele Verhaltensweisen gemeinsam, zum Beispiel Ruhen und Schlafen. Aggressives Verhalten wurde selten beobachtet. Die Mütter nehmen offenbar eine besondere, dominante Stellung ein.

4. Die Tragzeit der Kurzkrallenotter beträgt etwa 60 Tage. Bei einer Haltung in Familiengruppen gebärt das Muttertier offenbar nur einmal im Jahr Junge. Adulte Töchter bekommen in ihren elterlichen Familien offensichtlich keinen Nachwuchs. An der Aufzucht der Jungtiere sind sowohl Mutter und Vater, als auch die älteren Geschwister beteiligt. Eine ältere Tochter unterstützte ihre Mutter sogar beim säugen.

5. Eine Datensammlung über die Haltung von Kurzkrallenottern in 51 Zoos Europas Belegt, dass 98,6 % der Kurzkrallenotter Paarweise oder in Familiengruppen gehalten werden. Keines der 51 Gehege, unterschreitet die deutschen Richtlinien zur Otterhaltung. Elf Zoos halten Kurzkrallenotter mit anderen Tierarten in zum Teil sehr großen Gehegen, zusammen.
6. Der handzahme Kurzkrallenotter „Nemo“ bevorzugte als Nahrung Rotaugen, Regenwürmer und Mäuse. Durch Futterkanister, in welchen die Tiere nach Futter tasten konnten, konnte die Dauer der Nahrungsaufnahme um etwa 55 % gesteigert werden.

 

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx