Taubwaran, Krusten- und Krokodilschwanz-Echsen

Gilatier

Gilatier (Heloderma suspectum) ehemals im Zoo Basel Gilatier (Heloderma suspectum) ehemals im Zoo Basel
Max Giuliani †

Ordnung: Schuppenkriechtiere (SQUAMATA)
Unterordnung: Echsen (SAURIA)
Taxon ohne Rang: Schleichanartige (ANGUIMORPHA)
Zwischenordnung: Waranartige (Platynota)
Familie: Warane (Varanidae)

D NT 650

Gilatier

Heloderma suspectum • The Gila Monster • Le gila monstrueux

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Gilatier (Heloderma suspectum) in der Wilhelma Stuttgart © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Approximative Verbreitung des Gilatiers (Heloderma suspectusm)

 

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Gilatiere (Heloderma suspectum) im Tiergarten Schönbrunn © Daniel Zupanc, Wien

 

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Gilatier (Heloderma suspectum) im Tiergarten Schönbrunn © Daniel Zupanc, Wien

 

 

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Gilatiere (Heloderma suspectum) im Zoo Olmütz © Olomouc Zoo

 

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Gilatier (Heloderma suspectum) im Zoo-Aquarium Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Gilatiere (Heloderma suspectum) im Zoo-Aquarium Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Als Giftechse stößt das Gilatier auf großes Interesse bei den Zoobesuchern und als «black-and-yellow – dangerous fellow» ist es ein dankbares Objekt für die Zoopädagogik. Dementsprechend wird es häufig in Zoos gehalten.

Körperbau und Körperfunktionen

Das Gilatier ist etwas kleiner als die Skorpions-Krustenechse, es erreicht eine Länge von 50-60 cm. Der Kopf ist groß, mit breiter Schnauze und kleinen Augen. Der Rumpf ist walzenförmig, der dicke Schwanz ist relativ kürzer als bei der Skorpions-Krustenechse. Er dient als Fettspeicher und erlaubt den Echsen auch mehrjährige Trocken und Hungerzeiten zu überstehen. Die Beine sind kurz und kräftig, vorne und hinten mit je 5 Zehen, die vorderen mit längeren Krallen als die hinteren. Die Schuppen von Rumpfoberseite und Beinen sind perlenartig, enthalten Osteodermen und überlappen sich nicht. Am Kopf sind sie vergrössert, am Bauch flach, quadratisch und in Reihen angeordnet. Wärend die Skorpions-Krustenechse hauptsächlich schwarz gefärbt ist, überwiegen beim Gilatier die rosafarbenen oder gelblichen Partien (auch auf dem Kopf). Der Schwanz hat nur 4-5 Querbänder [2; 7].

Verbreitung

Südöstliches Nordamerika [6; 9]:

H. suspectum cinctum - USA, hauptsächlich in der Mojave-Wüste (SW-Utah, S-Nevada, SO-Kalifornien, NW-Arizona)
H. suspectum suspectum - USA (Arizona, New Mexico) und Mexiko (Sonora, Nord-Sinaloa)

Im Süden überlappt sich die Verbreitung des Gilatiers mit jener der Skorpions-Krustenechse.

Lebensraum und Lebensweise

Gila-Krustenechsen fressen Vogel- und Reptilieneier sowie Nagetiere und kleine Vögel. Ihr Gift dient zum Töten ihrer Beute und hat eine wesentliche Funktion bei der Verdauung. Den Gila-Krustenechsen verdankt man auch ein wichtiges Medikament. In den 1990er Jahren wurde in ihrem Speichel das Hormon Exendin-4 entdeckt. Diese Substanz wird mittlerweile synthetisch hergestellt und in der Diabetes-Therapie eingesetzt (PM Tiergarten Schönbrunn, 06.02.2014). Das Gelege besteht aus 4-7 Eiern [6].

Gefährdung und Schutz

Nach einer Beurteilung aus dem Jahr 2007 gilt die Art als potenziell gefährdet [6].

Der internationale Handel ist nach CITES Anhang II geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Beim Menschen ist die Wirkung des Gifts unterschiedlich, manche sterben daran, andere zeigen lediglich eine lokale Reaktion. So hatte ein Offizier einer Wüstengarnison nach dem Genuss von zwei Glas Bier, sechs Martinis und fünf Whiskies mit Soda eine Krustenechse vor sich auf den Tisch gesetzt. Das Tier sperrte das Maul auf; der Offizier steckte seinen rechten Zeigefinger hinein und wollte ihn vor dem Zubeissen wieder zurückziehen. Leider war die Krustenechse schneller. Der Gebissene versuchte, möglichst viel Gift aus der Wunde zu entfernen, legte eine Bandage oberhalb der Bissstelle an und begab sich in ärztliche Behandlung. Er litt unter Kopfschmerzen und Ohrensausen, was auch andere Ursachen gehabt haben mag; es blieb nur eine erhöhte Druckempfindlichkeit an der gebissenen Stelle zurück. [SHANNON, 1953, cit. in 5].

Wirtschaftlich ist das Gilatier für die Ursprungsländer unbedeutend. Seit Bestehen von CITES wurden neben aus Mexiko nur 17 Tiere ausgeführt, aus den USA 1'355, wovon 1'289 Nachzuchten waren. In den zehn Jahren von 2006-2015 wurden weltweit 873 Nachzuchttiere international verschoben. Davon stammten nur 87 nicht aus den USA [3].

Haltung

Es können mehrere Tiere gemeinsam gehalten werden. Auch eine erfolgreiche Gemeinschaftshaltung mit Schwarzleguanen (Ctenosaura) und Gopherschildkröten (Gopherus) sowie mit kleineren Echsen ist möglich. Es wird empfohlen, die Tiere in einem Trocken- oder Halbfeuchtterrarium zu halten. Als Bodengrund eignen sich Sand oder ein Sand-Erde-Gemisch. Der Boden soll durch Steine, Wurzeln und Rindenstücke strukturiert werden. Für eine Bepflanzung kommen nur robuste Arten in Frage. Es sollen Äste oder Felsaufbauten zum Klettern und Höhlen als Verstecke angeboten werden. Die Raumtemperatur soll tagsüber 25-30°C mit lokal wärmerer Bodentemperatur von 35°C, nachts um die 20°C betragen [1; 4; 7].

Das Gilatier gehört zu den "Gefahrtieren", deren Haltung in manchen deutschen Bundesländern unter sicherheitspolizeilichen Aspekten eingeschränkt oder geregelt ist.

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 70 europäischen Zoos gezeigt, von denen sich etwa ein Viertel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste. Seit 1989 gibt es ein europäisches Erhaltungszuchtprogramm (EEP).

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Reptiliengutachten 1997 des BMELF soll ein Terrarium für ein Paar mindestens 4x so lang und 3x so breit sein wie die Kopf-Rumpflänge der Tiere. Die Höhe soll das Doppelte der Kopf-Rumpflänge betragen . Für jedes weitere Tier kommen15% zur Basisfläche dazu. Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 01.01.2017) schreibt für 1-2 Tiere ein Gehege vor, dessen Grundfläche das 4x3-fache der Kopf-Rumpflänge und dessen Höhe das Dreifache der Kopf-Rumpflänge messen. Für jedes weitere Tier kommt das 2x2-fache der Kopf-Rumpflänge zur Basisflächen dazu. In der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2017) ist die Art nicht erwähnt.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde 1869 von dem amerikanischen Zoologen Edward Drinker COPE, damals Kustos der Academy of Natural Sciences in Philadelphia, unter ihrem heute noch gültigen Namen beschrieben [9]. Der Vulgärname "Gilatier" kommt vom Gila River, einem 1044 km langen Nebenfluss des Colorado. Hier sollen die "Gila monsters" besonders häufig gewesen sein [8].

Literatur und Internetquellen

  1. AZA REGIONAL COLLECTION PLAN
  2. CITES IDENTIFICATION MANUAL
  3. CITES TRADE DATA BASE
  4. EIDENMÜLLER, B. & PHILIPPEN, H.-D. (2008)
  5. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  6. HAMMERSON, G.A., FROST, D.R. & GADSDEN, H. 2007. Heloderma suspectum. The IUCN Red List of Threatened Species 2007: e.T9865A13022716. http://www.iucnredlist.org/details/9865/0. Downloaded on 12 July 2017.
  7. NIETZKE, G. (1969)
  8. O'SHEA, M. & HALLIDAY, T. (2001)
  9. THE REPTILE DATA BASE

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Gelesen 1706 mal Letzte Änderung am Sonntag, 28 Juni 2020 13:36
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx