Meerkatzen, Makaken, Mangaben, Paviane

Schopfmangabe

Schopfmangabe (Lophocebus aterrimus) im Zoo Hoyerswerda Schopfmangabe (Lophocebus aterrimus) im Zoo Hoyerswerda
Kathrin Witzenberger, Zoo Hoyerswerda

Überordnung: EUARCHONTOGLIRES
Ordnung: Affen und Halbaffen (PRIMATES)
Unterordnung: Affen (Simiae / Haplorrhini)
Teilordnung: Eigentliche Affen (Simiiformes)
Überfamilie: Altwelt- oder Schmalnasenaffen (Catarrhini)
Familie: Meerkatzenverwandte (Cercopithecidae)
Unterfamilie: Backentaschenaffen (Cercopithecinae)
Tribus Pavianartige (Papionini)

D NT 650

Schopfmangabe

Lophocebus aterrimus • Black Crested Mangabey • Le cercocèbe noir

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Schopfmangabe (Lophocebus aterrimus) im Binder Park Zoo in Battle Creek, Michigan © Ltshears. Veröffentlicht auf Wikimedia Commons unter einer Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

 

 

 

 

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Approximative Verbreitung der Schopflmangabe (Lophocebus aterrimus) nach Roter Liste der IUCN. Dunkelblau: aterrimus; rot: opdenboschi

 

 

 

 

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Junge Schopfmangabe (Lophocebus aterrimus) im Zoo in der Wingst © Zoo Wingst (Facebook-Seite)

 

 

 

 

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Schopfmangaben (Lophocebus aterrimus) im Zoo in der Wingst © Zoo Wingst (Facebook-Seite)

 

 

 

 

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Junge Schopfmangabe (Lophocebus aterrimus) im Zoo in der Wingst © Zoo Wingst

 

 

 

 

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Junge Schopfmangabe (Lophocebus aterrimus) im Zoo in der Wingst © Zoo Wingst

 

 

 

 

Weitere Bilder auf BioLib

Die in ihrer Heimat potenziell gefährdete Schopfmangabe wird nicht häufig in europäischen Zoos gehalten, obwohl sie mit ihrer Spitzhaube attraktiv wirkt und sich gut als Botschafter für die Erhaltung der zentralafrikanischen Wälder und ihrer tierischen Bewohner eignet. Immerhin gibt es ein Zuchtbuch, das dafür sorgen sollte, dass der Zoobestand nicht weiter abnimmt.

Körperbau und Körperfunktionen

Ein langer, spitzer, senkrecht stehender Schopf ist das Erkennungsmerkmal der Schopfmangabe. Die nackten Hautpartien an Kopf, Händen und Füßen und das langhaarige, raue Fell sind einfarbig schwarz, lediglich die Backenbärte scheinen bei der nördlichen Unterart etwas graubräunlich aufgehellt. Der Schwanz ist mit 55-85 cm länger als Kopf und Rumpf (40-62 cm). Das Körpergewicht liegt bei Männchen um die 8 kg, bei Weibchen bei 4.5 bis 7 kg. Bei Jungtieren ist das Gesicht bei der Geburt rosa und beginnt sich erst ab etwa einem Monat zu pigmentieren [1; 2; 7].

Verbreitung

Zentralafrika: Kongo Dem. (L. a. aterrimus) und nördliches Angola (L. a. opdenboschi). Der Kongofluss bildet die nördliche Verbreitungsgrenze [4; 7].

Lebensraum und Lebensweise

Schopfmangaben besiedeln feuchte Primär- und Sekundärwälder, gerne in Flussnähe, auch Sumpfwälder. Sie sind tagaktive Baumbewohner, die sich selten am Boden aufhalten, sondern ihre Nahrung, hauptsächlich Früchte, Blüten und Samen, in den mittleren Stockwerken des Kronendachs suchen. Zum Nahrungsspektrum gehören auch Rinde, Baumexsudate und andere Pflanzenteile sowie Wirbellose und Reptilien. Sie leben in kleineren Gruppen von bis zu 20 Tieren beiderlei Geschlechts, die Streifgebiete von etwa 50-70 ha nutzen. Sie bilden oft Gemeinschaften mit Kongo-Weißnasenmeerkatzen (Cercopithecus ascanius) und Wolf-Meerkatzen (Cercopithecus wolfi) und fallen Bonobos (Pan paniscus) zur Beute [4; 7].

Empfängnisbereite Weibchen zeigen eine rosafarbene Genitalschwellung [7].

Gefährdung und Schutz

Wegen hohen Jagddrucks und gebietsweiser Lebensraumzerstörung nehmen die Beständer der Art ab, und die Schopfmangabe wurde aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2008 als potenziell gefährdete Tierart (Rote Liste: NEAR THREATENED) eingestuft.

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang II geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Wirtschaftliche Bedeutung: Schopfmangaben werden zur Fleischgewinnung unkontrolliert bejagt [4].

Von 1977-2017 exportierten die Demokratische Republik Kongo etwas Wissenschaftsmaterial und 102 lebenden Wildfänge. Im selben Zeitraum wurden weltweit Exporte von 61 Nachzuchttieren erfasst. Wichtigstes Ausfuhrland war Syrien [3].

Haltung

Für eine optimale Haltung wird ein Innengehege von 4 m² pro Tier bei 2.50 m Höhe empfohlen, das möglichst unterteilbar sein sollte. Handelt es sich um ein Schaugehege, sollte die Fläche 50 m² betragen. Das Außengehege sollte eine Fläche von 250 m² und eine Höhe von 4 m aufweisen [1].

WEIGL gibt als bekanntes Höchstalter für ein Weibchen ungefähr 36 Jahre an, erreicht von einem in amerikanischen Zoos gehaltenen Wildfang, die EAZA gibt für ein Männchen 37 Jahre und 1 Monat an [1; 6].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 20 Zoos gehalten, von denen sich einzelne im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Das seit 1999 bestehende Europäisches Zuchtbuch (ESB) wird am Gaia Zoo in Kerkrade geführt. Am 1.6.2018 nahmen 8 Zoos mit einem Gesamtbestand von 26 Tieren teil. Der Bestand ist wohl zu klein, um langfristig erhalten werden zu können [1].

Mindestanforderungen an Gehege: Im Säugetiergutachten 2014 des BMEL wird für die Haltung von bis zu 5 erwachsenen Mangaben ein Außen- und ein Innengehege von je 33 m² bei 3 m Höhe gefordert und für jedes zusätzliche Adulttier außen 4 m² und innen 3 m² Fläche mehr. Dies ist eine Erhöhung des Raumangebots um ein Drittel gegenüber dem Gutachten’96. Die Tierschutzsachverständigen der Zoos hielten eine Erhöhung des Platzangebots ebenfalls für angebracht schlugen aber im Differenzprotokoll vor, dass für 5 Tiere ein Außengehege von 30 m² und ein Innengehege von 25 m² bei jeweils bei 3 m Höhe und für jedes weitere Tier außen wie innen 3 m² mehr Fläche angeboten werden sollte.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2018) schreibt für 5 Mangaben ein Außen- und ein Innengehege mit einer Grundfläche von je 25 m² bei 3 m Höhe und für jedes weitere Tier jeweils 4 m² Fläche zusätzlich vor. Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2018) muss die Haltung paarweise oder in kleinen Familiengruppen erfolgen und es ist für 5 Adulttiere ein Außengehege mit einer Grundfläche von 100 m² und ein Innengehege von 25 m² bei jeweils 2.50 m Höhe erforderlich. Für jedes weitere Adulttier ist die Fläche außen um 10, innen um 2.5 m² zu erweitern.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Schopfmangabe wurde 1890 von dem niederländischen Zoologen Anthonie Cornelis OUDEMANS unter der Bezeichnung "Cercopithecus aterrimus" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Étienne GEOFFROY SAINT-HILAIRE stellte 1812 die Mangaben in die eigene Gattung Cercocebus. 1903 trennte der amerikanische Zoologe Theodore Sherman PALMER davon die Schwarzmangaben als Gattung Lophocebus ab. Die meisten Autoren behandelten aber bis in die jüngste Zeit Lophocebus als Subgenus, weshalb der Name Cercocebus aterrimus in der Literatur häufig anzutreffen ist. Im Zuge des Gattungs- und Artensplittings der letzten Jahre setzt sich nun Lophocebus durch und aus den urprünglich zwei Arten der Schwarzmangaben wurden von manchen Autoren drei, von anderen sechs gemacht, was allerdings nicht unumstritten ist und z.B. von der IUCN nicht befolgt wurde [1; 2; 4; 5; 7; 8].

Literatur und Internetquellen

  1. ABELLÓ, T., TER MEULEN, T. & PRINS, E. F. (2018)
  2. BERGER, G. & TYLINEK, E. (1984)
  3. CITES TRADE DATA BASE
  4. HART, J., GROVES, C.P. & EHARDT, C. (2008). Lophocebus aterrimus. The IUCN Red List of Threatened Species 2008: e.T12310A3333720. http://www.iucnredlist.org/details/12310/0. Downloaded on 16 May 2018.
  5. HONACKI, J.H., KINMAN, K.E. & KOEPPL, J.W. (1982)
  6. WEIGL, R. (2005)
  7. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)
  8. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)

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Gelesen 492 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 02 Januar 2019 15:59
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx