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MEILLER, C. (1991)

Zoobeobachtungen zum Verhalten des Binturongs – speziell zum Gebrauch des Wickelschwanzes.

Diplomarbeit

145 Seite

Fachbereich Biologie, Universität Kaiserslautern
Leitung: Prof. Dr. Walter Pflumm
Zoo Vivarium Darmstadt

Zusammenfassung:

Im Vivarium Darmstadt wurden an einer Binturong-Gruppe Untersuchungen zu den Aspekten „Einsatz des Wickelschwanzes“ und Boden-Baumtier-Problematik“ durchgeführt. Im Anhang der vorliegenden Arbeit sind weitere Zoobeobachtungen über das verhalten des Binturongs aufgelistet.
Die Experimente zum Schwanzeinsatz des Binturongs beim Laufen auf Ästen wurden mit zwei 2-3 Monate alten Tieren durchgeführt. Den Versuchstieren wurden drei unverzweigte Äste verschiedener Beschaffenheit  und ein verzweigter Ast mit zwei Astgabeln angeboten. Die Äste waren mit unterschiedlichen, genau definierten Steigungswinkeln aufgestellt. Die Tiere wurden konditioniert, die Äste hinauf- und hinunterzulaufen.
Die Untersuchungen lieferten folgende Ergebnisse:
1.    Variiert man den Steigungswinkel der unverzweigten Äste, so ist der Anteil der Aufstiege mit Astkontakt und die relative Häufigkeit der Astkontakte beim Aufstieg bei höheren Steigungswinkeln größer als bei niederen. Ein entsprechendes Ergebnis erhält man beim Abstieg. Die Befunde sprechen dafür, daß der Wickelschwanz dem Binturong zur Sicherung dient.
2.    Die relative Häufigkeit der Astkontakte beim Laufen auf unverzweigten Ästen ist nicht nur von der Steigung des jeweiligen Astes abhängig, sondern auch von dessen Beschaffenheit. Dies ist ein weiterer Hinweis auf eine Sicherungsfunktion des Wickelschwanzes. Die einzelnen Komponenten der Astbeschaffenheit bewirken zusammen, ob der Binturong guten oder schlechten Halt an dem Ast findet.
3.    Bei mittleren und besonders bei hohen Steigungswinkeln ist die relative Häufigkeit der Astkontakte beim Abstieg auf unverzweigten Ästen höher als beim Aufstieg. Dies lässt sich wahrscheinlich auf weitere Funktionen des Wickelschwanzes zurückführen, die beim Auf- und Abstieg verschieden sind.
4.    Sowohl beim Auf- als auch beim Abstieg treten beim Laufen auf unverzweigten Ästen unterschiedliche Formen des Astkontaktes auf. Beim Aufstieg erfüllt der Wickelschwanz besonders bei hohem Steigungswinkel eine Stützfunktion. Beim Abstieg kommt den unterschiedlichen Formen des Astkontaktes ein unterschiedlich starker Sicherungs- bzw. Bremseffekt zu. Dafür spricht der Befund, daß mit zunehmendem Steigungswinkel beim Abstieg eine bestimmte Schwanzhaltung durch eine weitere ersetzt wird.. Bei Astkontakt in lose umwickelter Schwanzhaltung handelt es sich um den Astkontakt mit dem stärksten Sicherungs- bzw. Bremseffekt.
5.    Variiert man den Steigungswinkel des verzweigten Astes, so ist beim Aufstieg die relative Häufigkeit der Astgabelkontakte an der unteren Astgabel bei höheren Steigungswinkeln größer als bei niederen. Bei einem der Versuchstiere trifft diese Aussage bei der oberen Astgabel ebenfalls zu. Beim Abstieg ist  bei den Versuchstieren an beiden Astgabeln die relative Häufigkeit der Astgabelkontakte bei höheren Steigungswinkeln größer als bei niederen. Diese Ergebnisse sprechen  dafür, daß der Binturong seinen Wickelschwanz an den Astgabeln zur Sicherung einsetzt.
6.    In Abhängigkeit von der Höhenlage der beiden Astgabeln an dem Ast treten Unterschiede zwischen den relativen Häufigkeiten der Astgabelkontakte auf. Der Binturong setzt seinen Wickelschwanz in einigen Winkelbereichen bei größerer Höhendifferenz zum Boden (an der oberen Astgabel) häufiger ein als bei geringer Höhendifferenz (an der unteren Astgabel). Dies weist wiederum auf eine Sicherungsfunktion des Wickelschwanzes an den Astgabeln hin.
7.    Im Gegensatz zum Aufstieg, bei dem fast ausschließlich nur eine Form des Astgabelkontaktes auftritt, sind beim Abstieg verschiedene Formen des Astgabelkontaktes zu sehen. Der Wickelschwanz erfüllt beim Abstieg an den Astgabeln eine Sicherungs- und Bremsfunktion. Mit zunehmendem Steigungswinkel wird eine Schwanzhaltung durch eine weitere ersetzt. Dies spricht für einen unterschiedlich starken Sicherungs- bzw. Bremseffekt. Der verschiedenen Formen des Astgabelkontaktes beim Abstieg. Bei dem Seitenastkontakt in wickelnder Schwanzhaltung handelt es sich um den Schwanzeinsatz mit der stärksten Sicherungs-  und Bremswirkung an den Astgabeln.
8.    Junge Binturongs om Alter von 6-7 Wochen sind nicht fähig, sich über längere Zeit nur mit ihrem Wickelschwanz aufzuhängen. Im Alter von 4-15 Monaten führen sie dieses Verhalten häufig und zum Teil einige Minuten lang aus. Adulte Binturongs zeigen das freie Aufhängen am Wickelschwanz fast nie.
Die Untersuchungen zur Boden-Baumtier-Problematik wurden an einem adulten Weibchen und einem ca. 9 Monate alten Jungtier durchgeführt. Registriert wurde die Aufenthaltsdauer am Boden bzw. im Geäst während der Aktivitätszeit (Jeweils 18 Stunden) der Tiere. Dabei zeigte sich, daß diese beiden Binturongs sowohl den Boden als auch das Geäst als Aufenthaltsort wählen.

 

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx