Würgerkrähen, Paradiesvögel, Raben

Tannenhäher

Tannenhäher  (Nucifraga caryocatactes) im Alpenzoo Innsbruck Tannenhäher (Nucifraga caryocatactes) im Alpenzoo Innsbruck
Andreas Filz, TG Bernburg

Ordnung: Sperlingsvögel (PASSERIFORMES)
Unterordnung: Singvögel (OSCINES)
Familie: Raben (Corvidae)

D LC 650

Tannenhäher

Nucifraga caryocatactes • The (Spotted) Nutrcracker • Le cassenoix moucheté

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Tannenhäher (Nucifraga caryocatactes) im Zoologisch-Botanischen Garten Pilsen © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Tannenhähers (Nucifraga caryocatactes)

 

 

 

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Tannenhäher (Nucifraga caryocatactes) im Alpenzoo Innsbruck © Andreas Filz, TG Bernburg

 

 

 

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Tannenhäher (Nucifraga caryocatactes) im Alpenzoo Innsbruck © Andreas Filz, TG Bernburg

 

 

 

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Tannenhäher (Nucifraga caryocatactes) im Tiergarten Nürnberg © Helmut Mägdefrau, TG Nürnberg

 

 

 

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TTannenhäher (Nucifraga caryocatactes). Illustration aus NAUMANN, J. F. (1901) Naturgeschichte der Vögel Mitteleuropas, Band IV, Tafel 7. Gemeinfrei

 

 

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Als einheimische Art, die sehr wichtig für die Ökologie unserer Gebirgswälder ist, ist der Tannenhäher von Interesse für die Zoopädagogik. Er wird allerdings nur selten in europäischen Zoos gezeigt.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Tannenhäher erreicht eine Gesamtlänge von 33 (32-34) cm, eine Flügelspannweite von 52-58 cm und ein Gewicht von 120-200 (110-220) g. Im Vergleich zum Eichelhäher hat er einen größeren Kopf, einen längeren Schnabel und einen kürzeren Schwanz. Die Iris ist braun, Schnabel, Läufe und Zehen sind grau. Das Gefieder des Körpers ist dunkelbraun und mit vielen weißen Tropfenflecken bedeckt. Kappe, Hand- und Armschwingen, Hosen sowie Oberschwanzdecken sind dunkel- bis schwarzbraun, ebenso die Steuerfedern des Schwanzes, die jedoch breite, weiße Endbinden aufweisen. Auffällig ist die weiße Färbung der Unterschwanzdecken [3; 4; 5; 7].

Verbreitung

Taiga- und Gebirgsregionen Europas und Asiens von Norwegen und Belgien bis nach Japan. Fehlt im Kaukasus und wird in Kaschmir durch eine nahverwandte Art (Nucifraga multipunctata) vertreten. Er ist Brutvogel in folgenden Ländern [1]:

Europa: Albanien, Belgien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Italien, Kosovo, Kroatien, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Montenegro, Nordmazedonien, Norwegen, Österreich, Polen, Rumänien, Schweden, Schweiz, Russland, Serbien, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ukraine, Weißrussland.

Asien: Afghanistan, Bhutan, China, Indien, Japan, Kasachstan, Kirgistan, Korea DPR, Korea, Rep., Mongolei, Nepal, Pakistan, Russland.

Lebensraum und Lebensweise

Der Tannenhäher ist ein ausgesprochener Bewohner des Nadelwalds bzw. der nordischen Taiga. Seine Höhenverbreitung reicht von ca. 650 m bis zur Waldgrenze. In der Schweiz lag die höchste Feststellung auf 3'850 m am Matterhorn. Er frisst am liebsten Arven- (=Zirbelkiefern, Pinus cembra) und Haselnüsse, im Norden Samen der Sibirischen Zirbelkiefer (Pinus sibirica). Im Herbst klaubt er die Arvennüsse aus den Zapfen, verstaut sie in seinem unter der Zunge gelegenen Kehlsack und transportiert sie zu Vorratsverstecken. Jeder Vogel sammelt so pro Jahr 30-100'000 Arvennüsse. Im Winter gräbt er sich durch Schneetiefen von über einem Meter zu seinen Verstecken vor.  Die Wiederfundrate liegt bei etwa 80%, die nicht mehr gefundenen Arvennüsse tragen wesentlich zur Verjüngung des Gebirgswaldes bei. Wo es keine Arven gibt, bilden Haselnüsse die Hauptnahrung. Ansonsten nimmt er noch andere Koniferensamen, Eicheln, Bucheckern, Esskastanien, Walnüsse, Beeren und Früchte sowie Insekten. Die Art hat von den im 20. Jahrhundert praktizierten Aufforstungen mit Fichten profitiert und ihr Areal auch auf Mittelgebirge ausdehnen können [3; 5; 7].

Die Tannenhäher bauen, zumeist in Nadelbäumen 2-20 m über Grund, dickwandige Nester aus Reisern, in deren Boden sie Lehm oder Humus einbringen und die sie mit Flechten, trockenen Grashalmen und ähnlichem Material auspolstern. Die zumeist 3-4 blassgrünliche und leicht braun gefleckte, ca. 34x24 mm großen Eier werden Ende März / anfangs April gelegt. Beide Partner beteiligen sich an der Brut, die 17-21 Tage dauert. Die Nestlingszeit beträgt im Mittel 24 Tage. Die Jungen werden vermutlich mit 105-120 Tagen selbständig [3; 4; 5; 7; 8].

Gefährdung und Schutz

Der Tannenhäher hat ein extrem großes Verbreitungsgebiet und allein der europäische Bestand wird auf 340'000-860'000 Brutpaare geschätzt. Er ist somit nicht gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN) [1].

Der internationale Handel ist unter CITES nicht geregelt. Die Art fällt unter Anhang 2 der Berner Konvention über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume.

Situation in Mitteleuropa: In Deutschland ist der Tannenhäher eine nach Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützte Art. In der Schweiz ist er nach Jagdgesetz geschützt. Die Bestände liegen in der Schweiz bei 20-25'000, in Österreich bei 15-30'000, in Deutschland bei 4'600-8'000 und in Lichtenstein bei 40-60 Brutpaaren [1; 6].

Bedeutung für den Menschen

Die Art befindet sich laut IUCN im internationalen Tierhandel [1]. Im Gegensatz zum Eichelhäher wird er traditionell positiv beurteilt, weil er zum Erhalt der subalpinen Arvenwälder beiträgt [2].

Haltung

Dem Alpenzoo Innsbruck gelang 1986 die Welterstzucht [9]. Das Höchstalter in menschlicher Obhut wird mit 31 Jahren angegeben [4].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 20 Zoos gezeigt, die sich überwiegend im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es keine konkreten Mindestanforderungen an Gehege für Rabenvögel.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Tannenhäher wurde 1758 von Carl von LINNÉ als "Corvus Caryocatactes" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Die heute gültige Gattungsbezeichnung Nucifraga wurde 1760 von dem französischen Zoologen Mathurin Jacques BRISSON eingeführt. Nachdem der Himalajahäher als eigene Art (N. multipunctata) abgetrennt wurde, werden noch 8 Unterarten anerkannt. In Mitteleuropa kommt die Nominatform vor [3].

Literatur und Internetquellen

  1. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2016). Nucifraga caryocatactes. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T103727252A87382835. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2016-3.RLTS.T103727252A87382835.en und (2015). Nucifraga caryocatactes. The IUCN Red List of Threatened Species 2015: e.T103727252A60183063. Downloaded on 21 January 2020.
  2. BREHM, A. E. (1882-1887)
  3. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A. et al. (eds., 1992-2013)
  4. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)
  5. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  6. KNAUS, P., MÜLLER, C., SATTLER, T., SCHMID, H. & STREBEL, N (2019)
  7. MAUMARY, L. et al. (2007)
  8. PFORR, M. & LIMBRUNNER, A. (1991)
  9. SCHÜRER, U. (2012)

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx