Eidechsen, Skinke und Schleichen

Apothekerskink

Apothekerskink (Scincus scincus) im Zoo in der Wingst Apothekerskink (Scincus scincus) im Zoo in der Wingst
Wingst Zoo

Ordnung: Schuppenkriechtiere (SQUAMATA)
Unterordnung: Echsen (SAURIA)
Zwischenordnung: Skinkartige (Scincomorpha)
Familie: Skinke (Scincidae)
Unterfamilie: Scincinae

D NB 650

Apothekerskink

Scincus scincus • The Sandfish Skink • Le poisson de sable ou scinque officinal

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Apothekerskink (Scincus scincus), Männchen, im Tiergarten Nürnberg © Helmut Mägdefrau, TG Nürnberg

 

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SEHR approximative Verbreitung des Apothekerskinks (Scincus scincus, einschließlich albifasciatus)

 

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Apothekerskink (Scincus scincus), aus dem Sand auftauchend, im Tiergarten Nürnberg © Helmut Mägdefrau, TG Nürnberg

 

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Apothekerskink (Scincus scincus), Männchen, im Tiergarten Nürnberg © Klaus Rudloff, Berlin

 

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"Skink (Scincus officinalis)" (=Scincus scincus). Bild aus aus Brehms Thierleben (1882-1887)

 

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Apothekerskink ("Scincus officinalis"). Abbildung aus P. J. SMIT et al. (1898). Zoology of Egypt. Volume First. Reptilia and Batrachia.

 

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Wegen seiner Bedeutung in der traditionellen Medizin - früher auch bei uns - ist der Apothekerskink von zoopädagogischem Interesse. Er wird aber leider nur in wenigen Zoos gehalten.

Körperbau und Körperfunktionen

Sein Körperbau ist an das Leben auf und im Sand gut angepasst: Der vom Hals nicht abgesetzte, spitzschnauzige Kopf erlaubt ein schnelles Eintauchen und Vorwärtswühlen im Sand. Nasenöffnungne und Augen können gut geschlossen werden, die Ohröffnungen sind durch Schuppen völlig abgedeckt. Die Schuppen sind glatt und liegen dem Körper eng an. Scharfe Seitenkanten an dem platten Bauch verhindern das Einsinken. Die Extremitäten sind nicht rückgebildet, Finger und Zehen sind zur Erleichterung des Wühlens abgeplattet. Der kurze, dicke, am Ende abgeplattete Schwanz stellt ein Fettreservoir dar [2; 3].

Verbreitung

Nord- und Westafrika : Ägypten, Algerien, Libyen, Marokko, Tunesien, Mali, Niger, Nigeria, Senegal, Sudan, vermutlich Mauretanein und Westsahara
Naher Osten : Bahrain, Irak, Iran, Israel, Jemen, Jordanien, Kuwait, Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate [4]

Lebensraum und Lebensweise

Der Apothekerskink lebt im Sand von Wüsten und Trockengebieten. Im Sand erweckt er den Eindruck als ob er schwimmen würde, weshalb er auf Franzöisch "Poisson de sable", Sandfisch, genannt wird. [3].

Gefährdung und Schutz

Die Art ist in der Roten Liste der IUCN nicht aufgeführt.

Der internationale Handel ist unter CITES nicht geregelt

Bedeutung für den Menschen

Zum Ursprung des Vulgärnamens "Apothekerskink" wusste BREHM: "Der Skink (Scincus officinalis) ... hat sich in alter Zeit hohen Ruhm erworben und denselben lange zu erhalten gewußt. »Das fleisch genanter thieren«, sagt Geßner, »wirdt gebraucht in etlich, auß der edelsten artzney stucken, als Mithridat vnnd dergleychen. Werdend auch gemischt vnder die artzneyen so zu den kalten prästen der verfadenen bereitet werdend, sol auch ein sonderbare krafft haben um zu der vnkünschheit zu reitzen. Dise thier zu äschen gebrannt mit essich oder öl angeschmiert, nimpt hin den glideren so man abschneyden sol, alle empfindtligkeit. Die feißte der thieren wirdt auch gebraucht zu der vnkünschheit, auch innerthalb den leyb genommen. Die gall der thieren mit honig gemischt, ist ein bequemliche artzney zu den fläcken vnnd dünckle der augen. Das gefür oder kadt der thieren ist gantz eines lieblichen geschmackes, gantz weyß von farb, in den Apotecken Crocodylea genannt, wirdt gebraucht das angesicht zu schönen, macklen, fläcken, rüselen zu vertreiben.« Eine natürliche Folge dieses Wahnes, welcher heutigentages noch in den Köpfen einzelner Mahammedaner spukt, war es, daß man unsere Wühlechse eifrigst verfolgte, zu tausenden fing und mit ihrem gedörrten oder zu Pulver gebrannten Leichnam schwungvollen Handel trieb." [1]

Haltung

Es wird empfohlen, Apothekerskinke in einem geräumigen, beheizten Trockenterrarium zu halten, das breiter als hoch ist. Der Behälter sollte genügend Bodensubstrat enthalten, damit die Tiere graben können, geeignet ist z. B. nicht zu grober, nicht scharfkantiger Sand. Zur Einrichtung gehören einige größere Steine und allenfalls gegen die Wühltätigkeit geschützte xerophytische Pflanzen. Das Terrarium sollte mit Wärme- und UV-Strahler sowie lokal einer Bodenheizung ausgestattet sein. Die Lufttemperatur sollte tagsüber bei 30ºC liegen und nachts abgesenkt werden. Die Bodentemperatur sollte lokal 35ºC erreichen. Eine Überwinterung bei +10ºC ist empfehlenswert [3].

Haltung in europäischen Zoos: Apothekerskinke werden in EAZA-Zoos im Arabischen Raum gezeigt. In Europa sind sie selten, Haltungsschwerpunkt ist Deutschland. Für Details siehe Zootierliste. 

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Reptiliengutachten 1997 des BMELF soll ein Terrarium für ein Paar mindestens 5x so lang und 4x so breit sein wie die Kopf-Rumpflänge der Tiere. Die Höhe soll das Dreifache der Kopf-Rumpflänge betragen. Für jedes weitere Tier kommen 15% zur Basisfläche dazu. In der Schweizerischen Tierschutzverordnung (Stand 01.01.2017) und der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2017) ist die Art nicht erwähnt.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Apothekerskink wurde 1758 von Varl von LINNÉ als "Lacerta scincus" beschrieben. 1768 taufte ihn der österreichische Arzt und Naturforscher Josephus Nicolaus LAURENTI "Scincus officinalis". Zur Gattung Scincus werden nach Aufspaltung der Gattung heute noch vier oder fünf Skinke aus Afrika und dem Nahen Osten gerechnet, deren Verbreitung sich von Marokko bis in den Iran erstreckt [4].

Literatur und Internetquellen

  1. BREHM, A. E. (1882-1887)
  2. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  3. NIETZKE, G. (1969)
  4. THE REPTILE DATA BASE

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Gelesen 870 mal Letzte Änderung am Montag, 13 Mai 2019 08:18
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx