Hyänen, Schleichkatzen, Mangusten

Fleckenmusang

Fleckenmusang Paradoxusurs hermaphroditus philippinensis) im Zoo in der Wingst Fleckenmusang Paradoxusurs hermaphroditus philippinensis) im Zoo in der Wingst
© Wingst Zoo

Überordnung: LAURASIATHERIA
Ordnung: Raubtiere (CARNIVORA)
Taxon ohne Rang: Landraubtiere (FISSIPEDIA)
Unterordnung: Katzenartige (Feliformia)
Familie: Schleichkatzen (Viverridae)
Unterfamilie: Palmenroller (Paradoxurinae)

D LC 650

Fleckenmusang

Paradoxurus hermaphroditus • The Asian Palm Civet • La civette palmiste hermaphrodite

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Fleckenmusang (Paradoxusurs hermaphroditus philippinensis) im Zoo in der Wingst © Wingst Zoo

 

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Fleckenmusangs (Paradoxusurs hermaphroditus Blau: autochthone Verbreitung; rot: eingeführte Populationen

 

 

 

 

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Fleckenmusang (Paradoxusurs hermaphroditus philippinensis) im Zoo in der Wingst © Wingst Zoo

 

 

 

 

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Fleckenmusang (Paradoxusurs hermaphroditus) im Zoo Prag © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

 

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Fleckenmusang (Paradoxusurs hermaphroditus) im Zoo Prag © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

 

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Musang-Kot mit fermentierten, unverdauten Kaffeebohnen. Bild: www.kopiluwakgrosir.com

 

 

 

 

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Vorderindischer Palmenroller (Paradoxurus hermaphroditus) aus BREHMs THIERLEBEN (1983)

 

 

 

 

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Der Fleckenmusang ist ein nicht-gefährdeter Kulturfolger, der als Lieferant von teilverdauten Kaffeebohnen ein zoopädagogisches Potenzial hat, aber als nachtaktive Art, ausgenommen in Großbritannien, nicht häufig in europäischen Zoos gezeigt wird.

Körperbau und Körperfunktionen

Fleckenmusangs erreichen eine Kopf-Rumpflänge von 42-71 cm, eine Schwanzlänge von 33-66 cm und ein Gewicht von 2-5 kg. Inselformen sind kleiner als solche vom Festland. Der Rumpf ist gestreckt, die Extremitäten sind kurz und kräftig, die Ohren kurz und gerundet, die Augen groß. Das Fell ist wollig, am Körper hell bräunlich-grau mit mehr oder weniger ausgeprägter Fleckung, an Ohren, Extremitäten und Schwanz schwarz. Es ist eine schwarz-weiße Gesichtsmaske vorhanden [3; 5].

Verbreitung

Süd- und Südostasien: Bangladesch, Bhutan, Brunei Darussalam, China, Indien, Indonesien (Borneo, Java, Kleine Sunda-Inseln), Kambodscha, Laos, Malaysia, Myanmar, Nepal, Philippinen, Singapur, Sri Lanka, Thailand, Vietnam. Eingeführt innerhalb Indonesiens auf Celebes, den Molukken, Sumatra und Westpapua. Ob sich letztere nach Papua-Nauguinea ausgebreitet haben, ist ungewiss. Hinweise auf eingeführte Populationen in Japan beruhen auf einer Verwechslung mit einer anderen Art [2].

Lebensraum und Lebensweise

Musangs besiedeln immergrüne und teilweise laubabwerfende Walder, Sumpfwälder, Mangroven, Plantagen, Dörfer und Städte vom Tiefland bis auf etwa 2'400 m Höhe. Sie leben solitär und halten sich vorzugsweise auf Bäumen auf. Sie sind ausgesprochene Nachttiere, die den Tag zusammengerollt in Baumhöhlen oder Astgabeln verschlafen  [2; 3; 5]. 

Zur Ernährung des Musangs zitiert  Alfred BREHM [1] den aus Sachsen-Anhalt stammenden und in Niederländisch Ostindien, dem heutigen Indonesien tätigen Naturforscher Franz Wilhelm JUNGHUHN (1809-1864): "Wenn die Früchte der Kaffeebäume heranreifen ... sieht man oft auf dem Boden der Wege, von denen der Kaffeegarten geradlinig und kreuzweise durchschnitten wird, sonderbare, weißliche Kothklumpen eines Thieres liegen, welche ganz und gar aus zusammengebackenen, übrigens aber unbeschädigten Kaffeebohnen bestehen. Sie sind die Loosung des Musang, welcher bei den Bergbewohnern als Hühnerdieb berüchtigt ist, aber ebenso von Früchten, besonders von solchen verschiedenartiger wilder Palmen, lebt und vor allem gern die Kaffeegärten während der Fruchtreise besucht, hier auch am häufigsten von den Javanen gefangen wird. Er genießt die fleischige, saftige Hülle der Früchte und gibt dann die unverdauten Kerne wieder von sich. Nach Versicherung der Javanen liefern diese, weil das Thier wahrscheinlich die reifsten Früchte fraß, den allerbesten Kaffee. Außerdem lebt der Musang von Vögeln und Kerbthieren, fängt viele Wildhühner, saugt zahmen und wildem Geflügel die Eier aus und scheint auf letztere besonders erpicht zu sein."

Es gibt keine feste Paarungszeit. Nach einer Tragzeit von 61-63 Tagen werden in einer Baumhöhle 2-5 blinde Junge mit einem Geburtsgewicht von rund 70-100 g geboren, die mit 11-12 Monaten geschlechtsreif werden [3; 5]

Gefährdung und Schutz

Der Fleckenmusang hat einen großen Bestand und eine weite Verbreitung. Er ist ein Kulturfolger, der keine hohen Ansprüche an seinen Lebensraum stellt und daher nach einer Beurteilung aus dem Jahr 2015 nicht gefährdet ist (Rote Liste: VULNERABLE) [2].

Der internationale Handel ist unter CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Fleckenmusangs werden gebietsweise wegen ihres Fleischs für den Eigenbedarf oder den Verkauf an Luxusrestaurants gejagt. Da sie rasch zahm werden, werden Junge als Heimtiere gefangen [2]. Aus dem Musang-Kot gesammelten Kaffeebohnen werden heute unter dem Markennamen "Kopi Luwak" vermarktet. Eine schweizerische Firma, die das Kilo für rund 230 € vertreibt, sagt von ihrem Produkte, es habe einen sirupartigen, milden Schoko-Caramel-Geschmack mit „Dschungel“-Untertönen und  das volle Aroma sei einzigartig. "Kopi Luwak" erwächst Opposition seitens der Imame, die ihn für unrein halten, und von Tierrechtlern, die bemängeln, dass er zum Teil nicht von freilebenden Musangs, sondern von solchen in Käfighaltung stamme [diverse Internetquellen].

Haltung

Im Zoo können Fleckenmusangs ein Alter von 14 Jahren erreichen [4].

Früher wurde der Fleckenmusang öfter in Zoos gezeigt. Als nichtgefährdete, hauptsächlich nachtaktive Art war er vorübergehend aus dem deutschsprachigen Raum ganz verschwunden. Gegenwärtig (2018) wird die Art in rund 40 Zoos gehalten, von denen sich ein paar wenige im deutschsprachigen Raum befinden.  Für Details siehe Zootierliste.

Es gibt kein Zuchtprogramm (EEP) oder Zuchtbuch (ESB) für den Fleckenmusang.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 des BMEL beträgt der Raumbedarf für zwei verträgliche Tiere 12 m² bei 2.5 m Höhe. Das Gehege ist als zwei gleich große, verbindbare Einzelgehege zu gestalten.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2018) schreibt für 1-2 Tiere ein 2.5 m hohes Innengehege mit einer Grundfläche von 16 m² vor, für jedes weitere Adulttier kommen 3 m² dazu. Für jedes Tier ist eine individuelle Schlafbox von 1 m² vorzusehen. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2018) fordert für das Außengehege 16 m² pro Paar, und für jedes weitere Tier zusätzlich 1.6 m², ferner ein Innengehege von 8 m² pro Paar und für jedes weitere Tier zusätzlich 0.8 m², wobei der Zugang zum Außengehege ganzjährig zu gewährleisten ist.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Fleckenmusang wurde 1777 vom Berliner Naturforscher Peter Simon PALLAS, den Katharina die Große als Professor nach Petersburg berufen hatte, als "Viverra hermaphrodita" beschrieben. Die heute gültige Gattungsbezeichnung Paradoxurus geht auf den französischen Naturforscher und Direktor der Ménagerie von Paris, Georges CUVIER (1822) zurück. Es wurden über 30 Unterarten beschrieben, darunter der Mentawai-Musang, der oft als eigene Art ( P. lignicolor) angesehen wird. 2015 wurde vorgeschlagen, den Fleckenmusang in drei Arten aufzuteilen: P. hermaphroditus (sensu stricto), P. musanga und P. philippinensis, was allerdings unlogische Artareale zur Folge hätte. Eine weitere Überarbeitung der Taxonomie ist angezeigt [2; 5].

Literatur und Internetquellen

  1. BREHM, A. E. (1882-1887)
  2. DUCKWORTH, J.W. et al. (2016). Paradoxurus hermaphroditus. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T41693A45217835. http://www.iucnredlist.org/details/41693/0. Downloaded on 19 June 2018.
  3. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  4. WEIGL, R. (2005)
  5. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-) 

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