Prachtfinken und Finken

Stieglitz

Stieglitz (Carduelis carduelis) im Alpenzoo Innsbruck Stieglitz (Carduelis carduelis) im Alpenzoo Innsbruck
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Ordnung: Sperlingsvögel (PASSERIFORMES)
Unterordnung: Singvögel (OSCINES)
Familie: Finken (Fringillidae)
Unterfamilie: Stieglitzartige (Carduelinae)

D LC 650

Vogel des Jahres 2016 in Österreich und Deutschland:

Stieglitz, Distelfink

Carduelis carduelis • The European Goldfinch • Le chardonneret élégant

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Stieglitz (Carduelis carduelis) im Alpenzoo Innsbruck © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Approximative autochthone Verbreitung des Distelfinks (Carduelis carduelis). Dunkelblau: Ganzjahres- und Brutareale; gelb: Winterquartiere. NB: die Vorkommen auf Madeira und den Kanaren fehlen

 

 

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Stieglitz (Carduelis carduelis) im Zoologisch-Botanischen Garten Pilsen © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Stieglitz (Carduelis carduelis) wild lebend in Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Stieglitz (Carduelis carduelis) wild lebend in Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Stieglitz (Carduelis carduelis) im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Stieglitz (Carduelis carduelis) im Zoo Heidelberg © Thomas Bersch, Heidelberg

 

 

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Stieglitz (Carduelis carduelis) wild lebend in Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Stieglitz (Carduelis carduelis) wild lebend in Liebefeld-Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Distelfink-Motiv auf Briefmarken, Belgien, Israel

 

 

Weitere Bilder auf BioLib.cz

Der Stieglitz oder Distelfink ist eine nicht-gefährdete, einheimische Art. wegen seiner Buntheit und seines Gesangs wird er oft in Privathand gehalten. Nachdem er in unserer intensiv genutzten und aufgeräumten Agrarlandschaft bereits selten geworden ist, kann er im Zoo dazu eingesetzt werden, um für Biodiversität vor unserer Haustür zu werben.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Stieglitz erreicht eine Gesamtlänge von 12 (10.5-13.5) cm, eine Flügelspannweite von 21-25.5 cm und ein Gewicht von ca. 10-30 g. Er hat einen spitzen Schnabel, ein rotes Gesicht, einen weißen Streifen über Kopfseiten und Kehle sowie einen schwarzen Scheitel und Hinterkopf. Nacken und Bürzel sind weiß, ansonsten ist die Körperoberseite braun. Die Flügel sind überwiegend schwarz und haben eine auffällige, breite und leuchtend gelbe Binde. Der gegabelte Schwanz ist schwarz mit weißen Flecken. die Unterseite weißlich. Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind geringfügig 13-14 Tagen [2; 3; 4].

Verbreitung

Westliche und Zentrale Paläarktis: Europa, Nordafrika, Naher Osten, Zentralasien. Die Rote Liste führt über 60 Länder und abhängige Gebiete auf, in denen die Art als autochthoner Brutvogel vorkommt. In sieben weiteren tritt er als Durchzügler oder Wintergast auf. Eingeführt in Australien, Bermuda, Brasilien, Kapverden, Neuseeland, Uruguay, USA [1].

Lebensraum und Lebensweise

Der Distelfink besiedelt offene Gelände und meidet dichten Wald. Er ist ein Kulturfolger. Im intensiv bewirtschafteten Landwirtschaftsgebiet sind die Distelfink-Bestände sehr gering. Dagegen hat sich die Art im Siedlungsraum relativ gut halten können. In den Alpen liegen die höchsten Brutnachweise auf einer Höhe von über 2'000 m. Die Vögel fressen vorzugsweise Samen von Disteln (Cirsium spp., Carduus spp.) und Karden (Dipsacus spp.), die sie im Sommer und Herbst mit ihren spitzen Schnäbeln aus den Fruchtständen klauben. Im Winter werden vorab Erlensamen, im Frühjahr Kiefern- und Lärchensamen gefressen. Sobald die Samen frühblühender Korbblütler, z.B. Huflattich oder Löwenzahn, verfügbar sind, werden diese bevorzugt. Das kunstvolle Nest wird meist hoch auf einem Baum auf den äußersten Zweigen gebaut. Brutzeit ist von Anfang April-Juli. Meistens gibt es zwei Bruten pro Jahr. Das Gelege besteht aus 5 (4-7) weißlichblauen, spärlich gefleckten, ca. 17x13 mm großen Eiern, die ab dem Vollgelege allein von der Mutter, die während dieser Zeit von ihrem Partner mit Nahrung versorgt wird, während 12-13 Tagen ausgebrütet werden. Die Küken werden von beiden Eltern mit vorverdauter Nahrung aus dem Kropf gefüttert. Sie verlassen das Nest nach ca.13-14(-18) Tagen und werden danach noch drei Wochen von den Eltern geführt [2; 3; 6; 7; 8].

Gefährdung und Schutz

Der Distelfink hat eine außerordentlich weite Verbreitung und mit geschätzt 101-155 Millionen erwachsenen Vögeln einen sehr großen Bestand. Er wird deshalb nicht als gefährdet eingestuft (Rote Liste: LEAST CONCERN), obwohl die Populationen in Nordafrika zufolge intensivierten Fangs stark abnehmen [1].

Der internationale Handel wird durch CITES nicht geregelt. Die Art fällt unter Anhang 2 der Berner Konvention über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume, sie ist nicht in den Anhängen zur Vogelschutzrichtlinie (2009/147/EG) aufgeführt.

Situation in Mitteleuropa: In Deutschland ist der Stieglitz eine besonders geschützte Art nach Bundesnaturschutzgesetz, in der Schweiz ist er nach Jagdgesetz geschützt. Die Bestände werden in Deutschland auf 305-520'000, in Österreich auf 50-80'000, in der Schweiz auf 50-70'000, in Luxemburg auf 3-6'000 und in Liechtenstein auf 60-80 Brutpaare geschätzt [1; 5].

Bedeutung für den Menschen

Die Art wird gebietsweise als Sport oder zur Gewinnung von Fleisch geschossen oder für den lokalen / nationalen Heimtierhandel gefangen. Der Lebendfang findet vor allem in Nordafrika statt, wo Stieglitze als Käfigvögel begehrt sind. Er hat seit den 1990er-Jahren zugenommen [1].

Haltung

Das Höchstalter in menschlicher Obhut wird mit 16 Jahren angegeben [3].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 70 Zoos gezeigt, von denen sich mehr als die Hälfte im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland gibt das Kleinvogel-Gutachten des BML von 1996 für ein Paar Stieglitze einen Käfig mit den Mindestmaßen 80x40x40 cm (LxBxH) vor. Für jeweils 2-3 weitere Vögel ist die Grundfläche um 25% zu erweitern. Bei der Haltung in Außenvolieren muss ein Schutzraum mit einer Grundfläche von 1 m² für bis zu 20 Vögel vorhanden sein.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2020) ist für ein Paar ein Käfig mit den Mindestmaßen 80x40x40 cm (LxBxH) erforderlich. Für jeweils 2 weitere Vögel ist die Grundfläche um 25% zu erweitern. Für jeweils 2 weitere Vögel ist die Grundfläche um 25% zu erweitern. Den Tieren sind Volieren mit natürlicher Bepflanzung von Sträuchern, Laubgehölzen und Koniferen einzurichten, was bei den vorgegebenen Käfigmaßen nicht möglich ist. Bei Schwarmhaltung ist auf ausreichende Versteckmöglichkeiten zu achten. Eine Badegelegenheit ist erforderlich. Die Vögel dürfen ganzjährig in Außenvolieren gehalten werden, sofern ihnen ein trockener und zugfreier Schutzraum oder überdachter geschützter Volierenteil zur Verfügung steht.

Gemäß Schweizerischer Tierschutzverordnung (Stand 2020) ist für bis zu 4 Finken (explizit genannt nur der Kanarienvogel) ein Käfig mit einer Grundfläche von 2'400 cm²und einer Höhe von 500 cm mit Badegelegenheit vorgeschrieben, für jedes weitere Tier ist die Fläche um 500 cm² zu erhöhen

Taxonomie und Nomenklatur

Der Distelfink wurde 1758 von Carl von LINNÉ als "Fringilla carduelis" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Die heute gültige Gattungsbezeichnung Carduelis wurde 1760 von dem französischen Zoologen Mathurin Jacques BRISSON eingeführt. Es werden 14 Unterarten anerkannt [2].

Währenddem der Name "Stieglitz" aus dem Slawischen entlehnt ist und sich lautmalerisch an den Kontaktruf der Vögel anlehnt, weisen die Bezeichnungen "Distelfink" und "Carduelis" auf ihre Lieblingsnahrung, Distelsamen, hin.

Literatur und Internetquellen

  1. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2019). Carduelis carduelis. The IUCN Red List of Threatened Species 2019: e.T103764950A152615959. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2019-3.RLTS.T103764950A152615959.en und (2015). Carduelis carduelis. The IUCN Red List of Threatened Species 2015: e.T103764950A60281782. Downloaded on 02 February 2020.
  2. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A. et al. (eds., 1992-2013)
  3. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)
  4. HEINZEL, H., FITTER, R. & PARSLOW, J. (1977)
  5. KNAUS, P., MÜLLER, C., SATTLER, T., SCHMID, H. & STREBEL, N (2019)
  6. MAUMARY, L. et al. (2007)
  7. PFORR, M. & LIMBRUNNER, A. (1991)
  8. SCHMID, H., R. LUDER, B. NAEF-DAENZER, R. GRAF & N. ZBINDEN (1998)

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Gelesen 423 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 19 Februar 2020 09:16
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