Tangaren, Kardinäle, Ammern, Stärlinge

Purpurtangare

Purpurtangare (Ramphocelus bresilius), Hahn im Zoo Augsburg Purpurtangare (Ramphocelus bresilius), Hahn im Zoo Augsburg
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Ordnung: Sperlingsvögel (PASSERIFORMES)
Unterordnung: Singvögel (OSCINES)
Familie: Tangaren (Thraupidae)

D LC 650

Purpurtangare

Ramphocelus bresilius • The Brazilian Tanager • Le tangara du Brésil

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Purpurtangare (Ramphocelus bresilius), Hahn im Zoo Zürich © Edi Day, Zürich

 

 

 

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Approximative Verbreitung der Purpurtangare (Ramphocelus bresilius)

 

 

 

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Purpurtangare (Ramphocelus bresilius), Henne im Zoo Leipzig © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Purpurtangare (Ramphocelus bresilius), Hahn im Zoo Zürich © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Purpurtangare (Ramphocelus bresilius), Henne im Welt-Vogelpark Walsrode © Jirka Schmidt, Riesa

 

 

 

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Purpurtangare (Ramphocelus bresilius), Hahn im Zoo Augsburg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Die Purpurtangare ist in ihrer Heimat nicht gefährdet. Wegen der prachtvollen Färbung der Hähne ist sie aber gut als Botschafter für Natur- und Artenschutz in der Mâta atlantica (z. B. EAZA-Kampagne 2001-2002) geeignet. Dies umso mehr, als der europäische Zoobestand auf Vögel zurückgeht, die aus Artenschutzgründen von den Behörden konfisziert worden sind.

Körperbau und Körperfunktionen

Die Purpurtangare erreicht eine Gesamtlänge von 18 cm und ein Gewicht von ca. 28-36 g. Es besteht ein deutlicher Geschlechtsdichromatismus: Beim Hahn sind Schnabel, Flügel und Schwanz schwarz, hinter dem Unterschnabel befindet sich ein auffälliger weißer Fleck, das übrige Gefieder ist rot. Bei der Henne ist der Schnabel bräunlich, Kopf und Kehle sind grau, die Basis des Unterschnabels ist bläulich-weiss, die Körperoberseite rotbraun, Oberschwanzdecken und Bauch sind rot. Junge Hähne gleichen den Hennen, abgesehen davon, dass der Schnabel schwarz ist [2; 3].

Verbreitung

Südamerika: Ostküste Brasiliens von Rio Grande do Norte bis Paraná, sowie die argentinische Provinz Misiones [1].

Lebensraum und Lebensweise

Die Purpurtangare lebt in Wald- und Buschland in Wassernähe, in lichten Sumpfwäldern, Parks und Gärten. Sie ernährt sich von Sämereien, Fruchtmark (etwa von Kirschmyrten (Eugenia brasiliensis)) und Insekten. Das napfförmige Nest wird vom Weibchen allein gebaut, das aber beim Sammeln des Nistmaterials vom Männchen begleitet wird. Das Gelege von 2-3 Eiern wird, ebenfalls nur vom Weibchen, 13 Tage lang bebrütet. Der Seidenkuhstärling (Molothrus bonariensis) betätigt sich als Brutparasit. An der Jungenaufzucht beteiligen sich beide Partner. Außerhalb der Brutzeit bewegen sich Purpurtangaren in losen Schwärmen, in denen Vögel mit weiblichem Gefieder zahlreicher als ausgefärbte Hähne sind [2; 3; 4].

Gefährdung und Schutz

Die Purpurtangare hat eine weite Verbreitung, ist zumindest gebietsweise häufig und ihr Bestand wird als stabil angesehen. Sie gilt daher nicht als gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN) [1].

Der internationale Handel ist unter CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Die Art befindet sich laut IUCN im internationalen Tierhandel [1].

Haltung

In der Voliere verhalten sich Purpurtangaren gegenüber nahe verwandten Arten aggressiv, können aber mit anderen Vögel vergesellschaftet werden [3].

Haltung in europäischen Zoos: Der europäische Zoobestand geht auf 38 Vögel zurück, die 1998 von den belgischen Behörden konfisziert und dem Zoo Antwerpen übergeben wurden, der diese zum Teil an andere Zoos weitergab. Leider haben von den Ausgangstieren nur sieben gezüchtet. Am 1.11.2012 umfasste das Europäisches Zuchtbuch (ESB), das am Bristol Zoo geführt wird, 105 Vögel in 25 Zoos. Heute (2020) wird die Art wird in rund 40 Zoos gezeigt, von denen sich etwa die Hälfte im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste [5].

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland und der Schweiz gibt es keine konkreten Mindestanforderungen an Gehege für Tangaren.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2020) ist für ein Paar Tangaren ein Käfig mit den Mindestmaßen 180x80x100 cm (LxBxH) erforderlich. Außerhalb der Brutzeit ist Schwarmhaltung möglich, für jeweils 2 weitere Vögel ist die Grundfläche um 25% zu erweitern. Den Tieren sind Volieren mit natürlicher Bepflanzung von Sträuchern, Laubgehölzen und Koniferen einzurichten, was allerdings bei den vorgegebenen Dimensionen nicht möglich ist. Der Bodenuntergrund muss weich und saugfähig sein. Die Vögel sind warm zu überwintern.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Purpurtangare wurde 1766 von Carl von LINNÉ ALS "Tanagra bresilia" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Die heute gültige Gattungsbezeichnung Ramphocelus wurde 1805 vom französischen Zoologen Anselme Gaëtan DESMAREST eingeführt. Es werden zwei Unterarten anerkannt [2].

Literatur und Internetquellen

  1. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2016). Ramphocelus bresilius. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T22722510A94770281. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2016-3.RLTS.T22722510A94770281.en . Downloaded on 04 February 2020.
  2. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A. et al. (eds., 1992-2013)
  3. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)
  4. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  5. SIMPSON, N. (2012)

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Gelesen 1018 mal Letzte Änderung am Dienstag, 04 Februar 2020 11:06
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx