Lerchen bis Drosseln

Hausrotschwanz

Hausrotschwanz (Phoenicurus ochruros) im Zoo Augsburg Hausrotschwanz (Phoenicurus ochruros) im Zoo Augsburg
© Zoo Augsburg

Ordnung: Sperlingsvögel (PASSERIFORMES)
Unterordnung: Singvögel (OSCINES)
Familie: Drosseln (Turdidae)
Unterfamilie: Schmätzer (Saxicolinae)

D LC 650

Hausrotschwanz, Hausrötel 

Phoenicurus ochruros • The Black Redstart • Le rougequeue noir

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Männlicher Hausrotschwanz (Phoenicurus ochruros gibraltariensis) mit Raupen des Buchsbaumzünslers. © Mag Christian Bechter, Vorarlberg. Übernommen von Wikimedia Commons unter GNU Free Documentation License.

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Hausrötels (Phoenicurus ochruros). Dunkelblasu: Ganzjahres- und Brutgebiete. Gelb: nicht-brütend

 

 

 

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Weiblicher Hausrotschwanz (Phoenicurus ochruros gibraltariensis) im Park von Schloss Seehof bei Bamberg © Reinhold Möller, veröffentlicht auf Wikimedia Commons unter Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license.

 

 

 

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Briefmarken mit Hausrötel-Motiv (Phoenicurus ochruros). Links: Weißrussland; rechts: Türkei

 

 

 

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Der Hausrötel ist einer unserer häufigsten Singvögel und ist ein ausgesprochener Kulturfolger, der seit dem 18. und 19. Jahrhundert unsere Städte und Dörfer besiedelt. Das Interesse, ihn auch noch im Zoo zu zeigen, ist daher ziemlich gering, aber in vielen Zoos kommt die Art freilebend vor.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Hausrötel erreicht eine Gesamtlänge von 14-15 cm, eine Flügelspannweite von 23-26 cm und ein Gewicht von 13-24 g. Beim Männchen ist das Prachtkleid oberseits dunkelschiefergrau, Kehle und Brust sind schwarz, der Bauch heller, der Schwanz rostrot und es ist ein weißes Flügelfeld vorhanden. Das Schlichtkleid ist grauer. Bei Weibchen ist das Körpergefieder graubraun und der Schwanz ist rostrot [2; 3; 6].

Verbreitung

Paläarktis: Europa (außer nördliche Bereiche), Nordafrika, Naher und Mittlerer Osten, Zentralasien. Überwintert zum Teil südlich davon bis Ostafrika und Südindien. Die Rote Liste gibt 83 Länder oder abhängige Gebiete an, in denen der Hausrötel als Jahres oder Brutvogel oder als regelmäßiger Wintergast auftritt. Als Durchzügler und Irrgast in weiteren Ländern [1].

Lebensraum und Lebensweise

Ursprünglich war der Hausrötel ein Felsenbewohner, der im Gebirge an sonnenexponierte Felspartien, Blockschutthalden und mit Felsen durchsetzte alpinen Rasen brütete, sich vermutlich erst im 18. oder 19. Jahrhundert zum Kulturfolger wandelte und die Dörfer und Städte als Lebensraum für sich entdeckte. Er brütet auch heute noch in Höhenlagen bis 3'200 m, sein Verbreitungsschwerpunkt liegt aber unter 800 m [6].

Die Hausrotschwänze Mitteleuropas sind Kurzstreckenzieher, die mit den teilweise sesshaften Populationen West- und Südeuropas überwintern, zum Teil auch in Nordafrika. Der Herbstzug setzt im August ein und kulminiert im Oktober, im Frühjahr treffen die Vögel im März / April an ihren Brutplätzen ein. Sie ernähren sich hauptsächlich von Spinnentieren und Insekten, gelegentlich von anderen Wirbellosen und saisonal von Beeren und Früchten, u.a. Holunder, Weißdorn, Traubenkirschen, Brom- und Himbeeren, Johannis- und Heidelbeeren. Brutzeit ist von Anfang April bis Juli. Es kommt meist zu zwei Jahresbruten. Das Weibchen baut das Nest allein in einem Mauerloch oder einer Halbhöhle und brütet die 5 (4-7) weißen, ca. 20x15 mm großen Eier vom Vollgelege an während 13 Tagen alleine aus. Die Jungen verlassen das Nest mit zwei Wochen, wenn sie noch nicht voll flugfähig sind. Sie werden von beiden Eltern versorgt [4; 6; 7].

Gefährdung und Schutz

Der Hausrotschwanz hat ein riesiges Verbreitungsgebiet, eine stabile Population und einen großen, zunehmenden Gesamtbestand, der 2015 global - ausgehend von einer Schätzung des Europäischen Bestandes - auf 32 bis 58 Millionen erwachsene Individuen geschätzt wurde. Die Art gilt deshalb nicht als gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN) [1].

Der internationale Handel ist unter CITES nicht geregelt. Die Art fällt unter Anhang 2 der Berner Konvention über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume.

Situation in Mitteleuropa: Der Brutbestand liegt Deutschland bei 710'000-1.1 Millionen Brutpaaren, in der Schweiz bei 300-400'000, in Österreich bei 130-210'000, in Luxemburg bei 8-10'000 und in Liechtenstein bei 300-500 Paaren [1; 5].

Bedeutung für den Menschen

Die Art wird gebietsweise als Sport und zur Gewinnung von Fleisch gejagt oder für den lokalen / nationalen Heimtierhandel gefangen [1].

Haltung

Das Höchstalter in Menschenobhut wird mit 10 Jahren angegeben [3].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in weniger als 10 Zoos gezeigt, unter denen sich einzelne im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste. Abgesehen davon kommt die Art in vielen Zoos wildlebend vor.

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es keine konkreten Mindestanforderungen an Gehege für Schmätzer.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Hausrötel wurde 1774 vom Göttinger Professor Johann Friedrich GMELIN in der von ihm bearbeiteten 13. Auflage von LINNÉS "Systema Naturae" als "Motacilla Ochruros" anhand eines Exemplars aus dem Iran erstmals wissenschaftlich beschrieben. Die heute gültige Gattungsbezeichnung Phoenicurus wurde 1817 von dem englischen Naturforscher Thomas Ignatius Maria FORSTER eingeführt. Es werden 5 Unterarten anerkannt. Die europäische Unterart ist Ph. o. gibraltariensis [1].

Literatur und Internetquellen

  1. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2019). Phoenicurus ochruros (amended version of 2018 assessment). The IUCN Red List of Threatened Species 2019: e.T22710051A155610899. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2019-3.RLTS.T22710051A155610899.en und (2015). Phoenicurus ochruros. The IUCN Red List of Threatened Species 2015: e.T22710051A60204420. Downloaded on 12 January 2020.
  2. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A. et al. (eds., 1992-2013)
  3. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)
  4. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  5. KNAUS, P., MÜLLER, C., SATTLER, T., SCHMID, H. & STREBEL, N (2019)
  6. MAUMARY, L. et al. (2007)
  7. PFORR, M. & LIMBRUNNER, A. (1991)

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Gelesen 823 mal Letzte Änderung am Dienstag, 14 Januar 2020 10:11
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx