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HUMMEL, J. (2004)

Ernährung und Nahrungsaufnahmeverhalten des Okapis (Okapia johnstoni) in Zoologischen Gärten.

Dissertation

Universität zu Köln, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät, Zoologisches Institut
Drei verschiedene Zoos

Zusammenfassung:

Bei laubfressenden Wiederkäuern wie dem Okapi wird davon ausgegangen, dass aufgrund einer kürzeren mittleren Retentionszeit (MRT) des Futters im Pansen langsam verdauliches Futter schlechter als bei grasfressenden Arten verwertet werden kann. Im Zoo gehört das Okapi zu den Arten, die als relativ schwierig in der Haltung und Fütterung gelten. Bei der Ernährung der Tiere besteht Unklarheit, wie leichtverdaulich die Rationen sein sollen. Leichtverdauliche Rationen stellen zwar die Energieversorgung sicher, können aber mit negativen Begleiterscheinungen wie einem instabilen Pansenmilieu und kurzen Fresszeiten einhergehen. In der Arbeit wurde im Vergleich mit in Zoos üblichen Rationen überprüft, ob Rationen mit höheren Anteilen an Trockenschnitzeln (entzuckerte Rübenschnitzel, mit günstigen Fermentationseigenschaften) und mitteleuropäischem Laub für Okapis geeignet sind. Es wurde auch untersucht, wie die Fütterung bezüglich ihres Anteils an grobem Futter (Rauhfutter) und der Energieversorgung der Tiere einzuordnen ist. Eine weitere Fragestellung war, ob das Okapi bezüglich der MRT dem Bild eines typischen laubfressenden Wiederkäuers entspricht. An der Untersuchung waren 10 Okapis in 3 Zoos beteiligt. Futterumstellungen wurden mit 5 Tieren durchgeführt. Die Futteraufnahmemenge, die Nährstoffverdaulichkeit und die MRT (Marker: Co-EDTA und Chrom-gebeizte Fasern) wurden quantifiziert. Die Datenaufnahmen dauerten zwischen 8 und 12 Tagen. Bei 7 Tieren wurde auch die 24 h Fress- und Wiederkauaktivität erfasst. Die Futtermittel wurden in vitro (Hohenheimer Futterwerttest) auf ihre Fermentationscharakteristika hin untersucht. Die üblichen Rationen für Okapis setzten sich vor allem aus Luzerneheu, Zoomischfutter, Getreide, Grünmehl, Obst und Gemüse zusammen. Die Trockenmasseaufnahmen von nicht laktierenden/nicht trächtigen Tieren lagen bei 58 bis ca. 75 g/(kg LM0,75*d), die NDF-Gehalte der Rationen als Parameter für den Gehalt an Zellwandbestandteilen lagen zwischen 325 und ca. 420 g/kg T. Die Verdaulichkeit der organischen Substanz wurde auf 65 bis ca. 74 % bestimmt. Die Anteile von Rauhfutter in den gefressenen Rationen schwankten in einem Bereich zwischen ca. 30 und 59 %. Rationen mit Laub und Trockenschnitzeln sorgten für eine vergleichbare Energieversorgung der Tiere wie die Normalrationen. Laub wurde von den Tieren anderem Futter vorgezogen. Die Verdaulichkeit der Zellwandbestandteile (NDF) war in diesen Sammelperioden mit 54 bis 61 % hoch. Die in-vitro Fermentation/Gasbildung von Obst und Gemüse war im Zeitintervall 0-2 h sehr hoch, für Haferflocken wurde der höchste Wert zwischen 2 und 6 h und für Trockenschnitzel zwischen 6 und 24 h ermittelt. Dies weist auf eine etwas langsamere und ausgeglichenere Fermentation der Trockenschnitzel im Vergleich mit vielen anderen energiereichen Futtermitteln hin. Für die Aufnahme von Rauhfutter wurde eine 3,5 mal längere Fresszeit als für die gleiche Menge Kraft- und Saftfutter bestimmt (pro kg T). Bei zwei der untersuchten Tiere wurden orale Verhaltensstörungen beobachtet. Bei Rindern werden diese auch mit einer raufutterarmen bzw. kraftfutterreichen Ration in Verbindung gebracht. Mit einer Gleichung aus dem Nutztierbereich wurde unter Berücksichtigung der bei den Okapis bestimmten verdauten Nährstoffe die Aufnahme an Umsetzbarer Energie durch die Tiere auf ca. 600-800 kJ ME/(kg LM0,75*d) abgeschätzt. Ein Vergleich mit Bedarfswerten von Nutzwiederkäuern von 425-530 kJ ME/(kg LM0,75*d) ergibt keinen Hinweis darauf, dass die untersuchten Tiere energetisch unterversorgt waren. Für das Okapi ergeben sich eine MRTFlüssig von 36 h und eine MRTPartikel von 47 h. Die hieraus resultierenden Koeffizienten MRTPartikel/MRTFlüssig liegen im Mittel bei 1,3 (1,2-1,5) und damit niedriger als die für Rinder mit 2,0 bis 2,8. Die MRT´s der Okapis sprechen für einen weniger gut als bei grasfressenden Arten ausgeprägten Rückhaltemechanismus für Partikel im Pansen. Für die Rationsgestaltung ergeben sich folgende Empfehlungen: Trockenschnitzel können Getreide, Obst und Gemüse energetisch ersetzen und sollten deshalb angesichts ihrer vorteilhaften Fermentationseigenschaften in Zoorationen eingesetzt werden. Einheimisches Laub sollte aufgrund seiner Bevorzugung durch die Tiere und dem mit Laub verbundenen aufwendigen Fressverhalten in möglichst großen Mengen angeboten werden. Der Rauhfutteranteil der Ration sollte mindestens 50 % (bezogen auf die Trockenmasse) betragen, 60 % erscheinen unter vergleichbaren Umständen wie in der vorliegenden Studie ebenfalls problemlos möglich.

Abstract:

For ruminants with feeding preferences for either browse or grass, considerable differences in the anatomy and morphology of the digestive tract have been described. Corresponding differences in digestive physiology like a faster rate of passage of food through the digestive tract are hypothesised in browsing species like the okapi. The okapi is generally considered to be a rather difficult animal to keep in zoos. The problem may also include a suboptimal feeding of the animals in captivity. Generally, okapis in zoos can not be provided with large amounts of their natural food item, browse, but are often fed higher amounts of concentrates with potentially negative effects on rumen environment and behaviour of the animals. This study focused on aspects of energy nutrition of okapis. Diets including higher amounts of a potentially favourable concentrate (beet pulp) and of browse were compared to diets commonly fed to okapis. Diets were evaluated concerning their amount of roughage and the energy supplied to the animals. Besides that, the mean retention time (MRT) of food in the digestive tract was quantified to see whether the okapi fits the picture of a typical browsing ruminant in this important aspect of digestive physiology. The study included 10 animals (including 8 non-reproductive adults) in 3 different zoos. Feed intake and digestion were quantified while all animals were on regular zoo diets and while some were fed diets including higher amounts of beet pulp (2 zoos) and beet pulp + browse (1 zoo). MRT of food in the digestive tract was measured, too (Markers: Co-EDTA and Crmordanted fibres). Data collection periods lasted for 8-12 days. 24 h feeding and ruminating activity of 7 animals was recorded. Feeds were analysed for their nutrient contents and for their fermentation characteristics using an in vitro gas production system (“Hohenheimer Futterwerttest”). Routine diets included mainly alfalfa hay, dried forage meal, grain-based pelleted compounds, pure grains, and produce. Browse was preferred over all other feedstuffs. The measured dry matter intakes of the non lactating/non pregnant animals on these diets ranged between 58 and about 75 g/(kg BW0.75*d) and OM digestibility between 65 and 74 %. In several animals, roughage intake was < 50 % of DM-intake, while two of the study animals performed oral stereotypies. Feeding duration related to feed intake on a dry matter basis was 3.5 times longer for roughage than for concentrates. Diets including larger amounts of beet pulp resulted in no detectable changes in the energy supplied to the animals, while fibre digestibility was improved. In vitro gas production of fruits and vegetables was extremely high in the first 2 h of fermentation, while pure grains resulted in highest gas production in the interval of 2-6 h and beet pulp in the interval of 6-24 h. There were no obvious signs of scarce energy supply to zoo okapis estimated according to standard methods for domestic ruminants. The average MRT was 36 h for fluids and 47 h for particles, resulting in low coefficients MRTParticle/MRTFluid of 1.3 (1.2-1.5). The results should encourage zoos to include beet pulp in the diets of okapis, since it seems to be energetically equivalent to grains or produce while having favourable fermentation characteristics. The in vitro data also indicate a more constant fermentation in beet pulp compared to produce or rolled oats. Browse should be regarded as a premium feedstuff for okapis, since the animals preferred it over all other feedstuffs. In general, the lack of obvious signs of energy undersupply may encourage careful attempts to increase the amount of roughage like alfalfa hay or browse in the diet. This seems to be advisable to guarantee a rumen environment as stable as possible, and also from an ethological point of view. In domestic cattle, oral disturbances are often associated with low roughage intake. The low coefficient MRTParticle/MRTFluid is in correspondence with expectations for browsing ruminants, while for grazing cattle, values of 2.0-2.8 are given in literature.

 

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx