Fliegenschnäpper bis Drongos

Sommergoldhähnchen

Sommergoldhähnchen (Regulus igneicapillus) im Alpenzoo Innsbruck Sommergoldhähnchen (Regulus igneicapillus) im Alpenzoo Innsbruck
Alpenzoo

Ordnung: Sperlingsvögel (PASSERIFORMES)
Unterordnung: Singvögel (OSCINES)
Familie: Goldhähnchen (Regulidae)

D LC 650

Sommergoldhähnchen

Regulus ignicapillus • The Firecrest • Le roitelet à triple bandeau

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Sommergoldhähnchen (Regulus ignicapilla), wildlebend im Berggarten Hannover © Elias Neideck

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Sommergoldhähnchens (Regulus igneicapilla). Dunkelblau: Ganzjahrs- und Brutareale; gelb: nicht-brütend

 

 

 

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Sommergoldhähnchen (Regulus ignicapilla). Illustration aus NAUMANN, J. F. (1897-1905) Naturgeschichte der Vögel Mitteleuroas, Band II, Tafel 15

 

 

 

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Briefmarken mit Sommergoldhähnchen-Motiv (Regulus ignicapillus). Links: Belgien; rechts: Jersey

 

 

 

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Als kleinste Vögel Europas sind Sommer- und Wintergoldhähnchen, die beide nicht gefährdet sind, von zoopädagogischem Interesse. Beide Arten werden in Zoos nur ausnahmsweise gehalten und sind in dicht bepflanzten Volieren oft nur schwer zu sehen.

Körperbau und Körperfunktionen

Sommer- und Wintergoldhähnchen sind mit einer Gesamtlänge von 9 cm, einer Flügelspannweite von 13-16 cm und einem Gewicht von etwa 5 (4-7) Gramm die kleinsten Vögel Europas. Ihr Schnabel ist zart, die Nasenlöcher sind von Borstenfedern verdeckt. Das Gefieder ist dicht, auf der Körperoberseite gelbgrün. Die Flügel sind dunkler mit zwei weißen Binden, der Bauch ist hellgrau, der Scheitel leuchtend gelb-orange. Vom ähnlichen Wintergoldhähnchen unterscheidet sich das Sommergoldhähnchen durch einen auffallenden schwarzen Augenstreif und weißen Überaugenstreif [2; 4; 6; 7].

Verbreitung

Westliche Paläarktis: Von Nordwestafrika über Spanien, Süd- und Mitteleuropa bis in die Ukraine: Albanien, Andorra, Aserbeidschan, Belgien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Gibraltar, Griechenland, Großbritannien, Italien, Kosovo, Kroatien, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Malta, Montenegro, Niederlande, Nordmazedonien, Polen, Portugal, Russland, Schweden, Schweiz, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Türkei, Ukraine, Ungarn, Weißrussland. Außerhalb Europas: Marokko, Tunesien, Gastvögel in Ägypten, Libanon, Libyen [1; 5].

Lebensraum und Lebensweise

Während das Wintergoldhähnchen Nadelwälder bevorzugt, lebt das Sommergoldhähnchen überwiegend in Laub- und Mischwäldern. Es nutzt auch Parkanlagen, Friedhöfe und Gärten. Es ist weniger winterhart als sein Vetter. Sein Areal wird daher im Norden durch die Ostsee begrenzt. Die Sommergoldhähnchen Mitteleuropas sind Zugvögel, die im Winter in den Mittelmeerraum abwandern [6].

Sommergoldhähnchen ernähren sich von kleinen und kleinsten Insekten, Spinnen und Gehäuseschnecken. Sie bauen gut in den Ästen versteckte Hängenester. Die Brutzeit beginnt Ende April bis anfangs Mai. Es sind zwei Bruten pro Jahr möglich. Nur das Weibchen brütet. Ein Gelege besteht aus 7-12 fein gefleckten, rötlichen, ca. 13.5x10.5 mm großen Eiern, die vom letzten Ei an während 14-16 Tagen bebrütet werden. Die Jungen werden von beiden Eltern betreut und werden mit 19-20 Tagen flügge [2; 6; 7]

Gefährdung und Schutz

Das Sommergoldhähnchen hat sowohl ein großes Verbreitungsgebiet als auch eine große Gesamtpopulation. Die Bestände scheinen stabil zu sein. Es wird deshalb nicht als gefährdet beurteilt (Rote Liste: LEAST CONCERN).

Der internationale Handel ist nicht nach CITES geregelt. Die Art fällt unter Anhang 2 der Berner Konvention über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume.

Situation in Mitteleuropa: Deutschland beherbergt mit 1.05-1.8 Millionen Brutpaaren rund ein Viertel des europäischen Bestandes, in der Schweiz brüten etwa 250-400'000 Paare, in Österreich 120-200'000, in Luxemburg 12-15'000 und in Liechtenstein 400-600 [5; 6].

Bedeutung für den Menschen

Sommergoldhähnchen werden gebietsweise als Sport und für Sammlungszwecke gejagt [1].

Haltung

Das Höchstalter in menschlicher Obhut wird mit 10 Jahren angegeben [3].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird gegenwärtig (2020) in europäischen Zoos nicht gezeigt. Früher wurde sie u.a. im Alpenzoo gehalten und auch gezüchtet. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es keine konkreten Mindestanforderungen an Gehege für Goldhähnchen.

Taxonomie und Nomenklatur

Das Sommergoldhähnchen wurde 1820 von Coenraad Jacob TEMMINCK vom Naturhistorischen Museum in Leiden als "Sylvia ignicapilla" erstmals wissenschaftlich beschrieben, wurde also erst 62 Jahre nach dem Wintergoldhähnchen als eigene Art erkannt, was einigermaßen erstaunt, weil es sich doch um einen einheimischen und häufigen Vogel handelt. Später kam es in die 1800 von dem französischen Naturforscher und Direktor der Ménagerie von Paris, Georges-Frédéric CUVIER aufgestellte Gattung Regulus. Es werden vier Unterarten anerkannt. Die oft angetroffene Schreibweise ignicapillus ist nach den Nomenklaturregeln nicht korrekt [2].

Literatur und Internetquellen

  1. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2016). Regulus ignicapilla. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T22735002A87781502. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2016-3.RLTS.T22735002A87781502.en und (2015). Regulus ignicapilla. The IUCN Red List of Threatened Species 2015: e.T22735002A60312547. Downloaded on 14 January 2020.
  2. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A. et al. (eds., 1992-2013)
  3. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)
  4. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  5. KNAUS, P., MÜLLER, C., SATTLER, T., SCHMID, H. & STREBEL, N (2019)
  6. MAUMARY, L. et al. (2007)
  7. PFORR, M. & LIMBRUNNER, A. (1991)

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx