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Heuglin-Brillenvogel

Kilimandscharo-Bergbrillenvogel (Zosterops poliogastrus eurycricotus) im Zoo Frankfurt Kilimandscharo-Bergbrillenvogel (Zosterops poliogastrus eurycricotus) im Zoo Frankfurt
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Ordnung: Sperlingsvögel (PASSERIFORMES)
Unterordnung: Singvögel (OSCINES)
Familie: Brillenvögel (Zosteropidae)

D LC 650

Heuglin-Brillenvogel

Zosterops poliogastrus • The African Montane White-eye • Le zostérops de Heuglin

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Kilimandscharo-Bergbrillenvogel (Zosterops poliogastrus eurycricotus) im Zoo Basel © Zoo Basel

 

 

 

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Approximative Verbreitung von Brillenvögeln der Zosterops-poliogastrus-Gruppe. Dunkelblau: Zosterops p. poliogastrus; gelb: Z. p. kikuyensis; rot: Z. p. eurycricotus

 

 

 

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Brillenvögel sind eine artenreiche Gattung, durch ihre "Brille" unverwechselbarer, in den Tropen und Subtropen Afrikas und Asiens weit verbreiteter Vögel, von denen die meisten nicht gefährdet sind. Nur etwa ein halbes Dutzend Arten ist in europäischen Zoos zu sehen. Der Heuglin-Brillenvogel bzw. dessen Unterart vom Kilimandscharo ist die Form, die man am ehesten, wenn auch nicht sehr häufig, antrifft

Körperbau und Körperfunktionen

Die auch Bergbrillenvogel genannte Art erreicht eine Gesamtlänge von 11-12 cm und ein Gewicht von 9-14 g. Besonders auffällig ist der sehr breite, weiße Augenring. Die Körperoberseite ist grün, der Zügel schwarz, die Stirn je nach Unterart mehr oder weniger gelb. Kehle und Unterschwanzdecken sind gelb, die übrige Unterseite ist grau [4; 5].

Verbreitung

Ostafrikanisches Hochland: Äthiopien, Eritrea, Kenia, Südsudan, Tansania. Die Populationen in Tansania wurden in der neuen Checkliste als eigene Arten abgetrennt [1].

Lebensraum und Lebensweise

Der Heuglin-Brillenvogel besiedelt lockere Bergwälder, Waldränder, Baumbushaine und Baumbestande Gärten. Er kommt bis auf eine Höhe von 3'400 m.ü.M. vor. Während der Trockenzeit ernährt er sich hauptsächlich von Beeren, Früchten und Nektar, während der Regenzeit stehen kleine Insekten und Spinnen im Vordergrund. Am Nestbau und Brüten beteiligen sich beide Partner.  Das Gelege besteht aus 2-3 ca. 17-18x12 mm großen Eiern, die während ca. 11-12 Tagen ausgebrütet werden. Die Küken werden mit zwei Wochen flügge [4; 5].

Gefährdung und Schutz

Die Gesamtpopulation ist nicht bekannt, aber da dieser Vogel lokal häufig und weit verbreitet ist und zudem ein großes Verbreitungsgebiet hat, wird er nicht als gefährdet eingestuft (Rote Liste: LEAST CONCERN) [1].

Der internationale Handel ist unter CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Die Art befindet sich im internationalen Tierhandel[1].

Haltung

Außerhalb der Fortpflanzungsperiode sind Brillenvögel gegenüber anderen Arten friedlich und können z.B. mit Bülbüls oder Prachtfinken vergesellschaftet werden. Zur Brutzeit verhalten sie sich viele Brillenvögel territorial und greifen namentlich gelbgrünlich gefärbte Vögel an. Dies ist anscheinend beim Heuglin-Brillenvogel nicht der Fall [1; 4].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in gegen 20 Zoos gezeigt, von denen sich etwa die Hälfte im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland und der Schweiz gibt es keine konkreten Mindestanforderungen an Gehege für Brillenvögel.

Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2022) schreibt für ein Paar Brillenvögel einen Käfig mit den Mindestmaßen 180x80x100 cm (LxBxH) vor. Bei der Unterbringung von weiteren 2 Vögeln während der Brutzeit ist die Grundfläche um 25% zu erweitern. Außerhalb der Brutzeit ist eine Schwarmhaltung möglich.  Bei der Haltung in Außenvolieren muss ein Schutzraum mit einer Grundfläche von 1 m² vorhanden sein. Die Voliere ist dicht mit natürlicher Bepflanzung und weichem, saugfähigem Bodenuntergrund auszustatten. Die Mindesttemperatur darf in der Eingewöhnungsphase 20°C, später 15°C nicht unterschreiten. Zusätzlich sind punktförmige Wärmequellen mit Strahlungswärme, die bei Bedarf aufgesucht werden können, anzubieten.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Heuglin-Brillenvogel wurde 1861 von dem württembergischen Afrikaforscher und Ornithologen Theodor von HEUGLIN anhand eines Exemplars aus dem äthiopischen Hochland, unter seinem heute noch gültigen Namen erstmals wissenschaftlich beschrieben. Man trifft auch die Schreibweisen Z. poliogaster oder Z. poliogastra [3].

Das Handbuch der Vögel der Welt führt 72 Brillenvogel-Arten auf und Zosterops poliogastrus wird als Art mit 8 Unterarten dargestellt. Die neue Checkliste enthält 96 Arten, was u.a. dadurch zustande kam, dass die poliogastrus-Unterarten alle zu vollen Arten aufgewertet wurden. Vögel der Unterart bzw. neuen Art eurycricotus sind im Zoo oft irrtümlich als kikuyensis angeschrieben [3; 4].

Literatur und Internetquellen

  1. AG WEICHFRESSER E. V.
  2. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2016). Zosterops poliogastrus. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T103891168A95032406. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2016-3.RLTS.T103891168A95032406.en . Downloaded on 16 January 2020.
  3. DEL HOYO, J., COLLAR, N., CHRISTIE, D.A., ELLIOTT, A. & FISHPOOL L.D.C. (2014/16)
  4. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A. et al. (eds., 1992-2013)
  5. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx