Eigentliche Tauben

Rosataube

Rosataube (Nesoenas mayeri) bis 2013 im Zoo Basel Rosataube (Nesoenas mayeri) bis 2013 im Zoo Basel
Pressefoto Zoo Basel

Ordnung: Taubenvögel (COLUMBIFORMES)
Familie: Tauben (Columbidae)
Unterfamilie: Eigentliche Tauben (Columbinae)

D VU 650

EEPRosataube, Mauritiustaube

Nesoenas mayeri • The Pink Pigeon • Le pigeon rose

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Rosataube (Nesoenas mayeri) bis 2013 im Zoo Basel. Pressefoto Zoo Basel

 

 

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Vorkommen der Rosataube (Nesoenas mayeri)

 

 

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Rosataube (Nesoenas mayeri) im Zoologisch-Botanischen Garten Pilsen © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Rosataube (Nesoenas mayeri) im Zoo Rotterdam © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Rosataube (Nesoenas mayeri) im Zoo Prag © Wolfgang Dreier, Berlin

 

 

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Briefmarken mit Rosatauben-Motiv (Nesoenas mayeri), Mauritius

 

 

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Briefmarke mit Rosatauben-Motiv (Nesoenas mayeri), Mauritius

 

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In den 1970er Jahren stand die Mauritiustaube kurz vor dem Aussterben. Der Jersey Zoo begann daher, auf der Grundlage einiger importierter Vögel, eine ex situ-Population aufzubauen und engagierte sich auch im in situ-Schutz der Art. Dem Programm, an dem sich weitere Zoos beteiligen, war ein voller Erfolg beschieden, und heute gilt die Art nur noch als "gefährdet".

Körperbau und Körperfunktionen

Die Rosataube erreicht eine Gesamtlänge von etwa 40 cm und ein Gewicht von ca. 390-415 g, wobei die Täubinnen im Mittel etwas leichter sind als die Tauber. Damit ist sie etwas größer als unsere verwilderte Haustaube. Der Kopf ist weiß, Hals, Brust und Bauch sind zartrosa, Flügen und Rücken rötlich-braun, der recht lange Schwanz und der Bürzel kastanienbraun. Der Schnabel ist gelb, an der Basis rot, die Iris gelb, der Orbitalring und die Füße sind rot [3; 4, 8].

Verbreitung

Inseln im Indischen Ozean: Mauritius, heute nur noch im Black River Gorge-Nationalpark und in der vor der Ostküste von Mauritius liegenden Île aux Aigrettes [1].

Lebensraum und Lebensweise

Ursprünglicher Lebensraum waren Wälder vom Meeresspiegel bis auf eine Höhe von 800 m. Die Nahrung wird hauptsächlich in den Bäumen gesucht. Sie besteht aus Blüten, jungen Blättern und Früchten. Das Nest wird in 4-15 m Höhe im Geäst gebaut. Das Gelege besteht aus nur einem Ei, das während 13-15 Tagen ausgebrütet wird, das Küken wird mit 18-22 Tagen flügge [1; 3, 4; 8].

Gefährdung und Schutz

Die Rosataube hat eine sehr kleine Verbreitung. Sie war beinahe ausgestorben, erholt sich jetzt aber, wobei der Wildbestand 2017 auf erst 375-490 Vögel geschätzt wurde. Wegen des positiven Populationstrends und des guten Schutzes konnte die Art 2018 von "stark gefährdet" auf "gefährdet" zurückgestuft werden (Rote Liste: VULNERABLE) [1].

Der internationale Handel ist nach CITES Anhang III (Mauritius) geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Die Mauritiustaube wird bzw. wurde laut IUCN zur Fleischgewinnung bejagt [1], allerdings fressen die Tauben mit Vorliebe die giftigen Blätter und Früchte der Wolfsmilchart Euphorbia pyrifolia, welche das Fleisch ungenießbar macht und so die Art vor Verfolgung durch den Menschen schützt [8].

Von 1977-2018 genehmigte Mauritius nebst Wissenschaftsmaterial die Ausfuhr von 96 lebenden Exemplaren, die als Wildfänge deklariert waren, was aber wohl nicht stimmt. Im selben Zeitraum wurden weltweit bei der Ausfuhr 142 Nachzuchtvögel registriert. Wichtigste Ausfuhrländer waren Großbritannien (65), Mauritius (36) und Jersey (19) [2].

Haltung

Haltung in europäischen Zoos und Wiederansiedlung: Die Rosataube wurde 1906 für den Londoner Zoo erstmals nach Europa eingeführt. Der heutige Zoobestand geht auf einen Import des Jersey Wildlife Trust (JWT) im Jahr 1976 zurück, wo die Vögel ab 1977 erstmals in menschlicher Obhut zu brüten begannen. Parallel dazu initiierte der JWT auf Mauritius ein zweites ex-situ-Zuchtprogramm. Der ursprüngliche Wildbestand war schon damals sehr klein, und 1992 sank er wegen wildernder Katzen auf nur noch acht Vögel. 1987 waren erstmals versuchsweise 21 Tauben im Botanischen Garten von Pamplemousse freigelassen worden, wo allerdings die meisten gewildert wurden. Nur ein Paar überlebte mehrere Jahre. 1994 wurden wiederum 42 Tauben freigelassen, ein Teil davon auf der katzenfreien Ile aux Aigrettes. Im selben Jahr wurde am Standort der letzten ursprünglichen Population der Black River Gorges National Park gegründet. Bis 1999 stieg die Zahl der freigelassenen Tauben auf 287. Als Folge dieser Wiederansiedlungen, von Umsiedlungen und verstärktem Schutz und Management im Freiland stieg der Bestand kontinuierlich. 1999 wurden 330 Vögel an fünf verschiedenen Standorten gezählt. Im Jahr 2000 stufte die IUCN die Art von CRITICALLY ENDANGERED auf ENDANGERED zurück.

Am 01.01.2015 wurden im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) eine Reservepopulation von 40 (24.16) Rosatauben gehalten, die auf 17 Gründertiere zurückgingen und auf 10 verschiedene Zoos verteilt waren. Weitere 14 Zoos in Nordamerika beteiligten sich am EEP, der Gesamtbestand innerhalb des Programms belief sich auf 68 (36.32). Gegenwärtig 2019) gibt es in europäischen Zoos 11 Haltungen. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland und der Schweiz gibt es keine konkreten Mindestanforderungen an Gehege für Wildtauben. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs schreibt für die Haltung mittelgroßer Tauben eine Voliere mit einer Grundfläche von 3 m² und einer Höhe von 2 m vor.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Rosataube wurde 1843 von dem französischen Ornithologe Guillaume Florent PRÈVOST als "Columba mayeri" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Der heute gebräuchliche Gattungsname Nesoenas wurde 1893 von dem italienischen Arzt und Ornithologen Graf Tommaso SALVADORI Adlard eingeführt. Die tatsächliche taxonomische Stellung der monotypischen Art ist jedoch nicht ganz klar. Oft wird sie in die Gattung Columba und bisweilen in Streptopelia gestellt. Nach molekulargenetischen Untersuchungen ist sie eine Schwesterart der Madagaskartaube (Nesoenas picturata) [3; 6].

Literatur und Internetquellen

  1. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2018). Nesoenas mayeri. The IUCN Red List of Threatened Species 2018: e.T22690392A131665077. http://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2018-2.RLTS.T22690392A131665077.en . Downloaded on 29 August 2019.
  2. CITES TRADE DATA BASE
  3. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A.. & SARGATAL, J. (eds., 1997)
  4. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)
  5. JERSEY ZOO
  6. JOHNSON, K. P., DE KORT, S., DINWOODEY, K., MATEMAN, A. C., TEN CATE, C., LESSELLS, C., M. & CLAYTON D. H. (2001)
  7. MICHEL, C. (1992)
  8. RAETHEL, H.-S. (1980)
  9. SWINNERTON, K., JONES, C., LAM, R., PAUL, S., CHAPMAN, R., MURRAY, K.A. & FREEMAN, K. (2000)

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Gelesen 1505 mal Letzte Änderung am Freitag, 16 Oktober 2020 13:41
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx