Hopfe und Nashornvögel

Wiedehopf

Wiedehopf (Upupa epops epops) im Zoo Dresden Wiedehopf (Upupa epops epops) im Zoo Dresden
© Klaus Rudloff, Berlin

Ordnung: Rackenvögel (Coraciiformes)
Unterordnung Hopfe und Nashornvögel (Bucerotes)
Familie: Wiedehopfe (Upupidae)

D LC 650

Wiedehopf

Upupa epops • The Eurasian Hoopoe • L'huppe fasciée

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Wiedehopf (Upupa epops epops) im Natur- und Tierpark Goldau ©Tierpark Goldau (Pressefoto)

 

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Approximative (ganzjährige und saisonale) Verbreitung des Wiedehopfs (Upupa epops)

 

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Wiedehopf (Upupa epops) im Natur- und Tierpark Goldau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Wiedehopf (Upupa epops epops) im Zoo Dresden © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Wiedehopf (Upupa epops epops) im Natur- und Tierpark Goldau ©Tierpark Goldau (Pressefoto)

 

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Wiedehopf (Upupa epops) im Natur- und Tierpark Goldau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Wiedehopf (Upupa epops) im Alpenzoo Innsbruck © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Wiedehopf (Upupa epops) in der Wilhelma Stuttgart © Wilhelma (Pressefoto)

 

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Junge Wiedehopfe (Upupa epops) in der Wilhelma Stuttgart © Wilhelma (Pressefoto)

 

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Wiedehopfe (Upupa epops)im Alpenzoo Innsbruck © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Wiedehopf-Motiv auf Briefmarke, Bundesrepublik Deutschland, Sondermarke für die Jugend, 1963, 10+5 Pf.

 

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Wiedehopf-Motiv auf Briefmarke, DDR, 25 Pf.

 

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Der Wiedehopf ist eine der auffälligsten einheimischen Vogelarten. Als in Mitteleuropa stark bedrohte Art, wegen seiner Klima-Abhängigkeit und seiner kulturellen Bedeutung ist er für Zoos interessant. Gehalten wird er allerdings nur mit mittlerer Häufigkeit

Körperbau und Körperfunktionen

Mit seinem prächtigen Kopfschmuck, dem orangebräunlichen Gefieder und den breiten schwarzen und weißen Bändern auf Flügeln und Schwanz wirkt der Wiedehopf wie ein exotischer Vogel. Er erreicht eine Gesamtlänge von 26-32 cm und ein Gewicht von 47-89 g. Sein dünner, seitlich zusammengedrückter, gebogener Schnabel wird 5-6 cm lang. Die kräftigen Füße mit ihren kurzen, stumpfkralligen Zehen und meist auch die Schnabelbasis sind rot [2; 3; 4; 6].

Verbreitung

Der Wiedehopf brütet in wärmeren Gebieten in Europa und Asien, meidet aber die kälteren, nördlichen Regionen. In Afrika kommt er vor allem südlich der Sahara vor. Im Winter ziehen die meisten Wiedehopfe weiter in den Süden, nach Afrika oder Süd- und Südostasien. In etwa 124 Ländern ist der Wiedehopf Brutvogel, in weiteren tritt er als Durchzügler oder Gastvogel auf [1]

Lebensraum und Lebensweise

Der Wiedehopf besiedelt offene, auch vom Menschen modifizierte (Obstgärten, Weinberge) Landschaften, vorzugsweise in warmen, trockenen und sonnigen Lagen. Sein Lebensraum muss geeignete Nistgelegenheiten aufweisen, wie Baumhöhlen, Spechthöhlen, alte Mauern mit Spalten, Stein- und Holzhaufen. Gelegentlich brütet er auch an oder in Gebäuden. Obwohl, wie BREHM berichtet "an günstigen Orten ein Wiedehopfpaar dicht neben dem anderen wohnen kann, streiten sich die Nachbarn fortwährend. Es kommt zwar selten zu Thätlichkeiten zwischen ihnen; wohl aber jagen sie sich sehr ärgerlich hin und her und geberden sich so, daß ihr Unwille nicht zu verkennen ist." Der Wiedehopf ernährt sich von Maulwurfsgrillen, Engerlingen, Schmetterlingslarven, Spinnen, Schnecken, Regenwürmern und anderen bodenlebenden Wirbellosen und erbeutet gelegentlich auch Reptilien und Amphibien. Die Eiablage beginnt anfangs Mai, selten schon Mitte April. Die Gelege umfassen 7-8 (4-10) Eier, die vom Weibchen während 15-16 Tage ausgebrütet werden. Wird es während dieser Zeit von einem Fressfeind bedroht, stellt es sich tot und scheidet aus der Bürzeldrüse ein penetrant nach Verwesung riechendes Sekret aus. Deswegen wurde er früher mit Namen bedacht wie "Stink- oder Kothvogel, Stinkhahn, Kothkrämer". Die Nestlingszeit dauert 23-25(-28) Tage. Der Wiedehopf kann ein Stand- oder Zugvogel sein. Die Winterquartiere können bis 8'000 km vom Brutgebiet entfernt sein [2; 3; 4; 6].

Gefährdung und Schutz

Der Wiedehopf hat eine sehr weite Verbreitung und noch eine große Gesamtpopulation. Obwohl die Bestände in einigen Regionen zurückgehen, ist dieser Rückgang noch nicht so gravierend, als dass die Art global oder europaweit gesehen als gefährdet beurteilt werden müsste, wie im Rahmen einer Beurteilung im Jahr 2016 festgestellt wurde (Rote Liste: LEAST CONCERN) [1].

Der internationale Handel ist unter CITES nicht geregelt. Die Art fällt unter Anhang 2 der Berner Konvention über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume.

Situation in Mitteleuropa: Die Verbreitung des Wiedehopfs in Europa ist stark klimaabhängig. Während der warmen Klimaphase in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts war er in Mitteleuropa weit verbreitet und allgemein häufig. In Deutschland verschwand er bis 1920 aus weiten Teilen des Landes. Besonders ab 1950 brachen die Bestände allenthalben zusammen, was mit dem Verlust von Wiesen und Weiden an die intensive Landwirtschaft, der Rodung von nicht mehr ertragreichen Obstbäumen oder Feldgehölzen und der Abnahme der Großinsekten durch die Intensivierung der Landwirtschaft und den Einsatz chlorierter Kohlewasserstoffe zur Insektenbekämpfung zusammenhängen dürfte. In Belgien erfolgte die letzte Brut 1980, in Dänemark 1993, und in den Niederlanden 1995 [1; 6].

In Deutschland ist der Wiedehopf heute stark bedroht. Es gibt noch etwa 200 Brutpaare mit Schwerpunkt in Brandenburg (EURONATUR Zugvogel-Newsletter Nr. 2, April 2006). Auch In der Schweiz gilt die Art als stark bedroht. 2007 gab es etwa 185 Paare, davon  knapp die Hälfte im Wallis, wo dank gezielter Artenförderungsmaßnahmen der Bestand von knapp 20 im Jahr 2000 auf über 80 gestiegen war. Für 2013-2016 wird der Gesamtbestand in der Schweiz auf 180-260 Paare geschätzt [5]. Heute brüten über drei Viertel der verbleibenden europäischen Wiedehopfe in Spanien.

Bedeutung für den Menschen

Die Art wird gebietsweise zur Fleischgewinnung gejagt und befindet sich im internationalen Tierhandel [1].

Kulturelle Bedeutung: Der Sage nach wurde der Thrakerkönig und Sohn des Kriegsgotts Ares, Tereus, der seine Schwägerin Philomela vergewaltigt und ihr dann die Zunge herausgeschnitten hatte, vom Göttervater Zeus in einen Wiedehopf verwandelt [OVID: Metamophosen VI: 412–674]. In der 414 v. Chr erstmals aufgeführten Komödie "Die Vögel" (Ὄρνιθες) des ARISTOPHANES fällt dem Wiedehopf die Rolle des Königs der Vögel zu. Auch im Europa der Neuzeit ist er sehr populär: Er ist einer der Akteure des Volkslieds "Die Vogelhochzeit", welcher der Braut den Blumentopf bringt, kommt in zahlreichen Erzählungen vor und wird in Wappen und auf Briefmarken dargestellt.

Haltung

In Mitteleuropa sollten Wiedehopfe während des Winters in einem temperierten Innenraum gehalten werden, bzw. stets Zugang zu einem solchen haben. Mit anderen Vogelarten, wie Hühnervögeln, Tauben, Finken, Ammern etc., lassen sich Wiedehopfe problemlos vergesellschaften. Sie können unter Zoobedingungen ein Alter von über 11 Jahren erreichen. Die deutsche Erstzucht gelang vermutlich 1975 im Zoo Frankfurt [4].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 40 Zoos gezeigt, von denen sich etwa ein Drittel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland und der Schweiz gibt es keine konkreten Mindestanforderungen an Gehege für die Haltung von Wiedehopfen. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2020) schreibt für ein Paar eine Außenvoliere von 6 m² / 12 m³ mit einem Schutzraum von 3 m² / 6 m³ vor. Bei ständiger Innenhaltung ist die Voliere zumindest entsprechend den Mindestmaßen der Außenvoliere zu errichten.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Wiedehopf wurde 1758 von Carl von LINNÉ unter seinem heute noch gültigen Namen beschrieben. Die Familie der Wiedehopfe besteht aus nur einer monospezifischen Gattung. Von der einen Art wurden 9 Unterarten beschrieben, die früher zum Teil als eigene Arten angesehen wurden [3].

Soweit bekannt, gehören die in unseren Zoos gezeigten Vögel der Nominatform an.

Literatur und Internetquellen

  1. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2016). Upupa epops. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T22682655A86880168. http://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2016-3.RLTS.T22682655A86880168.en . Downloaded on 22 July 2019.
  2. BREHM, A. E. (1882-1887)
  3. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A. et al. (eds., 1992-2013)
  4. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)
  5. KNAUS, P., MÜLLER, C., SATTLER, T., SCHMID, H. & STREBEL, N (2019):
  6. MAUMARY, L. et al. (2007)

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx