Eisvögel, Bienenfresser und Racken

Blauscheitelmotmot

Blauscheitel-Motmot (Momotus momota) im Zoo Basel Blauscheitel-Motmot (Momotus momota) im Zoo Basel
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Ordnung: Rackenvögel (CORACIIFORMES)
Unterordnung: Eisvogelartige (ALCEDINI)
Familie: Sägeracken (Momotidae)

D LC 650

Blauscheitelmotmot

Momotus momota • The Blue-crowned Motmot • Le motmot houtouc

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Blauscheitel-Motmot (Momotus momota) im Zoo Basel © Zoo Basel

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Blauscheitelmotmots (Momotus momota)

 

 

 

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Blauscheitelmotmot (Momotus momota) im Zoo Barcelona © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Blauscheitelmotmot (Momotus momota) im Zoo Barcelona © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Blauscheitelmotmot (Momotus momota) im Zoo Barcelona © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Der selbst nicht gefährdete Blauscheitelmotmot ist wegen seiner auffälligen Färbung ein guter Botschafter für den Schutz der südamerikanischen Wälder und ihrer Bewohner. Da er in dieser Funktion in Konkurrenz zu vielen anderen Arten steht, etwa Psittaziden, wird er allerdings nicht häufig in europäischen Zoos gezeigt.

Körperbau und Körperfunktionen

Motmots unterscheiden sich von den altweltlichen Racken durch ihren am Rand sägeartig gekerbten Schnabel. Dieser ist leicht gebogen, ziemlich spitz, ohne Endhaken, seitlich zusammengedrückt und von steifen, aber nicht sehr lange Borstenfedern umgeben. Motmots ähneln Bienenfressern. Typisch sind für sie aber die spatelförmigen Fahnen der beiden mittleren Schwanzfedern. Der Blauscheitelmotmot erreicht eine Gesamtlänge von 38-43 cm und ein Gewicht von etwa 80-160 g. Seine Flügel- und Schwanzfedern sind blaugrün bis olivgrün. Scheitel und Augenstreif sind schwarz, dazwischen ist der Kopf hellblau [2; 3; 4].

Verbreitung

Süd- und Mittelamerika: Argentinien, Belize, Bolivien, Brasilien Costa Rica, Ekuador, El Salvador, Französisch Guiana, Guatemala, Honduras, Kolumbien, Mexiko; Nikaragua, Panama, Paraguay, Peru, Surinam, Trinidad und Tobago, Venezuela [1].

Lebensraum und Lebensweise

Blauscheitel-Motmots besiedeln unterschiedliche Waldtypen, Plantagen und Gärten. Sie sind hauptsächlich dämmerungsaktiv und jagen von Warten aus. Sie ernähren sich vorab von Insekten und vielen anderen Wirbellosen, nehmen aber auch Reptilien, Kleinsäuger, Kleinvögel und deren Nestlinge. Hinzu kommen Feigen und andere Früchte. Häufig folgen die Vögel Wanderameisen, um von diesen aufgescheuchte Kleintiere zu fangen. Wie die Lieste schlagen die Motmots ihre Beute - auch bereits tote - mehrfach gegen den Boden oder einen Ast [2; 3; 4].

Die Vögel graben 60-400 cm lange Bruthöhlen in steile Erdhänge an Flüssen, Straßenböschungen etc., seltener werden Baue anderer Tiere zur Brut genutzt. Die Gelege bestehen aus 3-5 weißen Eiern, die während 18-22 Tagen bebrütet werden. Die Nestlingszeit dauert 24-31 Tage [3; 4].

Gefährdung und Schutz

Der Blauscheitelmotmot hat eine sehr weite Verbreitung. Sein Gesamtbestand ist nicht bekannt und der Populationstrend ist abnehmend, allerdings nicht so stark, dass im Rahmen einer Beurteilung im Jahr 2016 von einer effektiven Gefahr ausgegangen  und die Art als nicht-gefährdet eingestuft wurde (Rote Liste: LEAST CONCERN) [1].

Der internationale Handel ist unter CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Die Art ist Gegenstand von Sagen der indianischen Bevölkerung und wurde schon in präkolumbianischer Zeit als Käfigvogel gehalten. Er befindet sich im internationalen Tierhandel [1; 3].

Haltung

Blauscheitelmotmots sind sehr frostempfindlich und frieren sich bei Kälte oft die Zehen ab. Es wird daher empfohlen, sie nur während der warmen Jahreszeit in Außenvolieren zu halten. Als Bruthilfe sollten Nistkästen am Boden angeboten werden, deren Eingang mit Erde verschlossen ist. Badegelegenheiten werden genutzt [4].

Die Welterstzucht gelang 1951 im Philadelphia Zoo, die europäische Erstzucht 1970 im Vogelpark Walsrode [4].

Haltung in europäischen Zoos: Der Blauscheitelmotmot wurde bereits 1877 im Londoner und 1884 im Berliner Zoo gehalten. Heute wird die Art in rund einem Dutzend Zoos gezeigt, von denen sich etwa ein Drittel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland und der Schweiz gibt es keine konkreten Mindestanforderungen an Gehege für die Haltung von Sägeracken. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs schreibt für Motmots eine Voliere mit einer Grundfläche von 6 m² x 2 m Höhe sowie einen Schutzraum von 3 m² Fläche x 2 m Höhe vor. Bei ständiger Haltung im Innenraum ist die Innenvoliere zumindest entsprechend den Mindestmaßen der Außenvoliere zu errichten.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Blauscheitelmotmot wurde 1766 von Carl von LINNÉ als "Ramphastos momota", also als eine Tukan-Art, erstmals wissenschaftlich beschrieben. Später wurde er in die 1760 von dem französischen Zoologen Mathurin Jacques BRISSON für den mexikanischen Braunscheitelmotmot aufgestellte Gattung Momotus umgeteilt. Gegenwärtig werden 20 Unterarten anerkannt [3].

Literatur und Internetquellen

  1. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2016). Momotus momota. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T61634607A95173087. http://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2016-3.RLTS.T61634607A95173087.en . Downloaded on 16 July 2019.
  2. BREHM, A. E. (1882-1887)
  3. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A. et al. (eds., 1992-2013)
  4. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)

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Gelesen 1918 mal Letzte Änderung am Freitag, 19 Juli 2019 14:23
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx